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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.04.2017

Spannender Ostfriesland-Krimi aus der Jan-Krömer-Reihe

Blindgänger
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Jan Krömer und Lisa Berthold werden zu einem Fall herausgerufen, für den sie auf den ersten Blick gar nicht zuständig sind. Ein Man ist spurlos verschwunden, auf der Motorhaube seines Autos liegt die Leiche ...

Jan Krömer und Lisa Berthold werden zu einem Fall herausgerufen, für den sie auf den ersten Blick gar nicht zuständig sind. Ein Man ist spurlos verschwunden, auf der Motorhaube seines Autos liegt die Leiche seines Hundes. Im Heimatort des Vermissten bildet sich schnell ein privater Suchtrupp, der den Ermittlern die Arbeit nicht gerade erleichtert. Als sich eine Verbindung zu einem zweiten Vermisstenfall ergibt, zeigt sich, das doch mehr hinter der Angelegenheit steckt als zunächst vermutet. Und dann ist da noch der abgelegene verlassene Bauernhof, der ein schauriges Geheimnis bereithält ...

Dieser Ostfrieslandkrimi ist der inzwischen sechste Band (und zugleich mein dritter) aus der Reihe um die Auricher Ermittler Jan Krömer und Lisa Berthold und bietet wieder einmal solide und spannende Krimikost, die mich bestens unterhalten konnte.
Wie schon seine Vorgänger liefert das Buch wieder einmal die bewährte Mischung aus dem Zusammenspiel der beiden ungleichen und etwas sperrigen Ermittler und einer durchaus blutrünstigen Geschichte, die in seinen Beschreibungen wenig bis nichts auslässt und dabei den einen oder anderen Schockmoment bietet.
Mit hohen Tempo und einem flotten Schreibstil treibt die Autorin die gut konstruierte Geschichte voran und steuert sie ohne großes Nebengeplänkel schnurstracks auf seine insgesamt überzeugende Auflösung zu.
Den Protagonisten hätte meiner Meinung nach ab und an ein wenig mehr Tiefe durchaus gut getan, den Unterhaltungswert des Buches kann dies aber nur wenig schmälern.

Veröffentlicht am 21.04.2017

Spannung, Humor und schräge Typen - ein echter Nettelbeck eben

Hyänengesang
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Martin Nettelbeck ist in Gedanken eigentlich schon mit seiner Familie im gemeinsamen Urlaub in Ghana, als er mit seinem Partner Wilbert Täubner zu einem Mordfall gerufen wird. In einem Hotel wurde ein ...

Martin Nettelbeck ist in Gedanken eigentlich schon mit seiner Familie im gemeinsamen Urlaub in Ghana, als er mit seinem Partner Wilbert Täubner zu einem Mordfall gerufen wird. In einem Hotel wurde ein totes Callgirl gefunden und alle Spuren und Hinweise deuten auf einen Täter aus der Botschaft des Oman und damit auf schwieriges diplomatisches Parkett.
Parallel platzen die Träume des abgehalfterten Schlagersängers Roman Weiden auf ein grandioses Comeback wie eine Seifenblase und er schmiedet finstere Rachepläne gegen seinen ehemaligen Vermögensverwalter Maximilian Hollweg, der nach einem schweren Verkehrsunfall mit Fahrerflucht seit einigen jahren an den Rollstuhl gefesselt ist.

Mit dem jetzt schon 5. Fall seines ungewöhnlichen Ermittlers Martin Nettelbeck liefert Rainer Wittkamp wieder einmal einen absolut überzeugenden Kriminalroman ab, der sich deutlich abseits der üblichen Krimipfade bewegt.
Mit viel Sinn fürs Detail, herrlich verschrobenen Protagonisten, einem äußerst launigem Schreibstil und reichlich Situatonskomik breitet der Autor zunächst mehrere Erzählstränge aus, die anfangs nur oberflächlich miteinander verwoben sind, dann aber immer mehr ineinandergreifen und schlußendlich ein absolut überzeugendes Gesamtbild liefern.
Ein sehr bildhafte Sprache, die die Vergangenheit als Autor und auch Regisseur bei diversen Fernsehproduktionen nicht leugnen kann, trägt zum Gesamtvergnügen auf gelungene Art und Weise bei.

Wer auf ungewöhnliche, aber dennoch spannende Krimis mit schrägen Typen und trockenem Humor steht, wird hier bestens unterhalten.

Veröffentlicht am 21.04.2017

Grandiose Mischung aus Kunst- und Spionage-Thriller

Der Raub
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Dies ist nach dem Nachfolgeband "Der englische Spion" erst mein zweites Buch von Daniel Silva, doch hat das schon ausgereicht, um aus mir einen echten Fan der Reihe um den israelischen Agenten Gabriel ...

Dies ist nach dem Nachfolgeband "Der englische Spion" erst mein zweites Buch von Daniel Silva, doch hat das schon ausgereicht, um aus mir einen echten Fan der Reihe um den israelischen Agenten Gabriel Allon zu machen.

Bevor Gabriel Allon in Kürze die Leitung des israelischen Geheimdienstes, hier nur kurz "Der Dienst" genannt, übernehmen soll, wendet er sich noch einmal seiner großen Leidenschaft zu und restauriert ein Altarbild in einer Kirche in Venedig. Eher widerwillig lässt es sich daher in die Ermittlungen zum Mord an einem englischen Kunsthändler hineinziehen und übernimmt die Sache auch nur, weil sein alter Bekannter Julian Isherwood in die Angelegenheit verstrickt ist. Doch dann merkt Gabriel sehr schnell, das es hier um weit mehr geht, als nur um ein paar gestohlene Bilder.

Nach nunmehr 15 Bänden der Reihe ("Der Raub" ist dabei die laufende Nr. 14) hat der Autor inzwischen ein riesiges Aufgebot an Figuren entwickelt, die auch immer wieder in den einzelnen Büchern auftreten. Das macht es für Quereinsteiger wie mich eigentlich immer schwer, mitten in eine solche Reihe einzusteigen. Daniel Silva beherrscht aber die große Kunst. Neulesern diesen Einstieg jederzeit zu ermöglichen, ohne dabei seine Stammleser zu langweilen oder gar zu vergraulen.
Und so war ich auch bei diesem Buch schon nach wenigen Seiten wieder mittendrin im Geschehen und gefangen in einer spannenden Geschichte, die seine Leser mit hohem Tempo und vielen Ortswechseln in seinen Bann zieht und vor allem zeigt, das man auch ohne große Action und viel Blutvergießen absolut spannende und überzeugende Thriller abliefern kann.
Wenn sich die Story im zweiten Teil des Buches urplötzlich vom Kunstthriller zum Spionagethriller wandelt, fühlt man sich dabei sogar mitten in eine Folge der alten US-Serie "Kobra, übernehmen Sie" bzw. "Mission Impossible" versetzt und begleitet ein Team, das mit Tarnidentitäten und Täuschungsmanövern einen ausgeklügelten Plan verfolgt.

Ein weiterer überzeugender Band einer Reihe mit hohem Suchtfaktor.

Gut, das ich die Wartezeit auf die nächsten Bücher (Band 16 ist in der Zwischenzeit bereits für den Herbst 2017 angekündigt) noch mit reichlich Lesestoff aus den 13 Vorgängern überbrücken kann und dabei zudem noch die eine oder andere Wissenlücke schließen kann.

Veröffentlicht am 21.04.2017

Spannende und gelungene Auseinandersetzung mit einem aktuellen Thema

Schwarze Flaggen
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Der amerikanische Journalist und Autor Joby Warrick beschäftigt sich in diesem Buch mit einem wichtigen und aktuellem Thema: der Gründung und dem anschließenden Aufstieg des "Islamischen Staates" ( IS ...

Der amerikanische Journalist und Autor Joby Warrick beschäftigt sich in diesem Buch mit einem wichtigen und aktuellem Thema: der Gründung und dem anschließenden Aufstieg des "Islamischen Staates" ( IS ) und der Rolle, die die USA hierbei gespielt haben.
Dabei versteht er es durch seinen packenden Schreibtstil dieses komplexe Thema auf eine sehr anschauliche Art und Weise aufzuarbeiten, so das sich das Buch streckenweise fast schon wie ein Polit-Thriller liest.
Joby Warrick verlässt dabei aber zu keinem Zeitpunkt seine neutrale Ecke als Journalist, sondern versteht es abseits der derzeit in den Medien üblichen Guf-und-Böse-Denkweise allen an dieser Entwicklung beteiligten Parteien gerecht zu werden, ohne dabei allerdings etwas zu relativieren oder gar zu verharmlosen.
Den Pulitzer-Preis, den er mit diesem Buch gewonnen hat, hat er meiner Meinung nach auch durchaus verdient.

Das Buch teilt in sich in insgesamt drei Abschnitte:
Im ersten Buch verfolgt man den Aufstieg des Jordaniers Abu Mus´ab al-Zarqawi vom Kleinkriminellen zum überzeugten Islamisten, der schlußendlich bei der Rechtfertigung der USA für die Invasion in den Irak im Jahre 2003 eine Schlüsselrolle eingenommen hat, die erheblich zu seinem Bekanntheitsgrad und seiner weiteren Entwicklung beigetragen hat.
Im zweiten Buch beleuchtet der Autor die Jahre zwischen der Invasion in den und dem Abzug der Amerikaner aus dem Irak und schildert die zahlreichen politischen Fehler, die dabei gemacht wurden und bei der Gründung und dem Aufstieg des IS eine wichtige Rolle gespielt haben.
Im dritten Buch verlagert sich dann das Geschehen nach einem Zeitsprung über 5 Jahre zu einem weiteren wichtigen Wendepunkt, der die Entwicklung des IS entscheidend beeinflusst hat: der syrische Bürgerkrieg und das unmenschliche Vorgehen des Staatpräsidenten Assad gegen sein eigenes Volk, mit dem er unfassbares Leid über die syrische Bevölkerung gebracht hat bzw. auch heute noch bringt. In diesem Zusammenhang haben sich allerdings auch die USA, Russland und Europa im Umgang mit Assad nicht gerade mit Ruhm bekleckert und somit ihren Beitrag zur Entwicklung der letzten Jahre geleistet.

Während mich die ersten beiden Bücher auf ganzer Linie überzeugt haben, verhaspelt sich der Autor im dritten Buch meiner Meinung nach ein wenig und hätte diesem Komplex vielleich doch einen etwas breiteren Raum zukommen lassen sollen, um ihm vollends gerecht zu werden.

Dennoch ein wichtiges Buch und ein überzeugender Beitrag zum Verständnis eines inzwischen weltweiten Konfliktes, der uns wohl noch viele Jahre begleiten und beschäftigen und auch noch einiges an Opfern fordern wird.

Veröffentlicht am 18.04.2017

Psychogramm einer eiskalten Mörderin - hart, schonungslos, aber absolut überzeugend

Drei Meter unter Null
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Marina Heib, die ich bisher nur durch ihre Krimis aus der Reihe um den Ermittler Christian Beyer kannte, legt hier einen harten und schonungslosen Thriller vor, der mich auf ganzer Linie überzeugt hat.

Die ...

Marina Heib, die ich bisher nur durch ihre Krimis aus der Reihe um den Ermittler Christian Beyer kannte, legt hier einen harten und schonungslosen Thriller vor, der mich auf ganzer Linie überzeugt hat.

Die Geschichte spielt auf zwei unterschiedlichen Ebenen. Auf der einen begleitet man die namenlose Mörderin bei der Durchführung ihres eiskalten Racheplanes, der nach einem klaren Muster verläuft und auch einer vorgegebenen Reihenfolge folgt.
Auf der anderen Ebene erfahren wir nach und nach immer mehr Details aus der Vergangenheit der Frau, bis wir mit ihr den Moment erleben, an dem ihre bisherige Welt in Trümmern liegt und sie beschließt, zur Mörderin zu werden.

Der Wechsel zwischen diesen beiden Ebenen sorgt dafür, das man ständig zwischen Abscheu und Verständnis bzw. Ablehnung und Zustimmung schwankt und sich im Verlaufe des Buches irgendwann entscheiden muss, welche der beiden Seiten hier die Überhand gewinnen soll und muss. Das das Buch dabei konsequent aus der Sicht der Mörderin geschrieben ist und es keine Passagen aus einer zweiten bzw. einer neutralen Sichtweise gibt, die dem Leser helfen, das Geschehen ein wenig besser einordnen zu können, macht einem diese Entscheidung allerdings auch nicht gerade einfacher.

Der Schreibstil des Buches ist hier doch eher ungewöhnlich und sicherlich auch gewöhnungsbedürftig, er gibt aber die zum Teil wirre und abschweifende Gedankenwelt der Protagonistin insgesamt gut wieder, macht es dem Leser aber auch nicht gerade leicht, ihr immer gleich folgen zu können. Viele dieser Gedanken ergeben dann im weiteren Verlauf des Buches aber durchaus noch einen tieferen Sinn.

Ein kompromissloser Thriller, der meinen Geschmack voll getroffen hat.