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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.03.2025

Eine kleine literarische Sternstunde

Vier Stern Stunden
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Ich bin eher zufällig auf "Vier Stern Stunden" von Daniel Glattauer gestoßen. Ich habe es in einem Bücherschrank entdeckt und ohne große Erwartungen mitgenommen. Umso überraschter war ich, wie gut mir ...

Ich bin eher zufällig auf "Vier Stern Stunden" von Daniel Glattauer gestoßen. Ich habe es in einem Bücherschrank entdeckt und ohne große Erwartungen mitgenommen. Umso überraschter war ich, wie gut mir dieses kurze Buch gefallen hat.

Die Geschichte spielt im Kurhotel Reichenshoffer, das regelmäßig literarische Lesungen veranstaltet. An diesem Abend ist der gefeierte Autor Frederic Trömerbusch zu Gast, der von der Kulturjournalistin Marielle Brem interviewt werden soll. Doch schnell wird klar: Der Mann, dessen Bücher gefeiert werden, ist persönlich eher enttäuschend – und das Gespräch gerät völlig aus dem Ruder.

Das Buch ist wie ein Theaterstück aufgebaut. Fast die gesamte Handlung spielt in einem einzigen Raum – dem Hotel, in dem die Lesung stattfindet – und lebt von den Dialogen zwischen den wenigen Figuren. Der Schlagabtausch ist pointiert, bissig und oft herrlich ironisch, sodass das Lesen richtig Spaß macht.

Obwohl das Buch sehr kurz ist, bleibt es dennoch in Erinnerung. Es ist leicht zu lesen, aber zugleich clever und amüsant. Eine kleine literarische Sternstunde, die mich wirklich positiv überrascht hat.

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Veröffentlicht am 23.02.2025

Wunderschön

Die Pachinko-Kugeln
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Die Pachinko-Kugeln von Elisa Shua Dusapin erzählt die Geschichte von Claire, einer jungen Frau mit koreanischen Wurzeln, die in der Schweiz aufgewachsen ist. Den Sommer verbringt sie in Japan bei ihren ...

Die Pachinko-Kugeln von Elisa Shua Dusapin erzählt die Geschichte von Claire, einer jungen Frau mit koreanischen Wurzeln, die in der Schweiz aufgewachsen ist. Den Sommer verbringt sie in Japan bei ihren Großeltern, die einst aus Korea dorthin ausgewandert sind. Ihr Großvater betreibt ein kleines Pachinko, doch die familiäre Verbindung zwischen ihnen wirkt brüchig.
Während ihres Aufenthalts soll Claire der jungen Mieko Französisch beibringen. Doch die Sprachbarrieren erweisen sich als Herausforderung – nicht nur im Unterricht mit Mieko, sondern auch im Umgang mit ihren Großeltern, die ihr fremd und distanziert erscheinen.
Das Buch thematisiert Identität, Entfremdung und das Leben zwischen verschiedenen Kulturen. In einer ruhigen, poetischen Sprache fängt Elisa Shua Dusapin die melancholische Atmosphäre einer Welt ein, die von unausgesprochenen Emotionen und familiären Spannungen geprägt ist.
Ein wunderschönes, feinfühliges Buch, das ich nur empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 23.02.2025

Hätte spannender sein können

The Trap. Wie weit würdest du gehen, um deine Schwester zu retten?
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Da ich bereits „The Nothing Man“ von Catherine Ryan Howard gelesen habe und es sehr gut fand, war ich gespannt auf ihren neuen Thriller The Trap.

Das Cover hat mir auf Anhieb richtig gut gefallen. Es ...

Da ich bereits „The Nothing Man“ von Catherine Ryan Howard gelesen habe und es sehr gut fand, war ich gespannt auf ihren neuen Thriller The Trap.

Das Cover hat mir auf Anhieb richtig gut gefallen. Es erinnert ein wenig an die 90er – schlicht, dunkel, mit wenigen Farbakzenten. Ich finde, es passt perfekt zur Geschichte und allgemein zum Thriller-Genre.

Vor einem Jahr ist Nicki spurlos verschwunden. Ihre Schwester Lucy gibt nicht auf und setzt alles daran, sie wiederzufinden. Selbst wenn sie dabei ihr eigenes Leben riskiert..

Bereits die ersten Seiten erzeugen ein ungutes Gefühl. Man erlebt eine Szene, in der eine junge Frau in das Auto eines Fremden steigt. Ich konnte mich sofort in ihre Gedanken hineinversetzen – ein Moment, der wohl vielen Frauen vertraut ist. Gerade deshalb fand ich es umso erschreckender, dass sie diese Entscheidung trifft.

Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, was mir grundsätzlich gut gefallen hat. Es sorgt für Abwechslung und ermöglicht tiefere Einblicke in die Figuren.
Anfangs empfand ich den Schreibstil als etwas holprig, was möglicherweise an der Übersetzung lag. Nach etwa einem Drittel wurde er jedoch flüssiger, und ich konnte mich besser auf die Geschichte einlassen.
Leider ließ die anfängliche Spannung nach dem packenden ersten Kapitel allmählich nach. Während der Einstieg noch fesselnd war, fehlte mir im weiteren Verlauf die konstant hohe Spannung, die ich mir von einem Thriller erhoffe.
Ein weiteres Manko waren für mich die Charaktere. Ich konnte mit keiner der Figuren wirklich sympathisieren, was es mir erschwerte, emotional mitzufiebern. Zudem blieben am Ende viele Fragen offen, was mich etwas unzufrieden zurückgelassen hat.

The Trap hat definitiv spannende Momente und überzeugt durch eine interessante Erzählweise. Leider konnte es die anfängliche Spannung nicht durchgehend halten, und die Charaktere blieben für mich eher distanziert. Wer Psychothriller mit verschiedenen Perspektiven und einem düsteren Setting mag, könnte dennoch Gefallen an dem Buch finden.

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Veröffentlicht am 02.02.2025

So kurz und doch so herzerwärmend

Die Tage in der Buchhandlung Morisaki
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Von einem Tag auf den anderen teilt Takakos Freund ihr mit, dass er heiraten wird. Doch nicht sie, sondern seine Freundin. Für Takako bricht eine Welt zusammen, und die Situation wird unerträglich, da ...

Von einem Tag auf den anderen teilt Takakos Freund ihr mit, dass er heiraten wird. Doch nicht sie, sondern seine Freundin. Für Takako bricht eine Welt zusammen, und die Situation wird unerträglich, da die beiden auch noch am selben Arbeitsplatz tätig sind. Schließlich beschließt sie, ihren Job zu kündigen. Inmitten dieser Krise erhält sie ein ungewöhnliches Angebot: Ihr Onkel Satoru, den sie kaum kennt, lädt sie ein, vorübergehend in seinem Antiquariat zu leben und ihm in der Buchhandlung Morisaki auszuhelfen. Takako, die mit Büchern eigentlich wenig anfangen kann, willigt widerwillig ein.

Die ersten Tage im Antiquariat verbringt sie damit, sich zurückzuziehen, stundenlang zu schlafen und ihre Sorgen zu verdrängen. Doch eines Tages greift sie zu einem Buch und langsam beginnt sich etwas in ihr zu verändern.

Satoshi Yagisawa hat mit "Die Tage in der Buchhandlung Morisaki" eine wundervolle, leise und tiefgehende Geschichte geschrieben, die mich von der ersten Seite an verzaubert hat. Auf nur knapp 200 Seiten wird so viel erzählt: von Trauer, Selbstfindung, Freundschaft, Liebe und – natürlich – der Kraft von Büchern.

Besonders begeistert hat mich das wunderschöne Buchcover, das wohl das Antiquariat Morisaki zeigt, mit Takako im ersten Stock. Es fängt die Atmosphäre der Geschichte perfekt ein.

Die Tage in der Buchhandlung Morisaki ist ein herzerwärmendes Buch, das mich noch lange begleiten wird. Für alle, die berührende, ruhige und lebensnahe Geschichten mögen, kann ich dieses Buch nur wärmstens empfehlen!

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Veröffentlicht am 29.01.2025

Mutter-Tochter-Beziehung

Die Gabe
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„Die Gabe“ von Suzumi Suzuki hat mich schon mit seinem schlichten, aber ausdrucksstarken Cover angesprochen. Es zeigt eine junge Frau, die vermutlich die Protagonistin der Geschichte darstellen soll.

Suzumi ...

„Die Gabe“ von Suzumi Suzuki hat mich schon mit seinem schlichten, aber ausdrucksstarken Cover angesprochen. Es zeigt eine junge Frau, die vermutlich die Protagonistin der Geschichte darstellen soll.

Suzumi Suzuki, eine japanische Autorin, erzählt auf knapp über 100 Seiten eine eindringliche Geschichte, die von Katja Busson ins Deutsche übersetzt wurde. Ich habe das Buch in kürzester Zeit gelesen, nicht nur wegen seiner Kürze, sondern vor allem, weil mich die Erzählung tief bewegt und mitgerissen hat.

Die Protagonistin führt ein Leben als Hostess in einem japanischen Rotlichtviertel. Ihre ohnehin schwierige Lebenssituation gerät weiter aus dem Gleichgewicht, als ihre schwerkranke Mutter sie bittet, bei ihr einzuziehen, um ihre letzten Gedichte zu schreiben. Doch die Krankheit schreitet schnell voran, und schon bald muss die Mutter in ein Krankenhaus verlegt werden.

Während wir die Protagonistin begleiten, wird deutlich, wie kompliziert und schmerzhaft ihre Beziehung zu ihrer Mutter ist. Alte Wunden brechen auf, unausgesprochene Vorwürfe und Verletzungen stehen zwischen ihnen.
Gleichzeitig ist die Geschichte eine Reise durch den Alltag der Protagonistin, geprägt von den Besuchen im Krankenhaus, ihrer Arbeit und einem Verlust, der über allem schwebt.

Die Erzählung ist leise, aber intensiv. Suzumi Suzuki schafft es, das schwierige Mutter-Tochter-Verhältnis und die emotionalen Spannungen einfühlsam darzustellen, ohne dabei alles auszusprechen. Es bleibt Raum für die eigenen Gedanken.

Für mich ist „Die Gabe“ eine traurige, aber wunderschön geschriebene Geschichte, die trotz ihrer Kürze lange nachhallt.

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