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Veröffentlicht am 01.08.2018

Schade, daß die Reihe endet

Das wilde Uff, Band 4: Das wilde Uff braucht einen Freund
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Das wilde Uff ist ein blaues, langhaariges Urzeitwesen mit Krallenfüßen ähnlich eines Huhns. Es ist 66 Millionen-Jahre alt und ganz schön verfressen und schwingt gerne und springt. Die letzten Jahrmillionen ...

Das wilde Uff ist ein blaues, langhaariges Urzeitwesen mit Krallenfüßen ähnlich eines Huhns. Es ist 66 Millionen-Jahre alt und ganz schön verfressen und schwingt gerne und springt. Die letzten Jahrmillionen hat er schlafend in einem Steinbruch verbracht, bis der rothaarige Lio ihn zufällig im Steinbruch auf der Suche nach einer abgestürzten Drohne fand. Dort war Prof. Othenio Snaida auf Forschungsexpedition nach genau solch einem Wesen, um es zu erforschen und auszustellen. Mit allerhand List und Tücke, gelingt es Lio und seiner Familie Uff geheim zu halten und Prof. Snaida von der Erforderlichkeit der Geheimhaltung zu überzeugen. Vor allem gelingt das Tante Ulrike, in die der Professor sich unsterblich verliebt, so sehr, daß nun sogar die Hochzeit ansteht. Während nun alles so schön sein könnte, jetzt das das Uff sich langsam auch an die Verhaltensregeln in Menschenhäusern gewöhnt, droht neuer Ärger. Uff ist langweilig, weil er das Haus nur versteckt in Lios Rucksack verlassen darf und ihm Artgenossen als Gesellschaft fehlen. Erstaunlicherweise empfängt er gerade jetzt per Quassel (einer urzeitlichen Uff-Verständigungsform mittels Funkwellen, die über die Ohren gesendet und empfangen werden) Signale. Ist er doch nicht allein? Uff möchte sofort los, nach Artgenossen suchen, aber Lio bremst ihn, da nun der amerikanische Forscher Prof. McDenver dem Uff auf der Spur ist und nicht unterschätzt werden darf.

Dies ist der 4. und letzte Band der Reihe rund um das wilde Uff, die für meine Töchter mittlerweile zum Sommerurlaub dazugehört. Das blaue zottelige Uff ist nicht nur witzig und unberechenbar, es hat auch ein großes Herz, so daß man es trotz all seiner Pannen und Katastrophen einfach gern haben muss. Dieser Abschiedsband ist emotionaler und etwas melancholischer als die übrigen Bände, die vor allem von Chaos und Kuddelmuddel geprägt sind. Klar, das Uff, wäre nicht das Uff, wenn es nicht wieder eine Spur der Verwüstung hinter sich herziehen würde, aber mittlerweile isst es nicht mehr unkontrolliert das Geschirr der Familie Peppel oder reißt sämtliche Lampen herunter. Vater Peppel ist ein lausiger Handwerker, dem Uffs Spuren sehr zu schaffen machten, gerade weil das Familienbudget sehr angespannt ist. Dies ist nun alles einfacher, ebenso wie das angespannte Verhältnis zum fiesen Vermieter Herr Winz, der mit ihnen im Haus legt. Wir fanden es toll, daß er trotz allem wieder mitspielte, wenn auch in einer kleineren Rolle, dafür tritt diesmal Lios Schulfreundin Lotta verstärkt auf den Plan, um das Uff-Schlamassel mit ihren vielen Einfällen zu entwirren. Immerhin gilt es die geheimnisvollen Quassel-Signale zu deuten und eventuell ein zweites Uff zu finden, ehe dem skrupellosen Prof. McDenver dies gelingen kann. Gerade das Wiederauftauchen bestimmter Personen aus den vorherigen Teilen, hat zu echt lustigen Momenten geführt, auch wenn es dieses Mal mehr spannend als lustig war. Da dies der letzte Band der Serie ist, empfiehlt es sich auch deshalb nicht mit diesem hier anzufangen. Wir selbst sind beim zweiten Band eingestiegen und das ging sehr gut, aber mit dem 4. und letzten Band wäre schade, da nimmt man sich doch einiges an Vergnügen, da die Bände auf einander aufbauen.
Die Schrift ist noch angenehm groß mit recht großem Zeilenabstand, so daß das Lesen nicht anstrengt, selbst Kinder ohne Leseroutine nicht. Dafür gibt es noch verstreut zahlreiche witzige, plakative Illustrationen von Benedikt Beck, der schon als Kind davon träumte Comiczeichner zu werden. Sollten die kleinen Leser dann die Geschichte beendet haben, könne Sie Punkte bei Antolin abräumen, wo dieses Buch gelistet ist.

Michael Petrowitz Jahrgang 1972 studierte an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Neben Kinderbüchern schreibt er Drehbücher und arbeitet als Dozent für Drehbuch schreiben und Dramaturgie. Inspirationen liefern ihm seine 5 Kinder, 4 Schildkröten und seine Frau. Platz für ein Uff hätten sich auch noch.

Ein schönes Ende einer tollen Reihe, von der wir traurig Abschied nehmen. 5 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 01.08.2018

Ein Klassiker, stets aktulell

Als Hitler das rosa Kaninchen stahl
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Nach der DDR wollte ich mich auf Grund der Kinderfragen gerne mit ihnen mit dem 3. Reich beschäftigen, ein Thema, das in meiner Kindheit allgegenwärtig war, heute aber wohl von einigen vergessen wird. ...

Nach der DDR wollte ich mich auf Grund der Kinderfragen gerne mit ihnen mit dem 3. Reich beschäftigen, ein Thema, das in meiner Kindheit allgegenwärtig war, heute aber wohl von einigen vergessen wird. Fast alles was ich fand war ab 12 Jahren und schon gar nicht als Hörbuch erhältlich... Doch Judith Kerr wurde im Juni 95 Jahre alt und in „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ erzählt sie von ihrer Kindheit von 1933 an, als die Familie aus Deutschland floh. Auch dieses Buch wird ab 11/12 Jahren empfohlen, als Hörbuch ist es aber bereits ab 9 Jahren sehr zu empfehlen.

Die 9 jährige Anna wächst in Deutschland ziemlich priviligiert auf. Ihr Vater ist ein berühmter Schriftsteller und Journalist und ihre Mutter eine Pianistin. Wie gut, daß sie loyales Personal haben, denn besonders praktisch veranlagt sind Annas Eltern nicht. Doch Annas Vater sieht die Entwicklung in Deutschland 1933 sehr kritisch und macht sich keine Illusionen. Von einem Bewunderer, erhält er den Hinweis, daß ihm der Pass abgenommen werden soll, sollte Hitler an die Macht kommen und so verlässt zuerst er heimlich Deutschland über Prag, während seine Familie am Tag vor der Wahl möglichst unauffällig über Stuttgart in die Schweiz ausreisen soll. Diese Entscheidung erwies sich als goldrichtig. In Zürich steigen sie in einem edlen Hotel ab und gehen davon aus, daß alles so weitergeht wie bisher, doch die Schweizer Zeitungen trauen sich nicht, Artikel des bekannten Hitler-Gegners zu veröffentlichen, die Neutralität halt. So kommt es, daß sie erst das edle Hotel verlassen und in einem Dortgasthof absteigen. Im Dorf und in der Dorfschule leben sich Anna und ihr älterer Bruder Max gut ein, doch als das Geld immer knapper wird, flüchtet die Familie nach Frankreich und Anna und Max landen in einem Land, in dem sie kein Wort verstehen, vorerst. Als es ihnen so richtig gut dort gefällt, müssen sie jedoch vor der Wirtschaftskrise erneut fliehen, nach London. Lange bevor die Nazis auch in Paris einmarschieren und sie dort in Gefahr wären.

Dies ist die Geschichte einer langen Flucht, einer Flucht derer, die auf ihr Recht zur Meinungsäußerung bestehen, die sich zwar bereitwillig an Landessitten anpassen, aber sich nicht verbiegen lassen wollen. Auch wenn Annas Vater ein großer Schriftsteller, aber in Alltagsdingen völlig unbeleckt ist, so erweist er großen Weitblick. Durch die frühe Flucht sowohl aus Deutschland, als auch aus Frankreich, mußte die Familien nie besonders große Gefahren durch die Nazis erfahren. Dadurch hat Anna trotz der ständigen Neuanfänge, eine schöne und sehr aufregende Kindheit. Sie kann sich mit dem Gedanken anfreunden keine Heimat mehr zu haben und ein Flüchtling zu sein, solange die Familie zusammenbleibt. Judith Kerr bringt Gedanken über Familie, Flucht, Entbehrungen und Herausforderungen wunderbar für Kinder und Erwachsene auf den Punkt! Die Gräueltaten des dritten Reichs werden zwar erwähnt, aber nicht in der Deutlichkeit, daß Kinder ab 9 Jahren es nicht verkraften können. Dafür wird die Geschichte aber auch immer wieder durch sehr lustige Momente aufgelockert. Wir haben dieses Hörbuch im Frankreichurlaub alle zusammen gehört und Annas Mühen beim Französisch lernen, hat die Kinder ganz nachhaltig beeindruckt, immer wieder mußten sie lachen und zitierten sie. Aus dem Grunde suchte ich ein Hörbuch, damit wir es wiederholt gemeinsam hören können, damit die Gefühle, die Erlebnisse, die Geschichte besser haften bleibt. Auch heute gibt es Flüchtlinge, die hier bei uns ganz neu anfangen müssen. Unsere Jüngste saß lange neben einem Flüchtlingsmädchen und hat von ihr viel gelernt, sie konnte in Frankreich ganz herrlich ohne Worte mit französischen Kindern spielen. Sprache ist wichtig, sie zu lernen ist schwierig. Anna und Max sind sehr intelligente Kinder und in ihrer Familie wird viel Wert auf Bildung gelegt. Doch auch für sie ist es eine sehr anstrengende Herausforderung eine neue Sprache zu lernen und es macht sie so unendlich müde, das Anna bisweilen der Mut zu verlassen droht. Aber sie gibt trotzdem nicht auf, so wie ihre Mutter sich redlich bemüht die Aufgaben einer Hausfrau zu lernen. Einmal wird es für die Familie brenzlig, daß hat die Kinder wirklich bewegt, so wie auch eine traurige Nachricht aus der alten Heimat, aber solange die Familie zusammenbleibt, wird alles gut. Daher ist dieses Buch noch immer aktuell, es macht Kindern begreiflich, wie schwer es erst für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus einem anderen Kulturkreis bei uns ein muß. Sie sind nicht alle Verbrecher, sie sind vor allem Opfer, Opfer eines Konfliktes, für den sie nichts können. Das macht dieses Werk nicht nur sehr persönlich, sondern immer noch aktuell, es zeigt, wie Geschichte sich wiederholt.

Sascha Icks liest mit unglaublich warmer, ausdrucksstarker Stimme. Es ist wohl gerade auch ihrer warmen Klangfarbe zu verdanken, daß unsere Jüngste niemals Angst verspürte. Sie hatte zwar die Gewissheit, daß Anna es schaffen würde, denn immerhin ist es das Alter Ego von Judith Kerr, die noch heute in London lebt und dort zahlreiche Kinder- und Jugend- und Drehbücher veröffentlicht hat, doch hätte ja auch ihrer Familie auf der Flucht etwas passieren können, oder der Bombenhagel in London hätte sie treffen können. Wir vier waren uns alle einig, daß Sascha Icks eine wirklich hervorragende Wahl als Sprecherin dieses ungekürzten Hörbuchs ist. Die Tonqualität ist wirklich ausgezeichnet, wir hatten auch zu viert im Auto keinerlei Verständnisschwierigkeiten durch Lautstärkeschwankungen. Die Lautstärke ist gleichbleibend, Höhen und Tiefen, werden alleine durch die deutliche und klare Stimme der studierten Otto-Falckenberg-Schülerin erzeugt.

Judith Kerr, Jahrgang 1923 verarbeitete in „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ ihre eigenen Kindheitserinnerungen, die 1971 erstmals erschien. Wie ihre übrigen Bücher schrieb Judith Kerr auch dieses Buch weder auf Deutsch oder Französisch, sondern auf Englisch.

342 Minuten haben wir den 5 CD's gebannt gelauscht, mehr als einmal. Es ist eine sehr gute Wahl, um sich mit Kindern dem Thema 3. Reich anzunähern, aber auch um sich die Bedeutung einer Flucht zu verinnerlichen.

Von uns erhält es das Prädikat besonders wertvoll!

Veröffentlicht am 13.07.2018

Hab Mut! Man ist nie zu jung oder zu alt, um was zu ändern!

Die Bremer Stadtmusikanten - was wirklich geschah: Oskar ganz nach oben
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Habt Ihr auch schon mal in Bremen vor der Statue der Bremer Stadtmusikanten gestanden und gestaunt, wie sie das hinbekommen haben? Wenn wir im Sportunterricht Menschenpyramiden erschaffen sollten, war ...

Habt Ihr auch schon mal in Bremen vor der Statue der Bremer Stadtmusikanten gestanden und gestaunt, wie sie das hinbekommen haben? Wenn wir im Sportunterricht Menschenpyramiden erschaffen sollten, war es auf jeden Fall alles andere als einfach und die Tiere im Märchen waren doch alt! Das war wohl auch der Grund für Gerlis Zillgens mach genauer nachzuforschen, wie das eigentlich wirklich war....

Hundejunge Oskar sitzt nichts ahnend zu Hause und knabbert an einem Knochen, als ihm seine Eltern, zwei berühmte Forscher nach Neufundland reisen müssen, er solle solange zu Opa nach Bremen, dort werde er auch eine Zeitlang zur Schule gehen. In Bremen ist es alles andere als schön. Opa hängt mit seinen alten Kumpels, die wie er ihre Arbeit verloren haben, weil sie zu alt sind, träge und frustriert in seinem Haus herum. Die Eselin, die dicke Katze und der alte Hahn fühlen sich ebenso nutzlos wie Oskars Opa. Am nächsten Tag in der Schule kommt es noch schlimmer. Er ist der Neue, kennt niemanden und hat keine Freunde. Klar, daß die zwei Klassenrabauken Rambo und Honda ihn drangsalieren, sobald er es mit dem Bockspringen bei ihm nicht klappt. Nur das zarte Pudelmädchen Tiramisu lässt sich von den zwei Rüpeln nicht einschüchtern und ist sogar nett zu Oskar. Mit ihr gemeinsam entwickelt er einen Plan, wie man es den zwei Klassentyrannen mal so richtig zeigen kann und Opa und seine Freunde müssen dabei mit machen. Tiramisu erweist sich als ziemlich unerbittliche Trainerin, aber trotzdem werden die alten Lebensgeister wieder wach!

Diese Geschichte zum Vorlesen und Selberlesen spielt mit den Fantasien der Kinder. Denn Märchen, so wie sie Kindern erzählt werden, werfen ja doch einige Fragen auf und sind bisweilen ziemlich gruselig. Hier werden keine gefährlichen Räuber verjagt, denn welches Kind ist schon bösen Räubern begegnet? Keins, eben, aber fiese Mitschüler kennen Kinder schon, leider. Doch wie soll man diesen begegnen? Sich bloß nicht unterkriegen lassen, wie die gewitzte Tiramisu dem eingeschüchterten Oskar zeigt und gemeinsam ist es sowie so viel leichter, mit Freunden traut man sich viel mehr. Tiramisu gibt Oskar aber nicht nur Selbstvertrauen, sie bringt auch Schwung in die frustrierte Rentnergang. Denn nachdem sie das Problem der zwei Schulhofrabauken analysiert haben, entwickeln sie einen listigen Plan, zu dessen Umsetzung sie die Hilfe der „Großen“ brauchen, doch die sind leider völlig aus der Form. Da hilft nur Übung und die fällt gerade am Anfang richtig schwer! Aber mit der Zeit wird es immer leichter und die Senioren sind auch echt stolz auf ihre beachtlichen Erfolge. Aber auch Oscar wird von Tiramisu nicht geschont. Ihre Trainingsmethode ist dabei sehr speziell und witzig, denn es erklärt mit frechem Augenzwinkern ein Wort, über das sich nicht nur Kinder bislang gewundert haben. Dabei macht Tiramisu auch den jungen Lesern Mut und Sport zum Durchhalten an. Auch Lesen ist anfangs anstrengend, fällt aber dann immer leichter!
Selbst ihre Kölner Wurzeln lassen sich beim Schulsport deutlich erkennen, gerade jetzt in wilden Fußballzeiten wird einigen großen oder kleinen Fußballfans auffallen, daß das Maskottchen des 1. FC Köln sich in die Geschichte hineingeschmuggelt hat. Keine Sorge, es ist nur ein kleines Bonbon am Rande und wird auch sicher Fußball uninteressierten nicht auffallen und nicht stören, für die anderen ist es weiter nur ein lustiges Extra.
Das Ende ist richtig klasse und lebensfroh! Es wird für alle eine sehr gute Lösung gefunden, die alle glücklich macht. Es wird den jungen Lesern vermittelt: hab Mut, trau Dich, halte durch Du schaffst es. Es lohnt sich in jedem Alter zu „kämpfen“, man ist nie zu alt oder zu jung, um etwas zu verändern.
Das Buch richtet sich an geübte Erstleser, das heißt, daß die Seiten wunderbar farbig illustriert sind, allerdings auch schon ordentlich Text auf den Seiten steht. Verwendet wird auch keine Fibelschrift und die Schrifttypen sind auch deutlich kleiner als in der Fibel oder auch im Lesebuch für das 2. Schuljahr. Die Seiten sind an und für sich schön groß, da wäre wirklich noch genug Raum für etwas größere und dickere Drucktypen, gerade wenn man bedenkt, daß Kinder oft weitsichtig sind. Die lesenden Kinder sollten also wirklich schon Spaß am Lesen gewonnen haben. Die lustige Geschichte, die mitten ins kindliche Forscherherz trifft, wird ihren Lesewillen belohnen.
Ach ja, was ich immer wieder vergesse, das Buch ist auch bei Antolin gelistet, wer also von der Schule her dort angemeldet ist, kann hiermit weitere Punkte sammeln.

Sowohl die Geschichte, als auch die umwerfenden Illustrationen von Katja Jäger sind wirklich toll. Witzig, frech und kurzweilig. Da aber aller Anfang schwer ist, ziehe ich einen Stern für den Schrifttypus und die Schriftgröße ab, weil meine Töchter anfangs Serifenschrift komplett verweigert haben und beide nun einhellig der Meinung sind, die Schrift wäre zu klein für Anfänger. Das ist ein Punkt, der uns sehr wichtig ist, weil meine Kinder deswegen ganz oft auf ebooks umsteigen, um die Schrift zu vergrößern und es hier nur die wunderschöne Printausgabe gibt, bei der es diese Möglichkeit leider nicht gibt.

Daher leider nur gute 4 von 5 Sternen, die Geschichte und die Illustration verdienen 5.

Veröffentlicht am 09.07.2018

Spannung, Spaß und Spuk

House of Ghosts – Pension des Grauens (House of Ghosts 3)
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Nachdem Melli in den zwei Bänden zuvor den alten verfallenden Familienstammsitz auf dem Land von ihrer Urururgroßcousine Emilie geerbt hat, hat sie auch deren Erbe als Hüterin der Pforte ins Jenseits angetreten. ...

Nachdem Melli in den zwei Bänden zuvor den alten verfallenden Familienstammsitz auf dem Land von ihrer Urururgroßcousine Emilie geerbt hat, hat sie auch deren Erbe als Hüterin der Pforte ins Jenseits angetreten. Sie soll den reinen Seelen beim Übertritt ins Jenseits behilflich sein und vor Übergriffen des Fürsten des dunklen Jenseits beschützen. Gar keine so leichte Aufgabe, wenn man noch so jung ist und bislang stets in New York gelebt hat. Aber dank ihres neuen Freundes, des Nachbarjungen Hotte, einem jungen Geisterforscher und den Aufzeichnungen ihrer Vorgängerin, ist bisher noch immer alles gut gegangen. Zuletzt haben sie sogar den Goldschatz gefunden, mit denen die Seelen ihren Übertritt an die Hüterin entlohnen. Hiermit konnte ihre Familie alle Schulden bezahlen und die Villa vor dem Zugriff gieriger Spekulanten bewahren. Nunmehr soll die Villa in eine Pension umgewandelt werden, um das Familieneinkommen zu sichern. Der erste Gast trifft schon vor der Eröffnung ein und nur Melli ahnt, daß er kein Glücksfall ist: Prof. Schnöcks, der gerade in Schottland seinen Ruf als seriöser Geisterforscher völlig ruiniert ist und nun unbedingt eine Sensation braucht, um sich zu rehabilitieren. Dummerweise sind gerade die zwei Hausgeister Lodovico und Erasmus, ihre Gehilfen verschwunden und Melli und Hotte sind auf sich allein gestellt, na ja, bis auf Hottes tolpatschige Dogge Roddie.

Zu Beginn gibt es einen kurzen Rückblick, damit man schnell wieder in der Geschichte mittendrin ist, oder eben für Neueinsteiger. Das ist sehr hilfreich, da auch bei uns der zweite Band schon eine Weile zurückliegt. Schade fanden wir, daß Lodovico und Erasmus verschwunden sind, auch wenn es schon sehr geheimnisvoll und verdächtig erscheint, was ihnen da zugestoßen sein könnte. Bis auf den Einäugigen, den geheimnisvollen Helfer aus der Geisterwelt, der die Seelen vom Übertritt ins Jenseits abhalten und dem Fürsten der Finsternis übergeben soll, sind die bisherigen Übeltäter der Vorgängerbände aus dem Spiel. Das ist ein wenig schade, aber Professor Schnöcks hält die Freunde derart im Atem, daß sie auch keine Zeit hätten, sich noch um die Bürgermeisterin und ihre Brüder zu kümmern. Die Eröffnung der Pension und die Verheimlichung der verstärkten paranormalen Aktivitäten lässt die Zwei nicht zur Ruhe kommen. Melli ist auf der ganzen Linie gefordert, denn neben Professor Schnöcks, gibt es noch ein weiteres Problem, daß wir nicht verraten möchten.

Meine nunmehr 11-jährige Tochter liebt Geistergeschichten und Mellis und Hottes Kampf zur Rettung verirrter Seelen gefällt ihr wirklich gut. Die Ideen sind sehr fantasievoll und noch nicht so abgedroschen, dabei aber auch witzig. Gerade Dogge Roddie und Mellis kleiner Bruder Bobbyboy sorgen für allerlei komische Momente. Die Geisterberater Ludovico und Erasmus erinnern bei ihren Einmischungen, die natürlich letztendlich doch noch erfolgen werden, immer ein wenig an Waldorf und Stattler aus der Muppet Show. In diesem Band dreht es sich um eine Frage, die wir uns bislang immer gestellt haben: Wie wurde der Einäugige zu dem was er nun ist? Was hat er in seinem letzten Leben angestellt, daß er so enden mußte? Die Antwort darauf ist wirklich schlüssig und gefällt uns sehr gut. Da wir allerdings den Eindruck haben, daß dies der finale Abschlußband der Reihe ist, fanden wir das Ende etwas zu abrupt, da hätten wir uns noch die Klärung einiger offener Fragen gewünscht.

Illustriert wird das Buch zweifarbig vom Illustrationsmeister der Geister Fréderic Bertrand, der schon unzählige Geistergeschichten für junge Leser optisch aufgepeppt hat und dessen skurril-freundlich-gruseligen Stil wir sehr mögen.

Auch wenn Frank M. Reifenscheid sich der Leseförderung von Jungen verschrieben hat, können auch Mädchen dieses Buch sehr gut lesen, immerhin ist die Heldin der Geschichte ja ein Mädchen, denn die Hüterin der Pforte muß weiblich sein. Doch was wäre Melli ohne das langjährige Fachwissen von Hotte, der aus einer alten Familie von Geisterforschern stammt und der das Handbuch über Geistererscheinungen seines Urgroßvaters neu auflegen möchte? Da beide ohne den anderen aufgeschmissen wären, ist es also wirklich sehr ausgewogen und für alle Kinder geeignet, die auf Spukhäuser stehen.

Alles in Allem hat uns die Mischung aus Spannung, Spaß und Grusel wirklich gut gefallen und wir empfehlen auch diesen Band gerne weiter.

Veröffentlicht am 08.07.2018

Witzige Chick-lit, ab einsetzender Pubertät!

Mädchen, die schnurren, kratzen trotzdem
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Annabelle hat sich nach anfänglichen Schwierigkeiten an ihrer neuen Schule langsam eingelebt. Auf ihre Freundinnen Rachel, Claire, Jumi und Emma kann sie sich ebenso verlassen, wie auf ihren treuen kleinen ...

Annabelle hat sich nach anfänglichen Schwierigkeiten an ihrer neuen Schule langsam eingelebt. Auf ihre Freundinnen Rachel, Claire, Jumi und Emma kann sie sich ebenso verlassen, wie auf ihren treuen kleinen Hund Pepper, der ihr den Umzug erleichtern sollte. Doch ganz so einfach ist es nicht, die Clique um, die schreckliche T, wie Rachel Taylor und ihre zickigen Freundinnen nennt, sind eigentlich echt nett zu Annabelle und laden sie sogar an ihren Tisch in der Mensa ein, aber Rachel und die anderen auf gar keinen Fall! Ob ihr Hundeerziehungsratgeber ihr da auch weiterhelfen kann? Wohl eher nicht, ebenso wenig wie bei der Frage ob sie mit 11 Jahren wirklich schon ihre hellblonden Haare an den Beinen rasieren soll, oder beim Einkauf ihres ersten BHs. Damit sind die Probleme aber noch längst nicht zu Ende, denn Dussel hat ihrer Mum einen Heiratsantrag gemacht und die ist jetzt im Turbo-Hochzeitsplaner-Modus, voll der Stress für Annabelle, die schon genug Probleme mit der Pubertät an sich hat. Jetzt kommt auch noch Dussels Sohn Jason, der schon voll alt ist (20) für ein paar Wochen ins Haus und der ist kein Mini-Dussel, sonder voll süß und läßt ihr Herz schneller schlagen!

Der Einstieg gelingt sofort, den Band 2 beginnt eigentlich da, wo Band 1 endet. Annabelle zieht mit ihren Freundinnen zu Halloween los und gerät in die Fänge von Rachels schrecklichem Bruder Jackson. Doch ehe Annabelle in Panik verfällt, geht sie die Hundeerziehungsregeln durch. Da hat Jackson eigentlich keine Chance! Zu dumm nur, daß sie schon ziemlich ramponiert aussehen, als sie der schrecklichen T. begegnen. Annabelle die anderen gegenüber offen und gutwillig ist, ahnt noch nicht, was diese Zicken ihr für Probleme bereiten können, bei denen die Hunderegeln nicht immer helfen, sondern oft einfach nur Nachdenken und Bauchgefühl. Die Pubertät hat auch viel mit Emotionalem Lernen zu tun und auch wenn meine Jüngste Annabelles Pannen richtig peinlich findet (oh ja, es ist zum im Boden versinken!), so kann man von ihr auch einiges Lernen. Es gefällt mir sehr gut, wie Annabelle zu der Erkenntnis kommt, daß ein Krieg mit einer Zickenclique einfach nur Zeitverschwendung und nervenaufreibend ist, das sind sie einfach nicht wert. Auch kann man Freunde nicht einfach so stehlen, es gehören immer zwei dazu, niemand wird gegen seinen Willen gezwungen, die Freunde zu wechseln. Diese und andere wirklich sehr elementare Erkenntnisse gewinnt Annabelle, auf nicht immer ganz angenehme Weise, während sie teilweise vor Scham am Liebsten im Boden versinken würde. Meine Jüngste findet es sehr gut und lustig, aber auch etwas peinlich, weil so viel von Liebe geredet wird. Naja, sie wird ja gerade erst 9 Jahre alt und sie hat zum Glück andere Probleme. Aber sie hört wirklich interessiert mit und gerade die Lektion, daß Zicken eigentlich unwichtig sind, und nicht so viel Raum im eigenen Leben einnehmen sollten, man sollte versuchen, einfach darüber zu stehen, denn man hat je eigene Freundinnen, die prima sind, sind auch mit 9 Jahren sehr hilfreich. Das sieht sie auch so und hat direkt mal Band 1 zum Einschlafen mit ihrer Freundin gehört, denn Jungserziehungstipps kann man ja immer gebrauchen. Für mich sind es wirklich wertvolle Jung-Teenie-Probleme, mit denen es sich zu befassen, wahnsinnig peinlich ist. Daher fand ich das schon sehr süß, wie eingehend das Rasieren von Beinen erklärt wird und der Kauf des 1. BH's. Die Mädels fanden es nicht süß, sondern sehr interessant, auch wenn sie es mit keiner Silbe erwähnt haben, aber danach nach Trägern unter Shirts Ausschau hielten... Bei allen Peinlichkeiten, fühlt man aber immer mit Annabelle und steht auf ihrer Seite, weil sie echt sehr sympathisch und kein bisschen dusselig ist! Daher können Pubertiere auch viel besser Tipps und Ratschläge von ihr, als von Mama annehmen.

Ein sehr schönes Chick-lit-Einstiegsbuch und eine echte Hilfe bei beginnender Pubertät. Svenja Pages, ist deutlich älter als Annabelle, aber das hört man ihr überhaupt nicht an. Annabelle, ihre Freundinnen, die Superzicken und die Verkäuferinnen, schafft sie spielend leicht und sehr lebendig. Man schämt sich gleich mit! Die männlichen Rollen liegen ihr nicht ganz so, aber die spielen hier auch nur eine untergeordnete Rolle, auch wenn Jason ja sooooo süß ist! Aber junge weibliche Stimmen, eignen sich auch nicht so für Männerrollen.

Witzige Problem-Chick-Lit für den Nachwuchs ab 9 Jahren!