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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.11.2022

Spannungsarme Nacherzählung aus Sicht der Frauen

Elektra, die hell Leuchtende
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"Elektra, die hell Leutchende§ von Jennifer Saint erzählt drei Geschichten rund um die Ereignisse des Trojanischen Krieges. Es ist die Geschichte von Kassandra, Klytämnestra und Elektra, drei Frauen, die ...

"Elektra, die hell Leutchende§ von Jennifer Saint erzählt drei Geschichten rund um die Ereignisse des Trojanischen Krieges. Es ist die Geschichte von Kassandra, Klytämnestra und Elektra, drei Frauen, die durch Unglück und Krieg miteinander verbunden sind. Sie sind Spielzeuge der Götter und der Menschen. Kassandra ist eine trojanische Prinzessin, die Visionen von der Zukunft hat, aber da sie verflucht ist, schenkt man ihr kaum Glauben. Bei Klytämnestra handelt es sich um die Schwester von Helena und Ehefrau von Agamemnon, und Elektra ist die Tochter von Klytämnestra und Agamemnon.

Mein Interesse an dem Buch wurde durch die vielversprechende Prämisse geweckt, dass es sich um eine Nacherzählung des trojanischen Krieges aus Sicht der Frauen handelt. Leider konnte das Buch mich jedoch nicht so fesseln, wie ich es mir erhofft habe. Trotz des angenehm zu lesenden Schreibstils fiel es mir schwer, der gut recherchierten Handlung gespannt zu folgen, was einerseits an dem langsamen Erzähltempo und andererseits an den unterschiedlich stark erzählten Perspektiven lag. Besonders in der Mitte des Buches nahm die Spannung für mich deutlich ab, um erst wieder gegen Ende an Fahrt aufzunehmen.
Wenig beigetragen zu meinem Lesegenuss hat auch, dass die Kapitel aus Sicht von Elektra für mich ziemlich blass im Vergleich zu denen rund um Kassandra und Klytämnestra waren. Obwohl der Titel des Buches suggeriert, dass es sich bei Elektra um die tonangebende Protagonistin der Geschichte handelt, fällt ihre Charakterisierung im Vergleich zu den anderen beiden Frauen am schlechtesten aus. Zu keinem Zeitpunkt fühlte sich Elektra als ein voll entwickelter und greifbarer Charakter für mich an. Alles an ihr hat nur mit ihrer Beziehung zu ihrem Vater zu tun. Ihre Motivationen, Interessen und ihr Lebensweg drehen sich alle um ihn. Im Gegensatz dazu sind die Darstellungen von Kassandra und Klytämnestra von deutlich mehr Tiefe gekennzeichnet, sodass mich ihre Geschichten insgesamt mehr interessierten.

Alles in alles ist "Elektra, die hell LeuchtendeE eine gute aber spannungsarme Nacherzählung der Geschichte rund um Troja, die einen bei Lesen in das antike Griechenland versetzt, die die Frauen in den Mittelpunkt rückt und von deren Macht erzählt. Wieso das Buch aber Elektra heißt, hat sich mir nicht so ganz erschlossen.
Für Liebhaber der griechischen Mythologie zu empfehlen.

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Veröffentlicht am 01.11.2022

Wendungsreicher Spionagethriller ohne viel Spannung

EAST. Welt ohne Seele
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"EAST - Welt ohne Seele" von Jens Henrik Jensen ist ein Agententhriller, der mich leider nicht so begeistern konnte wie erhofft. Ein langsamer Spannungsaufbau, ausführliche Ortsbeschreibungen und ein häufiger ...

"EAST - Welt ohne Seele" von Jens Henrik Jensen ist ein Agententhriller, der mich leider nicht so begeistern konnte wie erhofft. Ein langsamer Spannungsaufbau, ausführliche Ortsbeschreibungen und ein häufiger Perspektive- und Ortswechsel sorgen für einen holprigen Start in die Handlung rund um den Protagonisten und CIA-Agenten Jan Jordi Kazanski und nimmt erst zu Ende hin an Fahrt auf.

Jan Jordi Kazanski ertrinkt seine Trauer um seine tote Frau und Tochter in Alkohol und ist deswegen auch von seiner Tätigkeit als CIA-Agent entbunden. Doch dann wird er zurück in den Dienst beordert, um eine in der Krakauer Unterwelt bekannte Größe mit dem Decknamen "Das Weib" ausfindig zu machen. Ehe er sich versehen kann, gerät er in ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel zwischen verschiedenen kriminellen Akteuren und verschiedener Geheimdienst.

Auch wenn die Handlung alles bereithält, was ein spannender Spionagethriller auszeichnet, lässt die Umsetzung zu Wünschen übrig. Der Anfang des als Thriller bezeichneten Spionageromans gestaltet sich sehr langatmig, die teils ausschweifenden Ortsbeschreibungen und die häufigen Wechsel zwischen verschiedenen Handlungsorten und handelnden Charakteren sorgen mehr für Verwirrung als für einen fesselnden Lesegenuss. Erschwerend kommt hinzu, dass es schwerfällt, mit Kazanski als Protagonist warm zu werden. Entweder trinkt er oder er hat Sex. Die Suche nach dem "Weib" scheint da eher eine Nebentätigkeit in Krakau darzustellen.
So richtig Fahrt nimmt der Thriller erst Richtung Ende hin auf, wenn alle Fäden zusammenlaufen und deutlicher wird, wer Freund und Feind ist. Für mich leider etwas zu spät, um mich restlos begeistern zu können.

Liebhaber von Spionagegeschichten, die an die Zeit des Kalten Krieges erinnern, könnten vielleicht Gefallen an der Geschichte finden.

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Veröffentlicht am 29.10.2022

Kurzweiliger Roman über eine Meerjungfrau und das Erbe des Kolonialismus in der Karibik

Die Meerjungfrau von Black Conch
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"Die Meerjungfrau von Black Conch" erzählt die Geschichte von Aycayia, einer jungen Frau, die wegen ihrer Schönheit dazu verflucht wurde, eine Meerjungfrau zu sein. Eines Tages wird sie von amerikanischen ...

"Die Meerjungfrau von Black Conch" erzählt die Geschichte von Aycayia, einer jungen Frau, die wegen ihrer Schönheit dazu verflucht wurde, eine Meerjungfrau zu sein. Eines Tages wird sie von amerikanischen Fischern vor der fiktiven Karibikinsel Black Conch gefangen genommen. Wie Trophäenjäger machen die Männer Fotos mit ihr; sie empfinden eine Mischung aus Abscheu und sexueller Anziehung. Ist sie ein Fisch oder ein Objekt der Begierde? In der jüngeren Vergangenheit erinnert sich David Baptiste in seinen Tagebuchaufzeichnungen an die folgenden Ereignisse. Er hielt Aycayia zunächst in seiner Badewanne, wo sie nach und nach ihren Meerjungfrauschwanz verliert und sich wieder in eine Frau zurückverwandelt.

Das Setting des Romans in der Karibik und die Geschichte rund um eine Meerjungfrau haben mein Interesse geweckt, jedoch die Umsetzung konnte mich nicht wirklich überzeugen. Einerseits erzählt der Roman eine relativ einfache Geschichte, die sowohl spezifisch für die Geschichte der Karibik steht als auch eine universelle Wahrheit über die Fähigkeit der Menschen zu tiefer Liebe und die Fähigkeit, einander tiefe Narben zuzufügen, enthält. Andererseits fiel die Geschichte rund um die Hauptfigur und ihre Liebesbeziehung ziemlich flach. Auch fehlten den handelnden Personen in ihrer Charakterisierung an Tiefe und ihre Darstellung war teilweise ziemlich stereotyphaft. Zudem musste ich mich zunächst an den Schreibstil des Buches gewöhnen, da Teile des Textes im lokalen Dialekt und in Gedichtform geschrieben sind.

Eine kurzweilig erzählte Geschichte über eine Meerjungfrau, die das Thema Kolonialismus und Rassismus behandelt, aber auch nicht viel mehr.

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Veröffentlicht am 28.10.2022

Die Frage nach der Schuld und dem Umgang damit

Als die Welt zerbrach
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"Als die Welt zerbrach" ist die Fortsetzung von "Der Junge im gestreiften Pyjama"und richtet sich an ein erwachsenes Publikum. Es ist durchaus möglich, beide Bücher für sich allein zu lesen, aber man merkt, ...

"Als die Welt zerbrach" ist die Fortsetzung von "Der Junge im gestreiften Pyjama"und richtet sich an ein erwachsenes Publikum. Es ist durchaus möglich, beide Bücher für sich allein zu lesen, aber man merkt, dass beide miteinander verwoben sind. Der Roman ist als eine interessante Charakterstudie angelegt und wirft komplizierte psychologische Fragen über Schuld, Vergeltung und Vergebung auf. Der Autor versucht eindeutig, diese Frage im Rahmen der Handlung zu erforschen, aber insgesamt finde ich, dass dies nicht besonders gut gelungen ist.

Die Handlung umspannt mehrere Jahrzehnte und erforscht Gretels Leben nach dem Krieg, ihren Kummer, ihre Schuldgefühle und ihr schlechtes Gewissen, während sie versucht, nach den Gräueln, die ihr Vater in Auschwitz begangen hat und denen sie nicht ganz so ignorant gegenüber war, wie sie vorgab, ein seelisches Gleichgewicht zu finden. Erzählt mittels zwei Zeitsträngen, einer zu verschiedenen Zeitpunkten in der Vergangenheit und einer in der Gegenwart in London, folgt man Gretel in der Vergangenheit zunächst ihr und ihrer Mutter, wie sie beide versuchen, sich in Frankreich unter die Einheimischen zu mischen, Sie ändern ihre Identitäten, um ihre deutsche Vergangenheit hinter sich zu lassen, was jedoch nicht gelingt. Nachdem Mutter und Tochter jedoch von den Einheimischen enttarnt werden, flieht Gretel nach Australien um dort einen Neuanfang zu wagen. Doch auch dort holt sie ihre Vergangenheit ein. Der Erzählstrang in der Gegenwart zeigt Gretel, die inzwischen über 90 Jahre alt ist, in ihrer wohlhabenden Londoner Wohnung, in die sie gezogen ist, nachdem sie aus Australien nach England kam. Als ein kleiner Junge und seine Eltern im Erdgeschoss einziehen, wird sie erneut an ihre Vergangenheit und an ihren toten Bruder erinnert. Als sie merkt, dass der Junge ihre Hilfe braucht, gerät sie ungewollt in einen häuslichen Aufruhr, der ihr Leben völlig umkrempelt.

Es hat eine Weile gedauert, bis ich mich ganz auf das Buch einlassen konnte. Gut gefallen hat mir der Erzählstil, der zwischen Gretels Leben als junge Frau und ihrem Leben als ältere Frau hin- und herspringt, mit gelegentlichen Zwischenspielen zu ihrer Kindheit vor Brunos Tod.
Weniger gut gefallen hat mir abgesehen von Gretel die schwache und teils klischeehafte Charakterisierung der anderen Charaktere sowie die gekünstelten Dialoge. So erfährt man zum Beispiel nicht viel darüber, was Edgar, ihr verstorbener Ehemann, zu ihr hingezogen hat und was seine Motivation war, in ihrer langen Ehe zu bleiben, obwohl er offensichtlich viel über ihre Vergangenheit wusste und diese auch später mit Caden, ihren Sohn, teilte. Auch fand ich Teile des Dramas um die neu eingezogene Familie zu konstruiert und das Ende etwas unglaubwürdig.

"Als die Welt zerbrach" ist viel emotionaler und nachdenklicher als sein Vorgänger, aber auch wie "Der Junge im gestreiften Pyjama" nicht frei von Fehlern, sodass das Buch mich im Ganzen nicht wirklich überzeugen konnte. Trotz des schwierigen Themas hatte ich beim Lesen eher das Gefühl, dass mir die Handlung und die Gedanken- und Gefühle von Gretel erzählt werden, anstatt das ich sie "fühlen" konnte. Ich hatte mir insgesamt etwas mehr Tiefe in Bezug auf Thema und Charakterbildung erhofft und bliebt ziemlich unberührt zurück.

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Veröffentlicht am 28.10.2022

Fesselnder Fantasyroman mit besonderer Magie

The Lost Crown, Band 1 - Wer die Nacht malt
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Mit "The Lost Crown" von Jennifer Benkau kehrt man in die Welt von Lyaskye zurück und begegnet dort als Protagonisten Kaya und Mirulay.
Vorwiegend aus Sicht von Kaya erzählt, folgt man Kaya, wie sie von ...

Mit "The Lost Crown" von Jennifer Benkau kehrt man in die Welt von Lyaskye zurück und begegnet dort als Protagonisten Kaya und Mirulay.
Vorwiegend aus Sicht von Kaya erzählt, folgt man Kaya, wie sie von Räubern überfallen wird und daraufhin gemeinsam mit ihren Begleiter und Freund Nevan gefangen genommen wird. Sie gibt sich als Heilerin aus und soll den schwer verletzten Anführer der Räuber, Mirulay, heilen. Ihre besondere Gabe Magie malen zu können, hilft ihr dabei, und nach und nach kommen sich Kaya und Mirulay näher und das Schicksal nimmt seinen Lauf.

Anfangs noch etwas langsam, wird man nach und nach immer mehr von der Handlung rund um Kaya in den Bann gezogen. Die Geschichte lebt hierbei vor allem von der bildlichen Sprache und der Magie, die Kaya in sich trägt und der Magie, die zwischen ihr und Mirulay herrscht. Anfangs ist Kaya (verständlicherweise) eher feindselig gegenüber Mirulay eingestellt, doch mit der Zeit lernt sie wie auch die Leser*innen immer mehr Facetten von Mirulay kennen, die helfen zu verstehen, wie er zu dem wurde, der er jetzt ist und welche Ereignisse in der Vergangenheit dabei einen entscheidenden Einfluss hatten. Mir gefällt es gut, wenn der Liebesgeschichte in Romanen Platz zum Entwickeln gegeben wird und genau das wird hier gemacht. Wie die Dinge am Ende stehen, ist noch vieles für ihre weitere Beziehung offen.
Besonders gut gefallen hat mir außerdem die Beschreibung der Magie von Kaya. Kaya kann Magie malen, die Runen, die sie so malt, sind äußerst kraftvoll. Die Autorin schafft es hierbei, Kayas Wahrnehmung der Farben so bildhaft zu beschreiben, dass man es förmlich vor Augen sieht.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen eindeutig Kaya und Mirulay, im Vergleich zu den beiden Protagonisten fällt die Charakterisierung der anderen Charaktere jedoch etwas schwächer aus, tut dem Lesegenuss jedoch keinen Abbruch und sorgt für zusätzliches Potenzial im zweiten Band.

Insgesamt ist "The Lost Crown" ein Fantasyroman, der in Bezug auf Worldbuilding, Schreibstil und Handlung überzeugen kann und insbesondere durch den Cliffhanger am Ende die Spannung für den Nachfolgeband hochhält. Bildreiche Beschreibungen und eine angenehm zu lesender Schreibstil sorgen dazu, dass man nur so durch die Seiten fließt und kleinere Schwächen in Bezug auf die Charakterisierung nicht weiter stören. Nicht nur Fans von Jennifer Benkau werden sich von der Geschichte rund um Kaya und verzaubern lassen können.

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