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Veröffentlicht am 14.03.2017

sehr gut recherchierte "Pflichtlektüre" - gegen das Wegsehen und für ethischen Konsum

Todschick
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Spätestens seit dem Brand der Tazreen Fashion Fabrik (2012) sowie dem Einsturz des Rana Plaza (2013) und der damit verbundenen Bilder und Berichterstattungen kann niemand mehr sagen, er hätte von den Arbeitsbedingungen ...

Spätestens seit dem Brand der Tazreen Fashion Fabrik (2012) sowie dem Einsturz des Rana Plaza (2013) und der damit verbundenen Bilder und Berichterstattungen kann niemand mehr sagen, er hätte von den Arbeitsbedingungen in Bangladesh nichts gewußt. Die breite Öffentlichkeit scheint genauer hinzusehen, aber trotzdem nicht genügend Informationen zu erhalten.

Gisela Burckhardt, u.a. Vorstandsmitglied von FEMNET, hat hinter die kulissen geschaut und Näherinnen in Bangladesh befragt, verschiedene Nähfabriken der „besseren Art“ unter die Lupe genommen, Gründe und Hintergründe durchleuchtet und hat einen sehr gut recherchierten und belegten Bericht darüber geschrieben.

Angefangen mit den skandalös bleibenden und sich nur ganz langsam wandelnden Zuständen in Bangladesh, z.B. den gekauften Baugenhmigungen oder -abnahmen, der schleppenden oder unterlassenen juristischen Aufarbeitung der Unfälle, aus denen sich die Betreiber der Fabriken frei kaufen konnten über die Arbeitsbedingungen, Arbeitsgesetze, Unterbindung von Gewerkschaften, bis zu Bezahlung oder Darstellung des Frauenbildes.
Arbeitsplätze in Bangladesh erfordern niedrigre Qualifikationen, werden entsprechend gering bezahlt, sind lebensgefährlich und die Bekleidungsindustrie verursacht zudem enorme Umweltschäden. Mehr als die Hälfte dieser Waren landen in europäischen Warenhäusern; Bangladesh hat sich zum zweitwichtigstes Importland von Bekleidung für Deutschland entwickelt.
Die Profite mit Kleidung aus Bangladesh sind weltweit enorm, wobei nur 1-3% des Endpreises Arbeitskosten ausmachen und eindeutig einhergehen mit Ausbeutung der Arbeitskräfte, niedrigen Umweltstandarts, wie z.B. gedankenloser Umgang mit Giftstoffen, die inzwischen in unseren Gewässern angekommen sind.

Gisela Burckhardt zeigt auch die Folgen der beiden oben genannten Unfälle, die übrigens nur einzelne von vielen sind, auf, belegt, dass sowohl Premiumlabel als auch Billigmarken in denselben Fabriken fertigen lassen und hinterfragt die Bereitschaft der profitorientierten Bekleidungsfirmen, die sich ganz unterschiedlich in ihren Verantwortung sehen. Einige leisteten auf freiwilliger Basis
kleine Zahlung in Opferentschädigungs- und Vorsorgefonds und andere schleichen sich bis zum heutigen Tag aus der Verantwortung und lehnen Zahlungen ab. Die vielen Vorschläge und Empfehlungen auf freiwilliger Basis regen ganz offensichtlich eher zu kreativen Umgehungsstrategien als zu ethisch korrekten Maßnahmen an und demzufolge bleibt die Forderung nach und Verabschiedung von Gesetzen, die die Sozialstandarts für die komplette Wertschöpfungskette regeln, unumgänglich.

Eindeutig ist aber nicht nur die Politik, sondern jeder Einzelne von uns ist in der Pflicht, sich für die Einhaltung von Sozialstandarts in der gesamten Lieferkette einzusetzen. Im Buch stellt Gisela Burckhardt drei Siegel vor, die als vertrauenswürdig gelten; aber durch ethischen Konsum, u.a. auch durch Tausch statt Neukauf oder dadurch, sich zu informieren und gezielt einzukaufen, läßt sich von jedem Einzelnen etwas verändern.

Das Buch „Todschick“ ist 2014 erschienen; in ihm finden sich viele schöne Worte von Firmen und Regierungen, aber was ist inzwischen daraus geworden? Ich hoffe, dass es bald ein Folgebuch gibt, für das genauso gut recherchiert wurde und die Veränderungen aufzeigt und weiterhin informiert, nicht vergessen läßt und immer mehr Menschen umdenken läßt.

Veröffentlicht am 13.03.2017

Cui bono?

Ich koche, also bin ich
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Rudi Obauer, vermutlich ein bekannter Koch, den ich allerdings überhaupt nicht kenne, erläutert seine Sicht zu Lebensmittelqualität, Sonderangeboten, Stress beim Einkaufen und Essen... Alles läuft darauf ...

Rudi Obauer, vermutlich ein bekannter Koch, den ich allerdings überhaupt nicht kenne, erläutert seine Sicht zu Lebensmittelqualität, Sonderangeboten, Stress beim Einkaufen und Essen... Alles läuft darauf hinaus: frisch, gute Qualität, handwerkliches Können, kleine Portionen an Edlem sind das Beste.
Neben Abschweifungen in philosophische Randgebiete, z.B. Gedanken über die Freiheit, gibt es auch praktische Lebenshilfe und „Wissensvermittlung“, z.B. dass im Erdbeerjoghurt Aromastoffe den Erdbeergeschmack immitieren und man besser frische Erdbeeren klein schneiden und unter Joghurt rühren sollte

Ich fand die Texte insgesamt schon recht langatmig und eher inhaltsneutral, wenn dann auch noch immer wieder der Hinweis „Ich muß kurz ausholen“ kam und noch weiter ausgeschweift wurde, fand ich das einfach zuviel... meistens auch zuviel der Eigenwerbung, der ich entnehmen konnte, dass der Autor zusammen mit seinem Bruder als Betreiber eines Restaurants der gehobenen Kategorie oft im Rampenlicht stünden...

Wer Tipps hilfreich findet, wie z.B. „Gönne Dir soviel Arbeitsfläche wie möglich“, „Schaffe Platz für zwei Spülbecken“...“Ich sage immer: Eierbecher sind keine Spülbecken.“, „Sorge für genügend Tiefkühlkapazität“ oder „Dein Herd sollte vier unterschiedlich starke Hitzequellen haben“ und Schwänke aus seinem Leben lese möchte, garniert von einzelnen einfachen, „raffinierten“ Rezepten ( z.B. Pellkartoffeln aus einer Lila Kartoffelsorte mit Olivenöl, verschiedenen Kräutern und Brennesselsalz oder Brot mit Pilzen), der wird in diesem Buch voll auf seine Kosten kommen.

Für mich war das Buch eher langweilig und ich wüßte nicht, wem ich die dort angeführten Selbstverständlichkeiten empfehlen sollte. Der Inhalt des kleinen Büchleins füllt gerade mal 100 Seiten; der Text wurde so groß abgedruckt, dass wohl niemand eine Lesebrille benötigen wird. Bei vier bis fünf Worten pro Zeile und 25 Zeilen je Seite hat man als Leser schon das Gefühl, dass hier ordentlich gestreckt wurde und man letztendlich recht wenig für den Preis von 16 Euro erhält.

Veröffentlicht am 13.03.2017

nette Rezeptauswahl, besonders für Kochanfänger spannend

Pfeffer
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Valerie Aikman-Smith stellt zunächst in einem „kleinen Pfefferlexikon“ verschiedene Pfeffersorten wie bunten, grünen, Malabar-, Sancho-, Tellicherry-Pfeffer sowie Pfefferzubereitungen, z.B. geräuchert ...

Valerie Aikman-Smith stellt zunächst in einem „kleinen Pfefferlexikon“ verschiedene Pfeffersorten wie bunten, grünen, Malabar-, Sancho-, Tellicherry-Pfeffer sowie Pfefferzubereitungen, z.B. geräuchert oder eingelegt und Pfefferähnliche wie Rosa oder Szechuan-Pfeffer vor.
Dem schließt sich der Rezepte-Teil mit über 45 Rezepten an, der sich in mehrere Kapitel gliedert. Unter „Vorspeisen und Snacks“ gibt es beispielsweise Tee-Eier, geröstete Kichererbsen, selbstgemachten Ricotta mit Pfefferkruste, mit Pfeffer aromatisierter Honig oder Feta im Weinblatt. Als „Hauptgerichte“ kann der Leser unter anderem Gepfefferte Rinder-Pho, Indisches Pfefferhähnchen, Rinderrippe auf koreanische Art, Grünes Kokos-Garnelen-Curry oder Gebackenen Tofu mit würziger Ahornsirupmarinade und Buchweizennudeln nachkochen.
Das Kapitel „Süßes“ wartet mit Sommerlichen Shortcakes mit gepfefferten Erdbeeren, Ziegenkäse-Panacotta mit kandierten Pfefferkirschen, Pfeffer-Schokoladen-Mousse mit Bourbon, Mexikanischem Kriokant und Pfeffernüssen auf; und unter „Eingemachtes, Senfe und Öle“ finden sich Rezepte für Pfeffermischungen, Mit Pfeffer eingelegtes Obst und Gemüse, Pfeffriges Pfirsich-Chutney, Tomatenkonfitüre mit geräuchertem Pfeffer, Senfe und Aromatisierte Öle. Abschließend bietet das Buch als „Getränke“ die Rezepte für Chai-Tee, Chai-Äpfel, Mango-Pfeffer-Boba ( Boba = große Tapiokaperlen), Pfeffer-Zitronen-Wodka und Pfeffer-Lemon-Drop.

Die Rezepte wurden alle gut erklärt, sind einfach und gelingsicher nachzuarbeiten; sehr gut gefällt mir, dass jedes Rezept durch ein Foto der fertigen Speise oder des Getränkes abgerundet wird. Die Auswahl der Rezepte in den einzelnen Kapiteln würde ich schon als gelungen und vielfältig bezeichnen, wenngleich einige für mich nicht wirklich neu waren. Wohlmöglich kann dieses aber auch daran liegen, dass ich schon seit vielen Jahren selber koche, viele Kochkurse zu unterschiedlichen Länderküchen und Themen besucht habe und über eine ausgewogene Kochbuchsammlung verfüge. Gerade das Kapitel „Süßes“ hatte mich besonders gereizt, jedoch weder Erdbeeren, Kirschen oder Schokolade in Kombination mit Pfeffer sind wirklich neue Ideen, der Mexikanische Krokant schon eher.

Da, wie schon erwähnt, die Rezeptauswahl breitgefächert wurde, bietet dieses Buch wohl für jeden Interessantes zum Nachkochen, ganz besonders für Neugierige mit noch nicht allzuviel Kocherfahrung.

Veröffentlicht am 13.03.2017

meist fesselnd, jedoch stellenweise etwas lengatmig und vewrirrend

Smoke
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Düstere Zeiten sind angebrochen, England ist in Rauch und Ruß getaucht; über eine Zeit vor dem Rauch darf nicht gesprochen werden. Bücher und Gegenstände, die diese Zeit belegen könnten, wurden verbrannt, ...

Düstere Zeiten sind angebrochen, England ist in Rauch und Ruß getaucht; über eine Zeit vor dem Rauch darf nicht gesprochen werden. Bücher und Gegenstände, die diese Zeit belegen könnten, wurden verbrannt, ein Embargo gegen alle anderen Länder verhängt. Besonders das arme Volk, das in Londons Fabriken arbeitet, in den dreckigen überfüllten Gassen lebt, scheint davon betroffen zu sein. Adelige und Höhergestellte lassen ihre Kinder in einem spezialisierten Internat in der Nähe von Oxford erziehen, in dem energischst gegen jedes Vergehen angegangen wird, die Schüler kontrolliert und sanktioniert werden. Hierbei geht es nicht nur um Rauch, den sie ausatmen, sondern auch Ruß, den sie z.B. nachts ausschwitzen und der in der Nachtwäsche und -kleidung entdeckt wird. Rauch kommt in unterschiedlichen Texturen, Tönungen und Dichte vor, wird im Internat stets untersucht und mit Hilfe eines Buches, in dem 43 Arten klassifiziert wurden, betrachtet und ausgewertet. Die einhellige Meinung scheint zu sein, dass Rauch ein Symptom für das Vorhandensein von Sünde, z.B. in Form von Gier, Lüge, Bosheit oder Wolllust, ist und das höchste Ziel sein muß, diese Regungen zu bekämpfen und dem „Krebsgeschwür der Sünde“ Einhalt zu gebieten.

Zwei der Schüler dieses Internates sind die Freunde Thomas und Charlie, die bei einem Klassenausflug nach London nicht nur Zeuge einer Hinrichtung werden, sondern auch einen Erwachsenen entdecken, der nicht raucht; ihr Interesse ist geweckt. Als die beiden über die Weihnachtsferien von Thomas' Verwandten eingeladen werden, geraten sie in ein gefährliches Abenteuer, das es erfordert, gegen einige Regeln zu verstoßen....

Wortgewand erzählt Dan Vyleta eine düstere Geschichte, in der Regeln nicht hinterfragt werden dürfen, Ideologien und Machtphantasien einzelne vereinnahmen. Nicht von ungefähr fühlt man sich durch den Schulleiter, einen ehemaligen Inquisitor, durch das Bestehen einer Geheimpolizei und einen Lehrer, der durch ein spezielles Zuchtprogramm die Sünde einfach wegzüchten möchte, an reale Albträume der Vergangenheit erinnert. Es geht auch um die Scheinheiligkeit des Systems und der Reichen, um Macht und Träume, die Welt zu verbessern.
Mit vielen Details ausgeschmückt entwickelt sich die Geschichte spannend weiter, wobei es sich gar nicht so einfach unterschieden läßt, was und wer eindeutig Gut oder Böse darstellt und ob sich das überhaupt immer so klar trennen läßt.

Der Roman ist fesselnd geschrieben und ich habe ihn sehr zügig gelesen; allerdings muß ich auch erwähnen, dass ich ihn manchesmal, besonders zum Schluß hin (ungefähr das letzte Viertel), etwas langatmig und verwirrend fand.

Veröffentlicht am 12.03.2017

bereitet bestmöglich auf ein Vorstellungsgespräch vor

Das Vorstellungsgespräch zur Ausbildung
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Dieses Buch beschäftigt sich in ausführlicher Weise mit Vorstellungsgesprächen für eine Ausbildung. Dabei werden sowohl die häufigsten Fragen, die einem gestellt werden können, als auch die bestmöglichen ...

Dieses Buch beschäftigt sich in ausführlicher Weise mit Vorstellungsgesprächen für eine Ausbildung. Dabei werden sowohl die häufigsten Fragen, die einem gestellt werden können, als auch die bestmöglichen Antworten, Vorbereitungen und Verhalten während des Gespräches thematisiert.
100 Originalfragen zu den unterschiedlichsten Themenbereichen – wie Stärken, Schwächen, Hobbys, usw. - werden genannt; danach wird erklärt, welchen Hintergrund diese Farge hat. Im Anschluss daran werden verschiedene mögliche Antworten vorgestellt und die Vor- und Nachteile dieser erläutert. Beispielsweise ob eine Ausführung zu lang ist, man etwas Negatives hineininterpretieren kann oder ob sie auswendig gelernt und daher nicht authentisch wirkt. Danach erhält man häufig die Möglichkeit sich eine Antwort zu überlegen und diese niedezuschreiben, wobei einem das Buch wichtige Denkanstöße und Hilfestellungen bietet.
Dabei werden auch verschiedene Fragentypen differenziert, sodass man im Gespräch selbst die Frage hinter der Frage entschlüsseln kann, um so die passende Antwort liefern zu können.
Darüber hinaus erhält man Informationen zu angemessener Kleidung – schließlich möchte man werder zu leger noch zu uniformiert erscheinen – sowie vorab zu erledigender Recherche und Analyse der eigenen Stärken und Schwächen. Gerade letzteres hilft enorm, da man so bereits im Vorfeld austarieren kann, welche Fragen man am besten hören würde und wie man mit seinen "Makeln" umgeht und nicht in ein schlechtes Licht rückt.
In dem Kapitel "Wie treten Sie überzeugend auf?" erhält man wertvolles Wissen zu Körpersprache, Gestik, Mimik oder den Gesprächspartnern. So lernt man, verschiedene Typen von Fragestellern zu unterscheiden, weswegen man sich auf unterschiedliche Situationen (und Fallen) vorbereiten kann.
Außerdem wird der Ablauf eines Vorstellungsgespräches dargestellt, sodass man sich auf die verschiedenen Phasen einstellen kann und weiß, was zu welchem Zeitpunkt von einem erwartet und gefordert wird.Auch Tipps zum Einstieg in das Gespräch und zum Ausklang werden geliefert.
Abschließend wird sich noch der Zeit nach dem Gespräch gewidmet – sowhl bei Zu- als auch bei Absage.

Besonders ansprechend ist meines Erachtens, das die Ausführungen jeden Bereich mit einzubeziehen scheinen. Nachdem man dieses Werk von 377 Seiten durchgearbeitet hat, kann eigentlich nichts mehr schief gehen, da man auf jede erdenkliche Situation bestens vorbereitet wurde. Sehr gelungen ist zudem, dass es kein Fragen-Antworten-Katalog ist, den es auswendig zu lernen gilt, sondern vielmehr Erklärungen im Fokus stehen. So kann man begreifen, worauf es ankommt und ist im Gespräch nicht von Auswendiggelerntem abhängig.

Ich kann dieses überaus kompakte Buch wärmstens empfehlen, da es einen bestmöglich auf ein Vorstellungsgespräch vorbereitet.