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Veröffentlicht am 08.12.2016

Mafia meets Mystik

Der fremde Bretone
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Die Geschichte:
Vier Ukrainer machen sich auf den Weg in ein besseres Leben, so hoffen sie zumindest anfangs. Doch schon auf der Fahrt nach Europa gibt es einen tragischen Zwischenfall mit den Schleusern, ...

Die Geschichte:
Vier Ukrainer machen sich auf den Weg in ein besseres Leben, so hoffen sie zumindest anfangs. Doch schon auf der Fahrt nach Europa gibt es einen tragischen Zwischenfall mit den Schleusern, der mit einem gestohlenen LKW und einer Leiche endet. Den vier Flüchtlingen ist klar, dass sie sich nun gut verstecken müssen, denn die rumänische Mafia ist ihnen auf den Fersen.
Marko entscheidet sich für eine kleine bretonische Insel, auf der er Arbeit als Fischer findet – und das, obwohl er seekrank ist. Doch nicht nur dieser offensichtliche Umstand macht ihn sofort zum Objekt von Hass und Spott: die Einwohner misstrauen dem Fremden und verstehen auch nicht, warum keiner der ihren den Job bekommen hat.
Keine guten Voraussetzungen für Marko, vor allem, als auch noch ein Mann brutal ermordet wird …

Meine Meinung:
Erst einmal möchte ich den lebendigen Schreibstil von Emmanuel Grand loben, der sich flüssig und sehr atmosphärisch liest. Schon nach wenigen Seiten hatte mich die Story gepackt und gefesselt.
Das ist nicht nur den gut ausgearbeiteten Charakteren geschuldet, sondern auch dem actionreichen Einstieg. Es treten gleich allerhand zwielichtige Gestalten auf, die nicht gerade zimperlich sind, aber das ist auch kein Wunder, wenn man es mit der Mafia zu tun bekommt. Diese Szenen wirkten stellenweise wie aus einem Tarantino-Film – so unnötig blutig und brutal, dass es schon wieder gut ist.
Als Marko, den ich als Protagonisten sehr gern mochte, dann schließlich auf seiner kleinen Insel ankommt, geht die Geschichte weniger actionreich weiter. Es überwiegen plötzlich Schilderungen über Glauben, Aberglauben, Hexen und den Satan. Hier flachte für mich das Buch leider kurzzeitig etwas ab, denn das wurde mir etwas zu viel in der Ausführlichkeit. Ich habe mir an diesen Stellen endlich wieder einen Schwenk zum zweiten Handlungsstrang gewünscht, in dem wir den Mafiakiller auf seinem blutigen Weg begleiten dürfen.
Trotzdem konnte mich das Ende wieder überzeugen, wenngleich es etwas unrealistisch rüberkam. Einige humorvolle Stellen finden sich übrigens auch in der Geschichte, wenn auch ziemlich schwarzer Art.
Das Gesamtpaket hat mich auf jeden Fall prima unterhalten und für einen ersten Roman ist das Buch echt toll gelungen!

Fazit:
Ein sehr unterhaltsames Buch mit vielen actionreichen Szenen, aber auch mit viel Aberglauben und fast mystischen Elementen … absolut gelungenes Debüt!

Bewertung:
4,5 Sterne

Veröffentlicht am 30.11.2016

Ziemlich realistisch ...

ZERO - Sie wissen, was du tust
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Die Geschichte:
Aus unserer global vernetzten Welt ist die moderne (Kommunikations-)Technik nicht mehr wegzudenken. Doch welche Gefahren birgt diese ständige Überwachung durch Kameras, Internet und alle ...

Die Geschichte:
Aus unserer global vernetzten Welt ist die moderne (Kommunikations-)Technik nicht mehr wegzudenken. Doch welche Gefahren birgt diese ständige Überwachung durch Kameras, Internet und alle möglichen Datengeräte, wie beispielsweise Cyberbrillen?
Die Journalistin Cynthia Bonsant erlebt die negativen Auswirkungen dieser Entwicklung am eigenen Leib. Durch den Tod eines Bekannten wird sie auf die Internetplattform “Freemee” aufmerksam, die ihren Nutzern unter anderem durch sogenannte “ActApps” mehr Erfolg, ein besseres Leben und durch die Sammlung und den Verkauf eigener Daten sogar noch einen Zusatzverdienst verspricht. Selbst Cyns eigene Tochter Viola nutzt diese Apps und hat sich in den letzten Monaten sehr verändert.
Der Internetaktivist ZERO wird indes nicht müde, mittels aufrüttelnder Videos und anderer Maßnahmen auf die Gefahren von “Freemee” und ähnlichen Datensammlern aufmerksam zu machen. Als auch Cyn genauer recherchiert und auf erschreckende Dinge stößt, wird sie – genau wie Zero – zur Gesuchten. Und sie stellt schnell fest, dass man sich heutzutage kaum noch irgendwo verstecken kann: die Jagd ist eröffnet und es geht um Leben oder Tod …

Meine Meinung:
Wieder einmal nimmt uns Marc Elsberg mit in eine Welt, die durchaus im Bereich des Möglichen liegt und im Fall von “Zero” gar nicht mal mehr so weit in der Zukunft. Eigentlich ist sogar heute schon alles real, bis auf wenige Ausnahmen, wie eine internationale Rankingseite für alle Menschen. Die “ActApps” sind in Zeiten von Fitnessarmbändern und entsprechenden Apps eigentlich bereits teilweise in unser tägliches Leben eingezogen.

Abgesehen von dem nicht wirklich futuristischen, dafür umso realistischeren Szenario dreht sich in dem Buch fast alles um Cynthia Bonsant, mit der ich mich aber nicht so recht anfreunden konnte. Warum das so war, kann ich gar nicht wirklich sagen. Es gab irgendwie überhaupt keinen richtigen Sympathieträger in der Story, was ich etwas schade fand.
Cyn sorgt sich sehr um ihre Tochter und legt dabei viel Misstrauen an den Tag, was angesichts ihrer späteren Lage wohl absolut berechtigt ist. Trotzdem fand ich ihr Handeln manchmal komisch.

Stellenweise zieht sich die Geschichte durch gefühlte Wiederholungen und manche Sprüche konnte ich irgendwann nicht mehr hören. Trotzdem liest sich das Buch noch recht gut und insgesamt interessant. Kleine Überraschungen und zwei actionreiche Verfolgungsjagden bringen etwas Auflockerung.

Fazit:
Nicht so gut wie “Blackout”, aber durch die recht realistische Szenerie interessant und unterhaltsam.

Bewertung:
3,5 Sterne

Veröffentlicht am 29.11.2016

Einfach toll!

Zorn - Wie du mir
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Der inzwischen schon sechste Teil der Zorn-Reihe hat mir wieder super gefallen.
Wer die Vorgänger nicht kennt, dem würde ich unbedingt dazu raten, diese erst zu lesen, denn sonst könnte man vielleicht ...

Der inzwischen schon sechste Teil der Zorn-Reihe hat mir wieder super gefallen.
Wer die Vorgänger nicht kennt, dem würde ich unbedingt dazu raten, diese erst zu lesen, denn sonst könnte man vielleicht enttäuscht werden, denn das Privatleben von Zorn nimmt schon einen Großteil der Story ein. Und es wird oft richtig emotional und fast schon zu harmonisch für einen typischen "Zorn". :)
Außerdem werden die Charaktere nicht mehr großartig vorgestellt, so dass ein wenig Hintergrundwissen auf jeden Fall von Vorteil ist.

Der Kriminalfall ist verzwickt, super durchdacht und leider wird es diesmal sehr persönlich für den mürrischen Kommissar.
So fügt sich diesmal alles sehr gut zusammen, denn auch nebenbei dreht sich alles um Zorn und sein Familienleben bzw. um seinen Sohn. Wundervolle Szenen mit Zorn, Schröder und dem Kleinen haben mich absolut begeistert, manchmal wird es schon fast zu schön. Das übliche Gestänkere zwischen den Kollegen lockert aber alles wieder auf.

Das Buch bietet also alles, was man sich als Fan der Reihe nur wünschen kann: Spannung, Überraschungen, Emotionen und ein stimmiges Ende. Freu mich schon auf den nächsten Teil!

Veröffentlicht am 23.11.2016

Aufmunternd ...

Die Tänzerin von Auschwitz
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Die Geschichte:
Paul Glaser wächst als Katholik in Maastricht auf und erst später in seinem Leben beginnt er, sich über seine Familiengeschichte Gedanken zu machen: er hat jüdische Wurzeln, über die sein ...

Die Geschichte:
Paul Glaser wächst als Katholik in Maastricht auf und erst später in seinem Leben beginnt er, sich über seine Familiengeschichte Gedanken zu machen: er hat jüdische Wurzeln, über die sein Vater allerdings beharrlich schweigt.
Durch Kontakte mit anderen Verwandten gelingt es ihm schließlich, vieles aus der Vergangenheit zu rekonstruieren und den Verbleib einiger Angehöriger während des Zweiten Weltkriegs zu klären.
Die herausragendste Persönlichkeit ist dabei seine Tante Roosje, eine Frau mit unheimlich viel Mut, Tatkraft, Optimismus und einer bewegenden Geschichte …

Meine Meinung:
Vor solchen Büchern habe ich immer sehr viel Respekt, denn man erlebt als Leser emotional meist recht hautnah, aber doch aus sicherer Entfernung die echte Geschichte eines realen Menschen.
In “Die Tänzerin von Auschwitz” erzählt uns Paul Glaser nicht nur aus seinem eigenen Leben, sondern vor allem hat er aus Gesprächen mit Zeitzeugen, alten Briefen und anderen Dokumenten ein Porträt seiner Tante Roosje geschaffen, das tief bewegt. Er hat sie sogar noch einmal selbst kennenlernen dürfen, aber leider blieb es bei einem kurzen Besuch.

Roosje wurde 1914 in den Niederlanden geboren und wuchs nicht nur dort, sondern auch einige Jahre in Deutschland auf. Ihr Vater war ein erfolgreicher Unternehmer, Roosje selbst gründete später mit ihrem Partner eine beliebte Tanzschule.
Musik, Poesie und vor allem Tanz waren Rosies Leben, sie hat – egal in welcher schlimmen Situation auch immer sie sich befand – Gedichte verfasst, Lieder komponiert, Choreografien kreiert und ihre eigene Geschichte zu Papier gebracht.

Dass von allen im Zweiten Weltkrieg besetzten Ländern in den Niederlanden der prozentual höchste Anteil der jüdischen Bevölkerung getötet wurde, war mir neu. Erschreckende 72 Prozent (die Dunkelziffer liegt noch höher), die wohl auch aufgrund tatkräftiger Mithilfe eifriger Bürger durch Verrat an ihren jüdischen Nachbarn, Kollegen, ja sogar Partnern begünstigt wurden.
Rosie konnte da gut mitfühlen, denn auch sie wurde mehrfach verraten. Sie war von ihrem Land, der Königsfamilie und den Behörden zutiefst enttäuscht, denn sie hatte nie den Eindruck, dass von dieser Seite große Hilfe zu erwarten gewesen wäre, eher im Gegenteil. Sogar nach dem Krieg wurden ihr nur Steine in den Weg gelegt, von Wiedergutmachung keine Spur. Umso besser war ihre Entscheidung, nach Schweden auszuwandern.

Das Eindrucksvolle an Rosie ist wirklich, dass sie sich immer an die unterschiedlichsten Situationen in ihrem Leben angepasst hat, wie ein Chamäleon, das immer die Farbe seiner Umgebung annimmt, um sich zu tarnen und dadurch zu überleben. Und Rosie hat vieles überlebt: grausame medizinische Versuche im Konzentrationslager, die Arbeit in der Gaskammer und in verschiedenen Rüstungsbetrieben, Hunger, Krankheiten, unsagbares Leid und den Tod zahlreicher liebgewonnener Freunde und Familienangehöriger.
Rosie lehrt uns, das Leben zu lieben und immer das Beste draus zu machen. Und vor allem zeigt sie uns, dass – nicht nur im Krieg – hinter der Fassade eines Feindes ein echter Freund stecken kann … und leider auch umgekehrt. Man sollte ohne Vorurteile an die Menschen herangehen, denn oft liegt man mit dem ersten Eindruck doch falsch.
Und sie hat sich auch niemals gescheut, alle Chancen, die sich ihr geboten haben, zu ergreifen. Manchmal muss man die Rücksichtnahme und Zurückhaltung eben vergessen, wenn es ums eigene Überleben geht.

Das Buch habe ich in einem Rutsch gelesen, denn es hat mich sehr gefesselt und bewegt. Ganz toll sind auch die vielen Fotos im Mittelteil, die ein lebendiges Bild von Rosie und einigen anderen Personen ermöglichen.

Fazit:
Ein aufmunterndes Zeitzeugnis, das uns zeigt, dass man nie aufgeben sollte im Leben.

Veröffentlicht am 20.11.2016

Anfangs etwas verwirrend ...

Todesmahnung
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Die Geschichte:
Staatsanwalt Hans Vadlund wird von Kriminellen erpresst: sie schicken ihm als Warnung den Ringfinger seiner Frau als Geschenk zum 50. Geburtstag. Er stellt daraufhin tatsächlich die Ermittlungen ...

Die Geschichte:
Staatsanwalt Hans Vadlund wird von Kriminellen erpresst: sie schicken ihm als Warnung den Ringfinger seiner Frau als Geschenk zum 50. Geburtstag. Er stellt daraufhin tatsächlich die Ermittlungen gegen zwei Brüder ein, die nicht nur im Drogenhandel sehr aktiv sind.
Die Gerichtsmedizinerin Ella Andersson gerät einige Zeit später ebenfalls ins Visier der verbrecherischen Erpresser, denn sie soll ein Gutachten erstellen, das mit Sicherheit wieder für neue Ermittlungen sorgen würde. Sie lässt sich allerdings keine Angst einjagen und stellt sich den übermächtigen Gegnern, mit schlimmen Folgen für sie und ihre Kollegen …

Meine Meinung:
Den ersten Teil der Reihe fand ich ja wirklich grandios, umso mehr habe ich mich auf die Fortsetzung gefreut. Da oft auf die Ereignisse in Band 1 Bezug genommen wird, habe ich mir bald gedacht, ich hätte beide Bücher besser direkt nacheinander lesen müssen, denn durch die lange Pause musste ich mich erst wieder an alle Personen und Umstände erinnern. Das allein wäre nicht so tragisch gewesen, aber die Story ist etwas kompliziert am Anfang.
Alles beginnt im März 2012 und immer wieder sind einige Kapitel mit einer rückläufigen Anzahl von Tagen versehen, also quasi ein Countdown, der bei 157 Tagen beginnt. Zwischendurch gibt es aber auch hier Zeitsprünge, die mich zusätzlich verwirrten. Irgendwann wird klar, dass wir mit dem Tag begonnen haben, an dem der Countdown endete, also sind alle Kapitel dazwischen Rückblicke in die Vergangenheit.
Man muss also auch als geübter Thrillerleser konzentriert sein, um keinen Hinweis zu verpassen.
Dann kommt ein großer Knall und ich war mir sicher, dass sich das Ganze am Ende irgendwie aufklären wird, denn ich wollte es einfach nicht glauben, was ich da lesen musste.
Ella rückt in den Hintergrund und andere Personen spielen die Hauptrollen: ihr Freund Mikael, die Kommissarin Anna-Lisa Win und ihre Kollegen und natürlich das Personal der Gerichtsmedizin mit Simon, Ingrid und vielen anderen.
Es gibt viele sympathische Figuren in dieser Geschichte und sie wirken auch allesamt sehr lebensnah.

Während Elias Palm in seinem ersten Buch den Fokus noch mehr auf die alltägliche Arbeit einer Gerichtsmedizinerin (auch sein eigener Hauptberuf) gelenkt hat, greift er im zweiten Teil tief in die Thrillertrickkiste: Erpresser, die vor blutiger Folter nicht zurückschrecken, Mafiamorde mit abgetrennten Köpfen, eine Wasserleiche, Menschen auf der Flucht, ausgefeilte Tötungsmethoden, die man nicht nachweisen kann und vieles mehr.
So richtig unglaubwürdig fand ich aber trotzdem erst die Schlussszene, in der ein Opfer mit u. a. gebrochenem linken Arm und rechtem Finger ohne Ausdruck von Schmerzen große Taten vollbringt. Aber vielleicht lag das am Adrenalinausstoß? :)
Überhaupt hat mir das Ende nicht so wirklich gut gefallen, obwohl es für uns deutsche Leser vielleicht besser so ist: ob der dritte Teil aus dem Jahr 2013 noch übersetzt wird, scheint mir nämlich leider fraglich. So gesehen passt der Schluss ganz gut, obwohl leider noch viele Fragen in Ellas Privatleben unbeantwortet bleiben.

Fazit:
Hat mir nicht ganz so gut gefallen wie Teil 1, ist aber trotzdem sehr spannend, fesselnd, komplex und prima durchdacht mit vielen Überraschungen.