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heinoko

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.10.2017

Atemloses Lesevergnügen

Durst
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Bereits der 11. Fall für Harry Hole? Unglaublich, denn ich hatte bisher noch nicht die Bekanntschaft mit ihm gemacht. Leider – muss ich jetzt nach der Lektüre dieses Bandes sagen!
Harry Hole hat es nicht ...


Bereits der 11. Fall für Harry Hole? Unglaublich, denn ich hatte bisher noch nicht die Bekanntschaft mit ihm gemacht. Leider – muss ich jetzt nach der Lektüre dieses Bandes sagen!
Harry Hole hat es nicht leicht. Seine geliebte Frau Rakel ist ernsthaft erkrankt. Und der Alkohol ist Harry‘s besonderer Feind-Freund. Harry trägt schwer an seiner Vergangenheit, auch wenn er nicht mehr im aktiven Polizeidienst tätig ist. Und aufgrund dieser Vergangenheit wird er ein Erpressungsopfer seines früheren Chefs Bellmann, der ihn zu einer erneuten Mitarbeit zwingt. Ein Killer sucht und findet seine Opfer über die Dating-Plattform Tinder, beißt und trinkt ihr Blut wie ein Vampir. Eine junge Frau aus dem Bekanntenkreis von Harry verschwindet – und es geht gar nicht anders: Harry muss aktiv werden!
Meine Erwartungen an das Buch waren sehr hoch aufgrund der vollmundigen Werbung vorab. Und meine Erwartungen wurden in der Tat voll erfüllt! Denn das Buch ist spannend, spannend, spannend. Es gibt so viele falsche Fährten, immer neue Wendungen, in kurzen Kapiteln steigert sich die Spannung mehr und mehr bis zum grandiosen Ende. Und das Buch ist grausig, blutig, hart, nichts für zarte Gemüter. Dichte Interaktion zwischen den detailreich geschilderten Personen, ein eindringlicher, unverschnörkelter Sprachstil und ein grausiger Plot, all dies zusammen ergibt atemloses Lesevergnügen.

Veröffentlicht am 06.10.2017

Eine wahrlich schmackhafte Krimispeise

Frostkalt
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Winter in Bremen:
Zwei konkurrierende Bäckerbrüder, ein ausgesetztes Baby mit zwei möglichen Vätern, mit Pestiziden verseuchte Rosinen, ein durch eine Nussallergie ausgelöster Tod eines Kindes, eine versuchte ...

Winter in Bremen:
Zwei konkurrierende Bäckerbrüder, ein ausgesetztes Baby mit zwei möglichen Vätern, mit Pestiziden verseuchte Rosinen, ein durch eine Nussallergie ausgelöster Tod eines Kindes, eine versuchte Erpressung und zwei Morde, mit der gleichen Mordwaffe durchgeführt, eine Jugendliche, die brutal zusammengeschlagen wird – es geschieht sehr viel in diesem Buch, und so sind Kommissar Hölzle mit gemütlichem schwäbischen Sprachductus und seine Kollegen vollauf beschäftigt, mit Hilfe regelmäßiger Nahrungsaufnahme und kollegialen Neckereien der ernsthaften Ermittlungsarbeit nachzugehen – bis zur völlig überraschenden Aufklärung.

Bevor ich noch so wirklich mit dem Lesen begonnen hatte, war ich schon hingerissen vom Buch. Zum einen wegen des Personenregisters. Da ich meist mehrere Bücher nebeneinander lese, ist mir solch ein Register, wenn es denn vorhanden ist, eine ganz große Hilfe, um nicht die Orientierung zu verlieren. Und dann diese wunderbare Umdichtung des Liedes „Morgen kommt der Weihnachtsmann…“ in „Morgen kommt der Sensenmann…“. Eine bessere Einstimmung in den Krimi könnte ich mir gar nicht denken.

Die beiden Autorinnen verstehen es ganz großartig, erfrischend lebendige und spannende Elemente zusammenzurühren und das Ganze mit einer Prise Humor zu würzen. Als Zuckerl gibt es dazu den schwäbischen Slang des Kommissar Hölzle. Eine ganz leckere Krimispeise! Sehr genehm für die Leser ist, dass die Ermittler relativ entspannt, ohne Zickereien, aber stets hungrig ihrer Arbeit nachgehen. Ein mehrschichtiger Plot lässt erst gegen Ende beim Leser Vermutungen aufkommen, sodass die Spannung nie abreißt.
Wie schön, so ein kurzweiliges, gleichbleibend spannendes Buch entdeckt zu haben. Herr Hölzle hat an mir einen neuen Fan gewonnen!

Veröffentlicht am 05.10.2017

Witzig verpackter Ernst

Teufelskatz
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Das Vorgängerbuch „Saukatz“ war mir nicht bekannt. Insofern hatte ich nun im vorliegenden Buch meine erste Begegnung mit Kommissar Steinböck und seiner Katze Frau Merkel. Und was soll ich sagen: Ich liebe ...

Das Vorgängerbuch „Saukatz“ war mir nicht bekannt. Insofern hatte ich nun im vorliegenden Buch meine erste Begegnung mit Kommissar Steinböck und seiner Katze Frau Merkel. Und was soll ich sagen: Ich liebe sie beide. Und nicht nur die.
Ein ehemaliger Priester wird ermordet. Und ein Abschiedsbrief taucht auf, geschrieben von einem sterbenden Pfarrer, der, um sein Gewissen zu erleichtern, das Beichtgeheimnis brechen will. Dann wird auch noch der an zunehmender Vergesslichkeit leidende Erzbischof entführt. Da sind Kommissar Steinböck und sein Team ziemlich gefordert, neben Weißwurscht und Butterbrezn noch genug Zeit zu finden, um sich in die Ermittlungen zu stürzen. Immer mehr skurrile Figuren bevölkern das Buch. Frau Merkel mischt sich mit ihren spitzen Bemerkungen ständig ein und lässt sich mit den Pastafaris ein. Kommissar Steinböck muss nun auch noch zum Polizeipsychologen, natürlich in Begleitung von Frau Merkel. Ganz schön viel los…
Das Thema Vergewaltigung und Missbrauch unter dem Schutzmäntelchen der katholischen Kirche ist das im Hintergrund stets präsent bleibende ernste Thema. Der Autor schafft meisterhaft die Gratwanderung zwischen Ernst und Witz. Es ist ihm gelungen, ein urkomisches Buch geschrieben zu haben, ein Buch, das nur so strotzt von witzigen Einfällen, von humorigen bis urkomischen, bayerisch angehauchten Gesprächen und Situationen und hinterkünftiger Satire, ohne dass das zugrunde liegende Thema des Missbrauchs je ins Lächerliche gezogen wird. Allein dafür gebührt ihm größte Anerkennung. Was ihn aber so unvergleichlich, so grandios macht, ist seine unnachahmliche Gabe, skurrile Typen auf eine derart liebenswerte Weise und mit viel schlauem Witz darzustellen, dass man aus dem Lachen gar nicht mehr herauskommt und immer mehr und mehr lesen möchte. Große Kunst ist das für mich: Mit leichter Feder Schweres zu erzählen.

Veröffentlicht am 01.10.2017

Liebevolle Geschichte

Kleine Giraffe in großer Gefahr
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Kinder lieben Tiere. Und Kinder lieben ganz besonders Tiere mit ganz besonderen Fähigkeiten. Nachts im Zoo, wenn Besucher und Wärter in ihren Betten liegen.
Plötzlich Alarm!!! Das Giraffenbaby Flecki ...


Kinder lieben Tiere. Und Kinder lieben ganz besonders Tiere mit ganz besonderen Fähigkeiten. Nachts im Zoo, wenn Besucher und Wärter in ihren Betten liegen.
Plötzlich Alarm!!! Das Giraffenbaby Flecki ist verschwunden! Sofort macht sich die Truppe der besonderen Tiere auf die Suche. Denn zusammen, mit ihren jeweiligen besonderen Fähigkeiten, sind sie mutig und stark.

Große Schrift und kurze Sätze, dazu die farbintensiven großflächigen Bilder sind ideal für Leseanfänger. Ab und zu sind kleine Informationen oder Fragen eingestreut, die zur weiteren Beschäftigung mit dem Buch anregen. Besonders die am Ende aufgeführten Quiz-Fragen helfen, das Gelesene noch einmal zu vertiefen. Nicht zu vergessen die sehr, sehr schön gestaltete Internet-Seite des Verlages zum Thema, z. B. mit Vorlage für Tiermasken zum Selbstbasteln u. v. a.

Fazit: Ein kluges, anregendes, liebevolles und durchaus lehrreiches Buch für Erstleser, in dem Lesespaß und spielerisches Lernen ideal kombiniert sind.

Veröffentlicht am 01.10.2017

Freude am unbeschwerten Lesen

Nimmerwiedersehen
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Manchmal tut es gut, ein Buch zu lesen, das ohne Ballast daher kommt. Das man einfach so wegliest und seine Freude daran hat. Weil es unterhält. Weil es ablenkt. Weil es lange Stunden abkürzt. Stefan ...


Manchmal tut es gut, ein Buch zu lesen, das ohne Ballast daher kommt. Das man einfach so wegliest und seine Freude daran hat. Weil es unterhält. Weil es ablenkt. Weil es lange Stunden abkürzt. Stefan Barz kann das, leicht, locker, unterhaltsam schreiben, ohne seicht zu sein.
Ein Klassentreffen in der Eifel, 20 Jahre nach dem Abitur und 20 Jahre nach einem schrecklichen Ereignis, bei dem ein Mitschüler zu Tode kam. Cornelius, dessen bester Freund der Tote war, fährt zum Klassentreffen in der festen Überzeugung, dass es sich damals nicht um einen Unfall gehandelt hatte, sondern um Mord. Er will den Täter im Rahmen dieses Treffens dazu bringen, die Tat zu gestehen. Doch Cornelius wird noch in der Nacht tot aufgefunden. Mit einer Heugabel brutal erstochen! Und ein weiterer Teilnehmer des Klassentreffens verschwindet.
Das Ermittlerteam Wagner und Grimberg ist sich nicht besonders grün. Wagner als alter Hase schaut überheblich auf den jungen Grimberg herab, der so einige dumme Sprüche ertragen muss. Und doch ist es gerade Grimberg, der letztlich einen entscheidenden Gedanken hat, der zur frappierenden Aufklärung führt.
Wenn man es erst einmal geschafft hat, die vielen Namen, die bereits am Anfang auf den Leser einprasseln, sozusagen das Who is Who, zu sortieren, kann man sich ganz entspannt dem Buch hingeben. Denn der Autor leitet uns sehr sicher durch die Wirrnisse der Ermittlungen bis hin zu lange zurückliegenden Ereignissen. Es wird nicht viel Wortmalerei betrieben, es wird nicht viel beschrieben in diesem Buch. Vielleicht wird mal eine Beatles-Frisur erwähnt oder das Tragen eines Kurzmantels, aber viel mehr an Äußerlichkeiten erfährt man nicht. Die Protagonisten bleiben der Phantasie des Lesers überlassen. Das mag nicht jedermanns Geschmack sein, mich persönlich hat es überhaupt nicht gestört. Denn das Buch gewinnt seine Lebendigkeit und Spannung durch das reine Erzählen dessen, was geschieht, durch die Gespräche und Interaktionen. Und ich halte es für eine ganz besondere Stärke des Autors, sich zwar zu beschränken auf das reine Geschehen, aber dennoch im Kopf des Lesers sehr genaue Bilder entstehen zu lassen.
Ein klarer, durchgehend spannender Krimi ohne Schnörkel, in einem Rutsch zu lesen!