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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.08.2023

Ein zweiter Andreas Hofer wäre von Nöten gewesen ...

Das Land, von dem wir träumen
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Mit „Das Land, von dem wir träumen“ begebe ich mich in eine für mich eher ungewöhnliche Ecke, nämlich nach Südtirol vor hundert Jahren. Die Welt der Südtiroler Bauernfamilie Bruggmoser wird auf den Kopf ...

Mit „Das Land, von dem wir träumen“ begebe ich mich in eine für mich eher ungewöhnliche Ecke, nämlich nach Südtirol vor hundert Jahren. Die Welt der Südtiroler Bauernfamilie Bruggmoser wird auf den Kopf gestellt. Schlimm genug, dass sie zwei ihrer Söhne im ersten Weltkrieg verloren haben, nun wird ihnen auch noch das ureigenste genommen, nämlich der eigene Name und deutsch sprechen zu dürfen, wir sie es von klein auf gelernt hatten. Die Donaumonarchie war nach dem Ersten Weltkrieg in ihre Bestandteile zerfallen und die italienischen Truppen zögerten keinen Moment lang Südtirol zu besetzen und neben der italienischen Sprache natürlich auch italienische Pflichten und Verbote einzuführen. Vater Ludwig beugt sich recht bereitwillig und hat den Namen der Familie bereits in Ponte umgewandelt. Doch Tochter Franziska, die von einer Karriere als Lehrerin träumt, tut sich schwer und beschließt dagegen anzukämpfen. Trotz der Unterstützung durch den Knecht Wilhelm Leidinger droht ihr Vorhaben zu scheitern. Wenn sie auffliegt, hat sie mit einer schlimmen Strafe zu rechnen, will sie dieses Risiko auf sich nehmen?

Der Auftakt der großen Südtirol-Saga hatte mich aufgrund des spannenden Themas schnell in seinen Bann gezogen. Ich war überrascht, wie wenig ich über die Geschichte und Entwicklung dieses österreichischen Landstrichs wusste und kam aus dem Staunen und Recherchieren gar nicht raus. Der Erzählstil ist flüssig und so wunderbar von Sabine Arnhold umgesetzt, dass man sich direkt in die Region versetzt fühlt. Hier vergebe ich gerne vier von fünf Sternen und werde mir bestimmt bald die nächsten beiden Teile anhören.

Veröffentlicht am 11.08.2023

Und plötzlich fällt es dir wie Schuppen von den Augen ...

Neujahr
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Nach dem Genuss der beiden Hörbücher „Unterleuten“ und „Über Menschen“ der bekannten Autorin Juli Zeh war ich auf „Neujahr“ besonders gespannt. Es handelt von einem Mann, der während einer Fahrt mit dem ...

Nach dem Genuss der beiden Hörbücher „Unterleuten“ und „Über Menschen“ der bekannten Autorin Juli Zeh war ich auf „Neujahr“ besonders gespannt. Es handelt von einem Mann, der während einer Fahrt mit dem Fahrrad, bei dem er den Pass von Fermés auf Lanzarote erklimmen will, sein Leben Revue passieren lässt. Er hat sich schlecht auf seinen Ausflug vorbereitet, hat Proviant und Wasser vergessen und fällt gedanklich immer tiefer in die Vergangenheit zurück. Ihn quälen Angstzustände, die inzwischen sogar seine Ehe bedrohen, und verzweifelt versucht er diesen auf den Grund zu gehen. Am Gipfel angekommen fällt es ihm wie Schuppen von den Augen: er war als Kind schon einmal hier mit Folgen, die ihn bis heute nicht zur Ruhe kommen lassen. Wird ihm die Aufarbeitung schließlich gelingen?

Wie schon im ersten Satz erwähnt, freute ich mich auf dieses Hörbuch, war ich mir doch sicher, dass es an die großartige Umsetzung der beiden genannten Hörbücher locker heran reichen. Schlussendlich war ich dann aber doch ein wenig enttäuscht. Es nimmt erst gegen Ende etwas an Fahrt auf, was aber die anfänglichen Längen nicht wett macht, schade. Gut gelesen von Florian Lukas, dennoch kann ich leider nur drei von fünf Sternen vergeben.

Veröffentlicht am 11.08.2023

Ein absoluter Genuss für die Ohren !!!

Selbs Betrug
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Der nicht mehr ganz taufrische Privatdetektiv Gerd Selb denkt gar nicht daran aufzuhören. „Wer rastet, der rostet“ ist sein Motto und so nimmt er dann auch gerne den Auftrag an, die verschwundene Tochter ...

Der nicht mehr ganz taufrische Privatdetektiv Gerd Selb denkt gar nicht daran aufzuhören. „Wer rastet, der rostet“ ist sein Motto und so nimmt er dann auch gerne den Auftrag an, die verschwundene Tochter eines Ministerialdirigenten zu finden. Nach einigen Anstrengungen hier Licht ins Dunkel zu bringen, stellt sich heraus, dass mitnichten der Vater von Leonore ihm diesen Auftrag erteilt haben kann, denn dieser ist bereits nicht mehr am Leben. Wer und was stecken denn nun hinter dem Verschwinden? Immer tiefer taucht Selb in die Vergangenheit ein und steckt bald mittendrin in einem Skandal, an dem damals auch die amerikanischen Streitkräfte nicht ganz unbeteiligt waren. Schnell gerät er selbst in die Schusslinie und so muss er außergewöhnliche Entscheidungen treffen, die wie immer am Rand der Legalität bewegen …

Wie schon beim ersten Teil gibt auch hier nicht nur der Autor, sondern auch der wunderbare Schauspieler und Sprecher Hans Korte wieder alles und wird dem doch eher unaufgeregten aber niemals langweiligen Schreibstil des Autors mehr als gerecht. Sowie die Schwächen als auch die Stärken des Protagonisten Selb sind hervorragend ausgearbeitet und lassen ihn sehr menschlich erscheinen. Beim Umfeld hatte ich diesmal einen ganz klaren Heimvorteil, denn ich gehörte selbst vor vielen Jahren in den Dunstkreis der US Army und habe zwar nicht in Mannheim, sondern im benachbarten Heidelberg gewohnt, aber vieles kam mir bekannt und es stellte sich schnell Kopfkino vom Feinsten ein. Ich vergebe für diesen zweiten Teil mit fünf Sternen gerne die volle Punktzahl und werde mir sicher bald auch den dritten und letzten Teil der Selb Trilogie vornehmen. Von mir eine klare Hörempfehlung!

Veröffentlicht am 09.08.2023

Wenn zwei Welten aufeinander prallen ...

Blankenese - Zwei Familien
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Die Autorin Michaela Grünig, vielen Lesern sicherlich durch ihre Trilogie „Heiligendamm“ bekannt, legt mit dem ersten Band rund um Blankenese den Grundstein für einen neuen historischen Familienroman bei ...

Die Autorin Michaela Grünig, vielen Lesern sicherlich durch ihre Trilogie „Heiligendamm“ bekannt, legt mit dem ersten Band rund um Blankenese den Grundstein für einen neuen historischen Familienroman bei dem zwei Familien im Vordergrund stehen. Es handelt sich zum einen um die gutbetuchte Familie Casparius, Reedereibesitzer mit Villa an der vornehmen Elbchaussee. Zum anderen lernen wir Familie Hansen kennen, die gegensätzlicher nicht sein könnte. Irma Hansen ist der Familienvorstand nachdem ihr Mann bei einem Schiffsunglück ums Leben kam und lebt mit ihren ihr verbliebenen Kindern auf beengtem Raum. Der Zufall will es, dass sich Leni Hansen und John Casparius über den Weg laufen und ineinander verlieben. Doch weder der einen noch der anderen Familie ist diese Liebschaft recht. Mutter Hansen macht nach wie vor den Reeder Casparius für den tragischen Unfall ihres Mannes verantwortlich, und für die reiche Familie Casparius ist Leni natürlich eine scheinbar unmögliche Partie. Doch die Beiden setzen sich durch und fangen an, ihren Weg mit allen Höhen und Tiefen gemeinsam zu gehen …

Während mich dieser neue Roman von Michaela Grünig nicht ganz so begeistern konnte, wie damals die „Heiligendamm-Trilogie“, konnte ich dennoch wunderbar eintauchen in „mein“ Hamburg vor hundert Jahren. Die Story ist gut recherchiert und gekonnt umgesetzt und lässt die Vergangenheit mit all ihren Themen wie die Judenverfolgung, die Machtergreifung der NSDAP, die Inflation, die eng mit der Wirtschaftskrise verbunden war, wieder aufleben. Nicht ganz abgeholt hat mich diesmal die Liebesgeschichte von John und Leni, hier war für mich noch ein wenig Luft nach oben.

Die Autorin wird bestätigen können, dass es unheimlich schwer ist, an einen großen Erfolg anzuknüpfen. Für diesen Versuch bekommt sie von mir mit vier Sternen eine fast perfekte Note. Ich freue mich auf den nächsten Band, der wohl im Februar 2024 erscheinen wird.

Veröffentlicht am 09.08.2023

Ein Monatshighlight !!!!!

Die Bücher, der Junge und die Nacht
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Na, wer hätte das gedacht, dass ich einmal ein Buch von Kai Meyer über den grünen Klee loben würde, wo dieser Autor doch sonst eigentlich immer ein wenig außerhalb meiner Wohlfühlzone liegt. Doch diesmal ...

Na, wer hätte das gedacht, dass ich einmal ein Buch von Kai Meyer über den grünen Klee loben würde, wo dieser Autor doch sonst eigentlich immer ein wenig außerhalb meiner Wohlfühlzone liegt. Doch diesmal hat er statt seinen sonstigen eher Fantasy-lastigen Romanen einen Historienroman vom Feinsten hingelegt. Im Mittelpunkt stehen die beiden Steinfelds – Vater und Sohn – die sich in ihrer Liebe zu Büchern in nichts nachstehen. Jacob Steinfeld, den Vater, treffen wir im Graphischen Viertel in Leipzig kurz vor der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten als die Stimmung bereits zu kippen droht. Zehn Jahre später stoßen wir dann auf seinen Sohn Robert, der gerade noch aus den Flammen des Leipziger Infernos gerettet werden kann, um dann knapp dreißig Jahre später mit der Vergangenheit konfrontiert zu werden. Auf abenteuerliche Weise begibt sich Robert auf eine rasante Jagd nach einem Buch und schließlich wird ihm klar, wie nah die Vorkommnisse mit seiner eigenen Familie verknüpft sind …
Nachdem ich mich eingelesen hatte, die Stränge sortiert und mich auf den Roman eingelassen hatte, fiel es mir schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Der Autor schaffte es auf beeindruckende Weise mir ein Gefühl für die Stimmung in Leipzig vor und während des Krieges aber auch in der Zeit der DDR zu vermitteln. Gekonnt beschreibt er die unterschiedlichen Szenerien mit einer Präzision aber auch sehr viel Gefühl, dass man meint spüren zu können, wie sehr er seine eigenen Gefühle und natürlich auch seine eigene Liebe zu Büchern und dem geschriebenen Wort vermittelt. Vielleicht sollte ich mir seine anderen Romane doch noch mal genauer anschauen … bei Gelegenheit, wenn ich Zeit finden sollte … ach hätte man doch mehr Lese- und Lebenszeit! Hier vergebe ich begeisterte fünf von fünf Sternen und wünsche dem Buch noch eine breite Leserschaft. Besonders für alle Leipziger ist „Der Junge, die Bücher und die Nacht“ eigentlich absolute Pflichtlektüre!