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Veröffentlicht am 06.03.2026

Ein Roman, wie ein erster Sommertag - wärmend, erweckend und vor allem Kraft spendend

Statt aus dem Fenster zu schauen
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Sophie steckt fest in ihrem Leben. Also macht sie das wovon garantiert jeder von uns schon einmal geträumt hat: Sie schlägt sämtliche Zweifel in den Wind und kauft ein Haus in der Provinz.
Dass das Haus ...

Sophie steckt fest in ihrem Leben. Also macht sie das wovon garantiert jeder von uns schon einmal geträumt hat: Sie schlägt sämtliche Zweifel in den Wind und kauft ein Haus in der Provinz.
Dass das Haus in der Ostdeutschen Provinz liegt und dazu noch ziemlich runtergekommen ist, ist erst mal aufgrund des Preises zu verschmerzen. Dass das Haus mitten im nichts liegt und sie dort ziemlich allein sein wird ist willkommen und trägt zur einzigartigen Stimmung im Roman bei.
Ein bisschen fühlt man sich beim Lesen nämlich selbst als würde man träge im trockenen Gras liegen und von Sonnenstrahlen gekitzelt werden.
Anna Katharina Scheidemantel hat einen wunderschönen Schreibstil, der es uns Lesenden sehr leicht macht sich wie Protagonistin Sophie zu fühlen, das alte Haus zu riechen, das surren der Insekten zu hören und auch gleichzeitig die Überforderung zu fühlen um danach in Aktionismus auszubrechen (ich gestehe, ich habe beim Lesen selbst nach zu renovierenden Häusern auf Kleinanzeigen gesucht).
Scheidemantel schafft es dabei meisterlich die leisen Töne zu treffen. Gekonnt und zart webt sie in Sophies Geschichte die großen Fragen denen man sich mit Mitte 20 (und auch noch danach, zumindest bei mir) gegenüber stehen sieht. Sophie wirkt gleichermaßen gefasst, wie verloren. Auf der Isomatte gekonnt eingebettet zwischen gesellschaftlicher Verpflichtung und aus dem Hamsterrad ausgestiegenen Hausbesitzer Pflichten.
Dabei ist es, wie mit den Tagen am Haus: Es muss nicht immer alles sofort zielführend sein. Man darf sich auch mal treiben lassen und den Moment genießen.
Ich hätte nicht gedacht, dass ein Buch bei dem es über lange Strecken kaum bis keine anderen Menschen gibt als die Protagonistin allein mit ihren Gedanken so gut funktionieren kann. Und doch ist gerade das auch ein großer Reiz der Geschichte.
Definitiv haben wir hier einen Roman der lange in meinem Herzen bleiben wird und ein ganz wundervolles, etwas verfrühtes Sommergefühl in mir heraufbeschworen hat und nicht nur das. Auch ein Gefühl von glücklichem, friedlichen einfach Existieren ohne zwingend für das große Ganze etwas leisten zu müssen. Ich glaube das habe ich so zuletzt als Kind empfunden.
Danke Pola, dass ihr diesem besonderen Buch einen Platz in eurem Verlagsprogramm gegeben hat.
"Statt aus dem Fenster zu schauen" zu lesen, ist wie über eine Sommerwiese zu streifen und zwischen getrocknetem Gras und Ähren plötzlich Mohnblumen zu finden: Wunderschön, beruhigend und so zart dass man sich einfach nur an ihrem Anblick erfreuen möchte. Eine Atempause im hektischem Alltag und ein Weckruf auch seinen Träumen Raum im Leben zu geben.

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Veröffentlicht am 06.03.2026

Spannende Idee, toller Schreibstil, für mich jedoch kaum ertragbare Protagonistin

Nightweaver
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Wichtig: Ich habe das Buch bei knapp 35% abgebrochen und werde nachfolgend erklären warum und es anhand des (knapp) ersten Drittels bewerten.

Schade, ich wollt es so sehr mögen. Der Grundgedanke mit Piraten, ...

Wichtig: Ich habe das Buch bei knapp 35% abgebrochen und werde nachfolgend erklären warum und es anhand des (knapp) ersten Drittels bewerten.

Schade, ich wollt es so sehr mögen. Der Grundgedanke mit Piraten, der Teaser "Fluch der Karibik" trifft "Downtown Abby" und in der Hörbuchversion die fantastische Stimme von Michaela Gaertner. Das alles spricht ja für einige spannungsgeladene Stunden.
Leider wollte der Funke bei mir einfach nicht überspringen. Und das lag absolut nicht am Schreibstil von R. M. Gray. Der ist wirklich bildhaft und spannend. Im Hörbuch verleiht Michaela Gaertner dem ganzen Leben und liest diese ungewöhnliche Fantasygeschichte spannungsgeladen und wunderbar betont ein.

Mein Problem war ein anderes: Ich wurde leider mit den Protagonisten nicht warm. So gar nicht. Will blieb für mich einfach nur blaß und uninteressant, wohingegen Aster mich mit ihrer, aus meiner Sicht, kindischen und extrem patehtischen "Ich bin aber Piratin!" Art in den Wahnsinn getrieben hat. Ständig jammert, meckert und beschwert sie sich in Gedanken (oder auch öffentlich) und immer wieder will sie ihrem verstorbenem Bruder Owen am liebsten in den Tod folgen. Ja, sie darf trauern. Das will ich ihr gar nicht absprechen. Aber auf mich wirkte Aster vor allem mit ihrem beharren darauf, dass sie Piraten sind, schlicht und ergreifend wie ein Kleinkind dass mit dem Fuß aufstampft weil es seinen Willen nicht bekommt. Auch warum sie dann plötzlich fliehen will, dann wieder nicht, dann fast wieder doch obwohl ihre gesamte Familie (ihre "Crew", wie sie nicht müde wird zu betonen) bei Will und seiner Familie zu Hause sitzt will nicht ganz in meinem Kopf.

Die Geschichte gestaltet sich durchaus spannend und ich würde gerne wissen was es denn nun mit all dem auf sich hat. Auch wer hier sein Unwesen treibt interessiert mich. Allerdings ertrage ich das ganze einfach nicht aus Asters Perspektive und mit Asters inneren Monologen.

Da das aber ganz sicher eine zutiefst persönliche Meinung ist und Aster für viele andere sicherlich eine fantastische und nachvollziehbare Protagonistin sein wird, vergebe ich aufgrund der ersten 35% 3 Sterne. Denn ich bin sicher, wenn ich mit Aster warm geworden wäre, wäre es ein richtig spannendes Buch geworden, bei dem ich keine toll vertonte Minute hätte missen wollen. So wird es aber ein DNF für mich.

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Ich wollte es wirklich mögen... Aber irgendwie sollte es nicht sein

Kingdom of crystal Hearts
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Die ersten paar Seiten und Kapitel von „Kingdom of Crystal Hearts“ waren wirklich toll zu lesen. Klar mit der Prämisse „Böse Adlige/Oberschicht die das einfache Volk unterdrücken und junges, hübsches Mädchen ...

Die ersten paar Seiten und Kapitel von „Kingdom of Crystal Hearts“ waren wirklich toll zu lesen. Klar mit der Prämisse „Böse Adlige/Oberschicht die das einfache Volk unterdrücken und junges, hübsches Mädchen aus dem einfachen Volk die rebellieren möchte“ gewinnt man sicher keinen Preis für Originalität, aber man muss das Rad ja nicht neu erfinden um ein gutes Buch zu schreiben.
Was man allerdings doch beachten sollte wäre die Tatsache, dass die erwähnte Protagonistin auch nur ansatzweise logisch handelt und auch die anderen Figuren sollten ggf ein wenig logisches Denkvermögen an den Tag legen.
Wie gesagt, die ersten Seiten waren wirklich toll. Elodie will den Rebellen helfen, soll dafür ein Ablenkungsmanöver starten, das klappt aber nicht so ganz, denn erst mal ist sie neugierig und will bei den Mantikoren gucken.
Wie cool ist die Idee mit den Manticoren als Reittiere für ein Lanzenduell bitte? Ich liebe sie sehr!
Aber die wird halt leider auch nicht weitergeführt. Elodie erklärt sich spontan bereit in die Rolle einer Adeligen zu schlüpfen, obwohl sie 0,000000 gar nicht darauf vorbereitet wurde (das eigentliche Mädchen dafür taucht halt nicht auf) und so reitet sie jetzt einfach das Turnier. Wie passend, dass der Manticor eine fast schon magische Verbindung zu ihr hat. Ich war wirklich gespannt darauf woran das liegen könnte, was ihr Geheimnis ist und malte mir schon die dollsten Szenen mit dem Tier aus. Tja, leider erliegt das dann nur wenige Seiten später einem Schwert und wird, genau wie die magische Verbindung, nie wieder erwähnt... Also so wirklich nie wieder.
Bleibt auch keine Zeit für, denn es stellt sich schnell heraus das Elodie extrem krass auf Edelsteine reagiert und somit Magie besitzt. Etwas dass sie gar nicht können dürfte, denn nur Adelige beherrschen Magie. Wow, da wird sie sich aber sicher wundern und nachforschen und das wird jetzt Dreh- und Angelpunkt des Buches werden? NEIN! Falsch gedacht. Sie scheint noch nicht einmal beunruhigt deswegen. Ist halt so... Und da das hier nur der Beginn des Romans ist, will ich nicht weiter vorweg greifen. Aber diese Art der Unlogik zieht sich durch das gesamte Buch.
Bis ungefähr zur Hälfte hätte ich auch noch gesagt: Wenn man die Logik ausschaltet beim Lesen ist es eigentlich ganz unterhaltsam. Aber leider flacht dann ab ungefähr der Hälfte die Story dermaßen ab, dass der Rest des Buches für mich nur noch langweilig war. Hätten wir es nicht im Buchclub gelesen, hätte ich es vermutlich abgebrochen.
Auch die Liebesgeschichte konnte mich nicht wirklich packen und so leid es mir tut im Endeffekt war mir auch vollkommen egal was mit den jeweiligen Figuren passiert. Da war keine Verbindung, kein Funke, Nada. („Where is the love“ Ohrwurm an der Stelle...)

Der Schreibstil von Sina Brings ist gut und ich bin mir sicher, dass viele ihre Freude mit dem Buch haben werden. Für mich war das leider nichts.

Wer eine nette, seichte „Mädchen aus der Unterschicht will Revolte anzetteln und verliebt sich auf dem Weg“-Geschichte lesen möchte und Logiklöcher ausblenden kann wird hier sicher seine Freude haben.

Von mir gibts leider nur 1,5 Sterne.

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Ein kleines Büchlein mit großem Tiefgang

Ich, die ich Männer nicht kannte
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In „Ich, die ich Männer nicht kannte“ darf man keine klaren Antworten erwarten. Man muss dieses Buch einfach auf sich wirken lassen und darüber nachdenken, dann entfaltet es seine Genialität.
Ich möchte ...

In „Ich, die ich Männer nicht kannte“ darf man keine klaren Antworten erwarten. Man muss dieses Buch einfach auf sich wirken lassen und darüber nachdenken, dann entfaltet es seine Genialität.
Ich möchte gar nichts von der Geschichte erzählen, denn sonst würde ich vielleicht schon zu viel verraten. Der Klappentext reicht.
Ich für meinen Teil war sehr überrascht von dem Buch, hatte irgendwie etwas anderes erwartet und war dann aber von der Stimme der Erzählerin, von allen nur „die Kleine“ genannt, wie gebannt. Auch wenn nicht sonderlich viel passiert, passiert doch sehr sehr viel und ich weiß das klingt seltsam, aber doch ist es irgendwie genau das was ich empfunden habe.
Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und war wie gebannt von der Erzählung. Dabei habe ich fast vergessen, dass es nicht wirklich der Lebensbericht einer Frau ist, die nie Männer kennen gelernt hat, sondern ein Werk der Fiktion, das übrigens bereits Mitte der 1990er Jahre auf Französisch erschien.
Nach dem Lesen musste ich eine Weile meine Gedanken dazu sortieren. Das Buch wirkt ein wenig wie ein Rohrschach Test: Jeder und Jede muss eine eigene Interpretation finden und wird etwas eigenes in dem Text sehen. Was ich auch bestätigt fand, als ich später in einem Subreddit eine lebhafte Diskussion zum Text gefunden habe (in der unter anderem öfter die Idee mit dem Rohrschachtest fiel). Denn ich hatte ganz klar das Bedürfnis über das „Erlebte“ zu sprechen, mich auszutauschen und zu hören wie andere diesen Text empfunden haben.
Auch ein Blick auf die Historie der Autorin ist hilfreich.
Ein wenig hat mich die Lektüre an „Die Parabel vom Sämann“ erinnert. Zumindest vom Gefühl her.

Wer gerne beim Lesen eigene Schlüsse ziehen will, wer gern nachdenkt und Bücher nicht nur zur reinen, schnellen und einfachen Unterhaltung liest, sondern auch von ihnen berührt werden will, wird mit „Ich, die ich Männer nicht kannte“ seine Freude haben.
Wer in seinen Büchern für alles eine Lösung haben möchte und es andernfalls unbefriedigend findet, sollte stattdessen zu einem anderen Buch greifen.

Für mich war es auf jeden Fall ein Highlight, umso mehr ich darüber nachdenke, um so größer wird diese Gewissheit.

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Wehmütig, lyrisch und trotz all der Schrecken wunderschön geschrieben

Zugwind
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In Zugwind von Iryna Fingerova wird die Geschichte der jüdischen, aus der Ukraine stammenden Ärztin Mira Zehmann erzählt, deren Welt aus den Fugen gerät als in ihrer alten Heimat der Krieg ausbricht.

Mit ...

In Zugwind von Iryna Fingerova wird die Geschichte der jüdischen, aus der Ukraine stammenden Ärztin Mira Zehmann erzählt, deren Welt aus den Fugen gerät als in ihrer alten Heimat der Krieg ausbricht.

Mit schlichten, kraftvollen, gar poetischen Worten lässt Fingerova ihre Protagonistin Mira aus der Ich-Perspektive erzählen. Dabei wird schnell klar: Ein Wohlfühlroman wird das nicht. Und das ist auch absolut richtig und wichtig so.
Denn es ist ein Roman, der wichtigen, aktuelle Themen bespricht. Was ist zu Hause? Wie ist es wenn man sich nicht ganz zu Hause fühlt und zu Hause nicht sicher fühlen kann? Wie ist es, wenn man sich schuldig fühlt, weil man im sicheren Deutschland lebt und wie ist es, wenn der Zugwind bei einem einzieht und es aus allen Ritzen, Ecken und Löchern durch einen durch weht.
Mal beschreibt Fingerova die Ereignisse mit brillanter Klarheit. Lässt uns Ausschnitte aus den Leben der Patient:innen sehen, die zu Mira in die Hausarztpraxis kommen. Meist auch Ukrainer:innen, die froh sind über eine Ärztin die ihre Sprache spricht.
Dann wieder zaubert Fingerova durch eine bildhafte Sprache Szenen aufs Papier die mehr Gefühl als Wirklichkeit sind. Metaphern, Ideen und Emotionen werden so bildhaft dargestellt, dass man sich als Leser:in hier und da vielleicht mal fragt, was genau gemeint ist, aber das Gefühl sofort greifen kann.
Zu sensibel in Sachen Krankheiten sollte man nicht sein, denn Miras Alltag als Ärztin ist stellenweise detailliert beschrieben. Nicht als Schockmittel, sondern um klar zu zeigen was mit den Menschen passiert, die ihre Heimat verlassen müssen. Was unter Druck generell mit Menschen passieren kann.
Dabei ist mir besonders ein Kapitel im Gedächtnis geblieben, in dem Mosaik artig kurzer Absatz an kurzer Absatz gereiht wurde bei dem die verschiedenen Lebensrealitäten der Menschen gezeigt wurden. Die eine Familie will in Deutschland bleiben, die andere schnellstmöglich zurück, die nächste kann das alles kaum begreifen und überhaupt versteht man untereinander die Beweggründe der anderen kaum. Allein mit diesem Kapitel hat die Autorin es aus meiner Sicht geschafft einen Flickenteppich zu weben, in dem die diversen Ansichten meisterhaft miteinander verwebt wurden.

Mir hat der Roman, auch wenn ich öfter mal Pause machen musste, sehr gut gefallen. Die Pausen brauchte ich auch nur zum Durchatmen, denn wie gesagt, leichte Kost ist das hier sicher nicht. Dafür wehmütig, lyrisch und trotz all der Schrecken wunderschön geschrieben.

Ein Roman für alle die nicht nur Eskapismus, sondern auch andere Lebensrealitäten kennen wollen.

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