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Veröffentlicht am 19.10.2024

Persönliches Plädoyer für mehr Gleichberechtigung

Empathie und Widerstand
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Empathie und Widerstand - über beide Begriffe allein kann man schon informative Bücher schreiben. Die Verbindung beider in einem klingt folglich vielversprechend.

"Empathie und Widerstand" von Kristina ...

Empathie und Widerstand - über beide Begriffe allein kann man schon informative Bücher schreiben. Die Verbindung beider in einem klingt folglich vielversprechend.

"Empathie und Widerstand" von Kristina Lunz versucht genau das mit feministischem Fokus.
Das flüssig und anschaulich geschriebene Sachbuch will einem dabei helfen, den eigenen moralischen Kompass und die eigene Haltung zu finden, um Menschlichkeit für eine gerechtere Welt zu zeigen. In einer von Krisen, Kriegen und gesellschaftlichen und sozialen Konflikten geprägten Zeit, wie der momentanen, von besonderer Bedeutung.

Eine ausführliche Diskussion der beiden Begriffe sollte man jedoch nicht erwarten.
Kurz und bündig, legt die Autorin verständlich und glaubhaft ihren Standpunkt dar, ohne wirklich tief ins Detail zu gehen. Lunz Ansichten und Standpunkten werden zwar deutlich und wieso es wichtig ist, einen moralischen Kompass zu haben, aber wie man dort hinkommt, ist nicht wirklich ein Thema. Ich erwarte keinen Ratgeber, aber eine Art Leitfaden wäre schön gewesen. Die wenigsten sind geborene Aktivisten.

Inhaltlich ist es dennoch ein interessanter Mix aus sachlichen Informationen über Empathie, Beispielen und persönlichen Gedanken und Erfahrungen aus ihrem Leben als Verfechterin einer nachhaltigen Entwicklung und einer feministischen Außenpolitik.
Gut strukturiert und thematisch aufbereitet, hätte ich mir nur eine tiefergehende Betrachtung von Empathie in Verbindung mit Empathie gewünscht.

Sicherlich wird nicht jede*r Lesende mit Lunz Argumenten übereinstimmen. Manchen Themen merkt man deutlich ihre Leidenschaft an, aber durch ihre Selbstreflexion und abwägende Haltung wird es zu keinem Zeitpunkt zu aktivistisch und einseitig.
Zum Nachdenken regt "Empathie und Widerstand" auf jeden Fall ein.

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Veröffentlicht am 19.10.2024

Langatmige Mördersuche im schwedischen Are

Blutbuße
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Die Immobilienentwicklerin Charlotte Wretlind wird brutal ermordet aufgefunden. Jemand muss starken Hass ihr gegenüber empfunden haben. Ist ihr Plan, ein Luxushotel zu errichten und dafür ein altes und ...

Die Immobilienentwicklerin Charlotte Wretlind wird brutal ermordet aufgefunden. Jemand muss starken Hass ihr gegenüber empfunden haben. Ist ihr Plan, ein Luxushotel zu errichten und dafür ein altes und verwaistes Berghotel abreißen zulassen, das Motiv des Täters oder steckt etwas anderes dahinter?

Was anfangs spannend klingt und durchaus atmosphärisch düster erzählt wird, verliert jedoch schnell an Schwung. Denn neben den polizeilichen Ermittlungen spielt das Liebesleben bzw. das heimliche Sehnen nach einem, eine große inhaltliche Rolle. Etwas weniger Privates hätte dem Erzählfluss sicherlich an der ein oder anderen Stelle gutgetan.

Da der Krimi aus verschiedenen Charakterperspektiven und in kurzen Kapiteln erzählt wird, kommt dennoch so was wie Spannung auf.
Auch die Personenzeichnung kann überzeugen, erhält man als Lesende doch ein umfassendes Bild der Gedanken und Gefühle der wichtigsten Akteure. Für Neugier sorgen auch die Einschübe eines Dienstmädchens von damals im alten Berghotel.

Der dritte Teil der Krimireihe rund um die Ermittlerin Hanna und ihren Kollegen Daniel ist, wie auch schon von den Vorgängerbänden gewohnt, flüssig und stimmungsvoll geschrieben.

Für Fans der Reihe lesenswert, aber nicht so stark wie die ersten beiden Bände.
Von einer strafferen Handlungsbeschreibung und weniger Nebensächlichkeiten hätte "Blutbuße" insgesamt profitiert.

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Veröffentlicht am 19.10.2024

Broken Promises

Broken Crystal
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Eine Gruppe von Klimaaktivisten, die etwas Hochexplosives zu planen scheinen, die koksende Milliardärstochter Crystal auf Abwegen und mittendrin ein Militärberater, der selbst ins Kreuzfeuer gerät.
"Broken ...

Eine Gruppe von Klimaaktivisten, die etwas Hochexplosives zu planen scheinen, die koksende Milliardärstochter Crystal auf Abwegen und mittendrin ein Militärberater, der selbst ins Kreuzfeuer gerät.
"Broken Crystal" klingt nach einem fesselnden Thriller mit Aktualitätsbezug, seinem Anspruch leider nicht ganz gerecht wird.

Die reichen Eltern von Crystal wollen, dass ihre Tochter sich von der Gruppe "Eternal Earth" lossagt und wieder zu ihnen zurückkehrt. Diesen Auftrag übernimmt der erzählende Militärberater. Um Crystal aus den Fängen der Klimaaktivisten zu befreien, versucht er das Vertrauen der Gruppenmitglieder zu erlangen. Doch die Zeit und die Pläne einzelner Gruppenmitglieder laufen gegen ihn und schon bald wird er selbst zum Gejagten.

Erzählt aus der Sicht eines Reporters und des Militärberaters, beginnt der Thriller spannend und rasant. Dadurch, dass der Militärberater seine Version der Geschichte erzählt, wie er auf die Most-Wanted-Liste des FBI gekommen ist, wird anfangs geschickt Neugier erzeugt. Denn man fragt sich, wer erzählt die wahre Geschichte.

Doch leider konnte die Spannung und das Interesse an der Handlung nicht konstant hochgehalten werden.
Zum einen verlor die Entwicklung der Geschichte besonders zum Ende hin deutlich an Glaubwürdigkeit und auch an inhaltlicher Tiefe.
Zum anderen verbleiben die einzelnen Charaktere in ihrer Beschreibung oberflächlich und einiger Stereotype. Es fällt einem so schwer, eine Verbindung zu den Handlungspersonen aufzubauen und ihre Motive für ihre Handlungen zu ergründen. Die Charaktere wirken wie Schablonen und bleiben blass, obwohl ihre Lebenshintergründe viel Potenzial für eine vielschichtige Handlung geboten hätten.

So ist alles in allem "Broken Crystal" ein kurzweilig erzählter Spannungsroman, der vielversprechend und stark beginnt, aber im weiteren Verlauf Schwächen in der inhaltlichen Ausarbeitung der Handlung aufweist und dadurch keinen bleibenden Eindruck hinterlässt.

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Veröffentlicht am 29.09.2024

Menschliche Abgründe im kalten Schweden

Wintersonnenwende (Wolf und Berg ermitteln 2)
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Rasant, eiskalt und brutal - so lässt sich "Wintersonnenwende", der Nachfolgeband von "Sommersonnenwende" zusammenfassen.
Von Anfang an erzeugt das Autorenduo Spannung, die bis zum Ende hochgehalten wird, ...

Rasant, eiskalt und brutal - so lässt sich "Wintersonnenwende", der Nachfolgeband von "Sommersonnenwende" zusammenfassen.
Von Anfang an erzeugt das Autorenduo Spannung, die bis zum Ende hochgehalten wird, um dann in einem packenden Höhepunkt zu gipfeln.


Erzählt aus wechselnden Perspektiven, darunter auch die der jungen Frau, die vom ersten Tatort flieht, taucht man in eine geheimnisvolle Mördersuche ein.
In der Silvesternacht von 1994 wird ein ehemaliger Beamter der schwedischen Geheimpolizei erschossen. Zunächst übernimmt die schwedische Geheimpolizei die Ermittlungen, doch Tomas und Zingo ermitteln weiter. Auch Vera betreibt Nachforschungen in dem Fall. Gleichzeitig beginnt sie aber auch herauszufinden, was es mit Kristians Verschwinden auf sich hat und welche Rolle sein Bruder Tomas dabei spielt. Die Spur im Falle des getöteten Beamten führt beide ins Rotlichtmilieu, auf den tschechischen Straßenstrich und in die Welt der Geheimdienste. Nach einer weiteren brutal gefolterten Leiche versorgen Tomas und Vera sich gegenseitig mit Informationen, um den Mörder zu stoppen.


Dank kurzer Kapitelabschnitte und unterschiedlichen Perspektiven fliegt man regelrecht durch die düstere Geschichte. Neue Hinweise auf den Mörder und überraschende Entwicklungen tragen ihren Teil dazu bei.
Von Beginn an wird hierbei deutlich, dass "Wintersonnenwende" nichts für Zartbesaitete ist, sind doch die gewaltvolle Ausbeutung der Prostituierten, Drogenabhängigkeit und seelische Traumata Themen der Handlung. So plagen Vera Schuldgefühle, weil sie nicht für Sigge da ist und Tomas ist ein seelisches Wrack.
All dies wird in "Wintersonnenwende" stimmungsvoll und geradlinig erzählt. Der Handlungsverlauf ist gezeichnet durch menschliche Abgründe und Gewalt, hoffnungsvolle Momente sind rar gesät.

Zum Ende hin wollen die Autoren leider etwas zu viel auf einmal und sorgen so dafür, dass die Glaubwürdigkeit der gut konstruierten und erzählten Handlung etwas leitet.

Wer schon Gefallen am ersten Band gefunden hat, wird auch seine Freude mit "Wintersonnenwende" haben.
Der Cliffhanger am Ende macht zudem neugierig auf eine Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 22.09.2024

Ruhig erzähltes Porträt eines Deserteurs

Und später für immer
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"Und später für immer" von Volker Jarck ist ein atmosphärisch verdichteter Roman, der in den letzten Wochen des 2. Weltkrieges spielt.

Gegenstand der Handlung ist der junge deutsche Soldat Johann, der ...

"Und später für immer" von Volker Jarck ist ein atmosphärisch verdichteter Roman, der in den letzten Wochen des 2. Weltkrieges spielt.

Gegenstand der Handlung ist der junge deutsche Soldat Johann, der als er mit seiner Einheit nahe seiner Heimat stationiert wird, desertiert. Unterschlupf findet er auf dem Heuboden des Hofes seiner Tante und seines Onkels. Während er sich dort versteckt, taucht man in seine Gedanken- und Gefühlswelt ein, die stark von seiner Liebe zu seiner Frau Emmy beherrscht wird. Er hofft so bald wie möglich zu ihr zurückzukommen und seinen Nachwuchs zum ersten Mal mit eigenen Augen zu sehen. Die Briefe von Emmy sowie seine Briefe an ihr halten seine Hoffnung hoch, bis eines Tages ein junges Mädchen aus der Nachbarschaft ihn entdeckt und seine Angst vor Entdeckung und Verrat wiederaufleben lässt.

Erzählt anhand von Rückblenden an seine Zeit als Soldat und mittels der Briefe an und von Emmy wird ein umfassendes Bild von Johann gezeichnet.

Stellenweise liest sich der 200 Seiten dünne Roman wie ein Kammerspiel. Vergangene Ereignisse werden nur im Vorübergehen gestreift, wodurch außer Johann andere vorkommenden Charaktere blass bleiben.

Der Roman lebt vor allem von seiner eindrücklichen Sprache. Unaufgeregt und mit wenigen Worten weckt der Autor ein stimmungsgeladenes Bild von Johann und seiner Umgebung.

Die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit Emmy hält den Spannungsbogen des Romans hoch, weshalb das abrupte Ende einen mit gemischten Gefühlen zurücklässt.

Etwas mehr Seiten hätten dem packend und stimmungsvoll dichten Roman sicher gutgetan.

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