Ein ungleiches Duo auf der Suche nach einem Mörder. Spannend und witzig zugleich mit viel Herz und Humor erzählt und gezeichnet.
RedInhalt:
Der kleine Hund Friedwart Plüschmann findet auf der Flucht vor zwei Waschbären einen Unterschlupf bei einer alten Dame.
Plitschnass und verängstigt und wegen des tobenden Gewitters gewährt die ...
Inhalt:
Der kleine Hund Friedwart Plüschmann findet auf der Flucht vor zwei Waschbären einen Unterschlupf bei einer alten Dame.
Plitschnass und verängstigt und wegen des tobenden Gewitters gewährt die Witwe Rosa McMill dem Streuner Zuflucht. "Aber nur für eine Nacht!"
Doch als Rosa am nächsten Morgen versucht, den Hund wieder an die Luft zu setzen, berichtet er von Blut, das seine Spürnase im Wandschrank erschnuppert hat.
Gemeinsam rollen die beiden einen alten, ungelösten Kriminalfall wieder auf:
Vor dreißig Jahren wurde nachts im Schnee ein Toter entdeckt ... erfroren und nackt, wie die Natur ihn erschuf.
Alle im Ort haben es als einen tragischen Unfall angesehen. Doch Rosa ist sich ganz sicher: Die Polizei ist unfähig. Das war Mord! Das Opfer: Rosas Mann Red!
Sie verdächtigt die halbe Nachbarschaft. Aber erst Dank Friedwart Plüschmann entdeckt sie eine heiße Spur in diesem Cold Case ...
Altersempfehlung:
etwa ab 12 Jahre
Mein Eindruck:
Wer bereits "Murr" und "Trip mit Tropf" gelesen und ein Faible für herrlich schräge Charaktere und Dialoge hat, wird auch bei "RED" voll auf seine Kosten kommen.
Auch dieses Mal könnten die beiden Hauptfiguren unterschiedlicher nicht sein:
Friedwart Plüschmann hat's nicht leicht. Der Kleine wird direkt zu Beginn von zwei Waschbären gepiesackt und entkommt nur knapp. Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass der kleine Streuner nur auf drei Beinen durchs Leben geht. Doch der Winzling ist herzlich, offen, hilfsbereit und liebenswert. Ein quirliges Plappermaul, das auf Anhieb sympathisch ist. Seine kindliche und naive Art weckt Beschützerinstinkte.
Hingegen ist die alte Dame schroff und abweisend (auch wenn sie dem kleinen Hund kurzzeitig Unterschlupf gewährt), schnell genervt und ihr mürrischer Gesichtsausdruck spricht Bände.
Eigentlich besteht ihre Mimik nur aus zwei waagerechten Linien: eine dicke für die Augenbrauen und eine dünnere darunter für den Mund. Faszinierend, mit wie wenigen Strichen komplexe Emotionen gezeigt werden können.
Die Figuren sind durchgängig einfach gezeichnet und immer auf das Wesentliche reduziert. Die Art gefällt mir sehr und bringt einen gewissen Reiz mit. Weniger ist schließlich oft mehr
Das Timing und der Spannungsaufbau durch die Gestaltung der Panels ist hervorragend gelungen. Gleiches gilt für die Wahl der Perspektiven und Szenenwechsel sowie Rückblenden. Ein wunderbares Lesevergnügen. Zudem kommen viele Szenen mit wenig bzw. ganz ohne Text und dafür als ganze Seite daher.
Wortwitz, Anspielungen und absurde Dialoge, schräge Verhöre und skurrile Nebenfiguren (ein Kommissar, der lieber malt als ermittelt, und ein vollkommen unfähiger Gerichtsmediziner) sorgen zusammen mit dem mysteriösen Mordfall für ein spannendes Lesevergnügen.
Die Geschichte (zum Fortgang werde ich nichts spoilern) ist eine wunderbare Mischung aus mitreißender Ermittlungsarbeit und überraschenden Wendungen. Sie bietet aber auch bewegende Einblicke in die Vergangenheit, insbesondere auf die junge Rosa vor dreißig Jahren (eine faszinierende und zugleich traurige Entwicklung).
Manchmal weiß man nicht, ob man lachen oder weinen oder vor Spannung den Atem anhalten soll.
Der Comic richtet sich aber nicht ausschließlich an Kinder. An dem schwarzen Humor, den Fargo-Vibes und anderen Anspielungen haben auch Erwachsene ihre Freunde.
Ähnlich wie der Film Fargo schafft auch "Red" das Kunststück, gleichzeitig lustig und spannend zu sein und zudem zum Nachdenken anzuregen.
Für diesen kniffligen Kriminalfall mit unfassbar pointierten und schrägen Dialogen vergebe ich von Herzen gerne eine Leseempfehlung sowie 5 von 5 Spürnasen!
Bewegte Bilder:
Wie gewohnt findet sich neben einer Leseprobe zu "Red" auch ein Buchtrailer auf der Homepage des Kibitz Verlags.
Eindrucksvoll erlebt man hier in Bild und Ton die erste Begegnung des quirligen Streuners und der mürrischen alten Dame.
Fazit:
Ein außergewöhnliches Duo ermittelt in einem verzwickten Kriminalfall.
Herrlich witzig und schräg mit tragischen Momenten und spannenden Wendungen.
Mitreißend erzählt und mit viel Herz und Seele gezeichnet.
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Rezensiertes Buch: "Red" aus dem Jahr 2026