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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.07.2024

Empathischer Blick auf das Älterwerden

Alte Eltern
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Das Älterwerden der eigenen Eltern wird irgendwann jeden mit Eltern treffen.
War man plötzlich noch Kind und kümmerten sich die Eltern um einen, so verschieben sich die Rollen. Man muss sich jetzt um die ...

Das Älterwerden der eigenen Eltern wird irgendwann jeden mit Eltern treffen.
War man plötzlich noch Kind und kümmerten sich die Eltern um einen, so verschieben sich die Rollen. Man muss sich jetzt um die Eltern kümmern und nicht andersherum.

Mit viel Empathie beschreibt Volker Kitz, wie sich sein Leben verändert, als sein Vater an Demenz erkrankt, immer mehr auf Hilfe angewiesen ist und zu vergessen beginnt.

Das Buch ist sehr persönlich und berührend, von der ersten Seite an. Man bekommt zum einen schonungslos offenen und ehrlichen Einblick in Kitzs Gedanken und Gefühle und lernt so auch seinen Vater als Person näher kennen. Dabei entsteht ein sehr respektvolles und liebevolles Porträt des Vaters. Auf wenigen Seiten schafft Kitz seinen verstorbenen Vater wieder zum Leben zu erwecken und einem selbst zum Nachdenken über die eigenen Eltern und ihr Älterwerden nachzudenken.

Neben Schilderungen von gemeinsamen Vater-Sohn-Momenten, Einblicken in die gemeinsame Vergangenheit und dem Verlauf der Krankheit bis zum Tod, wirft der Autor auch philosophische Gedanken und Zitate über das Erinnern an sich ein.

"Alte Eltern" ist ein Buch, das einen dank seines berührend bildhaften Schreibstils von Beginn an einen in seinen Bann zieht, trotz des schweren
Themas. Es ist ein wichtiges Buch, es betrifft doch irgendwie jeden. Das eigene Älterwerden oder das der Eltern sind ein Thema, mit dem man sich nicht gerne beschäftigt. Deswegen ist das Buch so wichtig und äußerst lesenswert!

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Veröffentlicht am 03.07.2024

Dicht erzählte Familiengeschichte

Das erste Licht des Sommers
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"Das erste Licht des Sommers" von Daniele Raimondi ist ein kurzweiliger und berührender Familienroman, dem es leider etwas an inhaltlicher Tiefe fehlt.

Im Mittelpunkt der über mehrere Jahrzehnte erzählten ...

"Das erste Licht des Sommers" von Daniele Raimondi ist ein kurzweiliger und berührender Familienroman, dem es leider etwas an inhaltlicher Tiefe fehlt.

Im Mittelpunkt der über mehrere Jahrzehnte erzählten Geschichte steht das Leben von Norma und die Sicht ihrer Tochter auf Norma als Mutter im gegenwärtigen Erzählstrang. Erzäht aus unterschiedlichen Perspektiven, hauptsächlich jedoch die von Norma in der Vergangenheit und ihrer Tochter in der Gegenwart, die sich um die todkranke Norma kümmert und über sie als Mutter nachdenkt. Man folgt Norma, wie sie in ihren 20er-Jahren nach London geht und sie wieder auf ihre große Liebe Elia aus Kindheitstagen trifft. Gleichzeitig muss sie auch mit dem Tod ihrer besten Freundin Donata klarkommen. Auch ihre Liebe zu Elia steht unter keinem guten Stern.

Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und von einer bildhaften Sprache geprägt. Von der ersten Seite an schafft sie es dadurch, die handelnden Personen mit ihren Gedanken und Gefühlen zum Leben zu erwecken. Kurze Kapitel bzw. Kapitelabschnitte tragen zusätzlich dazu bei, dass man nur so durch die Seiten fliegt.

Bedingt durch die Fülle von Ereignissen, Personen und Lebensjahren, die im Roman behandelt werden, fehlt es der Geschichte im Ganzen etwas an Tiefe. So verbleiben besonders die Nebencharaktere in ihrer Charakterisierung etwas blass. Auch inhaltlich wird vieles nur gestreift. Mehr Seiten hätten dem Roman sicher gutgetan.

Wer schon Gefallen an "An den Ufern von Stellata" gefunden hat, wird auch vom neusten Werk der Autorin nicht enttäuscht sein. Denn sprachlich ist es einfach eine wunderschön, atmosphärisch und bewegend erzählte Familiengeschichte, nur inhaltlich nicht so stark wie ihr anderes Werk.

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Veröffentlicht am 02.07.2024

Wenn die Vergangenheit sich meldet - Hochspannung pur!

Wenn sie lügt
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Nicht nur optisch kann der neue Thriller von Linus Geschke überzeugen, sondern auch inhaltlich.
Denn der von Anfang an spannend und atmosphärisch erzählter Thriller weiß mit einer gut konstruierten Geschichte ...

Nicht nur optisch kann der neue Thriller von Linus Geschke überzeugen, sondern auch inhaltlich.
Denn der von Anfang an spannend und atmosphärisch erzählter Thriller weiß mit einer gut konstruierten Geschichte voller Geheimnisse, die erst nach und nach gelüftet werden, zu überzeugen und so für packende Lesestunden zu sorgen.

Erzählt wird die Geschichte vorwiegend aus den Perspektiven der beiden Hauptpersonen Norah und Goran, die sie nach etwa 20 Jahren zum ersten Mal wieder in dem Ort ihrer Kinder- und Jugendjahre, dem thüringischen Waldesroda, treffen. Der Grund für Gorans Rückkehr aus Berlin sind Drohbriefe, die Norah bekommt, und an ein dunkles Kapitel aus ihrer gemeinsamen Jugendzeit erinnern. Denn vor 20 Jahren wurde Norahs damaliger Freund David zum Mörder und seitdem gilt Norah als die "Freundin des Killers". Goran und Norah versuchen gemeinsam herauszufinden, wer für die Briefe verantwortlich ist, denn der tote David kann es nicht sein oder doch? Im Laufe ihrer Suche nach dem mysteriösen Briefschreiber kommen so einige gut gehütete Geheimnisse ans Licht und bald schweben sie beide in Lebensgefahr.

Einmal mit dem Lesen angefangen, fällt es schwer, den fesselnd erzählten Thriller aus der Hand zu legen. Kurze Kapitel aus Sicht der Protagonisten, unterbrochen von einem ominösen "Er" und Rückblicken in das Jahr 2004, sowie überraschende Wendungen sorgen dafür, dass die Spannung konstant hochgehalten. Besonders zum Ende hin wird es rasant und auch blutig.

Gut gelungen ist auch die Charakterzeichnung von Norah und Goran, man gewinnt dank der unterschiedlichen Erzählperspektiven einen umfassenden und vielschichtigen Eindruck von ihnen und kann ihre Gedankengänge und Handlungen nachvollziehen.

Etwas zu kurz kam mir jedoch der psychologische Aspekt. Zwar gab es Ansätze, die Geschichte in diese Richtung zu entwickeln, diese wurden jedoch nicht konsequent bis zum Ende hin verfolgt. Dem Lesegenuss tut dies jedoch keinen Abbruch.

Nicht nur für Fans von Linus Geschke ein lesenswerter Thriller!

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Veröffentlicht am 23.06.2024

Keine Zeitverschwendung

Hast du Zeit?
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"Hast du Zeit?" ist die letzte Frage, die der Mörder seine Opfer fragt, bevor er sie entführt und sie später tötet.
Der ehemalige Polizist der Polizei des Bundestages Lars Erik Grotheer wird von seiner ...

"Hast du Zeit?" ist die letzte Frage, die der Mörder seine Opfer fragt, bevor er sie entführt und sie später tötet.
Der ehemalige Polizist der Polizei des Bundestages Lars Erik Grotheer wird von seiner Tochter Michelle um Hilfe gebeten, denn deren Freundin Conny fühlt sich seit längerer Zeit verfolgt. Jedoch kann er Connys Tod nicht verhindern. Grotheer lässt die Sache nicht los und fängt an, Nachforschungen anzustellen. Eine Sanduhr, die an die Familie der Vermissten geschickt wird, bringt Grotheer auf die Spur eines Serienmörders. Zeitgleich macht sich auch die Fotografin Lilly auf die Suche nach ihrer vermissten Partnerin Felicitas. Als dann noch Michelle verschwindet, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

Kurze Kapitelabschnitte erzählt aus verschiedenen Perspektiven, darunter auch die des Mörders, und dessen Opfer sorgen für ein hohes Erzähltempo und halten die Spannung konstant hoch. Der flüssige und schwungvolle Schreibstil des Autors sorgen ebenfalls dafür, dass man von Beginn regelrecht durch die Seiten fliegt und man beim Lesen nicht merkt, wie einem die Zeit durch die Finger rinnt.
Auch die Handlung kann mit gut gezeichneten Charakteren und einer düsteren und bedrohlichen Grundstimmung überzeugen.

Leider fehlte der Handlung an manchen Stellen an inhaltlicher Tiefe und besonders zum Ende hin ging es mir etwas zu schnell. So fügten sich manche Entwicklungen zu problemlos und nahtlos zusammen, wodurch die Handlung etwas an Glaubwürdigkeit verlor.
Es steht eindeutig der Schockeffekt und das Erzählen einer actionreichen Thrillerstory im Vordergrund und weniger das glaubhafte Aufdecken der Taten eines psychopathischen Serienmörders.

Wer Gefallen an rasant geschriebene Thriller mit verstörender Handlung findet, der kommt mit "Hast du Zeit?" definitiv auf seine Kosten. Nur in Bezug auf das Motiv des Serienmörders sollte man nicht zu zartbesaitet sein und einiges abkönnen. Denn die Beweggründe hinter seinen Taten sind wirklich verstörend und gruselig.
Nicht nur für Fans von Andreas Winkelmann lesenswert!

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Veröffentlicht am 10.06.2024

Rasanter Thriller ohne inhaltliche Tiefe

Das falsche Blut (Ishikli-Caner-Serie 2)
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"Das falsche Blut" ist der 2. Teil der Reihe rund um Ishikli Caner, ehemalige Auftragskillerin und nun Geheimagentin, der trotz seines rasanten Schreibstils und der vielversprechenden Handlungsprämisse ...

"Das falsche Blut" ist der 2. Teil der Reihe rund um Ishikli Caner, ehemalige Auftragskillerin und nun Geheimagentin, der trotz seines rasanten Schreibstils und der vielversprechenden Handlungsprämisse mich nicht komplett von sich überzeugen konnte.

Die Handlung verspricht zunächst Spannung. Ishiklis neuer Auftrag dreht sich um ein stummes Kind, welches dank ihrer besonderen Fähigkeiten nicht nur von ihr gesucht wird. Auch der französische Staatsschutz und die Handlanger eines Pharmakonzerns strecken ihre Finger nach dem Kind aus. Ein gefährlicher Kampf um das Kind und bald auch gegen die Freisetzung eines tödlichen Virus beginnt.

Erzählt aus verschiedenen Perspektiven und in kurzen Kapiteln wird von Anfang an ein flüssiger Lesefluss sowie Spannung erzeugt. Der Autor hält sich nicht lange mit Nebensächlichkeiten auf und fliegt nur von einer spannungs- und actiongeladenen Szene zu nächsten. Keine Verschnaufpause für die Lesenden und die handelnden Personen. So, wie es sich für einen Thriller auch gehört.

Doch leider kämpft der Thriller inhaltlich mit so einigen Schwächen. Zu viele Köche verderben bekanntlich den Brei und das ist auch leider hier der Fall.
Auf etwas mehr als 300 Seiten werden einfach zu viele verschiedene Handlungsstränge eingeführt und begonnen, ohne je wirklich tiefgehend behandelt zu werden. Alles wird nur so oberflächlich gestreift. Vielleicht werden so manche Entwicklungen erneut in einem Folgeband aufgegriffen, jedoch insgesamt fehlt es inhaltlich an Substanz.
Besonders der Handlungsaspekt rund um den Pharmakonzern kam mir deutlich zu kurz. Da habe ich mir einfach mehr skrupellose Aktionen und vor allem Einblicke in ihre Geschäfte und Beweggründe erhofft. Doch, enttäuschenderweise Fehlanzeige.
Infolgedessen wirkte die gesamte Handlung selbst für einen Thriller zu abgedreht und stellenweise wie ein billiger Action-Film.

Ebenso kann die Personenzeichnung auch nicht wirklich überzeugen. Zu stereotyp, zu machomäßig und zu oberflächlich. So scheinen Verletzungen, auch teils schwierige, die jeweiligen Personen nicht großartig zu beeinträchtigen und besonders Ishikli weiß sich aus jeder noch so schwierigen Situation zu befreien.

Kurz: Ein spannender Schreibstil sowie eine Handlung, die Schlag auf Schlag voranschreitet, allein reichen nicht für einen guten Thriller. Auch die Geschichte drumherum muss passen. Blasse und überzogene Charaktere sowie eine schwach erzählte Handlung sorgen eher für Frust als für Lust.

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