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Veröffentlicht am 05.01.2021

Spannung pur mit Tiefgang

CO2 - Welt ohne Morgen
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Der Klimawandel: DAS Thema unserer Generation, doch trotz aller vermeintlichen Anstrengung scheint dieser gnadenlos voranzuschreiten. Für viele Jugendliche ist dafür klar die Politik verantwortlich, die ...

Der Klimawandel: DAS Thema unserer Generation, doch trotz aller vermeintlichen Anstrengung scheint dieser gnadenlos voranzuschreiten. Für viele Jugendliche ist dafür klar die Politik verantwortlich, die viel zu langsam viel zu wenig entscheidet oder gar erreicht.



Auf dem Klima-Camp „Life for Tomorrow“ am Great Barrier Reef in Australien ist eine handverlesene Gruppe jugendlicher Klimaaktivisten aus der ganzen Welt versammelt. Doch nachdem die Jugendlichen bei einem Ausflug entführt werden, läuft das Camp ganz anders als erwartet. Die „Tomorrow Kids“ werden eins nach dem anderen als Druckmittel gegen die Politik eingesetzt und so fiebert die ganze Welt Woche für Woche mit, wenn die Entführer die Politiker vor die Wahl stellen: Klimaschutz-Maßnahmen oder ein Kind wird live vor der Kamera umgebracht. Die Forderungen der Entführer sind dabei genau so gnadenlos wie die Taten, die sie ihren Drohungen folgen lassen.

Marc, der Onkel einer entführten Teenagerin und ehemaliger Kriegsjournalist, macht es sich – neben den ohnehin bereits laufenden Ermittlungen des FBI und anderer internationaler Einsatzkommandos – kurzerhand selbst zur Aufgabe, seine Nichte und die Entführer aufzuspüren. Diese Suche bringt so einiges mehr zum Vorschein als ursprünglich gedacht und dennoch tappt die Welt 30 Jahre danach noch immer im Dunkeln.



Der Thriller kommt direkt im Prolog auf den Punkt der grundlegenden Thematik: Klimaschutz fordert Opfer. Doch dabei denkt wohl kaum einer an den skrupellosen Mord von Kindern. Tom Roth nimmt uns mit seinem Thriller jedoch sehr gut mit auf diese Gratwanderung, die Welt mit allen Mitteln retten zu wollen.

Erzählt wird aus ganz unterschiedlichen Perspektiven und sogar Zeitachsen, was dem Thriller eine ganz besondere Tiefe verleiht. Besonders die vorgegriffenen Textabschnitte aus dem Jahr 2040 liefern stets neue Erkenntnisse, während die Ermittlung im Jetzt weiterhin spannend bleibt und nie zu viel vorgegriffen wird. Die Charaktere aus dem Camp, den Familien, der Politik und den Ermittlern sind sehr individuell und authentisch beschrieben, was ebenso zu einer sehr real wirkenden Story beiträgt. Ganz deutlich wurde das für mich anhand des Entführers Nicolas, der neben seiner kalten Art auch oft als sehr zerbrechlich und unsicher dargestellt wird. Weitere Authentizität erlangt Tom Roth dadurch, dass Corona am Rande von Gesprächen ganz unscheinbar erwähnt wird.

In der zweiten Buchhälfte wird dem Leser klar, dass die Politik niemals den Forderungen der Entführer gerecht werden kann, dass Marc einiges zu verbergen hat und dass die internationalen Ermittlungen die Entführer einfach nicht aufspüren können. Und dann aus dem nichts stirbt noch ein Kind. Diese Wendungen verleihen dem Buch Spannung ohne Ende, von der ersten Seite bis zum Schluss.

Erwähnenswert finde ich darüber hinaus auch die vielseitig eingeflochtenen wissenschaftlichen Fakten, denen nicht selten ein Google-Abstecher folgte, um diese weiter zu recherchieren.

Die Story hinter der Entführung ist sehr ausgeklügelt und wird dem Leser wirklich erst ganz zum Schluss offenbart. Doch leider endete das Buch für mich dadurch mit einem Dämpfer, denn die Auflösung wirkt auf mich etwas banal und unrealistisch, was ich sehr schade finde, da bis dahin alles schlüssig und authentisch war. Ohne diese sich anbahnende „Überraschung“ am Ende wäre der Thriller aus meiner Sicht perfekt, doch auch so kann ich ihn nur empfehlen!

Für Klimaaktivisten. Für Nicht-Klimaaktivisten. Für jeden.

#fightforyourplanet

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