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Veröffentlicht am 24.02.2025

ein interessantes Stück Musikgeschichte

Wir sind die Roboter
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Wir sind die Roboter – Kraftwerk und die Erfindung der elektronischen Pop-Musik / Uwe Schütte
 
In den 80er gab es für mich nicht nur den besten aller Roberts und die Hosen, ich habe mich auch für Bands ...

Wir sind die Roboter – Kraftwerk und die Erfindung der elektronischen Pop-Musik / Uwe Schütte
 
In den 80er gab es für mich nicht nur den besten aller Roberts und die Hosen, ich habe mich auch für Bands wie OMD, New Order und Depeche Mode begeistert.
Aber wer hat diese Bands inspiriert und woher kommt elektronische Musik?
Nicht unerheblichen Einfluss darauf haben zwei Männer aus Düsseldorf und in dem Buch „Wir sind die Roboter“ erzählt Uwe Schütte von Kraftwerk und der Erfindung der elektronischen Pop-Musik.
 
Ich habe Kraftwerk in den 80er Jahren wahrgenommen, jedoch ohne ihre Bedeutung für die Musikwelt auch noch annähernd erkennen zu können.
 1970 gründen Ralf Hütter und Florian Schneider Kraftwerk, in ihrem Kling-Klang-Studio in Düsseldorf entwickeln sie „Heimatmusik aus der Rhein-Ruhr-Gegend“ (S.10)
 
„Unsere Musik ist elektronisch, aber wir betrachten Sie als eine Form der Volksmusik aus dem deutschen Industriegebiet – industrielle Volksmusik.“ (S.38)
 
Kraftwerk ersetzen Gitarren und Schlagzeug durch elektronische Apparate und verändern damit grundlegend die populäre Musik. Bewusst schmal ist der Grat zwischen Mensch und Maschine, wenn sie robotergleich ihre elektronischen Klangdarbietungen, angereichert mit Texten in Deutsch, Englisch Französisch, Spanisch, Russisch und Japanisch vortragen. Aber sie verstehen sich nicht nur als „Musikarbeiter“, Kraftwerk sind ein Gesamtkunstwerk, denn auch die Gestaltung der Plattencover, Videos und Grafiken liegt bei den Künstlern – und damit beeinflussen sie viele Bereiche der Kunstszene.

Natürlich hätten New Order ihren blauen Montag auch mit Klavier und Kontrabass zusammendübeln können, ob „Being Boiled“ von The Human League mit Blockflöte und Triangel ein Erfolg geworden wäre, mag ich bezweifeln.
Ich bin froh, dass die Düsseldorfer Elektrotüftler den Weg in ein neues Musikzeitalter geebnet haben.
 
„From Station to Station
Back to Düsseldorf City
Meet Iggy Pop and David Bowie”
 
heißt es in “Trans-Europe Express” – und sowohl Bowie als auch Iggy Pop, aber auch Goethe und die Beach Boys finden in dem Buch Erwähnung.
 
Vielleicht erinnert ihr euch an die ZDF-Sendung „Kennzeichen D“? Das Intro ist „Ruckzuck“ vom Debütalbum „Kraftwerk“ aus dem November 1970. Auf dem Cover ist ein Verkehrskegel abgebildet, die Idee einen Alltagsgegenstand zu verwenden haben sich Hütter und Schneider bei Andy Warhol abgeschaut.
 
Uwe Schütte erzählt von Autobahnen, Fernzügen und Fahrrädern, von Menschen und Maschinen, und davon, dass David Bowie als Ziggy Stardust nicht wirklich zum Außerirdischen geworden ist, ebenso wie Kraftwerk keine Roboter sind.
 
Kraftwerk wurden 2021 in die „Rock and Roll Hall of Fame“ aufgenommen, damit wurden zurecht ihre Verdienste um die elektronische Musik gewürdigt.
 
Abschließend bleibt mir nur, dem Autor in einer Sache ausdrücklich zu widersprechen:
 
„Kraftwerk spielen stets ein zweistündiges Set, was zugegebenermaßen kürzer ist als die unverändert zu knapp drei Stunden Länge tendierenden Liveshows von Bruce Springsteen und The Cure. Aber im Gegensatz zu ihnen gibt es bei Kraftwerk keinen einzigen langweiligen Moment.“ (S.257)
 
Den gibt es beim besten aller Roberts auch nicht! Niemals!
 
Für elektromusikliebende Menschen ist dieses Buch allerbeste, interessante Unterhaltung und für Kraftwerk-Fans ein Muss!
 
Gut lesbar und super interessant erzählt Uwe Schütte in dem Buch „Wir sind die Roboter“ über Kraftwerk, ihre Alben, ihre Ideen und ihren Einfluss auf die Musik- und Kunstwelt. Es ist unüberlesbar, dass der Autor absoluter Kraftwerk-Experte ist und großartig, dass er interessierte Elektromusikmenschen daran teilhaben lässt.
 
Read this book!

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Veröffentlicht am 02.02.2025

eine nicht weichgespülte, wunderschöne Geschichte

Das Tagebuch im Waschsalon der lächelnden Träume
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„Die Frühlingssonne stand tief in den Raum hinein, in dem eine große Waschmaschinentrommel im Kreis lief. Auf einem Holztisch am Fenster stand eine Kaffeemaschine, die niedrigen Regale an der Wand waren ...

„Die Frühlingssonne stand tief in den Raum hinein, in dem eine große Waschmaschinentrommel im Kreis lief. Auf einem Holztisch am Fenster stand eine Kaffeemaschine, die niedrigen Regale an der Wand waren mit Büchern gefüllt.“ (S.11)
 
Klingt das nicht gemütlich? Mitten in Seoul, im Stadtteil Yeonnam-dong befindet sich der Yeonnam-dong-Binggul-Bunggul-Waschsalon - der lächelnde Waschsalon.
 
Wir lernen den verwitweten Herrn Jang kennen, der mit seinem Hund Jindol den Salon aufsucht, um eine Decke zu waschen. Während er wartet, findet er auf einem Tisch ein lindgrünes Tagebuch in dem es einige Firlefanz-Einträge, jedoch auch eine Nachricht mit einem ernsten Inhalt gibt. Herr Jang antwortet darauf und so entsteht der Kontakt zu Mira. Wenn sich die beiden auch zunächst nur aus der Ferne begegnen, wird sich dies bald unter bewegenden Umständen ändern.
Ähnlich ergeht es Hajun und Yeoreum, die mit ihrer Nachricht das Leben des jungen Mannes völlig auf den Kopf stellt und ihn an Fabelwesen glauben lässt. Und auch die Leben von Yeonwoo und Jaeyeol sind eng mit dem Waschsalon verbunden. Das Tagebuch gehörte Jaeyeols Bruder – und es wird schon bald nicht nur für die Verbindung der Menschen eine wichtige Rolle spielen, sondern helfen einen Betrug aufzuklären und Jaeyeols zur Ruhe kommen lassen.
 
„Jeder braucht seinen eigenen Ozean, in dem er sich ausweinen kann. In Yeonnam-dong gibt es ein kleines Meer, in dem weiße, schäumende Wellen Tränen und Kummer fortspülen.“ (S.295)
 
Die Charaktere des Buches teilen Momente des Glücks und der Freude, Sorgen und Traurigkeit. Sie sind über diesen besonderen Ort miteinander verbunden und werden zu Freunden, die füreinander da sind und sich gegenseitig unterstützen.
Ich habe erneut ein bisschen über Land und Leute gelernt, bin gut unterhalten worden und habe eine wunderbare Geschichte lesen dürfen.
Zunächst erschien es, dass es sich um einzelne, in sich abgeschlossene Kurzgeschichten handelt, ich habe ich sehr gefreut festzustellen, dass alle Geschichten miteinander verbunden sind, die Charaktere in Verbindung kommen, Freundschaften entstehen – und all das wird ganz wunderbar und warmherzig erzählt.
Es ist jedoch nicht ausschließlich eine weichgespülte Geschichte, denn es gibt auch die anderen Momente, in denen Menschen auf eindringliche Weise erfahren müssen, dass es wichtig ist füreinander da zu sein.
 
Ein wirklich schönes Buch, dass ich sehr gerne empfehle. In aller Ruhe erzählt Kim Jiyun von den Menschen in Yeonnam-dong und nimmt den Lesenden mit auf eine zauberhafte Reise.
Große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 26.01.2025

feine Unterhaltung über Licht und Schatten in Hollywood

Not your Darling
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Die 20-jährige, draufgängerische Margaret ist gelangweilt vom eintönigen Leben im englischen Morecombe. Mit einem gestohlenen Pass einer Frau namens Loretta macht sie sich auf die Reise und erreicht Amerika ...

Die 20-jährige, draufgängerische Margaret ist gelangweilt vom eintönigen Leben im englischen Morecombe. Mit einem gestohlenen Pass einer Frau namens Loretta macht sie sich auf die Reise und erreicht Amerika im Mai 1950, wild entschlossen in Los Angeles ein neues Leben zu beginnen und als Maskenbildnerin beim Film zu arbeiten.
 
„Du bist jetzt Loretta“, sagte ich zu mir selbst. „Herzlich willkommen in deinem nagelneuen Leben.“ (S.16)
 
Aber die Stadt der Engel hat nicht auf sie gewartet; mit einem Job als Kellnerin hält sie sich über Wasser. Sie lernt Raphael Goddard kennen, einen noch unbekannten Schauspieler mit Kontakten zur Filmbranche. Nach nur einem Monat ziehen sie zusammen und entgegen der Warnung ihrer Freundin Primrose heiratet sie Raphael.
 
Der Hochzeitstag wird zum Desaster, am Abend besuchen sie eine der berühmt-berüchtigten Partys in Hollywood – und Loretta gerät in eine furchtbare Situation. Der Drehbuchautor Scott Eliot bewahrt Loretta vor dem Schlimmsten, enttäuscht trennt sie sich von ihrem Mann.
Sie will nicht länger Loretta Goddard sein, mutig entschließt sie sich, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und als Loretta Darling ihre Ziele zu verfolgen.
 
Es gelingt ihr, die Aufmerksamkeit des berühmten Visagisten Alecs Petraś zu erlangen und in sein Team aufgenommen zu werden. Sie trifft auf junge Filmsternchen wie Grace und große Künstlerinnen wie Sally Dee, sie erlebt ebenso Freundschaft mit ihrer Kollegin Alice wie Neid und Hinterhältigkeit von Petraś‘ Assistentin Arvella – und sie muss lernen, dass der Weg zum Ruhm weit und steinig ist und nicht alles Gold ist, was in Hollywood glänzt.
 
„Denk daran, dass das alles nur Attrappen sind. Hinter der Fassade ist nichts.“ (S.125)

Hollywood. Als Fan von TBBT weiß ich natürlich, dass auch heute noch viele Träume von einer großen Karriere und Starruhm beim Servieren in der Cheescake Factory enden. Erfolg vor oder hinter der Kamera ist ein hart umkämpftes Gut und auf dem Filmschlachtfeld wird mit harten Bandagen gekämpft. Dass dies auch in den 1950er Jahre so war, zu einer Zeit, in der auch die Rolle der Frau noch anders gesehen wurde, wird anhand der der Geschichte von Loretta Darling großartig erzählt.
 
Starallüren, der Aufstieg und Fall von Stars und Sternchen, Intrigen, Eskapaden, wahre und falsche Freundschaft, alles das findet sich in dem Buch und gibt einem beim Lesen das Gefühl das Hollywood der 1950er Jahre zu erleben.

Wird Loretta in Hollywood ihr Glück finden?
 
Katherine Blake erzählt lebhaft eine tolle und spannende Geschichte über das Hollywood der 50er Jahre und einer Frau, die mutig und clever ihren Weg geht.
„Not Your Darling“ ist kurzweilige Unterhaltung der allerbesten Art.

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Veröffentlicht am 13.01.2025

eine Geschichte über das Leben, Scherben und neues Glück

Jeongmin töpfert das Glück
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Jeongmin töpfert das Glück / Yeon Somin
 
Ist das nicht ein wunderbarer Titel?
Ist das nicht ein wunderschönes Cover?

Jeongmin Yu ist 30 und führt ein hektisches, unstetes Leben. Sie arbeitet als Autorin ...

Jeongmin töpfert das Glück / Yeon Somin
 
Ist das nicht ein wunderbarer Titel?
Ist das nicht ein wunderschönes Cover?

Jeongmin Yu ist 30 und führt ein hektisches, unstetes Leben. Sie arbeitet als Autorin bei einem koreanischen Fernsehsender, eine Trennung zwischen Werktagen und Wochenenden gibt es fast nicht. Die Nutzung eines nicht freigegebenen Interviews für eine Doku und ihre vergebliche Bemühung dies zu verhindern, führen dazu, dass sie müde und erschöpft ihre Stelle kündigt und eine Auszeit nimmt.
 
Zunächst igelt sie sich in ihrer Wohnung ein, aber eines Tages kehrt ein Hauch Energie zurück und sie unternimmt einen Spaziergang durch das Viertel, in dem sie lebt. Mit dem Wunsch einen Kaffee zu trinken, betritt sie ein Geschäft. Dort trifft sie auf Johee, die Jeongmin herzlich in ihrer Töpferei willkommen heißt und ihr nicht nur einen Kaffee anbietet, sondern sie auch zum Töpfern einlädt.
 
„Wenn man etwas hat, das man in ein Gefäß füllen möchte, dann ist das schon Grund genug, mit dem Töpfern zu beginnen.“ (S.19)
 
Jeongmin ist skeptisch, entdeckt jedoch schon bald, dass sie die kreative Arbeit mit Ton ablenkt und ihr Freude macht. Neben der Inhaberin Johee trifft sie beim Töpfern regelmäßig auf Jihye, Gisik, Hyoseok, Jun und fühlt sich in der Gruppe sehr wohl. Insbesondere zu Gisik, der schon bald ans Meer ziehen und eine eigene Töpferstube betreiben möchte, entwickelt sich eine Freundschaft.
 
In der Töpferei begegnet sie auch nach langer Zeit ihrer ehemaligen Schulfreundin Juran. Diese Begegnung reißt alte Wunden auf und Jeongmin muss entscheiden, ob sie die Vergangenheit ruhen lassen und nach vorne schauen kann – und ob Gisik ein Teil dieser Zukunft ist.
 
Ganz leise und behutsam erzählt Yeon Somin die Geschichte von Jeongmin.
Es ist die Geschichte einer jungen Frau, die es in ihrer Kindheit und Jugend nicht leicht hat und als Erwachsene versucht allen Anforderungen gerecht zu werden. Dies wird nachvollziehbar erzählt. Sowohl die Rastlosigkeit als auch die Erschöpfung der Protagonistin sind gut wiedergegeben und dadurch völlig verständlich und ihr Weg zurück, die Hilfe, die sie durch die Menschen in dem Töpferladen bekommt, wird schön beschrieben.
 
Es ist nicht mein erster Roman aus Korea, insofern bin ich nicht überrascht, jedoch wieder einmal erstaunt, welche Anforderungen das eigene Umfeld, die Gesellschaft und oft auch die Charaktere selbst haben. In der Geschichte erzählt Juran, dass sie mit einem Zahnarzt verheiratet ist und Jeongmin sieht darin, dass sie „ein richtiges Mitglied der Gesellschaft ist.“ Die Geschichte bietet in vielen kleinen Momenten einen Einblick in die Kultur des Landes.
 
„Im Laufe eines Jahres lernt die junge Frau das Töpfern, verwandelt unter ihren Händen kalten Lehm in warmes Glück.“ (Klappentext)
 
Ruhig und unaufgeregt beschreibt Yeon Somin den Weg einer jungen Frau, auf dem rückblickend viele Scherben liegen hin zu einem Hier und Jetzt mit Glücksmomenten.
 Eine wirklich schöne, lesenswerte Geschichte! Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 27.12.2024

ein besonderes Buch, sehenswert und lesenswert

Low
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Es erscheint unvorstellbar, dass David Bowie, wenn er noch bei uns wäre, im Januar 2025 78 Jahre alt würde. In meiner Wahrnehmung ist der Musiker und Schauspieler alterslos, er hat großartige Lieder wie ...

Es erscheint unvorstellbar, dass David Bowie, wenn er noch bei uns wäre, im Januar 2025 78 Jahre alt würde. In meiner Wahrnehmung ist der Musiker und Schauspieler alterslos, er hat großartige Lieder wie Starman, Let’s dance, Life on Mars und natürlich Heroes geschaffen und als Künstler in vielerlei Hinsicht Einfluss genommen.

Ich habe David Bowie erstmalig in dem Film „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ wahrgenommen (ja, der Schule ist es gelungen, mir das eigentliche Thema nahezubringen, aber der Konzertmoment in dem Film und das Lied Heroes sind natürlich auch hängengeblieben).
Berlin und Bowie sind eng miteinander verbunden und von seiner Zeit in der geteilten Stadt erzählt die Graphic Novel „Low – David Bowie’s Berlin Years“ von Reinhard Kleist.

„Fremd, zerrissen, brüchig, ein Übergang vom Hedonismus des amerikanischen Rock, mit all seiner selbstzerstörerischen Macht hin zu etwas, von dem ich noch nichts weiß.
Ein neues Leben in einer neuen Stadt.“ (S.12)

Mitte der 1970er Jahre blickt David Bowie bereits auf eine Reihe von musikalischen und schauspielerischen Erfolgen zurück. Begeistert von deutschen Künstlern wie Kraftwerk, Can und Tangerine Dreams verlässt er die USA, um in den Hansa Studios in Berlin das Album „Low“ fertigzustellen.
Von 1976 bis 1978 lebt er in Berlin-Schöneberg. Nach dem für ihn bedrückenden Starruhm in den USA fühlt er sich in der ummauerten Stadt frei, er fährt mit dem Fahrrad durch Berlin, trifft kreative Menschen, lebt uneingeschränkt, meist unerkannt, mitunter auch wild und exzessiv und erfindet sich wieder einmal neu.

Die Graphic Novel zeigt Szenen aus David Bowies Leben in Berlin, erzählt von Wegbegleitenden wie Romy Haag und Iggy Pop, gibt Einblicke in die Produktion von „Low“, dem ersten Album der Berlin-Trilogie und tatsächlich begegnen dem Lesenden auch Die Flippers.

Die Zeichnungen gefallen mir gut, rau und eckig spiegeln sie das Berlin der 1970er Jahre und die Zerrissenheit des Künstlers wider. Überall lassen sich kleine Details entdecken, die Geschichte wird lebendig erzählt.

„Low – David Bowie’s Berlin Years” ist der zweite und abschließende Teil von Reinhard Kleists David Bowie’s Year-Reihe. Die Jahre bevor Bowie in Berlin war, werden in „Starman – David Bowie’s Ziggy Stardust Years“ erzählt.

Die Graphic Novel ist wirklich ein Hingucker, der Einband zudem auch haptisch ein Highlight und David Bowies Zeit in Berlin wird nachvollziehbar erzählt.
Die zeichnerische Umsetzung von „Heroes“ gefällt mir sehr gut. Reinhard Kleist erweckt in seinen Bildern unter anderem Aladdin Sane, The Thin White Duke, Halloween Jack, Ziggy Stardust und Major Tom zum Leben und zeigt das breite Schaffensspektrum des Ausnahmekünstlers David Bowie.

Eine Galerie am Ende des Buches rundet diese besondere Graphic Novel ab.

Insbesondere für Fans und Kenner von David Bowie ist dieses Buch sicher ein Highlight, sofern man mit Leben und Werk des Künstlers weniger vertraut ist können beim Lesen durchaus ein paar Fragen aufkommen.
Das Comicbuch erzählt von einigen Schlüsselszenen in Berlin, die so oder so ähnlich passiert sein können. Mir persönlich hätte es gefallen, wenn der Zeitraum der einzelnen Szenen etwas besser einzuordnen gewesen wäre, einziger Anhaltspunkt war hier für mich der 30. Geburtstag, ebenso wäre ein Personenregister hilfreich, um einzelne Charaktere zuordnen zu können – oder auch um mehr darüber zu erfahren. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

Alles in allem ist die Graphic Novel wirklich großartig und ebenso sehens- wie lesenswert.

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