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Veröffentlicht am 22.02.2018

Lieblingsbuch 2018

Pink Hotel
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Wortgewandt, vielschichtig und dabei komisch schräg begeistert Anna Stothard.

Sie ist 17 Jahre alt, als sie den Anruf bekommt. Ihre Mutter Lily hatte auf einem Highway einen tödlichen Motoradunfall. ...

Wortgewandt, vielschichtig und dabei komisch schräg begeistert Anna Stothard.

Sie ist 17 Jahre alt, als sie den Anruf bekommt. Ihre Mutter Lily hatte auf einem Highway einen tödlichen Motoradunfall. Sie hat sie mit 3 Jahren verlassen. Trotzdem macht sie sich auf den Weg nach Amerika, folgt Lilys Spuren und ihrer Totenwache. Daraus entwickelt sich eine vielschichtige Story, die mich beim Lesen immer wieder überrascht hat.
Das Buch lebt durch die Protagonistin, durch ihre Macken, ihre Erinnerungen und Einordnungen in die Welt. Man trifft auf einen Menschen von dem man mehr wissen will, den es zu ergründen gilt, während man gleichzeitig beobachtet wie dieser Mensch selbst etwas oder jemanden zu finden hofft.
Bereits der erste Satz weckte in mir Erwartungen an den Sprachgebrauch im Buch. Enttäuschung blieb glücklicherweise aus. Die Autorin verwebt auf jeder einzelnen Seite Worte, Bilder und neue Ideen so geschickt miteinander, dass es ein reines Lustspiel für den Sprachverliebten ist.
Mit der Geschichte rund um eine Gleichaltrige konnte ich mich gut identifizieren. Ihre Rolle schreckt ab, macht neugierig, lässt mit Tempo umblättern. Sie ist nicht alltäglich und das hat mir beim Miterleben großen Spaß bereitet.
Die Geschichte an sich hätte vermutlich nicht einmal spektakulär sein müssen, da ich noch völlig abgelenkt vom schönen Sprachstil war. Doch sie war es. Zu Beginn springt der Leser in ein Wirrwarr von Informationen, in der Mitte plätschert es so vor sich hin, um gegen Ende was die Handlung anging nochmal so richtig an Fahrt zu gewinnen. Ich bin selten überrascht vom Plot einer Geschichte, aber hier war ich es. Am Ende hinterließ dieser einen feuchtfröhlichen Gemütszustand bei mir.
Beiweilen erinnerten mich einige Abschweifungen und die Art und Weise des ausartenden Erzählens an John Green, nur besser! Aber pscht, das muss ja kein John Green-Fan hören…
Obwohl das Buch nie den Schritt hin zu aggressivem Tiefgang macht, kommen Gedanken und Fragenfetzen auf, die zum ein oder anderen Nachsinnen oder Reflektieren anregen. Besonders die Lebendigkeit eines Lebens stand für mich im erkennbaren Vordergrund.
Zusammengerafft wird wohl klar, wie mich dieses Buch abgeholt und mitgenommen hat. Ich kann es nur jedem der jung und verwirrt ist empfehlen, aber natürlich auch jedem „young at heart“-gebliebenem.

Veröffentlicht am 24.12.2017

Humor ohne Grenzen

Wovon wir einen Ohrwurm bekommen
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Wieder ein voller Erfolg und eine Hommage an die menschlichen Lachmuskeln.

Ein Buch das unser Leben in lustigen Grafiken mal pointiert, mal exakt beschreibt und eines sicher tut: unterhalten.

Dieses ...

Wieder ein voller Erfolg und eine Hommage an die menschlichen Lachmuskeln.

Ein Buch das unser Leben in lustigen Grafiken mal pointiert, mal exakt beschreibt und eines sicher tut: unterhalten.

Dieses Stück gute Laune hat mir einige Tage wunderbar versüßt und stand seinen Vorgängern in nichts nach. In meinen Augen eine Sammlung für Jung und Alt und für die ganze Familie, die ich mir wunderbar als Geschenk vorstellen kann.

Das Buch verarbeitet Alltagsthemen mit Humor und vielen verschiedenen Grafiken. Das Besondere daran ist für mich die Vielfalt auf allen Ebenen, die dafür sorgt das dieses Werk nie langweilig wird. Darin stecken Liebe zum Detail und viele lustige Gedanken, die zu eigener Kreativität anregen.

Mir hat zum Beispiel die Vielschichtigkeit der Themen gefallen. Sie decken nahezu alle gesellschaftlichen Seiten ab und sorgen dadurch dafür das sich jeder angesprochen fühlen kann, weil jeder diese Situationen kennt. Man kann seine eigene Wahrnehmung hinterfragen oder mit anderen vergleichen und schnell Gemeinsamkeiten feststellen und lernt sich schnell besser kennen (also auch gut geeignet für Freundschaften die gerade erst beginnen).

Dazu kommt noch, dass die Grafiken nicht nur aus Standarddiagrammen wie Kreis- oder Balkendiagrammen bestehen sondern auch aus ausgefalleneren Arten „Statistiken“ zu verarbeiten.

In meinen Augen ein wunderbares Geschenk und ein Buch das viele tolle Momente garantiert.

Veröffentlicht am 24.12.2017

Lasst es euch schmecken

Taste of Love - Mit Sehnsucht verfeinert
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Locker leicht bis spannend komplex - alles dabei.

Hayley ist zurück in Boston. Die Köchin kehrt nach 3 Jahren wieder zurück in ihre Heimatstadt. Aber warum hat sie Boston überhaupt verlassen und was hat ...

Locker leicht bis spannend komplex - alles dabei.

Hayley ist zurück in Boston. Die Köchin kehrt nach 3 Jahren wieder zurück in ihre Heimatstadt. Aber warum hat sie Boston überhaupt verlassen und was hat das alles mit Scott zu tun? Scott, der plötzlich bei Hayleys Restauranteröffnung auftaucht.

Dieser 4. Teil der Taste of Love - Reihe von Poppy J. Anderson hat mir gefallen und mich nicht enttäuscht. Für mich war es der erste Teil den ich aus dieser „Serie“ gelesen habe, trotzdem war der Einstieg problemlos und die Figuren aus den anderen Teilen machten durch ihr kurzes Auftauchen an einigen Stellen Lust auf mehr.

Wie es langsam üblich zu werden scheint, gibt es hier wieder Perspektivwechsel zwischen der männlichen und der weiblichen Hauptprotagonistin. Sie veranschaulichten gut wie Menschen teilweise ordentlich aneinander vorbeireden.

Der Schreibstil war einfach, aber dadurch natürlich auch angenehm zu lesen. Er hat mir für Unterhaltungsliteratur gefallen und mich gut unterhalten.

Ein besonderes Highlight dieser Reihe ist natürlich das Thema Essen. Es scheint soweit ich das beurteilen kann in jedem Teil ein bestimmtes Gebiet von Speisenzubereitung im Vordergrund zu stehen. In diesem Teil dreht sich alles um eine Köchin der Highclass. Im hinteren Teil des Buches befinden sich zusätzlich noch Rezepte zum Nachkochen und schmecken lassen. Wer will mehr?

Alles in allem ein tolles Buch, das gute Unterhaltung mit einem leichten Beziehungsdrama bietet, verfeinert mit ausgezeichneten Beschreibungen aus der Kochszene.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Charaktere
  • Humor
  • Gefühl
  • Lesespaß
Veröffentlicht am 17.12.2017

Mutig

Die Tochter des Emirs
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Einblicke in eine andere Art des Lebens und eine andere Familientradition aus Sicht einer beeindruckenden Frau.

Soheila entspringt einer iranischen Königsfamilie, die ihre Macht jedoch einbüßen musste. ...

Einblicke in eine andere Art des Lebens und eine andere Familientradition aus Sicht einer beeindruckenden Frau.

Soheila entspringt einer iranischen Königsfamilie, die ihre Macht jedoch einbüßen musste. Sie wächst als starke und von ihrem Vater ermutigte Frau mit Idealen auf und muss mit ansehen wie ihre Heimat islamisiert wird und vor allem Frauen strengen Regeln unterworfen werden. Sie begibt sich auf eine mutige Reise und gibt nicht auf, bis sie in Schweden ein neues Zuhause findet. Wenig später gründet sie eigene Institutionen um Frauen zu helfen und sich gegen das Thema Ehrengewalt zu stellen.

Mein Interesse an diesem Buch war stark und ich habe mich darauf gefreut mehr über den Iran und das Leben dort zu erfahren. Ein mir bisher nicht geläufiges Wissen. Ich begeistere mich von meiner Natur aus für Lektüre über andere Orte und andere Lebensweisen. Dieses Buch war in meinen Augen ebenso aussagekräftig wie erfahrungsreich, hat mich an einigen Stellen überrascht und noch lange nachdenklich zurückgelassen.

Zu Beginn wirkte Soheilas Erzählen über ihre Kindheit und erste prägende Momente auf mich fast wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht, so anschaulich und wunderbar beschrieben war es.
Aber auch geschichtlich hatte die reale Geschichte etwas zu bieten. So wurde Soheila selbst Zeuge der stark ausgeprägten Veränderungen die die islamische Revolution in ihrem Land mit sich brachte. An diesen Tagen lässt sie den Leser durch die Zeilen teilhaben und vermittelt ein Bild, das ebenso schockt wie es mitfiebern lässt.
Dazu beleuchtet sie im Speziellen die Rolle der Frau in der Gesellschaft und zeigt vielfältige Verhaltensweisen auf, die sie selbst kennengelernt hat (oder spüren musste).

Ganz besonders spannend (weil so unerwartet) war es für mich den Kontrast zwischen Familiengebilden in unserem Europa und ihrem Heimatland kennenzulernen. Sie erläuterte dabei bei beidem gut verständlich sowohl Vor- wie auch Nachteile und hat mir diese Thematik mit verschiedenen Perspektiven anschaulich nähergebracht.

Der Schreibstil war verständlich und zu Anfang beschreibend angehaucht und wurde zusätzlich unterstützt durch die Kürze der einzelnen Kapitel, die jeweils nur wenige Seiten beanspruchten.

Dazu kam das ich den zeitlichen Aufbau innerhalb des Buches als gut gelöst betrachte. Am Anfang eine kurze Sequenz der Gegenwart, dann ein Sprung in die Vergangenheit um ganz von Vorn zu beginnen und dann bis zum Ende hin das raffen der Erzählzeit um mit Beschleunigung wieder in der Gegenwart und Schweden anzukommen.

Kleines Spezial aus meiner Sicht war die neue Idee am Ende noch weitere Stimmen und andere Sichtweisen über eines der Projekte der Autorin zu vernehmen. Nur die Einseitigkeit im Schreibcharakter hat mich an dieser tollen Idee gestört. Ich hätte mir da etwas mehr Vielfalt im Schreibstil gewünscht, die deutlich erkennbar ist, da es ja eigentlich im Sinne der Natur liegt das jeder Mensch sehr unterschiedlich schreibt und artikuliert. Ich vermute hier hat sich durch Übersetzungen oder Anpassung eine unechte Einheitlichkeit eingeschlichen.

Alles in allem ein gelungenes Buch über wichtige Themen, die definitiv in die Öffentlichkeit gehören und einen Teil zur Aufklärung über in Deutschland weniger bekannte Wissensgebiete beitragen. Von mir eine Empfehlung um das eigene Verständnis und Verstehen anderen gegenüber zu stärken. Hinzu kommt das Porträt einer bewundernswerten Frau, von der wir uns sicher alle eine Scheibe abschneiden können. Mehr davon bitte.

Veröffentlicht am 17.12.2017

Wahres Abenteuer

Ich liebte Pablo und hasste Escobar
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Pablos Geliebte Virginia Vallejo erzählt Pablos Geschichte aus neuer spannender Perspektive.

Wir werden Zeugen von Virginia Vallejos Erlebnissen an der Seite des berühmtesten Drogenbosses Kolumbiens: ...

Pablos Geliebte Virginia Vallejo erzählt Pablos Geschichte aus neuer spannender Perspektive.

Wir werden Zeugen von Virginia Vallejos Erlebnissen an der Seite des berühmtesten Drogenbosses Kolumbiens: Pablo Escobar. Ungeschönt und ausführlich schildert die Diva ihre persönliche Geschichte an der Seite des Gangsters, stellt diese aber auch in den großen politischen Zusammenhang Kolumbiens.

Die Geschichte behandelt eine wahre Story, um den realen Menschen und Drogenboss Pablo Escobar und die kolumbianische Fernsehmoderatorin Vallejo. Allerdings ist anzumerken, dass dieses Buch einer einseitigen Sicht entspringt, und daher natürlich offenbleibt, ob die gesamte Handlung genauso der Wahrheit entspricht oder einige Momente literarisch ausgeschmückt wurden.
Die Handlung und die wechselhafte Beziehung der beiden hat mich stark in ihren Bann gezogen und das Buch hat in mir ein Suchtpotenzial ausgelöst, sodass ich das Geschriebene förmlich verschlungen habe. Dabei waren für mich als Geschichtsinteressierten die Erklärungen und Zusammenhänge, die der Leser über Kolumbien und das System dort erfuhr, von großer Bedeutung. Ich konnte viel lernen und es wurden einige Namen genannt, die sich danach grob einordnen ließen.

Zu Beginn hat mich der Schreibstil in Verbindung mit der Handlung auch ein wenig gelangweilt. Beim Weiterlesen verspürte ich jedoch Faszination für das Geschehen und die „Langeweileprise“ war verschwunden.

Im Vordergrund steht Pablo Escobar, aber ich glaube das konnte man mittlerweile raushören. ;) Es geht einerseits um seinen Aufstieg zum siebt reichsten Mann der Welt und andererseits um seinen Abstieg zu einem der meist gesuchtesten Gangster, der ein jähes Ende nimmt. Dabei lässt die Autorin tiefe Blicke in intime und private Szenen zu, wobei auch klar wird, wie es an der Seite von Pablo zuging. Erzählt wird chronologisch, von der ersten Begegnung der beiden bis zum tragischen Ende.

Fazit: Mich hat dieses Buch in jedem Fall geködert und ich möchte mehr über Kolumbien, die Geschichte des Landes, genauso wie Pablo und die Drogenszene im speziellen erfahren. Ein lesenswertes Buch, spannend, ausführlich und eine Neuheit, die es so vorher nicht gab.
Plus: Das Buch wurde aufgrund des internationalen Erfolgs verfilmt und ich kann es gar nicht abwarten diesen zu sehen!