Grandiose Erzählperspektive
Der Tote im KaminSpannungsreich und anders als der Klappentext erwarten lässt
Inspector Frank Grasby aus York hat bei seinen Vorgesetzten keinen leichten Stand. Nachdem er einen Einsatz gründlich vermasselt und dabei ...
Spannungsreich und anders als der Klappentext erwarten lässt
Inspector Frank Grasby aus York hat bei seinen Vorgesetzten keinen leichten Stand. Nachdem er einen Einsatz gründlich vermasselt und dabei aus Versehen zwanzig der wertvollsten Pferde Englands in die Freiheit entlassen hat, wird er kurzerhand strafversetzt. Sein neuer Einsatzort: das verschlafene Dörfchen Elderby, irgendwo im ländlichen England. Dort soll er – pünktlich kurz vor Weihnachten 1952 – eine Reihe von Einbrüchen auf dem Anwesen eines örtlichen Lords aufklären.
Eine Aufgabe, bei der eigentlich nicht viel schiefgehen kann – so glaubt der Inspektor zumindest. Doch kaum trifft Grasby in Elderby ein, landet ihm prompt eine Leiche buchstäblich vor den Füßen und dann auch noch ausgerechnet aus dem Kamin des Lords. Und das ist nur der Anfang einer höchst ungewöhnlichen Ermittlung …
Der Tote im Kamin von Denzil Meyrick ist kein herkömmlicher Kriminalroman wie der Klappentext vermuten lässt, ich habe leider eine völlig andere Erwartungshaltung vom Genre des Buches gehabt. Mir ging es letztes Jahr bereits bei „Mord in Dingley Dell“ aus dem Dumont Verlag ähnlich, als ich mich auf einen britischen Winterkrimi gefreut habe und eher auf einen Spionageroman getroffen bin. Ohne zu viel Handlung vornweg nehmen zu wollen, war auch „Mord im Kamin“ leider kein klassischer Krimi, durch den Schreibstil, die Figurenzeichnung und die äußerst sympathische Erzählweise konnte mich der leider bereits dieses Jahr verstorbene Denzil Meyrick jedoch deutlich mehr abholen!
Der Roman besticht durch seinen feinen, typisch britischen Humor, der immer wieder für ein Schmunzeln sorgt, ohne je ins Alberne abzurutschen. Der Hauptcharakter ist ausgesprochen sympathisch – einer dieser Protagonisten, denen man einfach gerne folgt, egal wie verschlungen die Geschichte auch wird. Und verschlungen ist sie allemal: Mit zahlreichen Wendungen bleibt die Handlung bis zur letzten Seite spannend.
Besonders hervorzuheben sind die Figuren: Sie sind allesamt grandios gezeichnet, individuell, lebendig und oft auf herrlich schräge Weise „very British“. Wer also Freude an politischen und weltpolitischen Verstrickungen, Spionage, und einer Prise Agentenflair hat, wird hier bestens unterhalten. Ich freue mich bereits auf die nächste Ermittlung von Grasby, hoffentlich auch bald in deutscher Übersetzung.
Fazit:
Ein unkonventioneller Krimi mit Humor, Spannung und Charakter – britisch bis ins Mark und unbedingt lesenswert.