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Veröffentlicht am 17.12.2025

Todesfall in der Eishölle

Das Ganymed-Fragment
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Das Cover ist so düster und geheimnisvoll wie die Geschichte selbst und passend zum Inhalt gestaltet. 3 Menschen in Raumanzügen stehen in einer Gesteinshöhle und schauen in eine Art Grube vor ihnen. Womit ...

Das Cover ist so düster und geheimnisvoll wie die Geschichte selbst und passend zum Inhalt gestaltet. 3 Menschen in Raumanzügen stehen in einer Gesteinshöhle und schauen in eine Art Grube vor ihnen. Womit wir schon inmitten der Handlung sind.

Im Jahr 2225, auf der Raumstation Ceres, lebt Alan Bishop, ein abgehalfteter Ermittler, der selbst in dem Dreck haust, in dem er die Verbrechen aufklärt.
Ceres war zuvor ein Glanzlicht der Hoffnung auf der Suche nach Rohstoffen und ist nun zu dem korrupten Ghetto geworden, von dem alle (von) der Erde entfliehen wollten.
Alan erhält den Auftrag, nach Ganymed zu reisen, um dort den Tod eines Minenarbeiter aufzuklären. Dieser starb unter mysteriösen Umständen, die mit einem außerirdischen Artefakt in Zusammenhang stehen.

Den Schreibstil empfand ich bisweilen als schwer zugänglich, da er noch sehr roh und häufig zu technikverliebt war. Auch den Dialogen merkt man deutlich an, daß der Autor noch "neu im Geschäft" ist. Einiges wirkte sehr hölzern, einige Begegnungen oder Handlungen sehr konstruiert.
Den Protagonisten Alan konnte ich mir gut vorstellen, auch seine Art zu denken gefiel mir.

Autor David Reimer kombiniert hier Sci-Fi mit einem eher klassischem Detektivroman und fügt noch einige Thrillerelemente hinzu.
Die politische Themen, Machtmißbrauch, Korruption u.ä. wirken gut durchdacht und geben dem Roman Aktualität.
Die Welt, die er erschuf, ist so durchaus vorstellbar, dennoch braucht man etwas bis man in die Geschichte hineinkommt. Dann ist sie aber durchaus fesselnd. Leider wurde so gar nicht auf die nicht-irdische Technologie des Fundstückes eingegangen. Schade.

Insgesamt war es mir zu überfrachtet, einiges zu konstruiert und unlogisch... und daß es eine Fortsetzung gibt, hätte ich auch gern vorher gewußt.
Gute 3.5 ☆

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Veröffentlicht am 28.08.2025

Adelsfamilie

Lázár
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Das Cover zeigt ein weißes Pferd, einen Schimmel, vielleicht einen Lippizzaner- eine Rasse, für die Slowenien berühmt wurde. Im starken Kontrast zu dieser (barocken) Szenerie erscheint in Schrift in einem ...

Das Cover zeigt ein weißes Pferd, einen Schimmel, vielleicht einen Lippizzaner- eine Rasse, für die Slowenien berühmt wurde. Im starken Kontrast zu dieser (barocken) Szenerie erscheint in Schrift in einem starken Gelb, das nicht wirklich dazu paßt.

Der erste Eindruck des Erstlingswerkes "Lázár" von Nelio Biedermann war fesselnd und berührend zugleich.

Ein Kind, Lajos, wird geboren, "durchsichtig" ist es, doch gesund, bescheiningt der Arzt.
Der Vater, ein Baron, auch nur der 2. in der Rangfolge, herrscht nur, weil sein Bruder Imre psychisch krank ist, und denkt sogleich an Kindsmord, als er Lajos erblickt.
Seine Mutter Maria hingegen, offenbar schwer depressiv, hatte eine Affäre mit dem Stallmeister, dessen Ergebnis Lajos ist.

Was mich zu Beginn für das Buch einnahm, war vor allem der Schreibstil des Autors.
Auch könnte die Handlung des Buches gut als Grundlage zu einer Verfilmung dienen. Die Umsetzung im weiteren Verlauf konnte mich nicht überzeugen, vieles blieb zu schnell abgehandelt, unaufgelöst, ungesagt.

Die Geschichte der Familie umfasst mehrere Jahrzehnte und zeigt auch den geschichtlichen Wandel in Ungarn während diesem langen Zeitraums auf, das Ende der Monarchie,
vor allem aber auch die innerfamiliären Konflikte, die durch Neid, Eifersucht, Verachtung und des damaligen typischen Umgangs mit den Kindern (Züchtigung, Aufenthalt im Internat) geprägt sind.
Zugleich spielen Suizide, schwerster Alkoholismus und immer wieder extreme sexualisierte Szenen (Gedanken und Phantasien, die detailliert beschrieben werden) eine - zu wichtige - Rolle.
Die Figuren blieben blaß, zum Großteil unsympathisch und ich konnte mich nur wenig mit ihnen identifizieren.

Lange Schachtelsätze sorgen für eineLangatmigkeit und Anstrengung, die angepriesene Leichtigkeit fand ich jedenfalls nicht.

Für mich war diese Familiengeschichte einer ungarischen Adelsfamilie sehr überfrachtet, unauflöst und hat bis auf den wunderschönen poetischen und detallierten Schreibstil in höherer Sprache nur wenig Freude gemacht.

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Veröffentlicht am 27.08.2025

Neuanfang

Zwischen zwei Leben
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Das Cover des Buches "Zwischen zwei Leben" von Minna Rytisalo ist typisch für das Literaturgenre gestaltet. Eine Frau, wohl die Protagonistin Jenny, beugt leicht den Kopf seitwärts und knetet dabei gedankenverloren ...

Das Cover des Buches "Zwischen zwei Leben" von Minna Rytisalo ist typisch für das Literaturgenre gestaltet. Eine Frau, wohl die Protagonistin Jenny, beugt leicht den Kopf seitwärts und knetet dabei gedankenverloren ihre Hand.

Die Geschichte von Jenni Mäki, die nach der Trennung von ihrem Mann Jussi ihr neues Leben damit beginnt, ihren Namen in Jenny Hill zu ändern, überzeugt durch ihren poetischen und nach innen gerichteten Ton ihrer Hauptprotagonistin.

Relativ sachlich-neutral beschreibt Jenny ihre neue Realität als Singlefrau. All' ihr Erleben bei der Arbeit, mit ihrer Schwester, ihrer Mutter, ihrer Wahrnehmung der Wechseljahre.
In Rückblenden geht es natürlich auch um ihren untreuen Mann Jussi und seine Affären.
Und die Anforderungen und der Druck von Außen und dem Erkennen, daß Nein-Sagen tatsächlich doch eine Option ist.

Dem gegenüber stehen die Briefe, die sie an Brigitte Macron schreibt- auf den Rat ihrer Therapeutin hin.
Zudem gibt es Ratschläge der Ajattaras- deren Bedeutung ich erst googlen mußte. Es handelt sich um finnische Waldgeister!
Hier wäre wohl ein Hinweis des deutschen Verlages hilfreich gewesen.
Diese unterstützen Jenny, werden aber (nur in der deutschen Übersetzung?) als Märchenfiguren wie Rotkäppchen, Schneewittchen, Rapunzel usw. dargestellt, die mit denen an ihnen haftenden Klischees/ "Märchen" aufräumen wollen und Jenny auf den richtigen Weg bringen.

Minna Rytisalos Roman "Zwischen zwei Welten" ist kein aufregendes Buch, es gibt hier keinen Dramatik oder Spannungsbögen.
Stattdessen nimmt der Leser an Jennys Inneren Anteil, an ihren Sorgen, Unsicherheiten, Gedankengänge und ihrer Verwandlung in eine neuen, andere Frau. Mit einer Vergangenheit, vor allem aber mit einer Zukunft. Die sie selbst bestimmt und gestaltet.

Alles in allem fand' ich den Einstieg in den Roman am Besten, zum Ende hab ich nur noch durchgehalten. Und das, obwohl ich mich auch gerade in einer Umbruchsphase befinde- aber vll. ist genau das das Problem. ;)

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Veröffentlicht am 19.01.2025

Das Killer-Profil

The Killer Profile
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Das Cover verrät nicht allzu viel, ist aber genretypisch eher mysteriös und dunkel gehalten. Die Farbwahl und die besondere Haptik konnten mich jedoch überzeugen.

Midnight Jones, Anfang 30, arbeitet für ...

Das Cover verrät nicht allzu viel, ist aber genretypisch eher mysteriös und dunkel gehalten. Die Farbwahl und die besondere Haptik konnten mich jedoch überzeugen.

Midnight Jones, Anfang 30, arbeitet für die einflußreiche BioTech-Firma Necto. Sie lebt gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Dawn, die durch mehrfache Behinderungen stetige Unterstützung im Alltag benötigt.

Bei ihrer Arbeit stößt Midnight auf ein "Profil K" (= Killer) und ist zutiefst beunruhigt.
Ihre Vorgesetzten wiegeln ihre Bedenken jedoch ab und erinnern an ihre Verschwiegenheitsklausel.
Deshalb versucht Midnight, ihn allein zu finden, denn in ihrer Nähe finden grausame Morde an Frauen statt und die Polizei kommt nicht weiter.
So glaubt Midnight, nur sie kann ihn jetzt noch aufhalten.

Parallel: "Der Bewerber" beschreibt seine Gedanken und später auch grausamen Taten... und hat Midnight bereits im Visier.

So springt man zwischen dem Erleben und den Gedanken Midnights und des Mörders hin und her und wird durch einige Nebenfiguren immer wieder auf falsche Fährten geschickt.
Eli, Amber und Jessica blieben jedoch recht blaß gegenüber den Hauptprotagonisten. Hier hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht.

Es wird auch eine medizinische Erklärung für die Taten des Mörders gegeben, er soll unter dem Renfield-Syndrom leiden.
Nach einer Jugend im "Umerziehungsheim" voller Züchtigungen, wurde absichtlich seine extreme Neigung durch den Test wieder erweckt.

Daß allerdings die Patientenakten eines "Sanatoriums" weiterhin im Keller gelagert werden und bei einem Verkauf einfach an den Käufer übergehen, das ist schon sehr viel Fiktion.

Die Figur der Doris mochte ich dagegen sehr. Midnight lernt sie im Supermarkt im Zuge ihrer Recherche kennen und trotz aller Unterschiede freunden sich die Frauen an- was vor allem Dawn zugute kommt, denn Doris und sie haben gleich eine besondere Verbindung zueinander.

Es gab einige Logikfehler bzw. in der Nachvollziehbarkeit des Verhaltens einiger Figuren, und auch die Brutalität der Morde oder der Videos im Test, die hier sehr detalliert beschrieben werden, könnten einige Leser abschrecken.

Ein schonungsloser, extrem spannender Thriller, der durch den Perspektivwechsel zwischen den Hauptprotagonisten noch fesselnder wird.

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Veröffentlicht am 21.12.2024

Wandel

Für immer
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Bestsellerautorin ​Maja Lunde wirft in ihrem neuen Roman „Für immer“ eine überaus faszinierende und schon philosophische Frage auf:
Was passiert, wenn die Zeit stillsteht?

Mir gefiel vor allem die persönliche ...

Bestsellerautorin ​Maja Lunde wirft in ihrem neuen Roman „Für immer“ eine überaus faszinierende und schon philosophische Frage auf:
Was passiert, wenn die Zeit stillsteht?

Mir gefiel vor allem die persönliche Betrachtung der Protagonisten, für wen ist dies ein Gewinn (an Zeit, wenn die Alterung oder die tödliche Erkrankung stoppt) und wer verliert?
Und während man zu Beginn des Romans zu wissen glaubt, wer in welche Kategorie zu fallen scheint, verschwimmen im Verlauf die Grenzen.

Dieser Roman verläuft geradlinig, ruhig. Wie gewohnt begeistert Lunde mit ihrer poetischen, aber eindringlichen Stimme. Mal spielerisch, mal intensiv- immer spannend und fesselnd.

Das Cover ist wunderschön gestaltet und ein absoluter Blickfang. Auf einem sattgrünem Untergrund, explodiert der Kopf einer roten Tulpenblüte.

Konträr zum Stillstand im Leben der Menschen beschreibt Lunde die unvergängliche Macht der Natur, die sich zwar stetig wandelt, keinen Stillstand duldet, aber immer voller Leben und Kraft ist.

Sollte uns das nicht zu denken geben?

Ein wunderschöner, nachdenklicher Roman, über das (Über-) Leben und die Kraft all dessen, was wir Natur nennen.

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