Maigret vor dem Schwurgericht: Die Handlung beginnt eigentlich mit dem Ende, denn ein möglicher Täter soll vor dem Schwurgericht verurteilt werden. Doch Maigret, der sich mit den Ermittlungsergebnissen nicht zufrieden geben konnte, ermittelte weiter, und lässt nun vor Gericht die „Bombe platzen“. Der Angeklagte kommt frei, aber das ist noch nicht das Ende.
Das Verbrechen in dieser Geschichte scheint, wie sooft bei Simenon, nur Mittel zum Zweck zu sein, um in die Psyche der Menschen zu schauen und zeigen zu können, wie ein scheinbar gewöhnlicher Mensch Taten begehen kann, die man ihm eigentlich niemals zugetraut hätte.
Ein atmosphärisch dichter Roman, der mir in Hinsicht der Darstellung seiner Charaktere aber auch des Frankreichs der späten fünfziger Jahren gut gefallen hat.
Maigret und die Affäre Saint-Fiacre: In diesem Maigret-Krimi erfährt der Leser endlich mehr über den privaten Maigret. Ein Hilfeersuchen führt ihn nämlich in seinen Geburtsort, wo er einen angekündigten Mord zwar nicht mehr verhindern kann, aber aufklären wird.
Die Handlungsorte sind begrenzt auf Gasthaus, Kirche und Schloss, was eine dicht gewebte Atmosphäre heraufbeschwört, bei der die düstere Stimmung noch durch die dunkle Jahreszeit, in der der Roman angesiedelt ist, extra unterstrichen wird. Maigret selbst erkennt, je länger er vor Ort ist, dass dies nicht mehr der idealisierte Ort seiner Kindheit ist.
Alles in allem ein Maigret, der neben dem Krimi auch mal sehr Privates parat hält und dadurch vom üblichen Erzählmuster etwas abweicht.
Maigret und sein Revolver: Alles fängt damit an, dass Maigret in der eigenen Wohnung bestohlen wird. Das Diebesgut - seine Pistole. Wer ist der Dieb? Wozu braucht er die Waffe? Maigret ist gefordert. Als dann noch eine Leiche im Koffer auftaucht gibt es plötzlich eine Spur nach London, die Maigret eiligst zu verfolgen gedenkt.
Auch in diesem Band versucht Maigret die Tat aus dem Blickwinkel des Täters zu beurteilen und möchte verstehen warum er so handelte und ob er ihm eventuell den „roten Teppich“ ausrollen kann. Ist das jedoch nicht der Fall ist Maigret letztlich auch im Stande den Täter seiner gerechten Strafe zuzuführen.
Wie Maigret den Fall abschließt, das hört bitte selbst – es ist ein unterhaltsamer Fall, den ich hiermit gern weiterempfehle.
Maigret und die Unbekannte: In dieser Geschichte untersucht Maigret den Mord an einem jungen Mädchen, dessen Identität unbekannt ist. Maigret ist in erster Linie mehr am Charakter des Mädchens als an der Lösung des Falles interessiert. Wie üblich besteht seine Methode ja darin, in das Leben der Opfer und der Menschen, die sie umgeben, einzutauchen, bis die Identität des Mörders dabei irgendwann ins Blickfeld gerät. In verbissener Ermittlungskonkurrenz mit seinem Kollegen Lognon, macht sich letztlich genau diese Vorgehensweise Maigrets bezahlt.
Simenon lässt hier für Motiv und Täter wieder durch Maigret den Leser in familiäre Brennpunkte und soziale Hintergründe blicken. Ein Roman der ebenfalls wieder die empathische Seite des Kommissars thematisiert und er ihn dadurch dem Leser so „menschlich“ macht.
Fazit: Hörenswerter Maigret.