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Veröffentlicht am 17.08.2024

Nonne jagt Feuerteufel

Verbrannte Gnade
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chwester Holiday, Mitglied eines kleinen Konvents von nur vier Nonnen in New Orleans und kurz vor ihrem "ewigen Gelübde", ist nicht gerade die typische Braut Christi. Zwar stammt sie aus einer streng katholischen ...

chwester Holiday, Mitglied eines kleinen Konvents von nur vier Nonnen in New Orleans und kurz vor ihrem "ewigen Gelübde", ist nicht gerade die typische Braut Christi. Zwar stammt sie aus einer streng katholischen Familie und ist tief gläubig, andererseits hat sie eine Vergangenheit als lesbische Punkrockerin, ist vom Hals abwärts ganzköpertätowiert und hat bei der Kombination Sex, Drugs & Rock nichts anbrennen lassen. Mit Schwester Holiday hat Margot Douaihy mit ihrem Kriminalroman "Verbrannte Gnade" eine ungewöhnliche Protagonistin geschaffen.

Die Entsagung von weltlichen Freuden, die sie bis dahin so lustvoll genossen hat, ist für Holiday auch ein Stück Wiedergutmachung für eine vergangene schwere Schuld und der Versuch, innere Heilung zu finden. Statt barbusig auf der Bühne zu stehen, ist sie nun - der Tattoos wegen - im schwülheißen New Orleans verhüllt mit Halstuch und Handschuhen, unterrichtet Musik an einer katholischen Privatschule und versucht, sich in die ganz neue Lebenswelt des Klosters einzufinden.

Dass der Altersunterschied zwischen Holiday und den anderen Nonnen mindestens vier Jahrzehnte ausmacht, erleichtert das nicht gerade. Vor allem nicht im Umgang mit Schwester Honor, die Holiday ständig angiftet und keinen Hehl daraus macht, dass sie sie am falschen Platz sieht. Immerhin ist Schwester T, ex-Hippie, eine liebenswürdige Seele und Schwester Augustine, die Oberin, eine strenge aber gerechte Mentorin.

Das beschauliche Leben im Konvent findet ein jähes Ende, als ein Flügel der Klosterschule in Flammen aufgeht und Holiday während einer heimlichen Zigarettenpause entsetzt mit ansehen muss, wie Hausmeister Jack aus einem Fenster des brennenden Gebäudes stürzt. Beherzt rennt sie in das brennende Gebäude, findet dort zwei verletzte Oberstufenschüler und kann einen von ihnen nach draußen schleppen, ehe sie mit verrauchter Lunge zusammenbricht.

Holiday hat das Gefühl, dass die Polizei in ihr eine Tatverdächtige sieht, vor allem als eine ihrer Blusen erst verschwindet und dann mit angesengtem Ärmel wieder auftaucht. Versucht der eigentliche Feuerteufel, ihr die Schuld in die Schuhe zu schieben? Es bleibt nicht bei dem einen Feuer und während sich in der katholischen Community von New Orleans Panik ausbreitet und sogar die Existenz der Schule bedroht sein könnte.

"Verbrannte Gnade" ist nicht so ganz der klassische Krimi, denn neben der Suche nach der für die Brände verantwortlichen Person geht es eben auch um Sinnsuche, um queere Identität, Feminismus und die Vereinbarkeit von all dem mit dem Glauben. Es gibt Verweise auf Mystikerinnen und feministische Vorreiterinnen, die in Klöstern innere Freiheit gefunden hatten, aber auch die Auseinandersetzung mit der machtbewussten männlichen Kirchenhierarchie, hier verkörpert durch den Bischof und seine beiden Vikare, die als rechte Unsympathen rüberkommen.

Diese Vielschichtigkeit geht ein wenig auf Kosten einer schnellen Auflösung, hat für mich aber den Reiz dieses ungewöhnlichen Kriminalromans ausgemacht.

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Veröffentlicht am 16.08.2024

Bandenkrieg in Malmö?

Tode, die wir sterben
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Zwei Ermittler mit privat-beruflichem "Gepäck", der tragische Tod eines 13-Jährigen bei einem Drive by-Shooting in Malmö und ein Polizeiapparat voller Intrigen: "Tode, die wir sterben" von Roman Voosen ...

Zwei Ermittler mit privat-beruflichem "Gepäck", der tragische Tod eines 13-Jährigen bei einem Drive by-Shooting in Malmö und ein Polizeiapparat voller Intrigen: "Tode, die wir sterben" von Roman Voosen und Kerstin Signe Danielsson ist ein gelungener Auftakt für eine neue Schwedenkrimi-Serie mit komplexen Plot und zwei gegensätzlichen Partnern, die sich noch zusammenraufen müssen.

Svea Karhuu ist die Arbeit mit einem Partner nicht gewohnt - Jahrelang war sie als verdeckte Ermittlerin im Einsatz. Nachdem sie in Notwehr bei einem Undercover-Einsatz einen Kollegen tötete, wird sie gewissermaßen in Malmö geparkt, um aus der Schusslinie zu kommen, während interne Ermittlungen laufen. Zusammen mit dem langjährigen Mordermittler Jon Nordh soll sie den Tod des 13-jährigen Rashid aufklären.

Die Anzeichen weisen erst einmal auf einen Bandenkrieg hin - Der Junge geriet vor einer Pizzeria in die Schusslinie, in dem Lokal befanden sich zwei Gangmitglieder. Ein älterer Mann, der geistesgegenwärtig reagierte, konnte das Schlimmste verhindern, indem er die beiden jungen Männer umriss, als er den Schützen in einem Auto sah.

Karhuu, die zwar aus dem hohen Norden Schwedens kommt, aber aufgrund ihres Äußeren nicht gerade typisch nordisch aussieht, hat den Verdacht, dass sie aufgrund ihres Aussehens in einen Fall in einem Migrantenviertel einbezogen wurde und ist darüber nicht gerade erfreut. Hinzu kommt, dass Nordh nicht gerade politisch korrekt ist und ausgesprochen launisch erscheint. Was verständlich ist: Seit wenigen Monaten ist er Witwer und alleinerziehender Vater, seine Frau verunglückte tödlich mit seinem Freund und Kollegen, mit dem sie, wie sich herausstellte, eine Affäre hatte. Monatelang war Nordh krankgeschrieben, diese Ermittlung, angegliedert an das Dezernat für Bandenkriminalität, ist vielleicht die einzige Chance, wieder an seine berufliche Karriere anzuknüpfen.

Indiskretionen, die aus dem Dezernat an die Öffentlichkeit gelangen, machen es dem Ermittlerpaar nicht einfacher. Die mutmaßlichen Anschlagsopfer geben sich zugeknöpft, dann kommt der ältere Mann aus der Pizzeria bei einem Brand ums Leben. Zufall? Oder ist ein rechtsextremer Täter nach dem Vorbild früherer Serienmörder auf der Suche nach Migranten? Und welche Rolle spielt ein Jugendlicher, der nach den Schüssen dem Fahrzeug des Schützen auf einem Motorroller folgte?

Bei ihren Ermittlungen müssen Karhuu und Nordh noch manches Mal umdenken, während weitere Tote den Druck der Polizeichefin verstärken. Gleichzeitig müssen sie erst einmal Vertrauen zueinander aufbauen und lernen, an einem Strang zu ziehen.

Ein komplexer Plot und ein Ermittlerteam mit Ecken und Kanten, dazu Gegenwartsbezüge zu politischen und gesellschaftlichen Problemen geben diesen Buch den Mix, den ich an skandinavischen Kriminalromanen so reizvoll finde. Das Ende lässt erkennen, dass es noch mehr mit Karhuu und Nordh geben dürfte.

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Veröffentlicht am 14.08.2024

Ermittlungen zwischen Oslo und Edinburgh

Furcht
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Mit "Furcht" hat der norwegische Autor Sven Petter Ness einen Kriminalroman geschrieben, der nicht nur zwischen Oslo und Edinburgh wechselt und dabei zwei Ermittlungsteams in den Focus stellt, das Buch ...

Mit "Furcht" hat der norwegische Autor Sven Petter Ness einen Kriminalroman geschrieben, der nicht nur zwischen Oslo und Edinburgh wechselt und dabei zwei Ermittlungsteams in den Focus stellt, das Buch hat auch etwas von einem Zwiebelprinzip oder einer russischen Matrjoschka-Puppe: Immer dann, wenn etwas klar erscheint, steckt dahinter nur die nächste Frage, das nächste Geheimnis - und das konsequent bis ganz zum Schluss. Es ergibt sich also so manche überraschende Wendung.

Mit Harinder Singh ist der Protagonist nicht ganz der typische blonde, blauäugige Skandinavier, auch wenn er in Norwegen als Sohn eines indischen Einwanderers geboren wurde. Erwahrungen mit Alltagsrassismus werden allerdings nur eher nebenbei erwähnt, und wenn Singh in seiner Ermittlereinheit aneckt, dann hat das eher mit seiner Hartnäckigkeit zu tun, die von Vorgesetzten manchmal auch als Sturheit oder Eigensinn ausgelegt wird.

Singh ist zunächst einmal als besorgter Verwandter unterwegs: Seine Nichte Amandeep, seit ein paar Monaten als Austauschstudentin an der Universität Edinburgh, wurde misshandelt und halbtot aus dem Fluss geborgen, liegt im künstlichen Koma. Sie wurde auf der Rückkehr von einer Bergtour entführt. Ihre Mutter ist Singhs Halbschwester, und so reist er einerseits zur emotionalen Unterstützung nach Schottland, andererseits aber auch mit dem Wunsch, herauszufinden, was eigentlich passiert ist. Sowohl seine norwegischen Vorgesetzten als auch die schottischen Kollegen weisen ihn darauf hin, dass er keinerlei Ermittlungsbefugnisse hat, doch Singh ist wie gesagt eigensinnig.

Als seine norwegische Kollegin auf seine Bitte Amandeeps Ex-Freund befragt, kommen neue Einzelheiten ans Licht, die plötzlich einen Ermittlungsansatz bieten könnten: Denn Amandeep hatte mehr als ein Jahr lang in einem Club gejobbt, der einem Brüderpaar gehört, das in der Organisierten Kriminalität von Oslo ganz oben mitmischt - nur nachweisen lässt sich das nicht. Ein Informant wurde kürzlich erschossen aufgefunden, die Tatweise erinnert an einen zweiten Mord, dessen Opfer aber in keinerlei Zusammenhang zur OK steht. Hat Amandeep etwas gesehen, was sie nicht sehen sollte, war das Studium im Edinburgh eher eine Flucht? Ein schottischer-Ex-Polizist, den Singh einmal bei einer Interpol-Tagung kennenlernte, glaubt an eine Verbindung zu einem einheimischen Gangsterboss, hinter dem er viele Jahre vergeblich her war.

Eine Spur Oslo-Edinburgh? Wie gesagt, in diesem Fall gibt es eine Reihe von Wendungen und Ermittlungsansätze, die in beiden Städten die Ermittler auf Trab halten. Naess schafft es, beiden Teams zu folgen, ohne auszuufern, vernachlässigt auch die persönlichen Aspekte nicht und sorgt buchstäblich bis zur letzten Seite für Spannung. Ich kannte den Autor bisher nicht, werde jetzt aber auf jeden Fall nach anderen Büchern Ausschau halten.

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Veröffentlicht am 14.08.2024

Sensitivity-Managerin auf Mördersuche

Harz aber herzlich
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Hamburgerin Ariane bricht zu neuen beruflichen Feldern auf, nach ihrem Volontariat die erste Festanstellung für die Mittvierzigerin. Dafür kehrt sie Ehefrau Katja, Hund Woodie und der Großstadt den Rücken, ...

Hamburgerin Ariane bricht zu neuen beruflichen Feldern auf, nach ihrem Volontariat die erste Festanstellung für die Mittvierzigerin. Dafür kehrt sie Ehefrau Katja, Hund Woodie und der Großstadt den Rücken, um im Harz bei der örtlichen Tourismusorganisation als Sensitivity-Managerin zu arbeiten. Allerdings in der Außenstelle in Düsterode, wo sie schnell merkt, dass sie dicke Bretter bohren muss - ihre neuen Kollegen verfrachten sie am ersten Arbeitstag als Hexe vom Dienst in eine fensterlose Kammer. Sieht also nicht so aus, als ob ihr Bemühen um mehr Diversity und politische Korrektheit auf fruchtbaren Boden fällt.

Doch Ariane, die mit ihren Sneakern auf die Berge des Harz ähnlich gut vorbereitet ist wie ihre neuen KollegInnen auf das angestrebte Sensitivity-Programm, gibt nicht auf in "Harz aber herzlich" von Peter Godazgar und Alexandra Kui, Unverdrossen, Fußblasen und wundgescheuerten Fersen trotzend, erklimmt sie ihren ersten Harz-Gipfel um ein sexistisch umgestaltetes Wanderschild ausfindig zu machen. Immerhin ist es gemeldet worden, so viel Sensitivity ist also immerhin vorhanden in Düsterode.

Ariane findet nicht nur das Schild, sondern auch eine Leiche. So hat sie sich den Jobeinstieg wirklich nicht vorgestellt. Leicht hysterisch und mit blutigen Füßen ruft sie bei der Polizei an - und landet bei Andreas Anton, dem einzigen Polizist des Ortes, Typ gemütliches Schwergewicht mit Harmoniebedürfnis. Ariane findet: Er nimmt sie irgendwie nicht ernst genug. Immerhin hat der Provinzbulle eine sympathische Hündin, Frau Krause. Und obwohl Berg- oder Waldluft doch so gesund sind, bleibt es nicht bei einer Leiche. Trotz aller Gegensätzlichkeiten und beiderseitigen Misstrauens: Da müssen Ariane und Andreas ran. Irgendwie gemeinsam. Auch wenn die Gegensätze unüberwindbar zu sein scheinen.

"Harz aber herzlich" ist ein augenzwinkernder Cozy-Krimi mit satirischen Untertönen. Im Jahr 2024 wirkt die Ossi-Wessi-Schiene, die immer wieder bemüht wird, zwar etwas aus der Zeit gefallen, aber abgesehen davon war das Autorenteam offensichtlich mit viel Lust und Spaß bei der Sache. Schräge Harzbewohner, ein cholerischer Vorgesetzter namens "Super Mario", amouröse Verstrickungen und eine zarte Hundeliebe - man sollte diesen Cozy nicht zu ernst nehmen und sich einfach daran freuen. Hat Spaß gemacht.

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Veröffentlicht am 08.08.2024

Warnung und Analyse

Rechtsextrem, das neue Normal?
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Die Nervosität im Superwahljahr 2024 kommt nicht von ungefähr. Wo man sich auf regionaler, nationaler oder internationaler Ebene umschaut - populistische und nationalistische Parteien und Politiker treten ...

Die Nervosität im Superwahljahr 2024 kommt nicht von ungefähr. Wo man sich auf regionaler, nationaler oder internationaler Ebene umschaut - populistische und nationalistische Parteien und Politiker treten nicht nur zu Wahlen an, sie sind dort auch ziemlich ergolgreich. Und in Deutschland? Die AfD ist in den Parlamenten vertreten und macht sich Hoffnungen, im Osten Deutschlands nicht nur Rathäuser und Landratsämter, sondern auch die erste Landesregierung erobern zu können. In dieser Gemengelage erscheint der Essayband "Rechtsextrem, das neue Normal?", herausgegeben von Matthias Quent und Fabian Virchow.

Für diejenigen, die sich schon länger mit der AfD beschäftigen, bietet der Band nicht allzuviel Neues oder gar Überraschendes, auch wenn es in einigen Detailbereichen Vertiefung gibt. Wer sich (warum eigentlich erste jetzt???) angesichts Umfragewerten einerseits und der immer lauteren Auftritte des rechtsextremen Flügels um Björn Höcke entscheidet, sich einmal näher mit der Partei zu beschäftigen, findet ein Kompendium unter verschiedenen Aspekten.

Die Autoren sind Politikwissenschafterinnen und -wissenschaftler, Experten aus der Extremismuspräventiion, Journalisten und andere, die meist schon seit Jahren den Blick auf die AfD, auf Rechtsextremismus und gesellschaftliche Reaktionen richten. Angesichts der einzelnen Aufsätze kommt es gelegentlich zu Überschneidungen und Wiederholungen, andererseits lässt sich dadurch auch durch das Buch "springen" und je nach besonderem Interesse schwerpunktmäßig lesen.

Die Entstehungsgeschichte der AfD mit ihren Richtungs- und Flügelkämpfen wird ebenso beschrieben wie das offene Abdriften Höckes und seiner Anhänger in rechtsextreme Positionen. Die "Remigrations"-Debatte wird ebenso beschrieben wie die Nähe zu Russland und die Haltung zu Minderheiten. Immer wieder wird auch über die Landesgrenzen geschaut, auch zur Vernetzung rechter und rechtsextremer Gruppen. Mit den Porträts bekannter Westdeutscher am rechten Rand der AfD wie der einstige Spiegel-Feuilletonist Matussek wird mit dem Mythos aufhgeräumt, die AfD sei vor allem ein ostdeutsches Problem. Auch das Wählerpotential der Partei wird unter die Lupe genommen: Wer entscheidet sich für die AfD, und warum?

Immer wieder geht es auch um das "Verstummen der Mitte" und die zunehmende Akzeptanz radikaler Positionen, aber auch die Versuche anderer Partei, mit der AfD umzugehen bzw sich klar abzugrenzen, ohne weiter Wähler zu verlieren,

Die knappen, aber keineswegs oberflächlichen Kapitel dürften gerade denjenigen den Zugang erleichtern, die einen Einstieg in die Thematik suchen.