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Veröffentlicht am 06.11.2019

ein schönes Buch

Die Hüterin der verlorenen Dinge
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Eines Tages verschwindet ohne ersichtlichen Grund die Autorin Lila. Zurück lässt sie ihren Ehemann und ihre zehnjährige Tochter Ivy. Beide leiden seitdem darunter, dass trotz aufwendiger Suchaktionen niemand ...

Eines Tages verschwindet ohne ersichtlichen Grund die Autorin Lila. Zurück lässt sie ihren Ehemann und ihre zehnjährige Tochter Ivy. Beide leiden seitdem darunter, dass trotz aufwendiger Suchaktionen niemand herausfinden kann, was geschehen ist. Weder, ob Lila ihre Familie und ihr altes Leben freiwillig verlassen hat, noch, ob es eine Straftat gab und sie womöglich tot ist. Diese Ungewissheit hat Ivy zu einem Menschen heranwachsen lassen, der ständig auf der Suche nach dem Verlorenen ist. Überall in ihrer Heimatstadt New York sammelt sie vergessene Dinge und ihr Drang, hier die Besitzer zu finden oder wenigstens die Geschichte, die zu diesen Gegenständen gehört, ist fast zur Manie geworden. Auf der Straße lernt sie auch den Künstler Jack kennen, der versucht, ihr zögerliches Herz zu erobern. Dabei ist er sehr einfühlsam und geduldig, da er spürt, dass Ivy Angst vor Verletzungen hat und die Nähe eines anderen Menschen erst für sich annehmen muss.

Als Ivys Vater sich entschließt, die Ehefrau nach über 12 Jahren für tot erklären zu lassen, um seine neue Freundin heiraten zu können, merkt Ivy, dass sie noch einen letzten Versuch machen muss, das Rätsel um das Verschwinden der Mutter zu lösen. Vorher kann sie nicht abschließen mit dem großen Verlust, der ihr Leben so maßgeblich verändert hat. Also begibt Ivy sich auf die Suche nach der Vergangenheit von Lila und danach, wie und wer sie wirklich war. Es wird für sie eine Reise zurück in der Zeit und hinein in die Welt ihrer Mutter. Und es wird eine Reise zu sich selbst.

Besonders fasziniert hat mich, wie Nicole Vosseler es immer wieder schafft, für jedes ihrer Bücher einen ganz eigenen Ton zu treffen, der wunderbar zu ihren Hauptdarstellern passt. Gerade in dieser Geschichte ist es die Poesie, die Schönheit von Worten, die Kraft des Erzählens, die Bilder im Kopf erstehen lässt. Und auch die Traurigkeit und Sehnsucht, die mit dem tief empfundenen Verlust eines geliebten Menschen einhergeht. Der helle Ton in all der Melancholie ist der liebenswerte Jack, der wie ein optimistisches Licht herausleuchtet.

„Die Hüterin der verlorenen Dinge“ ist ein leises Buch. Eines, das sich still und heimlich ins Herz schleicht. Eines, dass man langsam und bedächtig lesen möchte und das nachhallt, wenn man es zu Ende gelesen hat. In dem das laute New York nochmal eine neue verträumte Facette bekommt. In dem zwischen den Zeilen auch ganz viel von Nicole Vosseler und dem Leben und Schaffen einer Autorin steckt. Ein schönes Buch.

Veröffentlicht am 30.10.2019

solide und vielversprechend

Sandtaucher
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Danvar, das Atlantis dieser Geschichte, ist es, was die Sandtaucher und alle, die sie beauftragen, suchen. Auf lebensgefährlichen Tauchgängen hinunter in die tiefsten Sanddünen sucht auch Palmer nach dieser ...

Danvar, das Atlantis dieser Geschichte, ist es, was die Sandtaucher und alle, die sie beauftragen, suchen. Auf lebensgefährlichen Tauchgängen hinunter in die tiefsten Sanddünen sucht auch Palmer nach dieser sagenumwobenen Stadt und deren Schätzen.

Howey entführt uns auch diesmal in den Untergrund. Nur ist er diesmal nicht von Menschen solide in Form eines Silos gebaut, sondern durch Katastrophen und Kriege entstanden. Eine karge, sandige Welt, die die vergangenen Reiche unter Tonnen von Stein und Sand begraben hat.

Es handelt sich um eine Dystophie und um eine Familiengeschichte gleichermaßen. Eine interessante Kombination und mit den typischen Mechanismen eines ersten Bandes obendrauf. Man wird in die neue Welt hineingeschubst, muss sich einiges zusammenreimen, manches ist rätselhaft oder noch nicht gänzlich erklärt. Die Charaktere erhalten Raum und Tiefe, die Handlung entwickelt sich relativ langsam.

Mir hat dieses ungewöhnliche Setting sehr gefallen. Solide und vielversprechend.

Veröffentlicht am 30.10.2019

toller erster Teil

Die Krone der Dunkelheit
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„Die Krone der Dunkelheit“ war mein erstes Buch von Laura Kneidl. Wurde aber langsam auch mal Zeit. Die Erwartungen waren hoch, da die Autorin bereits sehr gefeiert wird.

Erzählt wird die Geschichte zweier ...

„Die Krone der Dunkelheit“ war mein erstes Buch von Laura Kneidl. Wurde aber langsam auch mal Zeit. Die Erwartungen waren hoch, da die Autorin bereits sehr gefeiert wird.

Erzählt wird die Geschichte zweier junger taffer Frauen. Zum einen ist das Freya, einer hochwohlgeborenen Prinzessin, die durch verbotene Magie versucht ihren entführten Zwillingsbruder wieder zu finden. Zum anderen ist da Ceylan, eine Waise die glaubt, wenn sie eine gute Ausbildung zur Wächterin machen könnte, würde sie eine Möglichkeit bekommen, Rache zu nehmen an den Mördern ihrer Eltern.

Fast ebenbürtig zu den starken Hauptfiguren gibt es jede Menge interessanter Sidekicks und Nebendarsteller. Das ist mir bei dieser jugendlichen Fantasygeschichte besonders positiv aufgefallen, dass das Personal sehr liebevoll ausgefeilt wurde und nie eindimensional oder vorhersehbar agierte. Dadurch gibt es auch einige handfeste Überraschungen in einem Plot, der vielleicht nichts wirklich Neues bietet aber das so unterhaltsam zubereitet, dass ich am Ende nur heilfroh war, dass es schon eine Fortsetzung gibt, denn das Ende dieses ersten Bandes hat es wirklich in sich.

Meine Erwartungen wurden nicht nur erfüllt sondern sogar ein Stück weit übertroffen.

Veröffentlicht am 27.10.2019

etwas sperrig

Alles, was wir sind
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Pasternak schreibt an seinem regimekritischen „Dr. Schiwago“. Das Politbüro in Moskau ahnt, dass das Buch nicht in ihrem Sinne sein könnte und möchte genaueres erfahren. Sie inhaftieren Pasternaks Geliebte ...

Pasternak schreibt an seinem regimekritischen „Dr. Schiwago“. Das Politbüro in Moskau ahnt, dass das Buch nicht in ihrem Sinne sein könnte und möchte genaueres erfahren. Sie inhaftieren Pasternaks Geliebte Olga und verhören sie. Allerdings erfolglos, da sie schweigt.

Auf der anderen Seite versucht der CIA genau dieses Buch in die Finger zu bekommen, eben weil sie es als literarische Waffe im Kalten Krieg gegen Russland verwenden wollen. Das Manuskript wird später tatsächlich hinausgeschmuggelt und in Italien herausgebracht.

„Alles was wir sind“ ist ein anspruchsvolles Werk. Ich hatte streckenweise das Gefühl, dass die Autorin nicht genau wusste, was sie für ein Buch schreiben wollte. Dass über eine große Liebe, dass über den kalten Krieg oder doch einen Agenten-Spionage-Roman. Die teils abrupten Wechsel nehmen immer wieder die Spannung aus der Geschichte. Ich habe mich in der Mitte etwas zwingen müssen, weiter zu lesen. Am Ende zieht der Plot an und dank der starken Frauenfiguren gewinnt das Buch nochmal an Dramatik.
Etwas schwergängig und sperrig.

Veröffentlicht am 27.10.2019

Das Auge isst mit

Abenteuer Geschmack!
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Das Kochbuch "Abenteuer Geschmack" zelebriert nicht nur den Geschmack sondern auch andere Sinne werden hier angesprochen. Allen voran der Seh-Sinn. Das Cover ist ein Farbenrausch und zieht den Interessierten ...

Das Kochbuch "Abenteuer Geschmack" zelebriert nicht nur den Geschmack sondern auch andere Sinne werden hier angesprochen. Allen voran der Seh-Sinn. Das Cover ist ein Farbenrausch und zieht den Interessierten magisch an. Die Bilder im Inneren sind von intensiver Farbgestaltung, großformatig und setzen die verschiedenen Gemüsesorten und die beschriebenen Gerichte prächtig in Szene. Food-Fotographie auf höchstem Niveau.
Die beschreibenden und sehr informativen Texte wollen den Geist öffnen für einen neuen und ungewöhnlichen Blick auf die Lebensmittel und die Zubereitung der verschiedenen Gerichte. Es wird genau erklärt, wie unsere Sinne funktionieren und wie wichtig sie für das Erlebnis Essen sind. Es ist kein reines Kochbuch sondern durchaus ein Buch zum Lesen, zum Neues erfahren und zum Nachdenken.

Hier setzt aber auch meine Kritik an.
Für meinen Geschmack waren viel zu wenig Rezepte enthalten und viele der Rezepte waren eigentlich nur Basis-Rezepte, in denen z.B. Tomaten in eine Saucenform gebracht wurden aber es fehlte an weiterführenden Kochvorschlägen.

Beim ersten Durchblättern blieben nur zwei oder drei interessante Rezepte für mich zum ersten Nachkochen übrig. Eindeutig zu wenig für so ein dickes und teures Buch.

Die Gerichte selbst, die etwas ausgefallener waren, waren aber sehr lecker. Als Auberginenfan war ich begeistert. Die Anleitungen sind klar und einfach. Sehr schön finde ich, dass bei vielen Spezial-Zutaten auch immer eine einfache Variante als Alternative dabei stand. So war alles nachkochbar auch ohne, dass man jedes ausgefallene Gewürz gleich kaufen musste. So etwas schätze ich sehr.

Fazit: Wer ein reines Kochbuch erwartet, ist hier sicher nicht richtig. Wer ein visuelles und intellektuelles Erlebnisbuch sucht, in dem ein paar schöne Rezepte drin stehen, der wird zufrieden sein, mit diesem wunderschön aufgemachten Buch.