Architektur des Unheimlichen - Eine Rezension zu „HEN NA IE - Das seltsame Haus“
HEN NA IE - Das seltsame HausIn „HEN NA IE – Das seltsame Haus“ bittet ein Freund den Erzähler, sich den Grundriss eines Hauses anzusehen, das er kaufen möchte. Gemeinsam mit einem befreundeten Architekten fällt dem Erzähler schnell ...
In „HEN NA IE – Das seltsame Haus“ bittet ein Freund den Erzähler, sich den Grundriss eines Hauses anzusehen, das er kaufen möchte. Gemeinsam mit einem befreundeten Architekten fällt dem Erzähler schnell auf, dass mit der Architektur etwas nicht stimmt: unübliche Raumaufteilungen, versteckte Kammern und bizarre, leere Zimmer.
Im Verlauf der Geschichte erkunden die Figuren nach und nach die Geheimnisse, die hinter diesen seltsamen Plänen stecken und enthüllen dabei ein düsteres Geheimnis.
Meine Meinung (spoilerfrei):
Die Idee hinter dem Buch fand ich ausgesprochen spannend, insbesondere den Ansatz, einen Kriminalfall über Grundrisse und architektonische Auffälligkeiten zu erzählen. Das Konzept wirkt frisch und ungewöhnlich. Dennoch konnte mich die Umsetzung nicht überzeugen. Leider empfand ich den Spannungsaufbau als etwas schwach. Die Figuren ziehen aus den Grundrissen oft sofort die richtigen Schlüsse, sodass man als Leserin oder Leser kaum Gelegenheit hat, eigene Theorien zu entwickeln oder sich überraschen zu lassen. Dadurch wirkt das Ganze eher wie das Nachlesen eines alten Ermittlungsprotokolls als wie ein mitreißender Krimi. Der Schreibstil ist schlicht und gut lesbar, größtenteils als Dialoge geschrieben, mit wenigen beschreibenden Passagen. Das macht das Buch zwar leicht zugänglich, nimmt ihm aber auch emotionale Tiefe. Die Figuren bleiben flach, ihre Gefühle und Entwicklungen werden kaum beleuchtet. Besonders schade fand ich, dass die wenigen emotionalen Szenen, in denen man den Beteiligten näherkommt, nur sehr vereinzelt vorkommen. Mehr solcher Momente hätten der Geschichte gutgetan. Trotz dieser Schwächen hat mich der „Skizzen-Krimi“-Ansatz fasziniert. Das Konzept ist originell, und Uketsus Fähigkeit, mit beunruhigenden Ideen zu spielen, bleibt beeindruckend. Auch wenn mich das Buch nicht restlos überzeugt hat, bin ich neugierig auf die weiteren Bücher des Autors.
Fazit:
„Das seltsame Haus“ ist ein ungewöhnlicher Kriminalroman, der Architektur, Mystery und spekulativen Horror auf interessante Weise verbindet. Trotz eines etwas flachen Spannungsbogens und blasser Figuren lohnt sich die Lektüre für alle, die nach etwas Anderem suchen. Der einfache Schreibstil macht das Buch gut zugänglich, perfekt für zwischendurch, auch wenn der Tiefgang fehlt. Ich werde auf jeden Fall einen Blick auf weitere Werke von Uketsu werfen.