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Veröffentlicht am 06.10.2025

Grandiose Erzählperspektive

Der Tote im Kamin
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Spannungsreich und anders als der Klappentext erwarten lässt

Inspector Frank Grasby aus York hat bei seinen Vorgesetzten keinen leichten Stand. Nachdem er einen Einsatz gründlich vermasselt und dabei ...

Spannungsreich und anders als der Klappentext erwarten lässt

Inspector Frank Grasby aus York hat bei seinen Vorgesetzten keinen leichten Stand. Nachdem er einen Einsatz gründlich vermasselt und dabei aus Versehen zwanzig der wertvollsten Pferde Englands in die Freiheit entlassen hat, wird er kurzerhand strafversetzt. Sein neuer Einsatzort: das verschlafene Dörfchen Elderby, irgendwo im ländlichen England. Dort soll er – pünktlich kurz vor Weihnachten 1952 – eine Reihe von Einbrüchen auf dem Anwesen eines örtlichen Lords aufklären.

Eine Aufgabe, bei der eigentlich nicht viel schiefgehen kann – so glaubt der Inspektor zumindest. Doch kaum trifft Grasby in Elderby ein, landet ihm prompt eine Leiche buchstäblich vor den Füßen und dann auch noch ausgerechnet aus dem Kamin des Lords. Und das ist nur der Anfang einer höchst ungewöhnlichen Ermittlung …

Der Tote im Kamin von Denzil Meyrick ist kein herkömmlicher Kriminalroman wie der Klappentext vermuten lässt, ich habe leider eine völlig andere Erwartungshaltung vom Genre des Buches gehabt. Mir ging es letztes Jahr bereits bei „Mord in Dingley Dell“ aus dem Dumont Verlag ähnlich, als ich mich auf einen britischen Winterkrimi gefreut habe und eher auf einen Spionageroman getroffen bin. Ohne zu viel Handlung vornweg nehmen zu wollen, war auch „Mord im Kamin“ leider kein klassischer Krimi, durch den Schreibstil, die Figurenzeichnung und die äußerst sympathische Erzählweise konnte mich der leider bereits dieses Jahr verstorbene Denzil Meyrick jedoch deutlich mehr abholen!

Der Roman besticht durch seinen feinen, typisch britischen Humor, der immer wieder für ein Schmunzeln sorgt, ohne je ins Alberne abzurutschen. Der Hauptcharakter ist ausgesprochen sympathisch – einer dieser Protagonisten, denen man einfach gerne folgt, egal wie verschlungen die Geschichte auch wird. Und verschlungen ist sie allemal: Mit zahlreichen Wendungen bleibt die Handlung bis zur letzten Seite spannend.

Besonders hervorzuheben sind die Figuren: Sie sind allesamt grandios gezeichnet, individuell, lebendig und oft auf herrlich schräge Weise „very British“. Wer also Freude an politischen und weltpolitischen Verstrickungen, Spionage, und einer Prise Agentenflair hat, wird hier bestens unterhalten. Ich freue mich bereits auf die nächste Ermittlung von Grasby, hoffentlich auch bald in deutscher Übersetzung.

Fazit:
Ein unkonventioneller Krimi mit Humor, Spannung und Charakter – britisch bis ins Mark und unbedingt lesenswert.

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Veröffentlicht am 16.09.2025

Wichtig und wegweisend

Es könnte so einfach sein
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Vera schreibt und ist über die Jahre immer wieder mit der Verlagswelt und deren veralteten Vorstellungen konfrontiert - ein zeitlicher Abriss.

Meine Erwartungen an dieses Buch waren eher mäßig und wurden ...

Vera schreibt und ist über die Jahre immer wieder mit der Verlagswelt und deren veralteten Vorstellungen konfrontiert - ein zeitlicher Abriss.

Meine Erwartungen an dieses Buch waren eher mäßig und wurden haushoch übertroffen!
Erstens: Hinter dem Autorinnennamen verbirgt sich ein Autor*innen-Duo, was dem Buch sicher positiv zu gute kam – vor allem, was Vielschichtigkeit und Perspektiven angeht.
Die Hauptfigur Vera ist mir vom Alter her mit ihren fast 65 Jahren zwar fern, aber sie war mir über die Seiten hinweg doch sehr nah. Ich mochte es sehr, mich in ihre Welt und ihre Gedanken hineinzulesen. Ihre Sicht auf die Welt, besonders unter feministischen Aspekten, war ein bisschen wie Frauen aus meinem Umfeld zuzuhören – nur gebündelter und pointierter.
Das Buch gibt unterschwellig, sehr dezent und doch präsent einen guten Abriss über die Entwicklung der Rechte von Frauen seit den 60ern und lässt tief blicken, wie viel Kraft und Biss in Vera stecken, um sie dorthin zu bringen, wo sie 2005 steht.
Ich mochte die verschiedenen Plotstränge, die alle für sich stehen konnten, und die Botschaft, die unmissverständlich hinter allem stand!
Das klingt jetzt ernst, aber das Buch war oft auch witzig, unterhaltsam, frech, hat viele Töne angeschlagen – und ich habe mich von der ersten bis zur letzten Seite gut unterhalten und vom Schreibstil getragen gefühlt. Ich kann es nur wärmstens weiterempfehlen.

Dieses Buch zeigt anschaulich, wie wichtig bis heute das Thema Verständnis im Feminismus ist. Frauen müssen sich bis heute behaupten, werden belächelt und nicht ernst genommen. Vera erlebt all das jahrelang, teilweise sehr zermürbend und mit viel innerem Druck verbunden. Aber sie zeigt auch, wie ein guter Umgang damit aussehen kann, wie viel Kraft Verbündete geben können – Menschen, die stärken, zuhören und all dem Raum geben.
Und am Ende fasst der Titel des Buches alles sehr gut zusammen: Es könnte so einfach sein, dass wir alle gleich sind, die gleichen Chancen bekommen und Worte gleich viel zählen, gleich viel wert sind …

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Veröffentlicht am 16.09.2025

Enttäuschend

Spookily Yours
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Das Cover hat mir sofort gefallen und mich neugierig auf den Inhalt gemacht.

Mein erster Leseeindruck war: Wow, was soll ich zu diesem Buch noch sagen? Cover und Buchschnitt sind optisch ein echtes Highlight ...

Das Cover hat mir sofort gefallen und mich neugierig auf den Inhalt gemacht.

Mein erster Leseeindruck war: Wow, was soll ich zu diesem Buch noch sagen? Cover und Buchschnitt sind optisch ein echtes Highlight und haben mich direkt in wohlige Herbststimmung versetzt. Anfangs war ich skeptisch, ob hier nur lauter Herbstattribute aneinandergereiht werden. Diese Sorge hat sich jedoch schnell gelegt, und ich war mitten in der Handlung – begeistert von den zwei Perspektiven und der zauberhaften Welt, in die uns die Autorin entführt. Als Willow dann auch noch Damians Namen gehört hat, war ich völlig gefesselt und wollte unbedingt weiterlesen.

Leider hat dieser positive Eindruck nicht lange angehalten. Die Handlung wirkte zunehmend gehetzt und wie hastig auf die Seiten gebracht. Dadurch fehlte es für mich an Authentizität und Tiefe, vieles ging einfach zu schnell. Emotional konnte mich das Buch so nicht mehr richtig erreichen.

Das Setting und die Grundidee habe ich sehr gemocht, doch die Liebesgeschichte war für mich kaum nachvollziehbar. Sie wurde zu schnell aufgebaut und hätte deutlich mehr Erzählzeit gebraucht. Auch der Plot insgesamt fühlte sich übereilt an. Der Spice war für meinen Geschmack zu abrupt – von null auf hundert – und hat mich eher irritiert als überzeugt. Damian wirkte auf mich stellenweise übergriffig, und weder die Haupt- noch die Nebenfiguren konnte ich wirklich greifen. Hier hätte ich mir mehr Details und Tiefgang gewünscht.

Meine Erwartung: herbstliche Atmosphäre, eine stimmige Romance und spannende Hexenfiguren.
Meine Realität: eher enttäuscht, ein wenig ratlos und mit dem Gefühl zurückgelassen, dass ich etwas ganz anderes erwartet hatte.

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Veröffentlicht am 16.09.2025

Flavia de Luce bekommt Konkurrenz!

Mika Mysteries - Der Ruf des Nachtraben
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Willkommen Ende des 19. Jahrhunderts im winterlichen Schweden – genauer gesagt in Stockholm, noch genauer in einem Waisenhaus. Hier lebt Mika ihr kleines Leben, das ganz schön aus den Fugen gerät, als ...

Willkommen Ende des 19. Jahrhunderts im winterlichen Schweden – genauer gesagt in Stockholm, noch genauer in einem Waisenhaus. Hier lebt Mika ihr kleines Leben, das ganz schön aus den Fugen gerät, als sie zunächst ein geheimnisvolles Neugeborenes entgegennimmt und wenig später mit einem Mord konfrontiert wird.

Zur Umschlaggestaltung habe ich nichts hinzuzufügen, eine gute Wahl, gefiel mir gut und passte gut zum Inhalt.
Speziell das Hörbuch betreffend bin ich hin und weg von der Sprecherin und habe lange nicht mehr so gern zugehört! Sie hat äußerst angenehm gelesen und die verschiedenen Figuren in meinem Kopf zum Leben erweckt.

Die Geschichte war bis zur letzten Seite bzw. Minute spannend – so, wie ich mir das von einem Krimi wünsche. Das gesamte Setting war sehr ausführlich und anschaulich ausgeschmückt, und ich hatte Schweden zu der Zeit innerlich vor Augen.
Äußerst sympathische Erzählperspektive, von der ich noch viel mehr hören will.
Die Figuren habe ich komplett ins Herz geschlossen und erleichtert festgestellt, dass es noch weitere Teile der Mika-Reihe gibt, schließlich wurde bisher noch nicht jedes Geheimnis vollständig gelüftet. :)
Spannung war in Hülle und Fülle vorhanden, und ich glaube, ich habe nach Flavia de Luce meine neue Lieblingsheldin im Stil von Sherlock gefunden, die Flavia in Sachen Gründlichkeit, Humor und Wagemut in nichts nachsteht. Mein feministisches Herz hat ebenfalls bei der ein oder anderen Textstelle höher geschlagen, als deutlich wurde, dass im Untergrund von Stockholm die ein oder andere weibliche Figur die Fäden in den Händen hält.

Summa summarum: eine ganz große Empfehlung für ein fesselndes Am-Stück-Durchhören oder -Durchlesen – wunderbar spannend, ein bisschen gruselig und sehr herzerwärmend!

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Veröffentlicht am 16.09.2025

Flavia de Luce bekommt Konkurrenz!

Mika Mysteries 1: Der Ruf des Nachtraben
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Willkommen Ende des 19. Jahrhunderts im winterlichen Schweden – genauer gesagt in Stockholm, noch genauer in einem Waisenhaus. Hier lebt Mika ihr kleines Leben, das ganz schön aus den Fugen gerät, als ...

Willkommen Ende des 19. Jahrhunderts im winterlichen Schweden – genauer gesagt in Stockholm, noch genauer in einem Waisenhaus. Hier lebt Mika ihr kleines Leben, das ganz schön aus den Fugen gerät, als sie zunächst ein geheimnisvolles Neugeborenes entgegennimmt und wenig später mit einem Mord konfrontiert wird.

Zur Umschlaggestaltung habe ich nichts hinzuzufügen, eine gute Wahl, gefiel mir gut und passte gut zum Inhalt.
Speziell das Hörbuch betreffend bin ich hin und weg von der Sprecherin und habe lange nicht mehr so gern zugehört! Sie hat äußerst angenehm gelesen und die verschiedenen Figuren in meinem Kopf zum Leben erweckt.

Die Geschichte war bis zur letzten Seite bzw. Minute spannend – so, wie ich mir das von einem Krimi wünsche. Das gesamte Setting war sehr ausführlich und anschaulich ausgeschmückt, und ich hatte Schweden zu der Zeit innerlich vor Augen.
Äußerst sympathische Erzählperspektive, von der ich noch viel mehr hören will.
Die Figuren habe ich komplett ins Herz geschlossen und erleichtert festgestellt, dass es noch weitere Teile der Mika-Reihe gibt, schließlich wurde bisher noch nicht jedes Geheimnis vollständig gelüftet. :)
Spannung war in Hülle und Fülle vorhanden, und ich glaube, ich habe nach Flavia de Luce meine neue Lieblingsheldin im Stil von Sherlock gefunden, die Flavia in Sachen Gründlichkeit, Humor und Wagemut in nichts nachsteht. Mein feministisches Herz hat ebenfalls bei der ein oder anderen Textstelle höher geschlagen, als deutlich wurde, dass im Untergrund von Stockholm die ein oder andere weibliche Figur die Fäden in den Händen hält.

Summa summarum: eine ganz große Empfehlung für ein fesselndes Am-Stück-Durchhören oder -Durchlesen – wunderbar spannend, ein bisschen gruselig und sehr herzerwärmend!

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