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Veröffentlicht am 13.04.2024

Ein Roman, der von seiner Stimmung und Sprache lebt

Das Fenster zur Welt
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"Das Fenster zur Welt" von Sarah Winman ist ein kurzweilig und sprachlich wunderschön erzählter Roman voller Leben und einzigartigen Charakteren, mit inhaltlichen Schwächen.

Eine zufällige Begegnung in ...

"Das Fenster zur Welt" von Sarah Winman ist ein kurzweilig und sprachlich wunderschön erzählter Roman voller Leben und einzigartigen Charakteren, mit inhaltlichen Schwächen.

Eine zufällige Begegnung in Florenz während des Krieges 1944 verbindet die Kunsthistorikerin Evelyn Skinner, die dort hilft, Kunstgegenstände vor der Zerstörung zu retten, mit dem jungen britischen Soldaten Ulysses Temper. Der Eindruck, den sie aufeinander machen, führt zu einer dauerhaften Freundschaft, auch wenn Jahre vergehen, bis sie sich wiedersehen. Evelyn geht zurück nach London, um dort zu unterrichten, und Ulysses kehrt nach London und zu den Menschen zurück, die er zurückgelassen hat, eine bunte und außergewöhnliche Truppe von Charakteren in dem Pub, in dem er gearbeitet hat. Die Geschichte fokussiert sich auf das Leben von Ulysses und Evelyn ohne die anderen bedeutenden Personen im Leben der beiden zu vergessen.

Genau dieses Ensemble von Figuren, deren Leben man über vier Jahrzehnte in London sowie in Florenz folgt, haucht dem Roman auch Leben ein. Man wird Zeuge ihrer Freundschaften, Freude, Liebe, Trauer und Verluste, während man in die italienische Kultur sowie in die Welt der Kunst, Literatur und Musik eintaucht, gestreift von historischen und geschichtlichen Ereignissen, wie die Flut in Florenz von 1966.

Man fliegt zwar dank der atmosphärischen und poetischen Sprache voller Emotionen und Bilder durch die Seiten, aber in Bezug auf das inhaltliche Geschehen verbleibt man nur an der Oberfläche.
Anfangs noch etwas langatmig erzählt, werden mit zunehmender Länge Entwicklungen und Ereignisse aneinandergereiht, die, bevor man sie greifen kann, wieder einem gleich aus der Hand gerissen werden. An der einen Stelle mehr Tiefe, an der einen weniger, hätte der Geschichte im Ganzen gutgetan.
Auch kam mir der Papagei Claude irgendwie zu kurz.

So hinterlässt insgesamt einen gemischten Eindruck. Sprachlich ein Genuss, inhaltlich mit Schwächen. Für Fans von Sarah Winman und Liebhabern charakterorientierter Romane, die mehr vom Gefühl und der Stimmung, die sie erzeugen, leben, als vom eigentlichen Inhalt.

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Veröffentlicht am 02.03.2024

Wirre Reise zu den Eltern

Trabant
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Georg Himmel ist als Trauzeuge seines besten Freundes in einem Hotel in Istrien, als er eine für ihn nicht bestimmte SMS seines Vaters bekommt. Die Nachricht an eine "Lisa" liest sich für Georg so, als ...

Georg Himmel ist als Trauzeuge seines besten Freundes in einem Hotel in Istrien, als er eine für ihn nicht bestimmte SMS seines Vaters bekommt. Die Nachricht an eine "Lisa" liest sich für Georg so, als hätte sein Vater eine Affäre. Georg sieht die Ehe seiner Eltern in Gefahr und macht sich in seinem alten Opel Corsa auf den Weg nach München an den Flughafen, um diese zu retten. Es folgt eine bizarre Reise quer durch Österreich bis nach München, sowie auch eine Reise durch seine Kindheitserinnerungen, an deren Ende er sich fragt, ob er seine Eltern wirklich so gut kannte, wie er dachte.

Dabei vermischen sich die Grenzen zwischen Einbildung, Realität, Wahrheit und Erinnerungen, was den Roman für mich mit zunehmender Seitenzahl immer undurchsichtiger und verwirrender machte.
So war für mich ein richtiger roter Faden leider nicht erkennbar, sodass der Roman mich am Ende etwas ratlos zurücklässt.

Zwar konnte das Ende mich etwas mit "Trabant" versöhnen, aber insgesamt konnte mich die Handlung nicht von sich überzeugen.
Zu wirr, zu unzusammenhängend und auch oberflächlich in seinen Handlungsverläufen, machen es einen schwer, den Roman im Ganzen zu fassen.
Vielleicht habe ich auch einfach nur dessen Sinn bzw. dessen Aussage nicht wirklich verstanden.

Die Stärke von "Trabant" liegt in seiner vielschichtigen Charakterzeichnung und bildhaften Sprache. Mit wenigen Worten schafft der Autor das Bild eines feinfühligen Georg zu zeichnen, der trotz seiner Eigenheiten und teils irrationale Ängste, zu faszinieren weiß. Ebenso werden sein Freund und seine Eltern lebendig, auch wenn Letztere zum Ende hin an etwas an Kontur verlieren.

Darüber hinaus, hätte dem Roman ein paar Seiten mehr sicherlich gut getan, sodass das vorhandene Potenzial besser genutzt hätte werden können.
So fühlt sich sich "Trabant" etwas unfertig und ziellos an.

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Veröffentlicht am 02.03.2024

Die Absenz der Königin

Das Lächeln der Königin
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"Das Lächeln der Königin" ist ein interessanter Roman über die Büste der Nofrete, in dem ebenjene Königin selbst seltsam abwesend ist.

Erzählt vorwiegend aus der Sicht von James Simon, einen jüdischen ...

"Das Lächeln der Königin" ist ein interessanter Roman über die Büste der Nofrete, in dem ebenjene Königin selbst seltsam abwesend ist.

Erzählt vorwiegend aus der Sicht von James Simon, einen jüdischen Textilunternehmer Anfang des 20. Jahrhunderts in Berlin, taucht man in das Berlin von 1913 bis 1925 ein. Simon ist ein Kunstliebhaber und unterstützt die archäologischen Ausgrabungen seines Freundes Ludwig Borchart in Ägypten. Dort findet Borchart die Büste der Nofrete und bringt sie nach Berlin. Zunächst wird sie jedoch nicht ausgestellt, aber als die wirtschaftliche und finanzielle Situation in den 20er-Jahren immer schlechter für Simon wird, entschließt er sich, die Büste in Berlin öffentlich im Museum auszustellen.

Was nach einem spannenden historischen Roman klingt, konnte mich nur bedingt überzeugen.

Besonders Anfang fliegt man nur so durch die verschiedenen Jahre, was es teilweise schwer macht, den Überblick über den zeitlichen Ablauf zu behalten. Zum Ende hin ist es jedoch übersichtlicher.
Der Schreibstil ist flüssig, aber etwas emotionsarm. So bleiben einen die Protagonisten fremd und an manchen Stellen liest es sich eher wie ein historischer Sachtext anstatt wie ein historischer Roman.

Mein Hauptkritikpunkt ist jedoch, die inhaltliche Abstinenz der Büste der Nofrete.
Ich hatte vermutet, dass ihre Entdeckung und Ausstellung mehr im Fokus stehen würde.
Stattdessen stehen ab der zweiten Hälfte des Buches mehr die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in Deutschland im Vordergrund, auch wenn nicht wirklich tiefgehend.
So verbleibt der Roman leider irgendwo zwischen historischen Sachbuch und historischen Roman stehen ohne einem von beiden so richtig gerecht zu werden. Potenzial wäre da gewesen.

Zugutehalten kann man der Autorin die historischen und wissenschaftlichen Fakten, die sie durchaus kurzweilig in die Handlung einbaut. Eine einnehmendere, weniger oberflächlichliche und mehr fokussierte Rahmenhandlung hätte der Geschichte jedoch gut getan.

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Veröffentlicht am 02.03.2024

Nichts ist wie es scheint - spannender und überraschender Psychothriller

Gestehe
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Wer auf der Suche nach einem fesselnden Psycho-Thriller mit Überraschungseffekt ist, macht mit dem neusten Buch aus der Feder von Henri Faber nichts falsch.

Spoiler
Jacket ist ein als Held gefeierter ...

Wer auf der Suche nach einem fesselnden Psycho-Thriller mit Überraschungseffekt ist, macht mit dem neusten Buch aus der Feder von Henri Faber nichts falsch.

Spoiler
Jacket ist ein als Held gefeierter Ermittler der Wiener Polizei, nachdem er sich aus den Fängen eines grausamen Organhändlerrings befreit hat und dabei einem kleinen Mädchen das Leben gerettet hat. Seine Heldengeschichte wurde zum Bestseller, ein zweiter Band mit dem Namen "Gestehe" in Aussicht.
Als Jacket zu einem Tatort gerufen wird, läuft es ihm nicht nur wegen der grausam zugerichteten Leiche eiskalt den Rücken herunter, denn der Tatort entspricht genau dem aus dem bisher unveröffentlichten Skript zu "Gestehe". Zunächst glaubt er an einen Zufall, aber als eine weitere Leiche auf gleicher Art und Weise aufgefunden wird, wie im Skript beschrieben, ist Jacket alarmiert. Unter Hochdruck versucht er herauszufinden, was dahinter steckt und wer ihm schaden will. Doch kann man Jacket vertrauen?

Der Anfang von "Gestehe" hat es mir nicht leicht gemacht. Doch es lohnt sich durchzuhalten, auch wenn die ersten Seiten etwas befremdlich wirken.
Jacket ist nicht wirklich ein Charmebolzen und auch die anderen handelnden Figuren erscheinen nicht gerade sympathisch. Zudem braucht der Thriller etwas, bis er an Fahrt aufnimmt. Aber wenn er es dann nach ein paar Kapiteln schafft, entwickelt er eine regelrechte Sogwirkung und es fällt schwer ihn aus der Hand zu legen.

Erzählt aus der Perspektive von Jacket, Mo, einem weiteren Ermittler und einem ominösen ER, wird schnell Spannung erzeugt und geschickt ein Verwirrspiel zwischen Wahrheit und Lüge aufgebaut. Denn man fragt sich schnell, ob man Jacket vertrauen kann oder ob er alle täuscht.
Der Thriller besticht dabei durch eine vielschichtige Charakterzeichnung, sodass Mo und Jacket einem, trotz aller ihrer Charakterschwächen, irgendwie ans Herz wachsen.
Auch gesellschaftliche Entwicklungen finden Eingang in die Handlung, ohne hierbei diese zu dominieren und den fesselnden Handlungsverlauf zu stören.

Als die Schlinge sich immer enger um Jacket zusammenzieht, gipfelt der Thriller in einem dramatischen und actionreichen Finale, weiß danach nochmal zu überraschen, um dann schließlich mit einer versöhnlichen Note zu enden.

"Gestehe" ist ein Psycho-Thriller, der seinem Namen gerecht wird, einiges an Überraschungen bereithält und bei dem nichts ist, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint.
Spannung, vielschichtige Charaktere und eine gut durchdachte Handlung sorgen für packende Lesestunden. Ein nahezu perfektes Nerven- und Psychospiel, genau was man sich von einem guten Thriller wünscht!

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Veröffentlicht am 02.03.2024

Langweilige Jugend

Klarkommen
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Eines muss man der Autorin lassen, gut schreiben kann sie. Ihr Schreibstil ist flüssig, bildhaft und hat etwas leicht Melodisches.

Da hört es leider mit den guten Punkten über "Klarkommen" für mich aber ...

Eines muss man der Autorin lassen, gut schreiben kann sie. Ihr Schreibstil ist flüssig, bildhaft und hat etwas leicht Melodisches.

Da hört es leider mit den guten Punkten über "Klarkommen" für mich aber auch schon auf. Denn inhaltlich begegnet einem beim Lesen eine gähnende Leere.Es wird von einer ereignisarmen Kindheit, Jugend und Studienzeit erzählt ohne irgendwelche Höhepunkte.
Keine nennenswerte Handlung wäre nicht weiter schlimm, wenn wenigstens die Charaktere interessant wäre. Doch weder die Erzählerin noch ihre Freunde, Familie oder andere Bekanntschaften hinterlassen einen bleibenden Eindruck beim Lesen der kurzen Kapiteln (manche nicht mal eine Seite lang). Die Figuren bleiben erschreckend ungreifbar und unnahbar. Eine emotionale Verbindung entsteht zu keiner Zeit.

Ja, ich klargekommen bin ich mit dem Roman, aber was er sein will, erschließt sich mir nicht so ganz. Es ist kein Coming-of-Age-Roman, es ist keine Reflexion über die eigene Jugend und das Erwachsenwerden, sondern es liest sich einfach nur wie ein gelangweilter Blick zurück, denn man im nächsten Moment schon vergessen hat.

Sprachlich gut, inhaltlich blass.
Vielleicht bin ich auch einfach die falsche Zielgruppe und kann mich deswegen nicht in dieser nüchtern beschriebenen Jugend der Erzählerin wiederfinden.

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