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Veröffentlicht am 20.10.2020

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Ada
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.. scheint Ava bereits die erste Hälfte ihres Lebens verbracht zu haben. Nun möchte sie dies' mithilfe eines Psychotherapeuten aufarbeiten. Diesen Einstieg bekommen wir in die Ich-Erzählung eines Lebens, ...

.. scheint Ava bereits die erste Hälfte ihres Lebens verbracht zu haben. Nun möchte sie dies' mithilfe eines Psychotherapeuten aufarbeiten. Diesen Einstieg bekommen wir in die Ich-Erzählung eines Lebens, dem von Ada.

Das Cover ist ansprechend, das Gesicht einer jungen Frau- geheimnisvoll und nicht ganz scharf- eine ältere Photographie? definitiv jedoch mit hohem Wiedererkennungswert.

Schauspieler Christian Berkel ist (auch) ein grandioser Autor, das hat er bereits mit seinem Debüt "Der Apfelbaum" bewiesen, der von Kritikern und Lesern begeistert gefeiert wurde. "Ada" baut darauf auf, ist aber eine in sich geschlossene Geschichte und kann auch ohne die Vorkenntnisse gut verstanden werden.

Ada, 1945 geboren, lebt mit ihrer alleinerziehenden Mutter Sala in Argentinien, bis sie knapp 10jährig gemeinsam nach Berlin zurückkehren. Dort lernt sie ihren Vater Otto kennen, auch er ein Schweiger. Das glückliche Familienleben stellt sich nicht ein, Mutter Sala manisch-depressiv, Otto ein dauerarbeitender Arzt und mittendrin Ada, allein. Auch draußen, in diesem fremden Land fühlt Ada sich unwohl, unwillkommen.

Und das ist ihre Sehnsucht- ankommen, sich zuhause fühlen. Entwurzelt wie Ada ist, gelingt das nicht. Um sie herum leben die Erwachsenen so, als hätte es den Krieg nicht gegeben. Er wird einfach nicht erwähnt.

Christian Berkel hat eine Art, diese Geschichte so zu erzählen, daß man glaubt, tatsächlich einer Frau zuzuhören. Anfangs kindlich naiv, später aufsässig, dann gereifter, ja schon melancholisch bringt er uns Ada sehr nah. Ihre Suche nach ihren Wurzeln, ihrer Identität, nach Nähe, Zusammengehörigkeit- all das beschreibt er intensiv und das auf eine so leicht-verständliche Weise, daß man gar nicht aufhören möchte, ihm zu folgen.

Mir hat "Ada" vom beeindruckenden Schreibstil sehr gefallen, die Handlung wies' einige wenige Schwächen auf, dennoch mit 4* durchaus empfehlenswert.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.10.2020

Kontrolle oder Chaos

Final Control
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Bestseller-Autor Veit M. Etzold hat einen neuen Politthriller geschrieben.

Das Cover ist genretypisch gehalten- der Bezug zur Handlung findet sich in der Linse (Überwachung) und der angedeuteten Flagge ...

Bestseller-Autor Veit M. Etzold hat einen neuen Politthriller geschrieben.

Das Cover ist genretypisch gehalten- der Bezug zur Handlung findet sich in der Linse (Überwachung) und der angedeuteten Flagge Chinas wieder.

Im Plot geht es um den Jungunternehmer Tom, der für sein Start-Up einen Investor
sucht und diesen schließlich in dem charismatischen Dairon Arakis findet. Arakis folgt seinen persönlichen Interessen, was Tom allerdings erst spät realisiert.

Der Schreibstil des Autors ist flüssig und die Charaktere detailliert beschrieben. Die Geschichte wird aus vielen unterschiedlichen Erzählsträngen, in z.T. sehr kurzen Kapiteln und mit recht schnellen Szenenwechseln erzählt. 
Dies' erfordert recht hohe Konzentration, um den Überblick nicht zu verlieren. Ein Personenregister fand ich dann am Ende des Buches- das wäre zu Beginn des Buches eine größere Hilfe gewesen.

Trotz der Schwere des Stoffes schafft es Autor Etzold, den Plot so spannend darzustellen, daß man gefesselt davon dabei bleibt. Er verknüpft dabei Realität und Zukunftsvisionen, die vielleicht gar nicht so fiktiv sind wie die meisten von uns glauben (wollen).

Daten zusammentragen, damit handeln und so die Wirtschaft zu beeinflussen- das ist längst Realität.

Ein toller Thriller auf gehobenem Niveau... der etwas mehr fordert, und wohl gerade deshalb so gut unterhält.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.10.2020

Samuel- in 3 Teilen

Die Unschärfe der Welt
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Im Banat, Rumänien. Es sind die 60er, tiefster Kommunismus unter einem Diktator. Das Leben ist schlicht, oft hart.

Erzählt wird eine Familiengeschichte über mehrere Generationen in 3 Kapiteln.

Leitfigur ...

Im Banat, Rumänien. Es sind die 60er, tiefster Kommunismus unter einem Diktator. Das Leben ist schlicht, oft hart.

Erzählt wird eine Familiengeschichte über mehrere Generationen in 3 Kapiteln.

Leitfigur ist Samuel- erst als sprachloser Sohn, dann als flüchtender Teenager und schließlich als Vater im mittleren Alter.

Während die Sprache weich, zart, leise und poetisch ist, ist es die Realität für die Figuren oftmals nicht. Es ist kalt und rau im Rumänien zur damaligen Zeit und auch später, nach Ende des kalten Krieges.


Während die Welt unscharf dargestellt wird- erblühen die Protagonisten unter dem intimen Schreibstil und der Detailverliebtheit der Autorin- das gefiel mir sehr.

Es geht um die wichtigen Dinge im Leben dieser Familie, keine Randbegebenheit oder Begegnung mit anderen Figuren wird im Detail erwähnt.

Es ist alles reduziert, daher kommt dieser Familienroman auch mit wenigen Seiten aus. Und das, obwohl jeder Satz so intensiv gefühlt werden kann, daß es sich dennoch wie eine Familiensaga liest.

Ich kann das Buch uneingeschränkt empfehlen, mir persönlich hat es sehr gefallen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.10.2020

Islandmagie

Das Wörterbuch des Windes
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Island ist für mich ein Sehnsuchtsort, die Geschichten von dort konnten mich bislang immer fesseln. So auch der neue Roman von Nina Blazon.

Swea, deren Ehe an der Untreue ihres Mannes zerbrochen ist, ...

Island ist für mich ein Sehnsuchtsort, die Geschichten von dort konnten mich bislang immer fesseln. So auch der neue Roman von Nina Blazon.

Swea, deren Ehe an der Untreue ihres Mannes zerbrochen ist, versucht auf der einsamen Insel einen Neubeginn.
Ihr zur Seite stehen der ehemalige Lehrer Einar und dessen scheuer Untermieter Jón.

Swea und Einar erzählen im Wechsel ihren Weg mit dem Wind, der Fokus jedoch liegt auf ihr. Swea's Leben liegt in Scherben, sie fühlt sich allein, verraten, was soll sie tun?

Einar ist überaus freundlich und hilfsbereit- lädt er doch Swea ein, bei ihm im Sommerhaus am Meer zu bleiben- und gibt nur wenig von sich preis. Seine verschlossene, z.T. kauzige Art lassen vermuten, daß auch er Verlust und Schmerz nur zu gut kennt.

Ebenso wie Jón, der sich nach der Arbeit in die Garage und in den Alkohol flüchtet.

Doch allen gemein ist die Sehnsucht... nach Freiheit, Liebe, dem Leben. So retten sie letztlich zu dritt Houdini, eine Stute mit extremer Fluchttendenz und schaffen es mehr als einmal, mich zu verblüffen.

Dieses Buch ist Magie! Der Worte, des Windes, den man beim Lesen spürt. Es ist heilsam. Jedem Ende wohnt auch ein Anfang inne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.10.2020

Kontrolle?

Dunkler Raum
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"Dunkler Raum" von Autor Peter Robert ist ein durchaus komplexer, kritischer Gesellschaftsroman mit einigen Mystery- und Horrorsequenzen, in dem es z.T. auch recht brutal zugeht.
Auffallend ist der durchgängig ...

"Dunkler Raum" von Autor Peter Robert ist ein durchaus komplexer, kritischer Gesellschaftsroman mit einigen Mystery- und Horrorsequenzen, in dem es z.T. auch recht brutal zugeht.
Auffallend ist der durchgängig geradlinige Stil und das Halten der Spannung bis zum Ende.

Das Buchcover ist schlicht im Stil der Krimis der 70/80er gehalten.

Die Geschichte beginnt eher ruhig, im angenehmen Schreibstil. Lutz und Marion werden als Lehrerin und Hausmeister im Eliteinternat Gut Vogelstein eingestellt, sodaß sie mit ihren Kindern dorthin umziehen.
Scheint es zu Beginn wie der große Gewinn oder das Paradies, ändert sich dieser erste Eindruck recht schnell.

Im Kontrast dazu, der zweite Erzählstrang. Regina, alleinerziehende Mutter "im Ghetto", ungeliebt, fett, alkoholkrank? Und dennoch blitzt hier und da etwas wie Motivation auf. Aufzustehen, das Leben besser zu machen. Leider oft mit dem "falschen" Ergebnis.

Hauptprotagonist bleibt jedoch Lutz. Der erschreckt feststellen muß, daß nicht nur sein pubertierender Sohn sich massiv ändert, sondern offenbar alle Teens... überall auf der Welt. Alles gerät außer Kontrolle. Sie sind brutal, wirken wie ferngesteuert, bevor sie angreifen und die Hemmung zu Töten verlieren.

Ein großer Aspekt des Buches ist die (Gesellschafts)kritik. Da ging es leider zu wenig in die Tiefe, zu viele Themen wurden nur oberflächlich angekratzt. Klimawandel, Gentechnik, Alterseinsamkeit, Reichweite von staatlichen Behörden wie Jugendamt usw.

Einige Leser*innen bemängeln den Umfang des Buches mit über 750 Seiten. Da der Schreibstil flüssig und der Plot spannend war, hätte es für mich durchaus noch weitergehen können.

Ich würde dieses Buch empfehlen, wenn man nicht vor brutalen (dennoch realistischen) Szenen zurückschreckt, Dystopien mag, Gesellschafftskritik erträgt, und sich auf ein Gedankenexperiment einlassen kann, das nicht unvorstellbar ist.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere