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Veröffentlicht am 02.07.2017

Auf der Suche nach der eigenen Identität

Swing Time
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In ihrem neuen Roman “Swing Time“ beschreibt Zadie Smith die wechselvolle Freundschaft zweier Mädchen aus gemischtrassigen Beziehungen in London. Sie stammen aus dem gleichen unterprivilegierten Milieu ...

In ihrem neuen Roman “Swing Time“ beschreibt Zadie Smith die wechselvolle Freundschaft zweier Mädchen aus gemischtrassigen Beziehungen in London. Sie stammen aus dem gleichen unterprivilegierten Milieu und wohnen in Sozialwohnungen in benachbarten Wohnblocks. Tracey und die namenlose Erzählerin begegnen einander als Kinder und freunden sich sofort an. Beide nehmen am Tanzunterricht in der Gemeinde teil, aber nur Tracey zeigt großes Talent und trainiert von da an intensiv für eine Karriere als Tänzerin. Die Ich-Erzählerin hat Plattfüße und liebt Musik und Gesang sowieso mehr als den Tanz. Sie besuchen schon bald verschiedene Schulen und verlieren sich immer wieder für viele Jahre aus den Augen. Während Tracey tatsächlich eine kurze Karriere als Tänzerin hat, arbeitet die Erzählerin nach dem Studium der Medienwissenschaft und mehreren Aushilfsjobs als Assistentin für den erfolgreichen Popstar Aimee. Da Aimee einen Teil ihres ungeheuren Reichtums zum Aufbau einer Mädchenschule in einem westafrikanischen Land einsetzen will, hält sich die Protagonistin immer wieder in Afrika auf. Die Arbeit für Aimee dauert viele Jahre und lässt ihr keinen Raum, ein eigenes Leben zu führen. Ohnehin wird die Erzählerin als von Natur aus antriebsschwach und orientierungslos gezeichnet. Sie war schon der intriganten, oft grausamen Tracey nie gewachsen. Meist steht sie als Beobachterin am Rand, bleibt passiv. Deshalb ist es auch möglich, dass Aimee sie genauso vereinnahmt, wie es schon die dominante Tracey und die ehrgeizige Mutter der Erzählerin getan haben.
Der Roman hat eine komplizierte Erzähl- und Zeitstruktur. Ein Prolog nimmt einen Endpunkt vorweg. Dann wird in zwei Erzählsträngen kapitelweise wechselnd einerseits in langen Rückblenden über Kindheit, Jugend und mittlere Jahre der Freundinnen, andererseits über die Arbeit für Aimee berichtet. Der ständige Wechsel der Zeitebene, die Personenvielfalt und die ungeheure Detailfülle zwingen den Leser zu aufmerksamem Lesen. Der Roman beschreibt nicht nur die mehrfach unterbrochene Freundschaft der beiden Frauen, sondern behandelt auch eine Vielzahl anderer Themen: Mütter und Töchter, Väter und Töchter, Rasse und Hautfarbe, Herkunft und Identität, die Geschichte der Sklaverei, die hochentwickelten Industrieländer und die Länder der Dritten Welt usw. Beide Mädchen haben auf Grund ihrer haselnussbraunen Hautfarbe schon in der Schule Schwierigkeiten, von denen weiße Mädchen nicht betroffen sind. Das setzt sich fort. Tracey bleibt nicht nur wegen ihres Drogenkonsums und zügellosen Lebens die ganz große Karriere verwehrt, sondern auch weil sie nicht den passenden sozialen und ökonomischen Hintergrund hat. Die Erzählerin dagegen stellt sich immer wieder die Frage nach ihrer Identität, sehnt sich nach Zugehörigkeit. In Afrika erhofft sie sich, bei ihren afrikanischen Schwestern dunkler Hautfarbe eine Heimat gefunden zu haben, muss aber feststellen, dass es keine homogene Masse afrikanischer Frauen gibt, sondern zahllose Stämme mit vielen verschiedenen Sprachen. Ihre bitterste Erkenntnis ist dabei, dass afrikanische Frauen sie als Weiße sehen, als etwas unbedarfte Repräsentantin der 1. Welt. Sie hat einen langen Weg zu gehen, bis sie ihren Platz im Leben findet.
Mir hat der nicht eben mühelos zu lesende Roman gut gefallen, wobei ich die Kapitel über die Freundinnen interessanter fand als die in Afrika spielenden Episoden. Es sieht für mich so aus, als ob Zadie Smith mit ihrem Buch einem Trend folgt: Romane über keinesfalls konfliktfreie Mädchen- und Frauenfreundschaften. Vor einigen Monaten habe ich Emma Clines hervorragenden Debütroman “The Girls“ gelesen, jetzt ist Elena Ferrante mit ihrer Tetralogie in aller Munde, und es gibt zahlreiche andere. Zadie Smith hat jedoch eine Geschichte geschrieben, die mit keiner anderen vergleichbar ist. Ein sehr empfehlenswerter Roman.

Veröffentlicht am 25.05.2017

Was geschah wirklich?

Into the Water - Traue keinem. Auch nicht dir selbst.
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Paula Hawkins zweiter Roman – Into the Water – beginnt mit einer grausamen Szene. Eine gefesselte Frau namens Libby wird von mehreren Männern ertränkt. Wie der Leser später erfährt, geschah dies schon ...

Paula Hawkins zweiter Roman – Into the Water – beginnt mit einer grausamen Szene. Eine gefesselte Frau namens Libby wird von mehreren Männern ertränkt. Wie der Leser später erfährt, geschah dies schon 1679. Die erst 14jährige Libby Seaton wurde umgebracht, weil sie angeblich eine Hexe war. Die eigentliche Romanhandlung setzt im August 2015 ein. Julia Abbott genannt Jules fährt in das verhasste Beckford und wohnt eine Zeit lang in ihrem Elternhaus, um sich nach dem Tod ihrer Schwester Danielle genannt Nel um ihre 15jährige Nichte Lena zu kümmern, die sie noch nie gesehen hat. Die Schwestern waren einander entfremdet wegen bestimmter Vorkommnisse in der Vergangenheit, als Jules 13 und Nel 17 Jahre alt waren. Nel ist von einer hohen Klippe in den berüchtigten Drowning Pool gesprungen, gestürzt oder gestoßen worden. Die Polizei ermittelt noch. Nel war in Beckford nicht beliebt, weil sie an einem Projekt arbeitete, das vielen am Ort nicht gefiel. Sie hatte die alten Geschichten um im Drowning Pool ertrunkene Frauen wieder aufrollt. Da gibt es jede Menge Geheimnisse, die verborgen bleiben sollen, Täter, die nicht zur Rechenschaft gezogen werden wollen.

Die Autorin macht es dem Leser nicht leicht. In zahlreichen, sehr kurzen Kapiteln nehmen 11 Erzähler zu den gegenwärtigen und vergangenen Ereignissen Stellung. Teils treten sie als Ich-Erzähler auf, teils wird ihre Sicht in der dritten Person vermittelt. Insgesamt passiert nicht besonders viel. Informationen werden häppchenweise verabreicht. Zum Teil dient auch der Hinweis, dass es da Geheimnisse und verborgene Zusammenhänge gibt, dem Aufbau von Spannung. Es werden viele falsche Fährten gelegt, und fast jeder macht sich verdächtig, bis auf der allerletzten Seite fast alle offenen Fragen beantwortet sind.

Dabei ist die Aufklärung von Nel Abbotts Tod nicht das einzige Thema des Romans. Es geht auch immer wieder um die Unzuverlässigkeit von Erinnerungen, veranschaulicht am Beispiel von Jules und dem Polizisten Sean Townsend. Traumata können ein Leben lang verdrängt werden, bis sie durch einen Auslöser wieder erinnert werden, alles kann sich ganz anders abgespielt haben, als wir meinen. Dieses Thema ist allerdings kürzlich in E.O. Chirovicis Roman “Das Buch der Spiegel“ ungleich eindrucksvoller behandelt worden.

Auf mich wirkte die Geschichte wirr und oft wenig plausibel. Man liest weiter, weil man die Auflösung kennen will, aber für mich hat der Roman erhebliche Mängel. Ich finde auch nicht, dass die vielen Erzählerstandpunkte einen positiven Effekt haben, sozusagen ein komplexes Gesamtbild ergeben. Dafür wäre es erforderlich, dass die Erzähler stärker differenziert sind, dass jeder mit einer je eigenen Stimme spricht. Das ist jedoch nur sehr eingeschränkt der Fall. Ein Verkaufserfolg wird das Buch auf jeden Fall. Wer 20 Millionen Exemplare seines Debütromans verkauft, genießt einen Vertrauensbonus beim Leser. Vielleicht sind ja auch nicht alle enttäuscht

Veröffentlicht am 25.05.2017

Das Hohelied der Freundschaft

Als wir unbesiegbar waren
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“Als wir unbesiegbar waren“ ("Invincible Summer") ist der Debütroman von Alice Adams. Die Handlung setzt im Sommer 1995 ein, als die Freunde Eva, Benedict und Sylvie ihr erstes Studienjahr in Bristol beendet ...

“Als wir unbesiegbar waren“ ("Invincible Summer") ist der Debütroman von Alice Adams. Die Handlung setzt im Sommer 1995 ein, als die Freunde Eva, Benedict und Sylvie ihr erstes Studienjahr in Bristol beendet haben. Eva studiert wie Benedict Physik, die talentierte Zeichnerin Sylvie will Künstlerin werden. Zu der Gruppe gehört auch Sylvies Bruder Lucien, der nicht studiert, sondern als Party Promoter und mit dubiosen Geschäften seinen Lebensunterhalt verdient. Zwei Jahre später trennen sich ihre Wege vorläufig. Benedict wird auf seinem Spezialgebiet Teilchenphysik promovieren, Eva wird Bankerin bei Morton Brothers in den Docklands. Im Jahr 2000 wandern die Vier noch einmal zusammen auf dem Pilgerpfad nach Santiago de Compostela. Ansonsten lebt jeder sein Leben, ohne dass der Kontakt abreißt.
Der Roman zeichnet 20 Jahre im Leben der Freunde nach (1995-2015) und zeigt dabei, wie Träume zerplatzen, Pläne scheitern. Jeder und jede von ihnen erlebt berufliche Fehlschläge und das Scheitern von Beziehungen. Nach den hohen Erwartungen kommt für alle der tiefe Fall, aber ihre Freundschaft überlebt alle Krisen. In der schlimmsten Not sind sie füreinander da. Für den gerührten Leser wird so deutlich: Freundschaft, Liebe und Loyalität sind das Wichtigste im Leben.
Eva ist in diesem Roman die Protagonistin. Sie ist jahrelang in den Womanizer Lucien verliebt. Benedict hingegen liebt Eva lange Zeit ohne Hoffnung, ist in den entscheidenden Momenten nicht in der Lage, ihr seine Gefühle zu offenbaren. Die Figur der Eva basiert im Übrigen auf den Erfahrungen der Autorin, die ebenfalls zeitweise in der City tätig war. Diese Tatsache erklärt das Fachchinesisch einzelner Passagen, z.B. S. 130: “Ein Kind zu bekommen war, als würde man mit Menschheits-Futures long gehen, mit einer Position, die man ständig überwachen musste und weder hedgen noch gleichstellen konnte.“ Alles klar?
Ansonsten ist “Als wir unbesiegbar waren“ ein schöner, gut lesbarer Roman, nicht unkonventionell oder innovativ, dafür gefühlvoll ohne Kitsch, mit einem Schluss, der Hoffnung vermittelt. Durchaus empfehlenswert.

Veröffentlicht am 29.04.2017

Von Bienen und Menschen

Die Geschichte der Bienen
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Maja Lunde hat mit “Die Geschichte der Bienen“ zum ersten Mal einen Roman für Erwachsene geschrieben. Der Titel lässt den Leser an ein Sachbuch denken. Tatsächlich handelt es sich jedoch um einen fiktionalen ...

Maja Lunde hat mit “Die Geschichte der Bienen“ zum ersten Mal einen Roman für Erwachsene geschrieben. Der Titel lässt den Leser an ein Sachbuch denken. Tatsächlich handelt es sich jedoch um einen fiktionalen Text, bestehend aus drei Erzählsträngen mit drei Protagonisten und ihren Familien. Die Autorin erzählt ihre Familiengeschichten aus der Perspektive von William, George und Tao und ordnet ihnen drei Kontinente und drei verschiedene Epochen zu. William lebt in England. Er ist gescheiterter Wissenschaftler, inzwischen Samenhändler und durchlebt 1852 eine akute Krise, die ihn ans Bett fesselt. Er hat seine Forschungen aufgeben müssen, um seine 10köpfige Familie zu ernähren und muss sich von Rahm, seinem ehemaligen Mentor, deshalb verspotten lassen. Er schöpft neue Hoffnung, als er einen neuartigen Bienenstock entwickelt, bis Rahm ihm mitteilt, dass es so etwas längst gibt. George lebt 2007 in Ohio mit Ehefrau Emma und Sohn Tom. Sein Hof samt Imkerei bringt nicht viel ein. Sein Sohn soll den Hof übernehmen, hat aber eigene Pläne. Dann passiert das Unfassbare: wie in anderen Regionen weiter südlich verschwinden auch in Ohio eines Tages die Bienen, und George verliert die Mehrzahl seiner Bienenvölker. Die Geschichte von Tao spielt in China im Jahr 2098. Bienen sind inzwischen ausgestorben. Riesige Obstplantagen werden von Arbeitern von Hand bestäubt. Es ist Schwerstarbeit, für die ein Schulbesuch bis zum achten Lebensjahr ausreicht. Die Bevölkerung ist drastisch geschrumpft, Armut und Hunger bestimmen den Alltag, die Städte verfallen. Die Katastrophe bricht über Tao und ihren Mann herein, als ihr kleiner Sohn Wei-Wen eines Tages bei einem Ausflug ins Koma fällt und an einen unbekannten Ort gebracht wird.
Die Autorin zeigt, wie das Leben dieser Menschen mit den Bienen zusammenhängt, wie eine Krise die familiären Bindungen und die Partnerbeziehung zerstört. Vor allem die Ehepartner entfernen sich voneinander und können nicht über die Dinge sprechen, die sie belasten. Lunde erzählt ihre Geschichte in sehr kurzen Kapiteln und führt die drei Erzählstränge am Ende zusammen. Sie macht deutlich, dass menschliches Leben, so wie wir es kennen, vom Wohlergehen der Bienen abhängt, dass die katastrophale Entwicklung, die sie aufzeigt, schon angefangen hat, denn die Ursachen – der Einsatz von Pestiziden, Monokulturen und Klimawandel mit extremen Wetterlagen – vernichten bereits heute Bienenvölker in aller Welt. Nur ein anderer, vernünftiger Umgang mit der Natur kann uns vielleicht noch retten.
Lundes zweites großes Thema ist das Verhältnis von Eltern zu ihren Kindern, von Müttern zu Söhnen, im Fall von William und George auch von Vätern zu ihren Söhnen. Überzogene Erwartungen und fehlende Kommunikation sorgen für gewaltige Probleme in diesen Familien.
Lundes Roman liest sich trotz einiger Längen gut und regt zum Nachdenken an, weil er Zusammenhänge aufzeigt, die so vielleicht nicht jedem bewusst sind. Eine durchaus empfehlenswerte Lektüre.

Veröffentlicht am 21.04.2017

Die Lebenden und die Toten

Der Freund der Toten
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Jess Kidds Debütroman “Der Freund der Toten“ (“Himself“) spielt im fiktiven Ort Mulderrig in der Grafschaft Mayo im Westen der Republik Irland. Der Roman beginnt im Jahr 1950 mit dem grausamen Mord an ...

Jess Kidds Debütroman “Der Freund der Toten“ (“Himself“) spielt im fiktiven Ort Mulderrig in der Grafschaft Mayo im Westen der Republik Irland. Der Roman beginnt im Jahr 1950 mit dem grausamen Mord an einer jungen ledigen Mutter. Ihr Sohn Mahony alias Francis Sweeney fährt 26 Jahre später nach Mulderrig, um herauszufinden, was damals mit seiner Mutter Orla geschah. Er kann nicht länger glauben, was man ihm im Heim in Dublin erzählt hat: dass seine Mutter eine Hure war, die kein Interesse an ihm hatte. Er hat einen Brief erhalten, der einen ganz anderen Hintergrund andeutet. Mahony ist ein sehr attraktiver, charmanter, aber sehr ungepflegt wirkender junger Mann, der mit seinem Charme jeden, vor allem Frauen, für sich einnimmt. Er ist jedoch keineswegs bei allen willkommen. Der Fremde soll die Vergangenheit ruhen lassen, vor allem keinen Mörder entlarven. In seiner Unterkunft Rathmore House findet er Verbündete: Shauna, die das Haus leitet, vor allem aber die exzentrische alte Schauspielerin Merle Cauley. Mrs Cauley bringt jedes Jahr im Gemeindesaal ein Stück zur Aufführung. Mahony soll die Hauptrolle in J.M Synges Playboy der westlichen Welt übernehmen. Beim Vorsprechen fragen sie die Dorfbewohner nach Orla und ihrem rätselhaften Verschwinden aus. Aber nicht nur die Lebenden liefern Informationen und Puzzleteilchen zu den damaligen Ereignissen. Auch die Toten sind eine wichtige Informationsquelle. Wie sich nämlich herausstellt, hat Mahoney von seiner Mutter übersinnliche Fähigkeiten geerbt und kann – genauso wie Mrs Cauley – die Toten sehen und sogar mit ihnen kommunizieren. Das ermordete Kind Ida führt ihn zu wichtigen Erkenntnissen und Orten. Für Mahony ist es ein langer und gefährlicher Weg.
Jess Kidds Roman ist ein merkwürdiger Genre-Mix aus Kriminalroman und magischem Realismus. Das ist eine problematische Mischung, die zwar sehr poetische und atmosphärisch dichte Beschreibungen erlaubt, aber auch die Spannung mindert, zumal der Leser auf der ersten Seite über den Mord informiert wird und den Täter lange vor dem Ende errät. Mich stört, dass auf nahezu jeder Seite etwas Paranormales passiert, dass die Toten ständig durch Wände und andere feste Hindernisse gleiten, dass es Invasionen von allen möglichen Tieren, z.B. Ratten, Spinnen, Fledermäusen, Maulwürfen, Dachsen usw. gibt, Unmengen von Ruß in die Häuser dringt, im Pfarrhaus plötzlich eine heilige Quelle sprudelt, schwere Stürme den Ort heimsuchen usw. Das ist des Guten zu viel und geht zu Lasten einer schlüssigen Handlung und von Sorgfalt bei der Charakterisierung. Es ist ein ungeheuer düsterer Roman mit vielen Toten bis hin zum Showdown, den auch der Protagonist nur knapp überlebt. Die detailliert beschriebene Brutalität gegenüber Mensch und Tier wäre unerträglich, gäbe es nicht auch viele Episoden von grotesker Komik. “Der Freund der Toten“ ist ganz unterhaltsam, aber für mich nicht frei von deutlichen Mängeln.