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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.04.2025

Solider Abschlussband mit dem gewohnt schrägen Humor und magischem Ideenreichtum

Kerze & Krähe
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Obwohl er bereits seit längerer Zeit vom wohlverdienten Ruhestand träumt, bekommt Al MacBharrais wieder einmal alle Hände voll zu tun. Die irische Todesgöttin Morrigan möchte sich selbst neu erfinden und ...

Obwohl er bereits seit längerer Zeit vom wohlverdienten Ruhestand träumt, bekommt Al MacBharrais wieder einmal alle Hände voll zu tun. Die irische Todesgöttin Morrigan möchte sich selbst neu erfinden und einmal spüren, wie es ist, geliebt zu werden - für ihre ersten Dating-Erfahrungen benötigt sie dringend Als Unterstützung. Buck Foi, der seit geraumer Zeit im Dienst des Siegelagenten steht, hat vor, der legendärste Hobgoblin aller Zeiten zu werden, gleichzeitig gründet Als Buchhalterin Nadia einen Kult um den Gott LHURNOG, der sich von Käse, Whiskey und Gewalttätern ernährt. Dazu kommen einige nicht ganz unkomplizierte Fälle in seiner Funktion als Siegelagent und nebenher ist Al nach wie vor auf der Suche nach dem Urheber seiner Flüche, um endlich davon befreit zu werden.

"Kerze & Krähe" von Kevin Hearne ist der Abschlussband der Trilogie "Die Chroniken des Siegelmagiers", der mich genau so gefesselt hat, wie die Vorgängerbände. Zum Verständnis empfehle ich unbedingt, alle Teile in der richtigen Reihenfolge zu lesen, ansonsten würde meines Erachtens zu viel Hintergrundwissen verloren gehen. Der kauzige Al, der vorwitzige Hobgoblin Buck, die kampferprobte Schlachtenseherin Nadia und die unerschütterliche Rezeptionistin "Gladys, die schon viel Sch* erlebt hat" waren mir bereits im ersten Band ans Herz gewachsen und ich habe mich gefreut, sie erneut in dieser fantasievollen Fortsetzung zu treffen. Sie und auch sämtliche andere Figuren fand ich umfassend und bildlich beschrieben, so dass ich eine deutliche Vorstellung von allen hatte.

Den Schreibstil kann ich nur als mitreißend bezeichnen, einmal angefangen mochte ich das Buch zwischenzeitlich kaum aus der Hand legen. Der Humor des Autors ist ein wenig derbe, das sollte man mögen um dieses Leseerlebnis wirklich genießen zu können, für mich haben sich die zotigen Witze, die besonders in Bucks Sprachgebrauch reichlich vorkommen, bereits ein wenig abgenutzt. Dennoch hatte ich unterhaltsame Lesestunden, die offenen Fragen aus den vorangegangenen Büchern bekam ich allesamt beantwortet und das Ende hat mich entspannt und zufrieden zurück gelassen. Für dieses solide Finale der fantasievoll geschriebenen Trilogie spreche ich daher gern eine Leseempfehlung aus.

Fazit: Den speziellen Humor des Autors sollte man mögen, wer sich darauf einlassen kann, dem empfehle ich diese Buchserie voller Magie, Wortwitz und Ideenreichtum gern weiter.

Veröffentlicht am 01.04.2025

Spannender Finalband mit düsterer Atmosphäre und fesselndem Schreibstil

Empire of Sins and Souls 3 - Das zerrissene Herz
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Als neu geschaffene Xathyr ist Zoé immer noch wütend über Kaspars Verrat und sinnt auf Rache. Doch schon bald muss sie erkennen, dass die Suche nach den Artefakten nicht nur sie selbst, sondern das gesamte ...

Als neu geschaffene Xathyr ist Zoé immer noch wütend über Kaspars Verrat und sinnt auf Rache. Doch schon bald muss sie erkennen, dass die Suche nach den Artefakten nicht nur sie selbst, sondern das gesamte Reich Xanthia zerstören kann. Alexei verfolgt seine eigenen Pläne und Zoé weiß bald nicht mehr, wer Freund und wer Feind ist. Als ein Fremder sie um Hilfe bittet, den offenbar niemand außer ihr sehen kann, muss sie entscheiden, welchen Weg sie für sich selbst und die Zukunft Xanthias einschlagen möchte.

"Empire of Sins and Souls 3 - Das zerrissene Herz" von Beril Kehribar ist der finale Band einer fantasievoll geschriebenen Trilogie. Wie schon die beiden Vorgänger lebt auch dieser Roman von der düsteren Atmosphäre und den reichlich undurchschaubaren Charakteren. Nicht nur die Männer, zwischen denen Zoé steht, auch die Protagonistin selbst zählt zu den "morally grey charakters", die in der Buchvorschau beworben werden, dennoch war sie mir grundsätzlich sympathisch, so dass ich mich während des Lesens emotional stets an ihrer Seite bewegt habe. Sie und auch sämtliche anderen Figuren fand ich authentisch und umfassend dargestellt, von allen hatte ich ein deutliches Bild vor Augen.

Den Schreibstil betrachte ich als großen Pluspunkt der Reihe, vom ersten Teil an war ich gefesselt und tief in der düsteren Welt Xanthias versunken, auch die Spannung ließ meiner Meinung nach nichts zu wünschen übrig. Dennoch hätte ich gern die eine oder andere Erläuterung zu den Details gehabt, es gab z.B. eine Figur, die zwar Zoés Hilfe in Anspruch nehmen wollte, dazu allerdings keinerlei Begründung anbot - dieses "mach nur erst mal, was ich sage, warum wirst du am Ende schon sehen" war in meinen Augen nicht nur überheblich, sondern auch absolut unglaubwürdig. Das Ende fand ich dann recht schnell abgehandelt, es haben sich zwar einige meiner offenen Fragen geklärt, dennoch hätte das Finale für meinen Geschmack gern etwas ausführlicher geschrieben sein können. Trotzdem habe ich mich insgesamt gut unterhalten gefühlt, so dass ich auch für den Abschlussband gern eine Leseempfehlung ausspreche.

Fazit: Der finale Band passte in puncto Schreibstil, Spannung und leider auch knapp gehaltenen Erklärungen zu den beiden Vorgängern. Dennoch hat mir die Geschichte mit ihrer düsteren Atmosphäre einige fesselnde Lesestunden bereitet, den Roman empfehle ich daher gern weiter.

Veröffentlicht am 31.03.2025

Warmherzige, queere Weihnachtsgeschichte mit liebenswerten Figuren

Luis & Dima - Forever our beginning
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Als Dima mit seiner Mutter ohne lange Vorankündigung in die kleine Stadt Fountainbridge umziehen muss, ist er zunächst einfach nur wütend. Und die kitschige Weihnachtsstimmung, die hier überall vorherrscht, ...

Als Dima mit seiner Mutter ohne lange Vorankündigung in die kleine Stadt Fountainbridge umziehen muss, ist er zunächst einfach nur wütend. Und die kitschige Weihnachtsstimmung, die hier überall vorherrscht, empfindet er als reichlich nervig - bis der Nachbarsjunge Luis anbietet, ihn in die weihnachtlichen Traditionen seines Heimatortes einzuführen. Denn trotz aller Vorbehalte fühlt sich Dima zu Luis hin gezogen, dabei ist er doch gar nicht sicher, was er eigentlich will und erst recht nicht, was andere Leute in ihm sehen sollten. Außerdem gibt es noch genügend Probleme aus der Vergangenheit, die Dimas Unsicherheit zusätzlich verstärken.

"Luis & Dima - Forever our beginning" von Kai Spellmeier ist eine nette weihnachtliche Geschichte, die sich auch wunderbar als Adventskalender lesen lässt, denn jedes Kapitel entspricht einem Dezembertag. Die Figuren fand ich liebevoll und warmherzig gezeichnet, sie alle wirkten auf mich authentisch und lebensecht, so dass ich emotional immer an ihrer Seite war. Luis und Dima sind in meinen Augen typische Teenager, die sich wie die meisten Altersgenossen mit vielen Unsicherheiten herum schlagen müssen, besonders bei Dima hatte ich den Eindruck, dass er noch auf dem Weg war, zu sich selbst zu finden. Den Schreibstil fand ich recht eingängig, vielleicht hat es sich zu Beginn ein wenig gezogen, aber bald habe ich mich in dem gemütlichen Örtchen Fountainbridge zuhause gefühlt und die weihnachtliche Atmosphäre genossen.

Ein klein wenig drüber fand ich das Wetterphänomen, denn jedes Jahr wird das Städtchen genau am 1. Dezember in eine frische Schneedecke gehüllt und diese magisch anmutende Wintererscheinung bleibt auch ausnahmslos bis nach Weihnachten erhalten. Für meinen Geschmack ist an dieser Stelle das Klischee zu viel des Guten, auch ohne diesen Hauch von Übersinnlichkeit erinnert mich Vieles in der Geschichte an einen der puderzuckrigen Weihnachtsfilme, mit denen uns die Streamingdienste jedes Jahr aufs Neue beglücken. Dennoch kann ich insgesamt von einem angenehmen Leseerlebnis sprechen, das mich gut unterhalten und rundum zufrieden zurück gelassen hat, für diese gemütliche Geschichte spreche ich gern eine Leseempfehlung aus.

Fazit: Die warmherzige, queere Weihnachtsgeschichte hat mich nach einigen Kapiteln doch noch in ihren Bann gezogen, obwohl das eine oder andere Klischee enthalten war, hatte ich ein paar gemütliche Lesestunden, so dass ich den Roman gern weiter empfehle.

Veröffentlicht am 27.03.2025

Faszinierende Geschichte über die Besiedlung eines fernen Planeten

Lyneham
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An seinem zwölften Geburtstag landet Henry Meadows mit seinem Vater und seinen Geschwistern auf dem Mond Perm. Nachdem die Erde für Menschen unbewohnbar geworden war, sind sie gemeinsam mit vielen anderen ...

An seinem zwölften Geburtstag landet Henry Meadows mit seinem Vater und seinen Geschwistern auf dem Mond Perm. Nachdem die Erde für Menschen unbewohnbar geworden war, sind sie gemeinsam mit vielen anderen zu dieser fremden Welt gereist, 12.000 Jahre lang schlafend in Stasis-Kapseln. Henrys Mutter sollte mit einem anderen Raumschiff nachkommen, doch die Geschwister können sie nirgendwo finden - allerdings häufen sich im Lauf der Zeit die Anzeichen, dass sie schon lange vor ihnen hier gewesen ist. Obwohl angedacht war, dass Perms Bedingungen bereits bei der Ankunft der Siedler an die menschlichen Bedürfnisse angepasst sein sollte, ist die Atmosphäre immer noch giftig und enthält zu wenig Sauerstoff. Dazu kommen ungeahnte Gefahren durch unsichtbare Tiere, die sich den Menschen gegenüber aggressiv verhalten, so dass die Neuankömmlinge gezwungen sind, in abgegrenzten Biomen zu leben - was hat Henrys Mutter also mit Ihrer Forschung in der fremden Welt erreicht?

"Lyneham" von Nils Westerboer ist eine fantasievoll geschriebenen Science-Fiction Geschichte, die mich von der ersten bis zur letzten Seite fasziniert und begeistert hat, obwohl das Genre weit außerhalb meines bevorzugten Leseschemas liegt. Sowohl die fremdartige Welt des Mondes Perm als auch die handelnden Figuren fand ich vielschichtig und umfassend beschrieben, so dass die Handlung beinahe wie ein Film vor meinem geistigen Auge abgelaufen ist.

Der Großteil des Geschehens ist aus der Perspektive des zwölfjährigen Henry dargestellt, zwischendurch gab es Kapitel, die seine Mutter Mildred und ihre Forschungen zeigen. Durch verbesserte Antriebstechnologie war deren Raumschiff bereits 10.800 Jahre vor ihrer Familie auf Perm angekommen und zunächst richtet sich all ihr Bestreben darauf, die feindliche Atmosphäre an das menschliche Leben anzupassen. Erst als Mildred erkennt, welche Ziele der Leiter des Unternehmens, dessen Technologie die Reise erst ermöglicht hatte, wirklich verfolgt, stellt sie sich dem moralischen Konflikt, den ihre Arbeit verursacht: Darf man für das eigene Überleben so stark in das System eines anderen Planeten eingreifen, dass alles ursprünglich hier heimische Leben dafür ausgelöscht wird?

Den Schreibstil habe ich als äußerst spannend empfunden, obwohl weder Henry noch Mildred zu großartigen Sympathieträgern taugen, war ich emotional in jeder einzelnen Leseminute an ihrer Seite. Mit dem vielschichtigen Ökosystem des Mondes Perm und der Vielzahl seiner für das menschliche Verständnis so fremdartigen Bewohner fordert der Autor jederzeit die volle Konzentration seiner Lesenden - was mit einer außergewöhnlichen Geistesreise belohnt wird, dieses einzigartige Lesevergnügen stellt für mich bisher das Highlight des Jahres 2025 dar. Für diesen im wahrsten Sinne des Wortes fantastischen Roman spreche ich daher eine begeisterte Leseempfehlung aus.

Fazit: Die fantastische Geschichte führt die Lesenden auf eine faszinierende Weltraum-Reise, die Spannung hat mich bis zum Ende hin gefesselt und begeistert. Dieses Lesehighlight empfehle ich gern weiter - auch an Leute, deren Lesepriorität nicht unbedingt im Science-Fiction Genre liegt.

Veröffentlicht am 20.03.2025

Authentisch geschriebene Coming-of-Age Geschichte

Klapper
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2011 - der knapp sechzehnjährige Thomas, von seinen Klassenkameraden abfällig Klapper genannt, hat praktisch die gesamten Sommerferien vor seinem Computerbildschirm verbracht. Mit echten Menschen kann ...

2011 - der knapp sechzehnjährige Thomas, von seinen Klassenkameraden abfällig Klapper genannt, hat praktisch die gesamten Sommerferien vor seinem Computerbildschirm verbracht. Mit echten Menschen kann er wenig anfangen, seine Mitschüler sehen auf den Außenseiter herab. Als ein neues Mädchen in die Klasse kommt, die sich selbst Bär nennt, ändert sich seine Wahrnehmung komplett. Bär ist groß, selbstbewusst und teilt Klappers Leidenschaft für Counter Strike, nach und nach entwickelt sich eine stille Freundschaft, die Erinnerungen an diese Zeit beeinflussen Thomas´ Leben auch noch viele Jahre später.

"Klapper" von Kurt Prödel ist eine ruhig erzählte Coming-of-Age Geschichte, die mich beim Lesen ein wenig in die Vergangenheit versetzt hat. Zitronenkrümeleistee, Klappers röchelnder Computer mit dem Röhrenbildschirm, der akkurat gedeckte Abendbrottisch mit den Leonardo-Gläsern, das Alles schafft eine so authentische Atmosphäre, dass ich tief in der Handlung versunken war, obwohl es insgesamt kaum Spannungsmomente gab. Auch die Figuren, allen voran den nerdigen Klapper, fand ich absolut lebensecht beschrieben, so dass ich den Eindruck hatte, sämtliche Ereignisse "live" mit zu erleben - bis hin zu der lebhaften Vorstellung des Geruchs in Klappers siffigem Zimmer.

Der Schreibstil ist so lebendig, dass sich das Leseerlebnis wie eine Zeitreise anfühlte, die zwischenmenschlichen Beziehungen in den Familien sind so erschütternd realistisch dargestellt, dass es beinahe schmerzt. Dieses Buch hat mich mit leisen Tönen tief in seinen Bann gezogen. Lediglich das Ende kam in meinen Augen überraschend plötzlich, im Nachhinein betrachtet passt es für mich aber dennoch gut zur voran gegangenen Handlung. Einige Begriffe hat der Autor vielleicht etwas inflationär verwendet - ich bin z.B. recht häufig über irgendwelche "Billig"-Dinge gestolpert, für meinen Geschmack zu viel des Guten, was dem Gesamteindruck schlussendlich aber keinen Abbruch getan hat. Für diese berührende, nostalgisch geprägte Geschichte spreche ich gern eine Leseempfehlung aus.

Fazit: Sowohl die Personen als auch jedes Detail des Hintergrundes fand ich authentisch und greifbar dargestellt, trotz leiser Töne war ich emotional tief in dem Roman versunken und mochte den E-Reader bis zum Ende kaum aus der Hand legen. Dieses - in meinen Augen recht einzigartige - Leseerlebnis empfehle ich daher gern weiter.