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Veröffentlicht am 10.05.2021

Leider eine Bauchlandung

Der Blumenladen der guten Wünsche
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Charlotte hat den Blumenladen ihrer Großmutter geerbt und möchte ihn so weiterführen, wie sie ihn in Erinnerung hat. Warme Farbe, duftende Blumen und ein Hauch von Teearomen sind die Assoziationen, die ...

Charlotte hat den Blumenladen ihrer Großmutter geerbt und möchte ihn so weiterführen, wie sie ihn in Erinnerung hat. Warme Farbe, duftende Blumen und ein Hauch von Teearomen sind die Assoziationen, die sie mit dem Laden in Verbindung bringt. Doch die Wirklichkeit sieht alles andere als einladend aus und mit den beiden Angestellten, die quasi als Inventar mit vererbt worden sind, ist auch nicht gerade gut Kirschen essen. Wie soll Charlotte aus diesem Chaos ein gut gehendes Geschäft zaubern ?

Das farbenfrohe duftige Cover hat mich zum Lesen verführt und weckt Erwartungen an das Buch, die leider nicht erfüllt werden.

Charlotte ist ziemlich unbedarft, was die Übernahme und Führung eines Blumenladens angeht und wurschtelt sich mehr schlecht als recht durch den Geschäftsalltag. Dazu eine recht einfältige Angestellte, die ihr auf der Nase herumtanzt und kommt und geht wann sie will und ein ewig nörgelnder Gärtner, der mehr als geschäftsschädigend in seinem ganzen Auftreten ist - Himmel, was hat sich die Autorin dabei gedacht, dass sie ihre bezaubernd anmutende Geschichte mit solchen Knüppeln belastet.

Der Ansatz ist ja gut gemeint und birgt mit Sicherheit viele Möglichkeiten, um die Verwandlung vom verstaubten Laden zum blühenden Farbtupfer mit Charme und Witz dem Leser zu vermitteln. Aber leider lässt die Schreibende hier viele Optionen ungenutzt auf der Straße liegen und bietet ihrem Leser eher ein stereotypes Bild. Irgendwie hat man das alles schon mal gelesen und daher ist die Entwicklung nicht neu.

Von Charlotte hätte ich mir mehr Elan und Durchsetzungsvermögen erhofft, denn sie lässt doch recht viel mit sich machen, bevor sie mal endlich dem ganzen Unfug ein Ende bereitet. Auch schient die Autorin unbedingt viele gute Ideen in ihrem Roman unterbringen zu wollen, denn von Autismus über gebrochene Herzen, Veruntreuung, Blumenzucht seltener Sorten, Nachhaltigkeit und vielen Missverständnissen ist alles zu finden, was es an Themen für eine sehr leichte Romanze zu verarbeiten gibt. Dazu kommen noch ein paar Logikfehler (von der Trennung bis zur Scheidung vergehen genau 4 Monate) und ziemlich gewagte Satzkonstruktionen, die manchmal den Sinn des Gesagten total verzerren.

Alles in allem eher eine Bauchlandung, statt Romantik und Herzklopfen.

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Veröffentlicht am 10.05.2021

Da ist noch gaaanz viel Luft nach oben

Grenzfall - Der Tod in ihren Augen
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Alexa Jahn hat sich ihren Einstand bei der Kripo Weilheim anders vorgestellt, aber das Grauen nimmt keine Rücksicht auf ihre Wünsche. Als ersten Fall muss sie sich mit einer grausam zugerichtete Leiche ...

Alexa Jahn hat sich ihren Einstand bei der Kripo Weilheim anders vorgestellt, aber das Grauen nimmt keine Rücksicht auf ihre Wünsche. Als ersten Fall muss sie sich mit einer grausam zugerichtete Leiche befassen, die mehr als nur Rätsel aufgibt. Warum hat der Täter den Oberkörper der toten Frau auf der bayerischen Seite in die Felswand gehängt und den den Rest des Körpers in Österreich deponiert ? Welche Strategie verfolgt er und vor allen Dingen, was ist sein Motiv ?

Der Start in die neue Krimi-Reihe von Autorin Anna Schneider beginnt vielversprechend und spart nicht an Schreckensbilder, die sich regelrecht einbrennen. Sehr bildlich und gnadenlos schildert sich die Auffindesituation der Leiche und deren Zustand. Das geht schon ordentlich an die Nieren und ist nichts für zarte Gemüter.

Und so, wie sich dieses rücksichtslose Gebaren des Täters in den ersten Kapiteln regelrecht in den Vordergrund spielt, hätte ich mir den ganzen Verlauf des Krimis gewünscht. Ein steter Wechsel zwischen zum Zerreißen gespannten Nerven und einem kurzen Durchatmen, bevor es zum nächsten Kick geht. Aber die ständigen Machtrangeleien zwischen der deutschen und österreichischen Polizei entziehen der Handlung leider die Spannung und lassen die Charaktere nach und nach recht aufdringlich erscheinen.

Alexa macht ihre Sache recht gut, wirkt aber in meine Augen manchmal noch sehr unsicher und lässt sich zu oft noch die Butter vom Brot nehmen. Irgendwie fehlt ihr noch ein bisschen Chupze, um überzeugend aufzutreten. Die Ermittlungen spitzen sich langsam aber sicher zu und legen nach und nach den Täter frei. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich seine Motivation, die Tat auszuüben, nicht ganz nachvollziehen können. Mit dem sinnlosen Gemetzel trifft der doch nicht mehr diejenigen, die seiner Meinung nach die Schuldigen sind, um sie so für erlittene Schmach und Unrecht büßen zu lassen.

Was mir aber überhaupt nicht gefallen hat ist die überraschende Beichte von Alexas Mutter, die meinem Dafürhalten den Krimi in eine völlig unglaubwürdige Schiene drückt. Muss man sich wirklich an so einem Klischee bedienen, um einen Schlussakkord zu setzen ?

Der Krimi hat wirklich seine guten Seiten, aber es ist auch noch gaaanz viel Luft nach oben.

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Veröffentlicht am 08.05.2021

Mehr Werbeprospekt als Reisebildband

Veggie Hotels, Small Revised Edition
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Urlaub - die schönste Zeit im Jahr, aber für viele Veganer und Vegetarier immer noch mit Einschränkungen verbunden, was den Genuss betrifft. Und so haben sich die Autoren des Buches, selbst Vegetarier, ...

Urlaub - die schönste Zeit im Jahr, aber für viele Veganer und Vegetarier immer noch mit Einschränkungen verbunden, was den Genuss betrifft. Und so haben sich die Autoren des Buches, selbst Vegetarier, einmal Gedanken darüber gemacht, ob und wie man den Gleichgesinnten die Unterkünfte im wahrsten Sinne des Wortes schmackhaft macht, die sich ganz den alternativen Ernährungsweisen verschrieben haben.

Herausgekommen ist eine Reise der Genüsse rund um den Globus, bei denen auf die Wünsche und Gepflogenheiten der vegetarischen bzw. veganen Gäste eingegangen wird, aber leider nicht das ist, was ich mir von einem Reisebildband erwarte.

Die vorgestellten Hotels werden wie in einer attraktiven Werbebroschüre vermarktet und auch dementsprechend bildlich in Szene gesetzt. Das vielseitige Bildmaterial wirkt katalogtauglich, fast schon unwirklich schön und irgendwie steril. So lesen sich die Kurzvorstellungen der Orte und Unterkunftsmöglichkeiten auch eher wie Werbetexte und erwecken den Anschein, dass es sich um modernes Reisemarketing für die jeweiligen Inhaber handelt, anstatt den Leser mit Herz und Charme von der Philosophie des jeweiligen Hauses zu überzeugen. Die kreative Leichtigkeit und das positiv beschwingte Lebensgefühl wirken unecht und sehr gestellt.

Eine leichte Auflockerung erhält das Buch durch die beigefügten Rezepte, die mit verständlichen Anleitungen zum Nachkochen animieren sollen.

Das Buch eignet sich zum kurz Hineinblättern, mehr leider nicht


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Veröffentlicht am 08.05.2021

Rundreise durch das weiß-blaue Bundesland

Bayern wie es jeder kennt/Bayern wie es keiner ken
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Bayern ist für viele der Inbegriff von Tradition, Kitsch, Königsschlössern und Weißwurst. Dass aber das südlichste Bundesland so viel mehr zu bieten hat als Klischees und vermeintlich verstaubte Ansichten, ...

Bayern ist für viele der Inbegriff von Tradition, Kitsch, Königsschlössern und Weißwurst. Dass aber das südlichste Bundesland so viel mehr zu bieten hat als Klischees und vermeintlich verstaubte Ansichten, beweißt dieser eindrucksvolle Bildband.

Natürlich dürfen auch hier die Bauten von Märchenkönig Ludwig II. nicht fehlen, denn sie sind nun einmal sein unwiderrufliches Erbe. Aber es ist immer wieder schön und aufregend, in die prunkvolle Welt des "Kini" einzutauchen - Schloss Neuschwanstein oder das Königshaus am Schachen stehe hier in diesem Buch nur stellvertretend für all seine Träume und Sehnsüchte.

Wissenswertes rund um die Weisswurst ist im Bereich Kulinarik ebenso zu finden wie edle Tropfen vom Weingut am Stein oder ein kühles Bier von einer der vielen Brauereien.

Es gibt aber auch ganz unerwartete Begegnungen, die bewusst mit Tradition und Brauchtum brechen und für Aha-Momente sorgen. Zum Seele baumeln lassen verführt die üppige Parklandschaft des Nepal-Himalya-Pavillons, der nach der Expo 2000 in Wiesent in der Oberpfalz ein neues Zuhause gefunden hat und zu einem Ort der Ruhe und Entspannung geworden ist. Oder darf es lieber ein bisschen rhythmischer sein ? Dann empfiehlt sich das Samba-Festival in Coburg und zaubert mit leuchtenden Farben, einer unglaublich positiven Energie und Rhythmen, die sofort die Füße zappeln lassen das Gute-Laune-Feeling von der Copacabana nach Oberfranken. Wer es still und trotzdem sportlich mag, der ist mit dem SUP auf dem Eibsee unterwegs und genießt die einzigartige Natur. Oder lieber doch eine entspannte Wanderung mit niedlichen Alpakas, Winterzauber bei der Montgolfiade am Tegernsee, Waldbaden oder Maibaumkraxeln in Rottenstuben ?

Das fast ausgestorbene Handwerk der Flitterkranzmacherin wird ebenso vorgestellt wie die urige Lederhose. Das Tragen der Tracht bedeutet Heimatverbundenheit, Dazugehörigkeit, aber keineswegs altbackene Einsichten. Auch als moderner Mensch des 21. Jahrhundert ist die Tracht Identifikation und kann mit modernen Extras aufgewertet werden, ohne gleich Stilbruch zu begehen..

Selbst Disney hat sich von Bayern inspirieren lassen und in seinen Filmkulissen finden sich Bauwerke wie Schloss Neuschwanstein (Cinderella) oder Straßenzüge aus Rothenburg ob der Tauber (Pinocchio) wieder.

Dieser Reisebildband ist mit seinen aufschlussreichen, lebendigen Texten und den eindrucksvollen Fotos eine Liebeserklärung an das blau-weiße Bundesland und lädt zu einer Rundreise mit vielen "Ah"s und "Oh"s ein. Die im Buch befindlichen GPS-Koordinaten sind schnell ins Navi eingegeben und dem Start in die nächste Auszeit steht nichts mehr im Weg.

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Veröffentlicht am 08.05.2021

Von der Beschneidung der Kunst

Kultur unterm Hakenkreuz
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Michael H. Kater versucht in diesem recht umfangreichen Buch dem Leser die Bemühungen der Nazis darzulegen, um moderne Kunst und Kultur im Dritten Reich regelrecht zu ersticken. An sehr ausführlichen Beispielen ...

Michael H. Kater versucht in diesem recht umfangreichen Buch dem Leser die Bemühungen der Nazis darzulegen, um moderne Kunst und Kultur im Dritten Reich regelrecht zu ersticken. An sehr ausführlichen Beispielen von berühmten Persönlichkeiten wie Walter Gropius, Paul Klee, Ernst Ludwig Kirchner, Thomas Mann oder Bertolt Brecht hangelt er sich mehr oder weniger geschickt durch deren Biografien und lässt den Leser am Werdegang und Schicksal der Kulturschaffenden teilhaben. Auch die verzweifelten Bemühungen der Nazis, den ein oder anderen Exilanten zur Rückkehr nach Deutschland zu bewegen, finden hier einen Platz.

Das Nutzen der Medien ist ein Schachzug, um die Bevölkerung mit den "neuen" Idealen" zu füttern und so werden Radio und Film zu Werkzeugen der Rädelsführer. Ausstellungen zur entarteten Kunst sollen das Kunst- & Kulturverständnis der Menschen dahingehend beeinflussen, dass nur noch arische Merkmale in den Kunstwerken zu finden sind. Eine derartige Beschneidung der Kunst sucht wohl ihresgleichen und wird vom Autor entsprechend kommentiert.

Ich frage mich allerdings die ganze Zeit, warum sich der Schreibende den damals vorherrschenden Umgangston aneignet. Soll er hier für Authentizität sorgen ? Ich weiß es nicht, denn so wirkt das Gelesene nicht wie Aufklärung und Information seitens des Autors, sondern eher befremdlich.

Leider bliebt das Buch weit hinter meinen Erwartungen zurück, denn ich hatte mir so viel mehr erhofft als eine bloße Aneinanderreihung von Biografien.

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