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blauer_Regen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.05.2020

Arno Bussis 2. Fall

Die Toten vom Lärchensee
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"Die Toten vom Lärchensee" ist ein Roman des Autoren Joe Fischer aus der Reihe um den Ermittler Arno Bussi, umfasst 320 Seiten und erscheint im Frühjahr 2020 im KiWi-Taschenbuch Verlag.
Der Krimi verschlägt ...

"Die Toten vom Lärchensee" ist ein Roman des Autoren Joe Fischer aus der Reihe um den Ermittler Arno Bussi, umfasst 320 Seiten und erscheint im Frühjahr 2020 im KiWi-Taschenbuch Verlag.
Der Krimi verschlägt den Ermittler Arno Bussi zurück ins schöne Tirol. Dorhin wurde er von seinem Chef abkommandiert, um einen 5 Jahre zurückliegenden Mord aufzuklären. Dankbar seinem Schreibtischjob für kurze Zeit zu entkommen, macht sich Arno auf den Weg. Dort angekommen, wird er von dem kauzigen Polizisten Bernhardt samt tierischer Begleitung abgeholt, der ihm als Einheimischer bei den Morduntersuchungen helfen soll. Doch der Kollege erweist sich nicht gerade kooperativ. Mühsam sucht Arno die losen Enden des Falls zusammen, was die Ermittlungen aber nicht wesentlich vorwärts bringt. Bis ein weiterer Mord das Städtchen erschüttert und die zwei ungleichen Polizisten in völlig neue Richtungen denken müssen.
Joe Fischer hat mit Arno Bussi einen wirklich liebenswert schrulligen Ermittler geschaffen - der Name ist Programm! Mitte Dreißig ist seine Karriere arg ins Stocken gerade und er steht beruflich auf dem Abstellgleis. Die passende Frau fürs Leben ist noch nicht gefunden, was ihn in glücklose Liebeleien treibt und nun muss er auch noch sein geliebtes Wien verlassen, um in Tirol auf Mörderjagd zu gehen. Dies behagt ihm gar nicht, er möchte eigentlich nur schnell wieder dort weg.
Dem Autor ist mit diesem Krimi ein unterhaltsames Buch gelungen. Ich würde es in die gleiche Sparte wie die Anwalt Fickel Romane von Hans-Henner Hess packen, da überwiegend die Hauptfigur wirklich zur Unterhaltung beiträgt. Große Peaks gibt es im Plot nicht, zugegeben, aber für laue Sommerabende auf dem Balkon ist dieses Buch der ideale Begleiter. Daher gibt es von mir gerne eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 23.03.2020

Zeitgeschichte hautnah

Die Bagage
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"Die Bagage" ist ein Roman der Autorin Monika Helfer, umfasst 159 Seiten und erscheint im Frühjahr 2020 im Carl Hanser Verlag.

Der Roman erzählt die Lebensgeschichte von Grete Moosbrugger, der Mutter ...

"Die Bagage" ist ein Roman der Autorin Monika Helfer, umfasst 159 Seiten und erscheint im Frühjahr 2020 im Carl Hanser Verlag.

Der Roman erzählt die Lebensgeschichte von Grete Moosbrugger, der Mutter der Autorin. Wir bewegen uns also im autofiktionalen Bereich. Begonnen wird die Lebenslinie zum Beginn des 1. Weltkrieges. Die Autorin nimmt uns mit in die Berge der Alpen, führt uns ein in das karge beschwerliche Leben der Alpendörfer und in die schier ausweglose Situation derer, die am Rande dieser Gemeinschaften ihr Dasein fristen ... so wie die Familie Moosbrugger. Josef und Maria haben sich mit ihren Kindern hier ein kleines Auskommen geschaffen, als der Vater an die Front einberufen wird und Marias Kampf als Alleinerziehende beginnt. Schonungslos beschreibt Helfer die Situation der jungen Mutter, gefangen zwischen Ablehnung und Abhängigkeit. Als dann die kleine Grete geboren wird und Josef seine Vaterschaft in Zweifel zieht, beginnt für das kleine Mädchen die harte Schule des Lebens: durch den Vater abgelehnt, von der Mutter umso mehr geliebt, von der Dorfgemeinschaft verspottet. Wie kann ein Mensch damit leben? Was macht das mit ihm? Und was bedeutet eine solche Erfahrung für zukünftige Generationen der Familie?
Helfer beantwortet diese Fragen, indem sie die Familiengeschichte bis zur Gegenwart offenlegt. Mit ihrer eindringlichen Sprache, mal sehr reduziert, mal pointiert, macht sie diesen kleinen Roman für mich zu einem ganz besonderen Werk. Daher gibt es für diesen Gesellschaftsroman eine klare Leseempfehlung für alle, die sich von Familiengeschichten unterhalten fühlen und die gerne Einblicke bekommen in das Leben längst vergangener Zeiten.

Veröffentlicht am 02.01.2020

Das Ende einer Saga?

Der Lehrmeister
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"Der Lehrmeister" ist ein Roman des Autoren Oliver Pötzsch, umfasst 800 Seiten und erscheint im Herbst 2019 im List Verlag.

Der Roman erzählt den 2. Teil einer Saga um den berühmten Magier Jahann Georg ...

"Der Lehrmeister" ist ein Roman des Autoren Oliver Pötzsch, umfasst 800 Seiten und erscheint im Herbst 2019 im List Verlag.

Der Roman erzählt den 2. Teil einer Saga um den berühmten Magier Jahann Georg Faustus. Anfang des 16. Jahrhunderts ist dieser mit seinem Gefährten Karl Wagner und der Gauklerin Greta in Deutschland unterwegs. Sein wachsender Ruhm ruft nicht nur Grafen und Bischöfe auf den Plan, sondern auch sein alter Feind Tonio heftet sich wieder an seine Versen. Es folgt eine Flucht quer durch Europa, oft fehlgeleitet durch weitere Widersacher. Und so beschließt Faustus sich seinem Feind zu stellen. Doch so einfach soll dieser Plan nicht gelingen. Auch Wagner und Greta werden in die Intrigen involviert, bis es schließlich zu einem Zerwürfnis kommt. Getrennt voneinander gehen sie von da an unterschiedliche Wege, bis das Schicksal sie auf wundersame Weise wieder vereint und der Roman auf ein fulminantes Ende zusteuert.
Mit Sicherheit hat der Roman mehr Seiten, als es für die Erzählung vielleicht notwendig gewesen wäre. Oft wirkt die Handlung doch sehr fantastisch und entbehrt jeder Realität. Auch war sie nicht immer ganz schlüssig, was ggf.an der Tatsachen liegen könnte, dass ich den ersten Teil nicht gelesen habe.
Sprachlich nutzt Pötzsch eine moderne Alltagssprache, was es mir nicht immer leicht machte, mich in die damalige Zeit zu versetzen. Da hätte man sicher einen anderen Sprachstil nutzen können, um das Erleben authentischer zu beschreiben.
Für mich ein unterhaltsamer Roman, der vielleicht auch etwas komprimierter hätte erzählt werden können. Trotzdem unterhaltsam und sicher das richtige für regnerische Herbsttage. Daher bekommt er von mir eine Leseempfehlung.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.10.2019

Blick hinter den Theatervorhang

Nichts bleibt so, wie es wird
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"Nichts bleibt so, wie es wird" ist ein Roman des deutschen Autors Sven-Eric Bechtholf, umfasst 400 Seiten und erscheint im Sommer 2019 im Haymon Verlag.
In seinem Roman begleitet der Autor Herwig Buchard, ...

"Nichts bleibt so, wie es wird" ist ein Roman des deutschen Autors Sven-Eric Bechtholf, umfasst 400 Seiten und erscheint im Sommer 2019 im Haymon Verlag.
In seinem Roman begleitet der Autor Herwig Buchard, einen ehemals angesagten Theaterregisseur, der jetzt mit 63 Jahren rasent schnell auf das Ende seiner Erwerbsbiographie zusteuert. Lang sind sie her, seine gefeierten Inszenierungen an den weltbekannten Opershäusern. Stattdessen sitzt er nun in Kobrück, vom Intendanten nur geduldet, inszeniert den Figaro und wird nach dessen Premiere dafür von der Presse zerrissen. Folgerichtig hagelt es die Kündigung. Zu allem Übel verliebt sich Burchard auch noch in die für ihn scheinbar unerreichbare junge Schauspielerin Leonie. Das ist zu viel und er beschließt, einen lang gehegeten Traum wahr werden zu lassen. Er flüchtet in ein kleines Haus in ein ebenso kleines Dorf in Italien und versucht sich in einem Neuanfang.
Will man die Kernthemen des Romans zusammenfassen, kommt man um die Schlagworte Einsamkeit, Neuanfang, späte Liebe, späte Reue und verletzte Eitelkeit wohl nicht umhin. Durch seine witzig unterhaltsame Sprache ist es Bechtholf gelungen, diese Schwergewichte in einen Roman zu packen. Allerdings nicht ohne Folgen: ich habe einigen Anlauf gebraucht, um mich ins Buch einzulesen. Zu gespickt waren die ersten Seiten mit Hintergrundinfos über´s Theaterleben. Viel Neues gab es da zu entdecken. Doch wer nicht aufgibt wird belohnt. Man fiebert regelrecht mit dem Protagonisten mit und genießt seine schrulligen Wegbegleiter.
Für mich ein unterhaltsamer Roman, der eine klare Leseempfehlung bekommt.

Veröffentlicht am 01.10.2019

Letzte Rettung?

Letzte Rettung: Paris
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"Letzte Rettung: Paris" ist ein Roman des US-amerikanischen Autors Patrick deWitt, liegt hier in einer Übersetzung von Andreas Reimann vor, umfasst 313 Seiten und erscheint im Sommer 2019 bei Kiepenheuer ...

"Letzte Rettung: Paris" ist ein Roman des US-amerikanischen Autors Patrick deWitt, liegt hier in einer Übersetzung von Andreas Reimann vor, umfasst 313 Seiten und erscheint im Sommer 2019 bei Kiepenheuer & Witsch.
In seinem Roman begleitet der Autor Frances und Malcom Price, ein illustres Mutter – Sohn – Duo. Sie leben in New York, gehören dort zur High Society und genießen dementsprechend ihr Leben. Als ihnen das Geld ausgeht, machen sich Mutter und der nichts ahnende Sohn samt Kater Kleiner Frank auf den Weg nach Paris. In der Zweitwohnung einer New Yorker Freundin finden sie Unterschlupf. Kurzerhand beginnen sie von hier aus die Stadt für sich zu erobern, bis ihr Aufenthalt ein jähes Ende findet.
In dieser kurzen Zeit lässt Frances ihr Leben Revue passieren, räumt mit Vorurteilen auf und entschlüsselt für Malcom einige Gegebenheit im Familienleben. Auch Malcom nutzt die Zeit, um sich über sein eigenes Leben klarzuwerden.
Lebt dieser Gegenwartsroman anfänglich von seinen illustren Darstellern, die auf reichlich unkonventionelle Weise ihr Leben führen, so verlagert sich sein Fokus im Lauf der Geschichte doch eher auf das Ausleuchten zwischenmenschlicher Beziehungen. Allerdings leidet hier der Unterhaltungswert besonders zum Ende des Romans hin. Auch die Verbindung zwischen Frances und Kleiner Frank wird gegen Ende der Erzählung immer irrwitziger und für moich zunehmend unklar.
Nichts desto trotz sind die Protagonisten auf ihre schräge Art authentisch dargestellt, die Handlung leider nicht immer schlüssig. Der Sprachstil ist dagegen unkompliziert, sehr direkt und wunderschön beschreibend.
Der Zusammenhang zwischen Titel und Buch wird im Plot schnell deutlich, wobei "Rettung" dann doch eine Interpretationsfrage bleibt. Trotzdem ein unterhaltsamer Roman für laue Herbstnachmittage auf dem Balkon.