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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.02.2017

Ein Jahreshighlight

Die letzten Tage der Nacht
4

New York, 1888. Thomas Edison hat die Erfindung der Glühbirne rechtzeitig vor allen Konkurrenten patentieren lassen und jetzt will er natürlich das Monopol dafür behalten. Sein schärfster Konkurrent, George ...

New York, 1888. Thomas Edison hat die Erfindung der Glühbirne rechtzeitig vor allen Konkurrenten patentieren lassen und jetzt will er natürlich das Monopol dafür behalten. Sein schärfster Konkurrent, George Westinghouse, möchte aber mit einer Weiterentwicklung ebenfalls auf den Markt kommen und deshalb entbrennt ein langer Rechtsstreit darüber, ob Edison das Patent rechtmäßig besitzt und ob sein Allein-Monopol bestehen bleiben soll.

Westinghouse sucht sich ein renommiertes Anwaltsbüro und macht den noch unerfahrenen Paul Cravath zu seinem Anwalt. Dieser setzt alles daran, seinen Auftraggeber zufrieden zu stellen. Vor allem, als er feststellt, dass Edison bei seiner Patentschrift vielleicht tatsächlich nicht ganz die Wahrheit gesagt hatte und nicht alles so rechtmäßig lief, wie es hätte sein sollen. Während der nächsten Monate wogt der Kampf hin und her. Der geniale Wissenschaftler Nikola Tesla wechselt von Edison zu Westinghouse. Immer wieder hofft Paul, dass er genügend Beweise gefunden hat, um das Gericht zu überzeugen. Edison hingegen erscheint unerreichbar. Er überschüttet seinen Gegner mit hunderten von Gegenklagen. Er versucht die Idee von Westinghouse schlecht zu machen, dass Wechselstrom für die Zukunft der Elektrizität besser und sicherer wäre.

Paul Cravath ist ein interessanter Charakter. Im Laufe des Buches verliert er seine Naivität und auch einen Teil seiner beruflichen Unschuld. Er muss erkennen, dass sowohl Edison als auch Westinghouse gewillt sind mit harten Bandagen zu kämpfen und dass er mehr als einmal Stellung beziehen muss und es ziemlich schwer sein kann, immer integer und ehrlich zu bleiben, auch wenn man glaubt für eine gute Sache zu stehen. Er verliebt sich unsterblich in eine junge Sängerin, die gesellschaftlich unerreichbar für ihn ist, er macht wegen seiner Unerfahrenheit auch Fehler und kann nicht verhindern, dass Westinghouse und dessen Firma sich unaufhaltsam dem Rand des Ruins nähern.

Das Thema ist wohl gerade ziemlich en vogue. Graham Moore und Anthony McCarten haben fast zeitgleich ein Buch über Thomas Alpha Edison und die Elektrizität herausgebracht. Die letzten Tage der Dunkelheit hat mich von der ersten Seite an gefesselt und überzeugt, dass der Autor ein begnadeter Geschichtenerzähler ist. Auch wenn bereits die Verfilmung dieses Romans beschlossene Sache ist, so ist das Buch viel mehr, als ein Drehbuch. Schon die schöne Sprache ist ein Genuss. Dazu die interessante Verquickung von wissenschaftlichen, rechtlichen, geschichtlichen Dingen eingebettet in eine Handlung, die aus lauter realen Personen besteht ist spannend, faszinierend und ungemein lehrreich. Graham Moore schaffte es, mir die Charaktere sehr nahe zu bringen und mir auch kniffelige Details klug und verständlich zu erklären.

Das Nachwort war nochmal hochinformativ und toll, weil Moore haarklein erklärt, wo er selber ein bisschen „manipuliert“ hat - zum Wohle der Geschichte – und welche Fakten im Buch versteckt sind.

Für mich im Augenblick mein Jahreshighlight und ein hervorragend recherchierter historischer Roman den ich nur wärmstens empfehlen kann.

Veröffentlicht am 19.09.2016

Fantasy-Thriller

Teufelsgold
4

Andreas Eschbach gehört für mich zu den Autoren, die im deutschsprachigen Raum ein eigenes Genre kreiert haben. Den fantastischen Thriller – also einen Thriller in dem, mal mehr mal weniger, Fantasy- oder ...

Andreas Eschbach gehört für mich zu den Autoren, die im deutschsprachigen Raum ein eigenes Genre kreiert haben. Den fantastischen Thriller – also einen Thriller in dem, mal mehr mal weniger, Fantasy- oder Science-Fiction-Elemente vorkommen. Bekannt sind vor allem das „Jesus-Video“ und der „Jesus-Deal“, die mir beide ausgesprochen gut gefallen haben. Ähnlich ist es auch im neuesten Roman „Teufelsgold“. Eine Hauptrolle in diesem Roman spielt der „Stein der Weisen“.

Mit den Rittern der Kreuzzügen kam aus dem Heiligen Land die Geschichte eines geheimnisvollen Steines zurück, mit dessen Hilfe kundige Alchemisten angeblich aus minderem Metall Gold machen könnten und der vielleicht noch ganz andere magische Fähigkeiten freisetzten würde.

Mehr zufällig gelangt Hendrik Busske, Investmentmanager, an ein kleines Büchlein, in welchem er zum ersten Mal von der Existenz des Steines liest. Es scheint, als würde seine chronische Unzufriedenheit mit Job und Karriere dadurch eine neue Richtung bekommen, denn bald ist er auf der Suche nach neuen Möglichkeiten für sich und sein Leben und als tatsächlich eine goldene Rüstung gefunden wird, die in eben jenem Buch als Erzeugnis eines Alchemisten erwähnt wird, sinnt er auf eine Möglichkeit, des Goldes oder des Steines habhaft zu werden. Aber natürlich ist er nicht der Einzige, der Jagd macht auf den Stein der Weisen. Neben seinem Bruder, einem erfolgreichen Wissenschaftler, sind auch ein alter Ritterorden und ein noch viel älterer Alchemist daran interessiert das Geheimnis zu lösen und Hendrik gerät erst zwischen alle Fronten um sich dann doch für eine der Seiten zu entscheiden.

Nach einem gelungenen Beginn wird das Tempo der Story um Hendrik ziemlich gedrosselt und die Unzufriedenheit des Hauptdarstellers warteilweise etwas anstrengend, denn obwohl er bald viel Geld und jede Menge Erfolg bekommt ist es ihm nie genug. Damit wurde er mir zusehends unsympathischer. Aber auch das ist natürlich ein Qualitätsbeweis, wenn der Leser starke Animositäten gegen die Figuren entwickelt. Viele suchen nach dem Stein und dem gefährlichen Gold. Und alle sind von einer inneren Gier und einer erschreckenden Rücksichtslosigkeit beseelt, die erkennen lässt, dass hier wirklich eine Art „Teufel“ am Werke ist.

Gefallen haben mir alle wissenschaftlichen Aspekte des Buches. Also der Bruder von Hendrik, Adalbert, ist ein leicht autistischer Charakter, der vollkommen verkopft und logisch an die Sache herangeht. Ein bisschen so, wie es Spock aus dem Raumschiff Enterprise tut. Humorlos und mit einer erschreckenden Intelligenz. Dabei erfährt man noch einiges über Atome und chemische Vorgänge und andere wissenschaftliche Details. So etwas schätze ich sehr.

Gefallen hat mir auch die prinzipielle Frage danach, was der Sinn und die Quintessenz des Lebens ist und ob Gold und Unsterblichkeit wirklich das Wichtigste in der menschlichen Existenz sein sollten.

Das eine Geschichte, in der „der Stein der Weisen“ als tatsächlich existent behandelt wird, natürlich eine fantastische sein würde, war mir klar. Allerdings hat mich die Dimension der Special-Effekt-Szenen im letzten Dritteln doch etwas erdrückt. Es war eine Mischung aus esotherisch und magisch mit einem Hauch SF und nicht jede Szene war in meinem Kopfkino wirklich klar zu sehen. Die für mich nicht ganz nachvollziebare Sinneswandlung Hendriks und der finale Höhepunkt, der für den Leser einige dicke Fragen offen lässt, haben mir nicht so gut gefallen.

Von mir gibt es 3,5 Sterne (aufgerundet 4) für einen Roman, der unterhaltsam zu lesen war, der aber nicht an die Jesus-Bücher von Andreas Eschbach heranreichen kann.

Veröffentlicht am 05.05.2017

volle Punktzahl

Die fremde Königin
3

Wer Rebecca Gablé kennt, und wie ich als eine der besten deutschen Autorinnen auf dem Histo-Sektor schätzt (wenn nicht gar die Beste), der weiß, dass man nicht viel falsch macht, wenn man sich das neueste ...

Wer Rebecca Gablé kennt, und wie ich als eine der besten deutschen Autorinnen auf dem Histo-Sektor schätzt (wenn nicht gar die Beste), der weiß, dass man nicht viel falsch macht, wenn man sich das neueste Buch von ihr kauft. Nach der erfolgreichen Waringham-Serie hat sie mit „Die fremde Königin“ nun den zweiten Band ihrer Reihe um Otto I. geschrieben. Und sie bringt einen neuen Hauptdarsteller ins Spiel, nämlich den Bastard Gaidemar, der zwar ahnt, dass er väterlicherseits familiäre Bande zur Königsfamilie hat, aber nicht weiß, wer seine kurz nach der Geburt verstorbene Mutter war. Ohne eigenes Land oder finanzielle Mittel, und ohne einen klangvollen Namen, kann er nur seine herausragende Leistung als Panzerreiter für sich sprechen lassen. Genau deshalb wird er ausersehen, Adelheid, die verwitwete Königin von Italien, aus einer misslichen Lage zu befreien und zu König Otto I. zu bringen. Dies gelingt ihm vortrefflich und während er sich Hals über Kopf in die edle, für ihn unerreichbare, Dame verliebt, heiratet diese recht bald den König. Was anfangs eine kalkulierte Verbindung gewesen sein mag, wird bald zu einer harmonischen Ehe, in der sich Adelheid und Otto gegenseitig durch kluge politische Schachzüge unterstützen. Schnell stellen sich auch die ersten Kinder ein. Liudolf, der Erstgeborene aus Otto’s erster Ehe, kann sich für seine Stiefmutter nur bedingt erwärmen und glaubt, dass sein Vater ihm das Erbrecht für die Königswürde vielleicht vorenthalten könnte. Daraus entsteht ein Familienstreit, wie er wohl für die damalige Zeit nicht unüblich unter den europäischen Herrscher war. Als schließlich die gefürchteten Ungarn und Slawen ins Reich einfallen, spitzt sich die Situation immer mehr zu.

Der Vorgänger, das Haupt der Welt, war und ist unübertroffen mein Lieblingsbuch von Rebecca Gablé. Tugomir und Tankmar waren einfach ein tolles Team. Zumindest Tugomir erscheint aber nach einer Weile auch in diesem Buch auf der Bildfläche. Das hat mich sehr gefreut, auch wenn seine Rolle nur klein aber fein war. Gaidemar ist weit weniger sperrig. Er bekleidet von Anfang die Rolle des Helden par exellance. Er ist seinem König und seiner Königin treu ergeben; auch wenn er dafür den besten Freund fallen lassen muss. Er ist mutig und ritterlich, selbstlos und zurückhaltend. Dabei gutaussehend, stark und nie überheblich. Ein toller Mann; vielleicht manchmal ein bisschen glatt. Gegen Ende hat er noch ein, zwei Szenen, die zeigen, dass er nicht immer der Saubermann sein kann; aber im Großen und Ganzen ist er fast zu gut für die Welt. Da sind die edlen Herrschaften wie Otto, Adelheid und vor allem Kirchenfürsten wie Wilhelm, etwas spannender, weil facettenreicher in ihren Charakteren. Ziemlich lange hängt Gaidemar auch der unerfüllten Liebe seiner Königin nach, bis sich auch für ihn andere Perspektiven ergeben.

Noch mehr als im Vorgängerroman, versucht die Autorin die politischen Verwirrspiele der Adligen zu erzählen und dem Leser geschichtliches Wissen zu vermitteln. Dass man dabei nicht gänzlich den Überblick verliert, ist ihrer klugen Erzählweise zu verdanken. Denn wer hier mit weg koaliert, wer wen über den Tisch ziehen will, wer wo gerade mal regiert, wessen Bruder und Cousin mit wem unter einer Decke steckt, das ist schon ein großes Hin und Her gewesen und neben Ehre und Treue gibt es auch jede Menge Verrat, gebrochene Schwüre, Bruderzwist und Hass und Neid.

Ich habe das Buch, wie alle Bücher von Frau Gablé, verschlungen. Es war im besten Sinne spannend, unterhaltsam und lehrreich zugleich. Auch wenn es für mich nicht ganz an den Vorgänger herangekommen ist – auch weil ich einfach ein Tudomir-Fan bin - so vergebe ich dennoch die volle Punktzahl. Denn es war rundherum ein Vergnügen und jedem Leser nur wärmstens ans Herz zu legen.

Veröffentlicht am 31.10.2016

Enttäuschung des Jahres

Die Stille vor dem Tod
3

„Die Stille vor dem Tod“ beginnt mit einer großen Mordserie. In einer Siedung am Stadtrand von Denver werden in einer einzigen Nacht gleich drei Familien getötet und auf erschreckende Weise im Tod drappiert. ...

„Die Stille vor dem Tod“ beginnt mit einer großen Mordserie. In einer Siedung am Stadtrand von Denver werden in einer einzigen Nacht gleich drei Familien getötet und auf erschreckende Weise im Tod drappiert. Außerdem steht in einem der Häuser eine Nachricht mit Blut an die Wand geschrieben, in der explizit Smokys Name fällt. Dies ist aber nur der Beginn eines unvergleichlichen Parcours des Grauens, den Cody McFadyen für seine Ermittlerin Smoky, ihr Team, ja die ganze Welt parat hält. Das Böse nimmt eine Dimension an, die weder die Ermittler noch der Leser sich je hätten träumen lassen.

Lange habe ich auf ein neues Buch von Cody McFadyen gewartet. Umso größer war die Vorfreude, als ich „Die Stille vor dem Tod“ endlich in Händen hielt. Ich bin ein Fan guter Thriller, die gerne auch blutig und hart sein dürfen. Chris Carter und Karin Slaughter gehören neben McFadyen zu meinen Favoriten. Ich kenne alle Vorgängerromane um die Ermittlerin Smoky Barrett und weiß, dass der Autor von Buch zu Buch noch eine Schippe drauflegen kann.
Leider wurden meine Erwartungen nicht erfüllt; schlimmer, die Enttäuschung wuchs von Kapitel zu Kapitel. Es gab eine Vielzahl an Gründen dafür.

Der Plot ist von vorne bis hinten voller Lücken, Brüchen, Unglaubwürdigkeiten. Ohne der Story vorweg zu greifen kann man sagen, dass die Geschichte auf mindestens zwei Bücher angelegt ist, also mitten drinnen abrupt abbricht. Wer das vorher nicht weiß, ist sicherlich frustriert. Aber auch innerhalb dieses Buches geschehen so viele Dinge, die man nicht erklärt bekommt oder die einem einfach als Tatsache vorgesetzt werden, dass geübte Thrillerleser damit nicht zufrieden sein können.

Es gibt keine Spannungskurve. Im ersten Viertel geschehen die ersten Morde und es kommt durch den mutmaßlichen Mörder zu einer Art vorgezogenem Showdown in dessen Verlauf der Leser mit so vielen Abscheulichkeiten, bestialischen Morden, Leichen, gequälten Lebenden und Toten konfrontiert wird, dass es für gut und gerne fünf Bücher gereicht hätte. (Dieses Schema wird zwischendurch immer wieder mit neuen Berichten irgendwelcher Mörder fortgesetzt, wobei die Grausamkeit und Abartigkeit mir irgendwann fast zu viel wurde.) Danach verliert die Story erst mal jede Spannung und über zwei Drittel des Buches passiert nichts, was mit Ermittlungen oder Mörderjagd auch nur entfernt zu tun hätte. Am Ende wird zwar wieder jemand verhaftet, aber das ist so langatmig und unspektakulär, dass es eines McFadyen-Thrillers eigentlich unwürdig ist. Es kam mir vor, als hätte er sein ganzes Feuerwerk schon am Anfang verschossen.

Es bleiben eine Vielzahl an Fragen, Ungereimtheiten und losen Enden. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass nicht alles im nächsten Band erklärt oder auch nur aufgegriffen wird.

Ich musste mich durch das Buch durchquälen und kann es nicht mal Fans von McFadyen wirklich empfehlen.

Veröffentlicht am 14.09.2018

Dicke Leseempfehlung

Zerrissene Erde
1

Manche Bücher bedürfen nicht vieler Worte, wenn ich eine Rezension schreibe. Da ist mein Urteil klar und eindeutig – egal ob positiv oder negativ. Bei manchen muss ich den ein oder anderen Punkt bemängeln, ...

Manche Bücher bedürfen nicht vieler Worte, wenn ich eine Rezension schreibe. Da ist mein Urteil klar und eindeutig – egal ob positiv oder negativ. Bei manchen muss ich den ein oder anderen Punkt bemängeln, aber auch das ist meist nicht schwierig. Und dann gibt es Bücher wie „Zerrissene Erde“ die lassen mich im wahrsten Sinne des Wortes zerrissen zurück und ich habe den Wunsch mit meiner Rezension auch auszudrücken, was mich beschäftigt.


Um es dem Buch gleichzutun – ja, was solls? Das Ende vorneweg.

Ich empfehle das Buch und rate jedem Fantasy-Fan dazu, es zu lesen.


Der Hugo-Award ist ein Prädikat. Dieses sagt aber vor allem etwas darüber aus, wie innovativ und neu und wie durchdacht ein Fantasy-Werk ist und muss nicht zwangsläufig heißen, dass ein Roman besonders gut lesbar, besonders spannend oder massentauglich ist. Der Hugo erregt also meine Aufmerksamkeit – aber ich versuche, meine Erwartungen nicht zu hoch zu schrauben.


Der Einstieg in „Zerrissene Erde“ verlangt große Aufmerksamkeit und Geduld, denn man wird tatsächlich in eine vollkommen neue Welt gestoßen. Es handelt sich nicht einfach um eine Dystopie sondern für mich war es tatsächlich wie ein neuer Planet. Vater Erde ist es, der sinnbildlich in den Tiefen haust und versucht, die Menschen durch Vulkanausbrüche und Erdbeben und daraus resultierende Umweltkatastrophen zu vernichten. Unter den normalen Menschen gibt es immer wieder Ortogenen, die nicht nur spüren, was sich im Erdboden tut, sondern die mit unglaublichen Kräften das Erdinnere verändern können und die magische Stärke aus allem Lebenden ziehen und dies totbringend gegen ihre Feinde verwenden können. Da vor allem Kinder diese Kräfte aber oft reflexartig verwenden und damit sozusagen aus Versehen Unglück und Tod verursachen können, fürchten die Menschen Ortogene und Eltern töten ihre Kinder oder verkaufen sie. Eine staatliche Behörde sammelt diese Kinder ein und steckt sie in harte Ausbildungslager, wo sie gedrillt und geformt werden, um der Gesellschaft mit ihren Kräften als Abwehrschilde eben gegen Erdbeben und ähnliches zu helfen.


Nicht nur das Setting ist neu, auch viele Begriffe werden verwendet, die man so noch nirgends gehört hat und es dauert eine ganze Weile, bis man sie alle versteht. Auch ist lange nicht erkennbar, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln wird. Drei unterschiedliche Erzählstränge offenbaren immer wieder neue Kleinigkeiten und werfen neue Fragen auf. Außerdem beginnt die Story auch noch mit dem Strang, der in der zweiten Person erzählt wird, was mir eigentlich so gar nicht gefällt.


Aber ich habe mich auf all das eingelassen, weil mir auch von Anfang an klar war, dass das Buch etwas Besonderes ist. Der Erzählstil ist manchmal flapsig und rau, manchmal fast lyrisch und wunderschön. Die Psychologie der Figuren spielt eine sehr große Rolle und da alle Hauptdarstellerinnen und Hauptdarsteller Ortogenen sind, erfährt man sehr viel darüber, wie sie Denken und Empfinden, wie sie von der Gesellschaft gefürchtet, verfolgt und ausgenutzt werden, wie sie ihre Mächte einsetzen und wie sie versuchen, für sich den richtigen Weg zu finden.


Immer wieder hat die Autorin mich mit Szenen begeistert und der Plot ist ausgefeilt und es macht Spaß, die vielen Rätsel nach und nach zu entdecken. Ich will aber auch nicht verschweigen, dass es zwei, drei Längen für mich hatte, in denen mir die Beschreibungen etwas zu ausführlich und die Handlung nicht straff genug war. Dennoch nie ein Grund, das Buch wegzulegen. Dafür war es viel zu spannend zu erfahren, wohin die Reise geht.


Mein Fazit also nochmals: Ein ungewöhnliches Buch, stark und aus der Masse herausragend. Mit ein paar kleinen Schwächen aber auch ein paar tollen, ungewöhnlichen und neuen Ideen und Darstellern, die mich mit ihrer Kraft und Authentizität gefangen genommen haben. Dicke Leseempfehlung.