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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.02.2025

Authentisch, akribisch, spannend, düster, wertvoll

Nacht der Ruinen
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Ich kannte Cay Rademacher bisher als Autor von gut zu lesenden, leichter verdaulichen Regionalkrimis und mochte ihn sehr. Letzteres hat sich auch nicht verändert, wenngleich dieses Buch für mich zunächst ...

Ich kannte Cay Rademacher bisher als Autor von gut zu lesenden, leichter verdaulichen Regionalkrimis und mochte ihn sehr. Letzteres hat sich auch nicht verändert, wenngleich dieses Buch für mich zunächst nicht leicht zugänglich war.

Nach einem superspannenden Anfang - der Beschreibung eines Schauder, Übelkeit und Gänsehaut erzeugenden Flugzeugabschusses - bewegen wir uns mit dem jüdischen Deutschamerikaner Joe Salmon durch das zerstörte Köln in den letzten Kriegstagen. Er soll ein Verbrechen aufklären und versucht gleichzeitig, Spuren seiner deutschen Freunde aus vergangenen Tagen zu finden.

Cay Rademacher beschreibt all dies sehr detailgetreu und hat offensichtlich akribisch recherchiert, aber genau diese Genauigkeit nimmt dem Buch streckenweise die Spannung, zumindest in der ersten Hälfte und zumindest was mich betrifft, die ich mich nicht gerne seitenweise mit technischen Details der Kriegsgeräte und der Beschreibung des Ruinenszenarios in Köln fesseln lasse. Das allerdings ist sicherlich subjektiv.

Und - im letzten Drittel nimmt die Geschichte noch einmal sehr viel Tempo auf, so dass ich die letzten 100 Seiten geradezu verschlungen habe

Ich finde es wichtig und großartig, dass diese doch sehr selten literarisch beleuchteten Tage des Übergangs vom Krieg zu Besatzung zu Waffenstillstand zu Frieden hier ausführlich betrachtet und in eine fiktive Handlung eingewoben werden, die an und für sich menschlich sehr spannend ist, aber - siehe oben.... Dennoch gehen wir mit JOe Salmon auch einige Irrwege, und die Auflösung kam dann doch RELATIV überraschend.

Auch die Menschen, denen wir im Roman begegnen und die es wirklich gab in dieser Zeit, wie George Orwell, Adenauer, Irmgard Keun, geben dem Buch eine besondere Note.

Gut ist meines Erachtens auch, dass der Autor am Schluss erklärt, was real und was fiktiv war.

Fazit: unbedingt lesenswert, wenn auch in der ersten Hälfte mit weniger Detailtreue noch mehr Spannung erreichbar gewesen wäre.

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Veröffentlicht am 16.02.2025

Vieles nicht klar

Die Buchhändlerin von Orvieto
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Ich hatte mich sehr auf dieses Buch gefreut, lässt doch der Klappentext für Bücher-, Buchhandlungs- und Italienliebhaberinnen - wie ich eine bin - auf eine richtig schöne Geschichte hoffen.

Auch das Cover ...

Ich hatte mich sehr auf dieses Buch gefreut, lässt doch der Klappentext für Bücher-, Buchhandlungs- und Italienliebhaberinnen - wie ich eine bin - auf eine richtig schöne Geschichte hoffen.

Auch das Cover mit dem Scherenschnitt einer fröhlichen Radfahrerin vor einer pittoresken italienischen Hügellandschaft weckt Erwartungen auf einen Italien-Wohlfühlroman.

Leider konnte die Autorin - oder vielleicht auch die Übersetzerin ? - diese meine Hofnungen nicht erfüllen. Die Geschichte kam bei mir eher wirre an, eine Art Dorfkrimi - dies fafnd ich allerdings prinzipiell nicht einmal schlecht.

Überhaupt nichts anfangen konnte ich dagegen mit den Texten, die jedem Kapitel vorgeschaltet waren. Weder konnte ich einen Zusammenhang zur Handlung des Buches herstellen noch habe ich eine Ahnung, aus welchem anderen Text sie stammen. Hier hätte ich mir dringend zumindest eine Erläuterung im Vor- oder Nachwort gewünscht...

Auch aus den zwischengeschalteten Briefen an Livia konnte ich nichts entnehmen, was mit dem Buch zu tun hat.

Und der Schluss des Romans blieb völlig rätselhaft für mich....

War für mich gar nichts.....

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Veröffentlicht am 11.02.2025

Sehr bewegend und spannend

Die Schwestern von Krakau
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Das Cover finde ich sehr schön mit den beiden Frauen in Sepia, die sich lächelnd über eine Mauer beugen, dahinter in kontrastierenden Blau-Grau-Tönen die Silhouette einer Stadt, Türmchen, Dächer, Balustraden ...

Das Cover finde ich sehr schön mit den beiden Frauen in Sepia, die sich lächelnd über eine Mauer beugen, dahinter in kontrastierenden Blau-Grau-Tönen die Silhouette einer Stadt, Türmchen, Dächer, Balustraden in einem älteren Baustil, ich konnte sie keiner bestimmten Stadt zuordnen, vielleicht ist es Paris, oder Krakau, über allem ein hellblauer, freundlicher, frühlingshafter Himmel. Das Einzige, was mich stört, ist, dass die Umrisse der Frauen wie ausgeschnitten wirken und die Gesichter unscharf sind - da hätten mir klare Linien und deutliche Gesichtszüge besser gefallen. Das Cover bekommt noch eine besondere Bedeutung - es entspricht genau einem Foto der Schwestern Helene und Lilo, das auf S. 497 ausführlich beschrieben wird.

Ich habe mir am Anfang etwas schwer getan mit den vielen eingeführten Personen und den unterschiedlichen Zeitebenen. Danke für die Jahreszahl- und Ortsangaben am Anfang der Kapitel und für den "Stammbaum" am Anfang des Buches - das war dann doch sehr hilfreich.

Aber die Geschichte hat mich auch so sehr schnell in ihren Bann gezogen, richtig mitgerissen. Ganz langsam liefen die Fäden der beiden Handlungsstränge und Zeitebenen aufeinander zu. Anfänglich lag vieles noch im Dunklen, aber die Figuren wurden immer deutlicher in ihren Charakteristiken, das finde ich sehr gut umgesetzt.

Ich bin insgesamt regelrecht durch das doch dicke Buch gerast. Konnte kaum erwarten, zu wissen, wie es weiter geht. Die Schicksale haben mich sehr bewegt, ohne jemals ins Kitschige abzudriften.

Sehr gelungen finde ich, wie hier tatsächliche geschichtliche Ereignisse und Fiktion miteinander verwoben sind.

Berührend und beängstigend empfinde ich auch, wie viele Parallelen es zu unserer Gegenwart gibt.... Grausamkeiten, Wegducken, Wegschauen, Hass gegen Gruppierungen gleich welcher Art, Egozentrik.…

Insgesamt ein tolles Buch, spannend und bewegend zugleich, das mir vieles zum Nachdenken mitgegeben hat.



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Veröffentlicht am 31.01.2025

Außergewöhnlich, traurig, hintergründig

Inselgäste
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Ich habe schon einige der Bücher von Vonne van der Meer gelesen, aber dieses hat mir besonders gut gefallen.

Bereits das Cover stimmt einen still und sanft auf das Inselfeeling ein. Ein Boot liegt umgedreht ...

Ich habe schon einige der Bücher von Vonne van der Meer gelesen, aber dieses hat mir besonders gut gefallen.

Bereits das Cover stimmt einen still und sanft auf das Inselfeeling ein. Ein Boot liegt umgedreht im Dünengras, darüber ein blassblauer Himmel mit hellen Wolken, das Meer ist nur zu erahnen.

Die hier erzählte sehr außergewöhnliche Geschichte einer Ménage á trois zwischen zwei äußerlich sehr ähnlichen, aber innerlich sehr ungleichen Brüdern und einer jungen Frau, die neu auf der Insel ist, hat mich sofort in ihren Bann gezogen.

Die Konflikte sind sehr gut geschildert und entwickelt, das Ende ist unerwartet.

Ein tolles kleines Buch!

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Veröffentlicht am 30.01.2025

Sehr schön erzählt

Lieber woanders
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Dies ist mein erstes Buch von Marion Brasch, und es hat mir supergut gefallen.

Ich habe mir die Hörbuchversion zu Gemüte geführt, die meines Erachtens sehr gut in drei Rollen - die beiden Protagonisten ...

Dies ist mein erstes Buch von Marion Brasch, und es hat mir supergut gefallen.

Ich habe mir die Hörbuchversion zu Gemüte geführt, die meines Erachtens sehr gut in drei Rollen - die beiden Protagonisten und eine Erzählerin - gesprochen ist, mit viel Empathie und sehr gut passenden Stimmen.

Bei Alex habe ich immer so jemanden wie Charly Hübner vor mir gesehen....

Der Roman wird aus zwei verschiedenen Blickwinkeln erzählt bzw. zwei Handlungsstränge, die sich in der Vergangenheit schon einmal gekreuzt haben, laufen noch einmal aufeinander zu, auch wenn sie zunächst gar nichts miteinander zu tun haben scheinen und die Begegnung in der Vergangenheit erst ganz langsam deutlich wird.

Das ist sehr geschickt gemacht, spannend und glaubwürdig erzählt und hat mich sehr berührt. Es gibt kein Gut und Böse, kein Schwarz und Weiß.

Der offene Schluss hat mich schon ein bisschen kiebelig gemacht, aber das ist Geschmackssache.

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