Profilbild von bri114

bri114

Lesejury Star
offline

bri114 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit bri114 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.06.2026

leichte Sommerlektüre

Au revoir und tschüss
0

Das Cover zu " Au revoir und tschüss " von Gudrun Lochte zeigt eine Frau in einem weißen, sich bauschenden Kleid und erinnert mich ein wenig an die Darstellung "Bonjour/ Merci, Agneta"- wenngleich diese ...

Das Cover zu " Au revoir und tschüss " von Gudrun Lochte zeigt eine Frau in einem weißen, sich bauschenden Kleid und erinnert mich ein wenig an die Darstellung "Bonjour/ Merci, Agneta"- wenngleich diese deutlich farbenfroher war. Die Gestaltung des Covers sowie die farbenfrohe, auf transparentem Papier gedruckte, Darstellung Uzès im Inneren erzeugen genau die richtige Sommer-Stimmung, die das Buch leicht wirken lassen.

Ähnlich wie Agneta befreit sich die Protagonistin Caro von ihrem unsäglichen Mann und ihren (Alltags-)Pflichten und lernt sich in Frankreich neu selbst kennen. Dazu benötigt sie nur einen Sprachkurs und einige Impulse von bis dato Fremden.

Erwartet hatte ich einen Sommerroman, einen Hauch französische Dramatik und ein friedvolles Ende.
Die Dramatik blieb aus, die Geschichte bediente einige Klischees und war zu häufig vorhersehbar- immerhin bleibt Caro nach ihrer Affäre nicht in Frankreich, sondern kehrt heim und ändert ihr Leben grundlegend.

Mir war dieser Roman emotional zu oberflächlich, auch den einzelnen Figuren fehlte es an Tiefe. Mich hätte als Kontrast zu Caro auch Holgers Sicht auf ihre Ehe interessiert.

Die Beschreibungen der Landschaft in Südfrankreich, vor allem der Schönheit Uzès, ist der Autorin aber gut gelungen.
Ihr Schreibstil ist einfach und leicht, flüssig zu lesen.

Für große Veränderungen braucht es den ersten Schritt. Allerdings würde ich dieses Buch nicht jemandem empfehlen, der diesen Mut erst aufbringen muß.
Dies hier ist "nur" eine lockere Sommerlektüre.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.05.2026

Abhängigkeit und Macht

Die Liebeshungrigen
0

Das Cover zum Buch " Die Liebeshungrigen " zeigt eine Frau, die ihr Gesicht hinter ihrer mit Ringen geschmückten Hand versteckt, neben einem Mann, dessen markantes Gesicht nur hälfig und unterhalb seiner ...

Das Cover zum Buch " Die Liebeshungrigen " zeigt eine Frau, die ihr Gesicht hinter ihrer mit Ringen geschmückten Hand versteckt, neben einem Mann, dessen markantes Gesicht nur hälfig und unterhalb seiner Augen sichtbar ist. Der schwarze Hintergrund scheint rissig, wie bei einer älteren Photographie.

Dan Lehmann, Ex-Präsident, ist Alkoholiker und kein Menschenfreund. Der Hauptprotagonist im neuesten Roman der Autorin Karine Tuil wirkt sehr unsympathisch, suhlt sich in Selbstmitleid und scheint sich aufgegeben zu haben.

Seine deutsche Frau Hilda dagegen hat endlich ihren großen Erfolg, alle reden über sie. Und genau das ist in der heutige Zeit mit Social Media, den Medien allgemein, schon fast wichtiger als reich und schön zu sein. Es bedeutet Macht.

Macht, die ihm abhanden gekommen ist, ebenso wie die Liebe zwischen ihnen.
Wenn es sie denn je gab?
Oder war es nur die Anziehung, die ihn veranlaßte, seine vorherige Frau zu verlassen, die ihm immer loyal zur Seite stand, ihn liebte und ihn unterstützte?

Marianne, nun befreit, wenngleich (von ihr) ungewollt, schafft es, mit ihrem neuen Buch über einen Femizid zu begeistern.
Die Verfilmung steht bevor, der Regisseur ist zwar ein Künstler, zugleich aber auch ein Arschloch, der keinerlei Respekt vor Frauen zeigt. Auch er unsicher, da sein Werk häufig nicht verstanden wird.

Ihre jüngste Tochter verliebt sich in ihn, ebenso wie das Bodydouble für ihre Hauptfigur zuvor und auch ihre Nochfolgerin an Dan's Seite: Hilda.

Allem liegt also die Sehnsucht nach Liebe, und Sichtbarkeit zugrunde.


Der Schreibstil war zu Beginn ansprechend, leicht lesbar und spannend. Später wurde es dann eher zäh, die vielfältigen Themen häufig nur angerissen. Es fehlte an Tiefe, am Verständnis, die Nachvollziehbarkeit der Handlungen und Gedanken der Mitwirkenden verflog. Zudem war mir die Sprache häufig zu derb, vulgär.

Aus Machtverlust, -losigkeit, #meetoo, Patchwork-Familien, Erwachsenwerden, Filmkunst, Verlagswesen, Abhängigkeiten und Politik hätte man durchaus etwas machen können. Hier war es einfach nur zuviel (zusammengepreßt).

Für mich leider kein Höhepunkt in diesem (Lese-) Sommer.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.05.2026

Krimi ad absurdum

Hope Joanna
0

Das Cover von Horst Evers' " Hope Joanna " ist ein auffallend schöner und passend zum Inhalt gestalteteter Hingucker. Eine junge Frau in Polizeitrainingsjacke hockend (auf einem Dach?) vor dem Fernsehturm ...

Das Cover von Horst Evers' " Hope Joanna " ist ein auffallend schöner und passend zum Inhalt gestalteteter Hingucker. Eine junge Frau in Polizeitrainingsjacke hockend (auf einem Dach?) vor dem Fernsehturm links, rechts hinter ihr der Mond. Sie scheint auf "dem Sprung" zu sein. Alles in kräftigen Farben- Rot, dunkles Blau und alles ruft: "dit is Berlin".

So wie die Hauptprotagonistin, Hope Joanna. Unfreiwillig Internetstar (Batgirl) und hauptberuflich Kriminalhauptkommissarin schlägt sie sich mit einem neuen Fast-Partner, ihrem Chef, der Oberchefin (Innensenatorin, als Galadriel kostümiert) und 2 Mordopfern herum. Dazu die (üblichen) Verdächtigen, einem Verehrer, einem Geheimorden und einem (vielleicht?) Baron, der mit den Nazis gemeinsame Sache macht und die Union-Fans fast vergiftet.
Dazu wird ihr noch eine Social Media Expertin auf's Auge gedrückt und sie MUSS einen Insta-Account bespielen.

Na, wenn das kein Spaß wird?! ;)

Die Figuren, die der Autor entwirft, sind ebenso adsurd wie die Handlung selbst.
Allerdings sind Joanna, Zecke, der Bautzener und vor allem der Leiter der Spusi alle so sympathisch, daß man vor Spannung kaum aufhören kann, etwas anderes tun zu wollen, als weiterzulesen.

Evers' Humor gefiel mir extrem gut. Er grenzt diesen Krimi sehr deutlich vom übrigen Genre ab, ohne zu albern zu werden.

Allein das Ende.... aber das ist ja ein häufiges Problem. ;)
Gute 4 ☆

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.04.2026

" Ohne BH ist alles besser. "

Mit anderen Augen
0

Das Cover ist, wie für den Diogenes-Verlag üblich, mit einer farbigen Zeichnung gestaltet. Eine Frau in einem orange-farbenen Kleid schiebt grüne Vorhänge beiseite.

So wie Tilda ihre Probleme?

Anfang ...

Das Cover ist, wie für den Diogenes-Verlag üblich, mit einer farbigen Zeichnung gestaltet. Eine Frau in einem orange-farbenen Kleid schiebt grüne Vorhänge beiseite.

So wie Tilda ihre Probleme?

Anfang 50, die Kinder leben ihr eigenes Leben, der Mann hat sie gegen ein jüngeres Modell eingetauscht, als plötzlich "Teile" von ihr unsichtbar werden. Körperteile.

Was wie ein Witz klingt und natürlich überspitzt dargestellt wird, erleben Frauen täglich. Sie werden nicht mehr wahrgenommen.
Doch warum ist das so und warum wird das nicht thematisiert?

Während Tilda also beginnt, sich mit ihrer Diagnose Morbus Insivibilis, mithilfe ihrer Freundinnen und einer Selbsttherapiegruppe auseinanderzusetzen, rät ihr eine bekannte Therapeutin sich mit PAULA zu beschäftigen. Unsere innere Stimme. Und die hat eine Menge zu sagen! Sie wird von vielem beeinflußt und das ist zugleich der Ausweg und Therapieansatz: wir können sie neu programmieren.

Neben dem angenehmen Schreibstil hat mich vor allem der interessante Plot und die Hauptprotagonistin Tilda für sich eingenommen.
Ihre kämpferische Haltung macht Mut.
Obwohl sehr humorvoll zeigt Autorin Jane Tara hier ein gesellschaftskritisches Sinnbild für die nachlassende Sichtbarkeit älterer Frauen auf, das häufig als „Altersunsichtbarkeit“ bezeichnet wird.

Das Gefühl unsichtbar zu sein oder nicht gehört zu werden, kennt sicherlich jede Frau (vll. auch Männer?).

" Mut fängt damit an, sich zu zeigen und zuzulassen, dass man gesehen wird. "
Brené Brown

Fazit: ein humorvolles Buch mit ernstem Hintergrundthema, das sich mit der persönlichen Erwartungshaltung, der von anderen, sowie mit dem fortwährendem Wachstum beschäftigt.
Es geht um das (Neu-) Kennenlernen, Entdecken und Lieben. Von uns selbst.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.03.2026

kleine Maus ganz groß!

Eine Maus namens Merlin
0

Das Cover ist passend zur Handlung gestaltet und zeigt eine Maus schlafend in einem blau-karierten Filzschuh, wie die Protagonistin Helen ihn trägt.

Ebenso so entzückend wie das Cover war dann auch der ...

Das Cover ist passend zur Handlung gestaltet und zeigt eine Maus schlafend in einem blau-karierten Filzschuh, wie die Protagonistin Helen ihn trägt.

Ebenso so entzückend wie das Cover war dann auch der Einstieg ins Buch von Simon van Booy, obwohl schnell klar wird, wie wenig Lebensmut Helen noch hat.
Einsamkeit im Alter ist hier ein großes Thema, dennoch gelingt es dem Autor, eine mutige, alltägliche Geschichte mit einem kleinen Helden in eine ganz andere Richtung laufen zu lassen.

Der Schreibstil ist leicht lesbar, mal sprudelnd, mal leise und melancholisch, dann recht rasant- wie die Geschichte von Helen und Merlin. Ein Auf und Ab wieder jedes Leben.

Während sie sich zu Beginn noch wehrt und dieses Nicht-Haustier so schnell wie möglich aus ihrem neuen Zuhause haben will, sorgt Merlin dafür, daß er ihr (heimlicher) Lebensinhalt wird. Und nicht nur das, durch Merlin lernt sie einige kuriose Menschen kennen, die sie dann ihre Freunde nennen darf.

Eine Geschichte, zart und leise, wie ein Märchen für Erwachsene.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere