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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.08.2021

Kann man Rache gutheißen?

SCHULD! SEID! IHR!
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Ein neuer Autor ist wie immer spannend. Wie schreibt er (flüssig oder zäh)? Lässt er mich als Leser miträtseln oder serviert er mir die Lösung auf einem Silbertablett? Wie nahe bringt er mir die handelnden ...

Ein neuer Autor ist wie immer spannend. Wie schreibt er (flüssig oder zäh)? Lässt er mich als Leser miträtseln oder serviert er mir die Lösung auf einem Silbertablett? Wie nahe bringt er mir die handelnden Personen und vor allem die Geschichte? Schafft er es, die Spannung zu halten und mich zu fesseln?

Herr Thode hat das alles geschafft. Sein Schreibstil ist flüssig, obwohl die sehr kurzen Kapitel zu Anfang ungewohnt waren (aber man gewöhnt sich schnell daran und die schnellen Szenen sorgen zusätzlich dafür, dass die Spannung hochgehalten wird). Er hat mich sowohl mit der Geschichte gefesselt als auch die handelnden Personen sehr gut rübergebracht.

Leider hatte ich nicht gewusst, dass dieses Buch bereits der zweite Band einer Reihe war. Ich lese lieber in der richtigen Reihenfolge und habe hier gemerkt, dass zwar der Fall an sich in sich abgeschlossen ist, mir aber zum einen doch die Vorgeschichte des Privatlebens gefehlt hat und zum anderen so viel verraten wurde, dass ich das erste Buch nicht mehr lesen muss. Schade.

In dem Buch hängt alles mit der Vergangenheit zusammen. Man erfährt, dass etwas geschehen ist, aber nicht genau was und wie. Der Leser wird mit jedem neuen Opfer (= mit jedem neuen Akt) nur häppchenweise informiert, was mich persönlich total wahnsinnig gemacht hat. Aber dadurch hält sich die Spannung natürlich durchgehend auf hohem Niveau.

Man kennt das Motiv …… man kennt die Opfer mit Namen …. man weiß aber lange Zeit nicht genau was in der Vergangenheit passiert ist und was genau die Opfer getan haben. Und dann denkt man, man weiß Bescheid und schon kommt die nächste Wendung und man ist genau da, wo man schon zu Anfang war … man hat keine Ahnung.

Herr Thode baut zwischendurch immer wieder Einschübe der privaten Probleme ein. Manches Mal hatte ich das Gefühlt, dass dies nur zur Entspannung des Lesers geschieht, denn die Spannung ist wirklich kaum auszuhalten.

Das Buch hat mich eigentlich rundherum begeistert, aber zum einen wurde die Schilderung der Tatabläufe in der zweiten Hälfte des Buches für meinen Geschmack „zu schnell abgehandelt. Zu Anfang war die Beschreibung der Taten noch sehr ausführlich, später leider nicht mehr. Zum anderen gab es einige, für mich unlogische Abläufe:
Bei einer Person ist mal ist von einem Herzinfarkt die Rede und dann wieder von einem Schlaganfall. Später wird klar, dass beides zutreffend ist, aber die Erwähnung der jeweiligen Krankheit ist nicht in der richtigen Reihenfolge. Ein anderes Mal befindet sich der Täter in einem Musikzimmer, um es dann ein paar Absätze später zu betreten, ohne es verlassen zu haben.

Auch werden einige offene Fragen nicht beantwortet, die ich hier aber nicht zitieren kann, ohne zu viel zu verraten. Aus diesen Gründen gibt es von mir 4 statt eigentlich verdienter 5 Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.07.2021

Routinierte Fortsetzung

Todeswelle
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Es ist mittlerweile wie „nach Hause kommen“, wenn ein neuer Teil einer Serie von Katharina Peter veröffentlich wird. Da werden nicht wild die Charaktere gewechselt, sondern man findet im harten Kern immer ...

Es ist mittlerweile wie „nach Hause kommen“, wenn ein neuer Teil einer Serie von Katharina Peter veröffentlich wird. Da werden nicht wild die Charaktere gewechselt, sondern man findet im harten Kern immer wieder die gleichen Personen vor, die einem im Laufe der Serie dann auch immer mehr ans Herz wachsen. Wie Familie halt.

Dieses Mal fängt das Buch extrem harmlos an … ein Beschattungsauftrag für Emma mit einem sehr hohen Gehalt, aber ohne weitergehende Hintergrundinfos und mit einem seltsam, weil paranoid anmutenden Auftraggeber, der gleichzeitig auch Auftraggeber von Christoph, Emmas Lebensgefährten, ist. Doch kurze Zeit später ist der Beschattete tot und Emma wittert einen neuen Fall. Und wie Emma halt ist: Sie verbeißt sich - entgegen aller anfänglichen Indizien - wie ein Terrier, weil sie Unrecht vermutet. Dieses Mal sogar auf die Gefahr hin, dass Christoph – der im Übrigen leider wieder viel zu selten eine Rolle spielt – evtl. beruflich darunter leiden muss.

Und erneut lernt man in diesem Teil der Serie die frustrierende Seite der Ermittlungen kennen: Befragungen über Befragungen und keiner sagt auch nur annähernd etwas zur Klärung aus. Das sind keine kleinen Schritte vorwärts … das sind Trippelschrittchen.

Der Fall ist sehr vielschichtig und ich wusste teilweise überhaupt nicht, worauf ich achten bzw. was ich mir merken soll/muss. Nach über der Hälfte des Buches hatte ich nicht im Ansatz eine Ahnung, worauf das ganze hinauslaufen könnte. Daumen noch dafür …. das passiert nicht oft.

Immer wieder eingestreut wurde die Vergangenheit in privater Hinsicht, was es für Quereinsteiger sicherlich einfacher macht, Emma & Co. kennen zu lernen.

Ein Buch, das richtig viel Spaß gemacht hat.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.07.2021

Berührend und ergreifend

Kleine Engel
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Ich habe mich erneut an einen für mich neuen Autor gewagt. Vorab hatte ich gelesen, dass der Autor mit seinem Konzept für dieses Buch die Thriller-Schule von Sebastian Fitzek gewonnen hat. Dadurch war ...

Ich habe mich erneut an einen für mich neuen Autor gewagt. Vorab hatte ich gelesen, dass der Autor mit seinem Konzept für dieses Buch die Thriller-Schule von Sebastian Fitzek gewonnen hat. Dadurch war die Messlatte der Erwartungen vom Anfang an natürlich sehr hoch gelegt. Aber ich wurde nicht enttäuscht.

Die „Fitzek-Schule“ hat man dem Buch dann auch angemerkt. Es gibt Kapitel aus der Sicht der Ermittler und solche aus der Sicht des/der Täter/s/in. Diese wechseln sich an den ungünstigsten – weil spannendsten - Stellen ab, so dass man als Leser fast wahnsinnig wird.

Hatte ich zu Anfang noch Befürchtungen, dass das Buch für mich zu „blutig“ sein könnte, wurde ich auch hier eines Besseren belehrt. Ganz im Gegenteil ist das Buch sehr einfühlsam beschrieben und bereits bei der Rekonstruktion des ersten „Selbstmordes“ habe ich das erste Mal zu Taschentüchern gegriffen.

Das Buch an sich ist aufgeteilt in Kapiteln, die aus Simons Sicht geschrieben werden und Kapitel, die aus Sicht des/der Täter/s/in geschrieben werden. Normalerweise stört mich so etwas extrem, weil diese Kapitel einfach zu viel verraten und mir als Leser einen Wissensvorsprung verschaffen, den ich gar nicht haben möchte. Bei „Kleine Engel“ jedoch hat es mich aber überhaupt nicht gestört. Im Gegenteil. Diese Einschübe braucht man, um sich auch in den/die Täter/in hineinversetzen zu können und sein Handeln zu verstehen.

Eigentlich hatte auch ich ziemlich früh gedacht, ich kenne den Täter. Aber im Verlauf des Buches wurde ich immer verwirrter. Hatte ich Recht? Oder war es doch eine ganz andere Person? War überhaupt alles ganz anders als es scheint? Wer spielt denn nun ein falsches Spiel? Dadurch wurde die Spannung das ganze Buch über gehalten.

Das Ende ist extrem offen und die Fortsetzung lächelt den Leser schon an … ich freue mich darauf.

Gestört haben mich allerdings mehrere – für mich unlogische – Abläufe:
So z.B. sitzt Simon im Auto und gibt 2 x die (gleiche) Adresse ins Navi ein
Oder bei einer Fahrt zu einem Tatort: Althoff würde für die Strecke 2 Stunden benötigen und Simon 35 Minuten … trotzdem ist Althoff früher da, obwohl der Stau, in dem er sich befunden hat, sich noch vor Althoffs Abfahrt aufgelöst hat.
Dies sind zwar nur Kleinigkeiten, aber gestört haben sie mich trotzdem, weshalb ich auch einen Stern in meiner Bewertung abgezogen habe.

  • Cover
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Veröffentlicht am 14.07.2021

Gelungener Auftakt mit einem etwas anderen Ermittler

Hundstage für Beck
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Ein neuer Autor ist für mich immer sehr spannend. Wie ist sein Schreibstil? Komme ich damit klar? Wie bringt er die Charaktere und die Story rüber? Kann man sich mit beiden identifizieren und ist mittendrin ...

Ein neuer Autor ist für mich immer sehr spannend. Wie ist sein Schreibstil? Komme ich damit klar? Wie bringt er die Charaktere und die Story rüber? Kann man sich mit beiden identifizieren und ist mittendrin oder „liest man einfach“?

Bei Tom Voss passt alles:
Das Buch ist richtig flüssig geschrieben und hat keine unnötigen Brüche, was ich sehr angenehm empfand. Der Schreibstil ist so einnehmend, man könnte das Buch theoretisch in einem Rutsch durchlesen. Es existieren kaum elendige Cliffhanger, die erst ewig später aufgelöst werden. Ich habe schon lange nicht mehr so flüssig durchlesen können.

Darüber hinaus war ich von Anfang an mit drin in der Geschichte, obwohl es doch schon sehr hollywoodmäßig war (ein fast ausgestorbener Ort im Nirgendwo, extreme Hitze und eine Tankstelle … fast wie im Wilden Westen g).
Dazu kommt, dass beide Hauptakteure überaus sympathisch sind (bei Nick trotz der schwarzer Flecken auf der weißen Weste ….. oder vielleicht gerade deshalb) und so richtig schön gegensätzlich (er allein, traurig, wütend, verzweifelt, das Gesetz auch mal biegend – sie gesetzestreu und hin- und hergerissen zwischen Job und Familienplanung).

Der Fall ist spannend und schon früh steht fest: Fast alle haben ihre Flecken auf der ach so weißen Weste. Nur wo ist lange nicht klar. Auch dadurch wurde ich gefesselt und hätte das Buch am liebsten erst gar nicht aus der Hand gelegt, was sehr außergewöhnlich bei mir ist, da ich eher nicht zu viel wissen und miträtseln möchte. Aber obwohl der Tatablauf früh feststand und es „nur“ um den Täter geht, hat mich das seltsamerweise diesmal überhaupt nicht gestört. Die Spannung hat sich das ganze Buch über auf einem sehr hohen Niveau befunden.

Und nebenbei erfährt man, dass Herr Voss auf Rockmusik steht: Nick L. Beck ☺

Jetzt freue ich mich auf den nächsten Teil und darauf, ob Nick sich gegenüber seinem Albtraum im Griff haben wird.

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Veröffentlicht am 25.06.2021

5 verdiente Sterne

Enna Andersen und der trauernde Enkel
1

Ich habe mich sehr auf die Fortsetzung der Reihe gefreut und wurde überrascht.
Die Autorin lässt sich immer wieder etwas Neues einfallen und spult nicht den üblichen Ablauf einfach herunter.

Sehr interessant ...

Ich habe mich sehr auf die Fortsetzung der Reihe gefreut und wurde überrascht.
Die Autorin lässt sich immer wieder etwas Neues einfallen und spult nicht den üblichen Ablauf einfach herunter.

Sehr interessant fand ich, dass diesmal Pia sehr nah am Team dran ist, da sie in den letzten Büchern eigentlich für die PC-Recherche zuständig war. Diesen Part hat diesmal ein neues Mitglied im Team übernommen.

Auch werden die Bücher, was die Ermittler angeht, immer persönlicher, was mir ebenfalls sehr gut gefällt.

Was den Fall angeht, so bin ich, die eigentlich immer stolz ist, das Rätsel selbst zu lösen, durch das Buch geirrt und hatte überhaupt keine Idee, worauf es hinauslaufen wird. Weder im ersten noch im zweiten Drittel. Es gibt kaum ergiebige Zeugenvernehmungen, aus denen man evtl. auf das Ende schließen könnte, noch wird dem Leser durch Kapitel aus Sicht des Täters geholfen. Hierfür Daumen hoch. Es gibt nichts Schlimmeres, als auf einem anderen, höheren Wissenstand zu sein als die Ermittler.

Im Laufe des Buches wird immer klarer, dass es eigentlich nicht um das „wer“, sondern eher um das „warum“ geht. Nur über das Motiv kommt man an den/die Täter/in.

Das letzte Drittel wird dann richtig furios. Man möchte überhaupt nicht aufhören und immer weiterlesen. Die Auflösung war für mich dann doch sehr überraschend und auch wenn man während der gesamten Lesezeit nicht wirklich eine Ahnung hatte, so wurden zum Ende hin alle Fragen beantwortet und der Fall logisch und vor allem überaus spannend aufgelöst.

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