ein interessantes Stück Musikgeschichte
Wir sind die RoboterWir sind die Roboter – Kraftwerk und die Erfindung der elektronischen Pop-Musik / Uwe Schütte
In den 80er gab es für mich nicht nur den besten aller Roberts und die Hosen, ich habe mich auch für Bands ...
Wir sind die Roboter – Kraftwerk und die Erfindung der elektronischen Pop-Musik / Uwe Schütte
In den 80er gab es für mich nicht nur den besten aller Roberts und die Hosen, ich habe mich auch für Bands wie OMD, New Order und Depeche Mode begeistert.
Aber wer hat diese Bands inspiriert und woher kommt elektronische Musik?
Nicht unerheblichen Einfluss darauf haben zwei Männer aus Düsseldorf und in dem Buch „Wir sind die Roboter“ erzählt Uwe Schütte von Kraftwerk und der Erfindung der elektronischen Pop-Musik.
Ich habe Kraftwerk in den 80er Jahren wahrgenommen, jedoch ohne ihre Bedeutung für die Musikwelt auch noch annähernd erkennen zu können.
1970 gründen Ralf Hütter und Florian Schneider Kraftwerk, in ihrem Kling-Klang-Studio in Düsseldorf entwickeln sie „Heimatmusik aus der Rhein-Ruhr-Gegend“ (S.10)
„Unsere Musik ist elektronisch, aber wir betrachten Sie als eine Form der Volksmusik aus dem deutschen Industriegebiet – industrielle Volksmusik.“ (S.38)
Kraftwerk ersetzen Gitarren und Schlagzeug durch elektronische Apparate und verändern damit grundlegend die populäre Musik. Bewusst schmal ist der Grat zwischen Mensch und Maschine, wenn sie robotergleich ihre elektronischen Klangdarbietungen, angereichert mit Texten in Deutsch, Englisch Französisch, Spanisch, Russisch und Japanisch vortragen. Aber sie verstehen sich nicht nur als „Musikarbeiter“, Kraftwerk sind ein Gesamtkunstwerk, denn auch die Gestaltung der Plattencover, Videos und Grafiken liegt bei den Künstlern – und damit beeinflussen sie viele Bereiche der Kunstszene.
Natürlich hätten New Order ihren blauen Montag auch mit Klavier und Kontrabass zusammendübeln können, ob „Being Boiled“ von The Human League mit Blockflöte und Triangel ein Erfolg geworden wäre, mag ich bezweifeln.
Ich bin froh, dass die Düsseldorfer Elektrotüftler den Weg in ein neues Musikzeitalter geebnet haben.
„From Station to Station
Back to Düsseldorf City
Meet Iggy Pop and David Bowie”
heißt es in “Trans-Europe Express” – und sowohl Bowie als auch Iggy Pop, aber auch Goethe und die Beach Boys finden in dem Buch Erwähnung.
Vielleicht erinnert ihr euch an die ZDF-Sendung „Kennzeichen D“? Das Intro ist „Ruckzuck“ vom Debütalbum „Kraftwerk“ aus dem November 1970. Auf dem Cover ist ein Verkehrskegel abgebildet, die Idee einen Alltagsgegenstand zu verwenden haben sich Hütter und Schneider bei Andy Warhol abgeschaut.
Uwe Schütte erzählt von Autobahnen, Fernzügen und Fahrrädern, von Menschen und Maschinen, und davon, dass David Bowie als Ziggy Stardust nicht wirklich zum Außerirdischen geworden ist, ebenso wie Kraftwerk keine Roboter sind.
Kraftwerk wurden 2021 in die „Rock and Roll Hall of Fame“ aufgenommen, damit wurden zurecht ihre Verdienste um die elektronische Musik gewürdigt.
Abschließend bleibt mir nur, dem Autor in einer Sache ausdrücklich zu widersprechen:
„Kraftwerk spielen stets ein zweistündiges Set, was zugegebenermaßen kürzer ist als die unverändert zu knapp drei Stunden Länge tendierenden Liveshows von Bruce Springsteen und The Cure. Aber im Gegensatz zu ihnen gibt es bei Kraftwerk keinen einzigen langweiligen Moment.“ (S.257)
Den gibt es beim besten aller Roberts auch nicht! Niemals!
Für elektromusikliebende Menschen ist dieses Buch allerbeste, interessante Unterhaltung und für Kraftwerk-Fans ein Muss!
Gut lesbar und super interessant erzählt Uwe Schütte in dem Buch „Wir sind die Roboter“ über Kraftwerk, ihre Alben, ihre Ideen und ihren Einfluss auf die Musik- und Kunstwelt. Es ist unüberlesbar, dass der Autor absoluter Kraftwerk-Experte ist und großartig, dass er interessierte Elektromusikmenschen daran teilhaben lässt.
Read this book!