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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.08.2022

Die grandiose Erzählstimme von Lisa Eckhart überdeckt die eine oder andere Schwäche in der Geschichte mühelos

Boum
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Mit diesem Hörbuch legt die österreichische Kabarettistin und Autorin Lisa Eckhart ihren zweiten Roman vor, den sie auch wieder selbst eingelesen hat. Der Verlag kündigt das Buch zurecht als Mischung aus ...

Mit diesem Hörbuch legt die österreichische Kabarettistin und Autorin Lisa Eckhart ihren zweiten Roman vor, den sie auch wieder selbst eingelesen hat. Der Verlag kündigt das Buch zurecht als Mischung aus Märchen, Horrorgeschichte, Erotikkrimi, Comic und Computerspiel an. In erster Linie ist es aber eine bitterböse, teilweise auch ziemlich zynische Satire, die nur so vor kleinen Anspielungen und Gemeinheiten strotzt.

Wer Lisa Eckhart schon einmal in ihrer Bühnenfigur live auf der Bühne erlebt hat, kennt ihren bissigen und respektlosen Humor, mit dem sie immer wieder Grenzen austestet und durchaus auch mal bewusst überschreitet. Genau dieser Humor findet sich nun auch in diesem Roman. Wer also mit der Bühnenfigur nichts anfangen kann, wird auch an diesem Buch wahrscheinlich eher wenig Freude haben. Fans der Kabarettistin kommen hingegen voll auf ihre Kosten.

Im Zentrum der Geschichte steht die junge Österreicherin Aloisia, die der Liebe wegen nach Paris kommt. Dort treibt gerade der Serienmörder La Maestro Massacreur sein Unwesen und tötet scheinbar willkürlich Straßenmusiker. Auf seiner Fährte sind ein melancholischer Kommissar und der Terrorexperte Monsieur Boum. Als Aloisia auf Clopin, den König der Bettler, trifft, wird sie immer tiefer in die mysteriösen Ereignisse hineingezogen.

Die Geschichte ist hier über weite Strecken eigentlich eher Nebensache und dient in erster Linie als Vehikel für absurde Situationen, in die die Autorin ihre zuweilen doch recht skurrilen Protagonisten mit viel Genuss schickt und das Geschehen dabei gekonnt auf die Spitze treibt. Immer wieder schweift die Autorin ab, gerät ins Fabulieren und setzt sich mit scheinbaren Nebensächlichkeiten auseinander. Doch sie findet auch immer wieder zum roten Faden zurück, der sich durch die Geschichte zieht und für eine gewisse Struktur sorgt. Ob ich mit der gedruckten Ausgabe des Buches genau soviel Freude gehabt hätte, glaube ich nicht. Beim Hörbuch ist es Lisa Eckhart mit ihrer besonderen Erzählstimme und ihren sprachgewaltigen Formulierungen, die das Kopfkino ordentlich ankurbeln, aber schnell gelungen, mich in den Bann des wilden Treibens zu ziehen und bis zum Schluss hervorragend zu unterhalten.

Eine bitterböse Satire, der in erster Linie durch die grandiose Erzählstimme der Autorin sehr viel Spaß macht und dadurch auch die eine oder andere Schwäche der Geschichte mühelos überdeckt.

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  • Erzählstil
  • Sprecherin
  • Cover
  • Spannung
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 29.08.2022

Packender Mystery-Krimi mit ungewöhnlichen Protagonisten

Sandmann: Albtraumleben
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Mit diesem Buch legt der Autor Dieter Aurass, der mich bereits mit einigen „normalen“ Krimis und Thrillern überzeugen konnte, einen spannenden Mystery-Krimi vor, der vor allem durch seine ungewöhnlichen ...

Mit diesem Buch legt der Autor Dieter Aurass, der mich bereits mit einigen „normalen“ Krimis und Thrillern überzeugen konnte, einen spannenden Mystery-Krimi vor, der vor allem durch seine ungewöhnlichen Protagonisten besticht.

Der Sandmann ist in einem scheinbar ewigen Fluch gefangen. Bei Vollmond reist sein Bewusstsein ein Jahr in die Vergangenheit zurück und landet in einem fremden Körper, in dem er genau für 365 Tage verbleibt, bevor er zurückkehrt und in der Gegenwart gerade einmal ein Tag vergangen ist. Diesmal landet der Sandmann im Körper den Kleinkriminellen Bogdan, der in Untersuchungshaft sitzt, weil ihm vorgeworfen wird, seine Frau brutal getötet zu haben. Kann der Sandmann mit seinen besonderen Möglichkeiten die Unschuld seines vorübergehenden Wirtes beweisen ?

Mit einem packenden Schreibstil und einigen überraschenden Wendungen treibt der Autor die gut aufgebaute Geschichte voran und steuert sie dabei schnurstracks auf einen krachenden Showdown mit einer überzeugenden Auflösung zu, die keine wesentlichen Fragen offenlässt. Kurze Kapitel sorgen dabei für ein hohes Erzähltempo, dass einem beim Lesen kaum Zeit zum Luftholen lässt. Das Thema Zeitreisen bzw. Seelenwanderung birgt grundsätzlich ja durchaus einige Fallstricke in Sachen Logik, die hier aber geschickt umgangen bzw. gelöst werden, so dass man sich voll auf die spannende Geschichte konzentrieren kann. Getragen wird das Ganze von gut gezeichneten und vielschichtig angelegten Protagonisten in Haupt- und vermeintlichen Nebenrollen, die doch ziemlich ungewöhnlich sind und dadurch für die eine oder andere Überraschung sorgen. Und dass der Autor selbst lange Jahre als Kriminalbeamter tätig war und somit weiß, worüber er hier schreibt, merkt man seinen Beschreibungen zu den Ermittlungen auch jederzeit an.

Wer auf spannende Krimis mit einer ordentlichen Portion Mystery steht, wird hier bestens bedient und unterhalten. Mich konnte Dieter Aurass dabei ein weiteres Mal auf ganzer Linie überzeugen und begeistern. Und der Sandmann hat durchaus das nötige Potential für einen Serienermittler.

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  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.08.2022

Sehr gut aufeinander abgestimmte Mischung aus historischem Kriminal- und Gesellschaftsroman

Niemand
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Mit diesem Buch legt der Autor Herbert Pelzer seinen zweiten historischen Kriminalroman im KBV-Verlag vor und konnte mich dabei erneut auf ganzer Linie überzeugen und begeistern. Die Geschichte umspannt ...

Mit diesem Buch legt der Autor Herbert Pelzer seinen zweiten historischen Kriminalroman im KBV-Verlag vor und konnte mich dabei erneut auf ganzer Linie überzeugen und begeistern. Die Geschichte umspannt einen Zeitraum von knapp 70 Jahren und spielt hauptsächlich in einem namenlosen Dorf am Rande der Eifel, bevor sich das Geschehen im weiteren Verlauf immer mehr Richtung Düren verlagert.

Im Winter des Jahres 1899 findet man am Nordrand der Eifel ein ausgesetztes Baby, dass von der Dorfgemeinschaft auf den Namen Martin Niemand getauft wird, bevor man es einer Pflegefamilie anvertraut. Trotz aller widriger Umstände wird aus dem Jungen ein stattlicher Mann, der sich eine Familie und eine bürgerliche Existenz aufbauen kann, die dann aber im Bombenhagel des zweiten Weltkrieges ein jähes Ende findet. Als sein Sohn Kaspar aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft heimkehrt, steht er vor den Trümmern seines Elternhauses und tut sich anschließend sehr schwer, wieder Fuß zu fassen. Er gerät in zwielichtige Kreise und auch ins Visier der Polizei, da das Erbe seines Vaters wie ein Damoklesschwert über seinem Kopf hängt.

Mit einem packenden Schreibstil und einigen überraschenden Wendungen treibt der Autor seine gut aufgebaute und facettenreiche Geschichte voran und umspannt dabei zwei Generationen der Familie Niemand. Getragen wird das Ganze von gut gezeichneten und vielschichtig angelegten Protagonisten in Haupt- und vermeintlichen Nebenrollen, mit denen er den Geist der damaligen Zeit hervorragend trifft und transportiert. So sprengt das Buch auch immer wieder die Grenzen des Kriminalromans und stellt darüber hinaus ein rundherum gelungenes und gut recherchiertes Sittengemälde der damaligen Zeit dar.

Eine sehr gut aufeinander abgestimmte Mischung aus historischem Kriminal- und Gesellschaftsroman, die durch eine atmosphärisch dichte Geschichte und ein äußerst gelungenes Figurenensemble zu überzeugen weiß.

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Veröffentlicht am 19.08.2022

Gelungener Auftakt einer Fantasy-Trilogie mit einem dystopischen Setting

Roboter: Fading Smoke
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Mit diesem Buch legt die Autorin R. M. Amerein den ersten Band ihrer als Trilogie angelegten Fantasy-Reihe vor, die mit einem dystopischen Setting und ihren ungewöhnlichen Hauptfiguren besticht. Aufgelockert ...

Mit diesem Buch legt die Autorin R. M. Amerein den ersten Band ihrer als Trilogie angelegten Fantasy-Reihe vor, die mit einem dystopischen Setting und ihren ungewöhnlichen Hauptfiguren besticht. Aufgelockert wird die eher düstere Grundstimmung durch einen feinen Humor, den die Autorin immer wieder einfließen lässt.

Dabei entführt sie uns in eine Welt, in der Menschen und Roboter weitestgehend in friedlicher Koexistenz leben, obwohl ein Sundown die Lebensverhältnisse für beide Spezies nicht unbedingt verbessert hat. Als der Roboter SM0K3, der sich selber Smoke nennt, im Tausch gegen dringend benötigte Energiezufuhr den Suchauftrag einer obskuren Gruppe Forscher annimmt, wird er in Ereignisse verwickelt, die seine Schaltkreise ziemlich durcheinanderbringen. Denn das Geheimnis um das Menschenkind Kaia, um dass es bei seinem Auftrag geht, hat das Potential, das Zusammenleben zwischen Menschen und Robotern in seinen Grundfesten zu erschüttern.

Mit einem packenden Schreibstil und bildhaften Beschreibungen, die das Kopfkino beim Lesen auf Hochtouren laufen lassen, erschafft die Autorin hier mit viel Liebe zum Detail eine phantastische und ziemlich düstere Welt voller Überraschungen und bestückt sie mit einer ganzen Riege gut gezeichneter und vielschichtig angelegter Protagonisten in Haupt- und vermeintlichen Nebenrollen. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht etwa die Menschen, sondern die Roboter, die hier in einer Art Kastengesellschaft lesen, die reichlich Potential für weitere Geschichten bietet. Ein kleines Lexikon am Ende des Buches gibt dann auch ein wenig Starthilfe, um sich in dieser Welt zurechtzufinden. Der übliche Spagat eines Auftaktbandes, zum einen eine interessante Geschichte zu erzählen, die Lust auf weitere Bände macht, und zum anderen das Setting und die Protagonisten, die diese Geschichten tragen sollen, sorgfältig einzuführen, gelingt insgesamt sehr gut, lässt aber auch noch ein wenig Steigerungspotential für die nachfolgenden Bände.

Wer auf dystopische und atmosphärisch dichte Fantasygeschichten steht, wird hier insgesamt sehr gut bedient und unterhalten.

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Veröffentlicht am 16.08.2022

Spannender Salzwasser-Krimi mit skurrilen Figuren und feinem Humor

Wenn das Meer spricht
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Bei seinem Debüt gelingt dem Autoren Peter F. Ingersson gleich ein spannender Kriminalroman, der mich zwar nicht komplett überzeugen, aber dennoch gut und spannend unterhalten konnte. Das der Autor sein ...

Bei seinem Debüt gelingt dem Autoren Peter F. Ingersson gleich ein spannender Kriminalroman, der mich zwar nicht komplett überzeugen, aber dennoch gut und spannend unterhalten konnte. Das der Autor sein Buch selbst als Salzwasser-Krimi bezeichnet, trifft hier zudem recht gut den Kern der Geschichte, da das Meer im Rahmen der Geschichte doch eine wichtige Rolle einnimmt.

Als die Dänin Flanka Svenson, die als Journalistin für eine Hamburger Zeitung arbeitet und dort für alles zuständig ist, was mit dem Hafen zu tun hat, eines Abends überraschenden Besuch erhält, ahnt sie noch nicht, in welche Turbulenzen sie dies stürzen wird. Der pensionierte Kapitän Jonny Naragossa, den sie vor kurzem im Rahmen einer Reportage kennengelernt hat, sucht bei ihr Unterschlupf, weil er von einem alten Piratenfluch verfolgt wird. Als Flanka der Sache auf den Grund gehen will, stößt sie auf einen Toten und befindet sich kurz danach auf einer Odyssee, die von Hamburg über Dover bis zur Insel Rügen führt.

Mit einem packenden Schreibstil, der aber immer mit einem gewissen Augenzwinkern versehen ist, treibt der Autor seine gut aufgebaute Geschichte voran und baut dabei schnell Spannung auf, die dann auch bis zum Schluss hält. Zugleich streut er aber auch einen feinen Humor in das Geschehen ein, der immer wieder für eine gewisse Auflockerung des ansonsten eher düsteren Geschehens sorgt. Getragen wird das Ganze von gut gezeichneten und vielschichtig angelegten Protagonisten in Haupt- und vermeintlichen Nebenrollen, die zuweilen auch ziemlich skurril rüberkommen. Gerade zum Ende hin wirkt die Geschichte allerdings an einigen Stellen etwas überkonstruiert, die „zufälligen“ Begegnungen nehmen hier etwas Überhand. Den insgesamt hohen Unterhaltungswert des Buches schmälert das aber kaum.

Wer auf packende Kriminalromane steht, die so ein wenig nach Salzwasser riechen, wird hier unter dem Strich gut bedient und spannend unterhalten. Und auch wenn die Geschichte grundsätzlich in sich abgeschlossen ist, lässt sich der Autor am Ende noch die Hintertür für eine mögliche Fortsetzung offen. Entsprechendes Potential ist auch durchaus vorhanden.

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