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Veröffentlicht am 13.09.2024

Spannende Familiengeschichte mit vielen Geheimnissen und Verwicklungen

Bevor es geschah
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Ich finde das Cover ein wenig beklemmend, trotz der eigentlich fröhlich bunten Farben, die Rutschbahn in intensivem Türkisblau, der Boden darunter in Lavendel, dazu frisches Weiß und Grau... Auf jeden ...

Ich finde das Cover ein wenig beklemmend, trotz der eigentlich fröhlich bunten Farben, die Rutschbahn in intensivem Türkisblau, der Boden darunter in Lavendel, dazu frisches Weiß und Grau... Auf jeden Fall ist es rätselhaft. Ich musste an einen Spielplatz denken, von dem gerade ein Kind verschwunden ist...

Am Anfang habe ich mich von der Geschichte etwas überfordert gefühlt, weil so viele Personen auf einmal eingeführt wurden, aber sie liessen sich dann doch recht schnell voneinander abgrenzen und unterscheiden.

Jede trägt ihr Geheimnis oder auch mehrere, und von Anfang an tauchen viele Fragen auf, die erst sukzessive beantwortet werden, teils auch erst ganz am Schluss, oder gar nicht. Erstaunlich, was alles nach und nach ans Licht kommt.

Der Schreibstil ist flüssig und spannend, und ich konnte das Buch immer kaum aus der Hand legen; ich habe es zum Teil regelrecht verschlungen.

Die Problematik zwischen den einzelnen Geschwistern und zwischen Eltern und Kindern ist gut geschildert.

Ich finde auch sehr gelungen, wie die Autorin mit den unterschiedlichen Zeitebenen und teilweise auch abwechselnden Erzählperspektiven jongliert.

Diese doch wirklich sehr "dramatische" Familie wird mit gekonnter Distanz betrachtet, ich mag diesen Stil.

Der Unfall des kleinen Thomas, mit dem das Buch beginnt, erscheint nach und nach mehr als Nebenhandlung.
Es geht innerhalb einer Familie um Schuld oder vermeintliche Schuld, um große und kleine Geheimnisse, um Manipulation und Unterdrückung, um Liebe und Verzweiflung. Am Schluss bleibt vieles im Dunklen, im Unklaren, auch wenn die Weichen gestellt zu sein scheinen.

Hat mir sehr gut gefallen.

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Veröffentlicht am 10.09.2024

Intelligent, tiefsinnig, zerfleischend, mir zu langatmig

Kairos
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Mit großen Erwartungen bin ich an dieses Buch heran gegangen, nicht nur, weil ich endlich einmal etwas von der hochgelobten Jenny Erpenbeck lesen wollte, sondern auch wegen des verliehenen Preises.

Den ...

Mit großen Erwartungen bin ich an dieses Buch heran gegangen, nicht nur, weil ich endlich einmal etwas von der hochgelobten Jenny Erpenbeck lesen wollte, sondern auch wegen des verliehenen Preises.

Den Begriff Kairos musste ich nachschlagen, um den Bezug zum Buch herzustellen, was ich nicht schlimm finde. Das Cover ist schlicht und karg; die Bedeutung des Kartons erschließt sich deutlich beim Lesen des Buches.

Die Geschichte an sich finde ich hochinteressant, das Verhältnis der jungen Frau mit dem sehr deutlich älteren verheirateten Mann in den letzten Jahren der DDR, zumal beide auch mit unterschiedlichem Bildungsniveau ausgestattet sind. Ich hatte so eine Art Pygmalion Geschichte erwartet, aber was Jenny Erpenbeck erzählt, ist doch deutlich anders.

Ihre Sprache ist großartig, außergewöhnlich, interessant, spiegelt sehr gut das Gefühlsleben der beiden Protagonisten wider. Auch die Szenerie der zunächst noch scheinbar intakten, dann zum Schluss hin sich auflösenden DDR ist m.E. gut getroffen - auch wenn ich selbst nicht dort gelebt habe, habe ich mit vielen betroffenen Freunden darüber gesprochen.

Was mich aber vor allem im letzten Drittel des Buches gestört hat, war doch eine gewisse Langatmigkeit, die ich persönlich gerade in Anbetracht der sich langsam verbal "zerfleischenden" Liebenden sehr anstrengend fand. Irgendwann hat es mich einfach nicht mehr berührt.

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Veröffentlicht am 08.09.2024

Einfach wundervoll zu lesen

Altern
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Ich bin seit Jahrzehnten ein riesengroßer Fan von Elke Heidenreich, wobei dieses abgenutzte Wort eigentlich weder ihren Texten noch ihrer Person gerecht wird.

Diese Frau spricht und schreibt mir einfach ...

Ich bin seit Jahrzehnten ein riesengroßer Fan von Elke Heidenreich, wobei dieses abgenutzte Wort eigentlich weder ihren Texten noch ihrer Person gerecht wird.

Diese Frau spricht und schreibt mir einfach immer wieder aus der Seele, und ich schätze und bewundere ihre Geradlinigkeit, ihre Furchtlosigkeit, ihren Mut zum Anecken, ihre Intelligenz und ihre Lebensfreude, ihre Tierliebe, ihre Begeisterung für die Oper. Und so vieles mehr.

Ach, ist alles schon tausendmal von anderen und viel besser gesagt worden.

Das neue kleine Buch, dessen Preis ich übrigens sehr (zu) hoch finde, - aber ich habe das Geld trotzdem gerne ausgegeben - besticht schon durch das wunderschöne Cover, Blumen, Blüten, Insekten, nostalgisch, aber nicht allzu romantisch, farbig, aber nicht zu bunt - und damit sehr passend zum Text.

Die Gedanken des Buches - in einem Zug geschrieben, also nicht in Kapitel unterteilt - habe ich mir voller Genuss zu Gemüte geführt, jeden Tag einen kleinen Happen von 5 bis 10 Seiten, wie bei einer Schachtel ganz feiner Pralinen.

Sehr gut zu lesen, klug, viele gute Zitate, durchaus dialektisch gestaltet - Mut machend.

Ich bin vom Alter von Elke Heidenreich zwar noch ein Stückchen entfernt, aber auch nicht mehr ZU weit, und ich würde mir wünschen, auch nur halb oder viertel so gute Sachen zu denken wie sie, wenn ich mal achtzig bin.

Ein herrliches Geschenk und eine absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 07.09.2024

Informativ, kurzweilig, gut gegliedert

111 Orte, die von deutscher Geschichte erzählen
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Mir hat schon das Cover sehr gut gefallen, es entspricht ja in der Aufmachung den anderen Büchern aus der Reihe "111 Orte...", und die Farbstellung ist dezent und trotzdem frisch. Ich finde, dass die Symbole ...

Mir hat schon das Cover sehr gut gefallen, es entspricht ja in der Aufmachung den anderen Büchern aus der Reihe "111 Orte...", und die Farbstellung ist dezent und trotzdem frisch. Ich finde, dass die Symbole gut ausgewählt sind, aus jedem Bereich ist etwas dabei. nicht nur Gebäude, sondern auch Fahrzeuge, das Lebkuchenherz, der Fussball. Besonders schön finde ich auch, dass auf der Rückseite viele kleine Fotos sind.

Mir gefällt gut, dass spektakuläre Orte und Ereignisse dabei sind, wie Berlin z.B. natürlich, aber auch völlig Unbekanntes wie Mödlareuth. Und sogar meine Heimatstadt Coburg ist dabei, wenn auch sehr unrühmlich...

Der Schreibstil, den ich von Ralf Nestmeyer bereits aus anderen Reiseführern des Michael Müller Verlages kenne, ist sachlich und dennoch nicht trocken zu lesen, sondern lebendig und mit einem subtilen Hauch Emotionalität - genau richtig für mich!

Ich finde es sehr erfrischend zu lesen und schön die kurzen Kapitel. Das Buch regt an, sich mit geschichtsträchtigen Orten neu zu befassen oder etwas, das man schon kennt, sich unter historischem Gesichtspunkt neu anzusehen. Habe ich bereits in zwei Fällen praktiziert.

Gut ausgewogen sind meiner Meinung nach auch die Relation Text und Fotos - und gut ausgewählt sind die Bilder auch.

Was ich mir noch gewünscht hätte, wäre eine "Landkarte", auf der man sieht, wo die einzelnen Orte liegen. Um z.B. in einer bestimmten Region mehrere Sachen anzupeilen.

Fazit: ein schönes, interessantes Buch zum Verschenken an Reiselustige und / oder historisch Interessierte, aber natürlich auch eine angenehme Lektüre für einen selbst!

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Veröffentlicht am 06.09.2024

Mitreissend mit Tiefgang

Tode, die wir sterben
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Ich habe bisher schon einige Bücher von Voosen / Danielsson gelesen, und sie haben mir immer sehr gut gefallen.

Das Cover ist schön und kalt und düster und lichtvoll zugleich, tolle Farbkombi mit dem ...

Ich habe bisher schon einige Bücher von Voosen / Danielsson gelesen, und sie haben mir immer sehr gut gefallen.

Das Cover ist schön und kalt und düster und lichtvoll zugleich, tolle Farbkombi mit dem vielen Blau und Gelb, und die Brücke - zwischen Kopenhagen und Malmö? - als Symbolträger....

Auch dieses hat mich von Anfang an sehr angesprochen.

Die beiden Ermittler sind beide Außenseiter, jeder auf seine Art. Das ist sehr gut geschildert, ohne Klischees, sie bleiben authentisch und echt. Die Charaktere sind gut entwickelt; man erfährt erst sukzessive die Hintergründe für ihr Anders-Sein. Das Menschliche hat in diesem Buch für mich fast das gleiche Gewicht, den gleichen Stellenwert wie die Krimi-Handlung.

Auch der tödliche Unfall der Frau des Kommissars beinhaltet eine spannende (Neben-)Handlung.

Sehr gut, wie Voosen / Danielsson das können, sind die gesellschaftlichen Umstände und Schwierigkeiten geschildert, vieles sachlich und ohne erhobenen Zeigefinger, dennoch oder gerade deswegen an vielen Stllen sehr bedrückend.

Und trotz allem schwingt auch immer ein gewisser leiser Humor mit.

Superspannend, gesellschaftskritisch, einfach gut!

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