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Veröffentlicht am 02.11.2020

But what if we won't?

What if we Drown
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„Wenn du glücklicher sein willst, wach auf und mach jemandem ein Kompliment. Schreib drei Dinge auf, für die du dankbar bist. Kau langsamer. Sag Danke und Bitte, auch bei den Leuten, die du täglich um ...

„Wenn du glücklicher sein willst, wach auf und mach jemandem ein Kompliment. Schreib drei Dinge auf, für die du dankbar bist. Kau langsamer. Sag Danke und Bitte, auch bei den Leuten, die du täglich um dich hast. Versuch immer, der Beste zu sein in der Sache, für die du am meisten brennst. Vor allen Dingen, weil unsere Zeit kurz und nie gewiss ist. Sei du selbst, sei dankbar, hör nie auf zu lernen, hör nie auf zu wachsen.“

Worum geht’s?
What if we drown spielt in Vancouver, an der Westküste Kanadas. Laurie will dort einen Neuanfang wagen und die traumatischen Erlebnisse ihrer Vergangenheit endlich hinter sich lassen. Doch schon in der ersten Woche ihres Medizinstudiums lernt sie Sam kennen und ahnt nicht, wer er ist und wie tief er in die Ereignisse jener Nacht verstrickt war, die ihren Bruder das Leben kostete.

Meine Meinung
Ich liebe, liebe, liebe dieses Buch. Selten hat mich ein Roman so sehr eingenommen und mitgerissen. Schon das Cover lässt erahnen, was einen zwischen diesen Seiten erwartet: Gefahr, Ungewissheit, Freiheit, Schmerz und Liebe.

Der Schreibstil
Was mir besonders gefallen hat, war der Schreibstil. Sarah Sprinz beschreibt alles mit einer solchen Hingabe und hat die seltene Fähigkeit, immer genau die richtigen Worte zu finden. Das fängt damit an, wie sie die Unterkunft beschreibt, mit solcher Liebe zum Detail, dass der Leser nur erahnen kann, wie viele Stunden sie auf Pinterest verbracht haben muss. Ich hatte selten beim Lesen so klare Bilder vor Augen, habe mich so pudelwohl gefühlt an einem Ort den ich nie mit eigenen Augen gesehen habe. Am liebsten hätte ich direkt selbst spontan ein Flugticket nach Vancouver gebucht.

Doch besonders die Kapitel, in denen es um Lauries Vergangenheit geht, kurze Ausschnitte aus ihrer Erinnerung, haben mich vollkommen eingenommen. Allein das Kapitel „die Höhepunkte und der Fall“, war literarisch kaum zu übertreffen. So unverblümt und ehrlich. So voller Endorphine und Schuld und Schmerz.

Die Charaktere
Dasselbe gilt für die Charaktere. Laurie ist eine Protagonistin, mit der ich mich zu 100 Prozent identifizieren konnte. Es ist schwer vorstellbar, schwer in Worte zu fassen, wie tief der Schmerz, die Schuld und die Hilflosigkeit in ihr verankert sein müssen. Und dennoch ist sie so stark und mutig. Zerrissen von der Last der auf ihr liegt, der Mensch zu werden, von dem sie denkt, der sie sein sollte und dem, der sie eigentlich ist und gerne wäre. Die die ihren Bruder rächt und so wütend ist auf das Leben und das Schicksal, die sein Vermächtnis stets in Ehren hält und das beenden möchte, was er angefangen hat. Und der echten Laurie, die kitet und lebt wie sie will und liebt wen sie will; und die es sich erlaubt glücklich zu sein und das Leben zu genießen, auch wenn Austin das nun nicht mehr kann.
Weil es okay ist, weiterzumachen. Nach vorne zu sehen, und nicht immer nur zurück.

Und Sam? In Sam habe ich mich einfach Hals über Kopf verliebt. Verständnisvoll und tiefgründig, „emotional intelligent“ beschreibt es perfekt. Ich wünschte, Männer wie ihn, würde es auch in der echten Welt geben. Am Anfang war ich super skeptisch, habe mich auf Lauries Seite geschlagen. Dachte er lügt vielleicht, dachte, da müsste doch irgendein Haken sein. Doch es kam keiner. Sam ist perfekt. Manchmal kommt nach dem Fall der Flug, nach der Hölle der Himmel. Ich weiß nicht wer das sonst verdient hat, wenn nicht Laurie. Und ich bin so unendlich froh, dass sie das gemeinsam überlebt haben. Als hätten sie sich gesucht und gefunden.

Alle weiteren Charaktere, Kian, Teddy, Amber, Hope und Emmett, runden die Geschichte perfekt ab. Sie sind es, die dieses Buch zu einem Zuhause machen. Den Wohlfühlfaktor verleihen. Die, die diese Geschichte zu meiner Antwort machen, auf die Frage, in welchem Roman ich gerne leben würde. Besonders Hope, mit ihrer lebensfrohen und einnehmenden Art, hat mich super neugierig gemacht, weshalb ich mich unglaublich auf „what if we trust“ freue.

Das Setting
Was sicherlich auch viele neugierig macht ist die Tatsache, dass Laurie Medizin studiert und auch dieses viel thematisiert wird. Mein Greys-Anatomy-Herz hat das auf jeden Fall höher schlagen lassen. Besonders da Sarah Sprinz selbst Medizin studiert, (an dieser Stelle möchte ich kurz hervorhaben, wie ein Mensch gleichzeitig ein so anspruchsvolles Studium meistern und nebenbei einen unvergleichlichen Roman wie diesen schreiben kann ?!) was diesen Roman umso authentischer und aufregender macht. Sarah lässt den Leser nicht nur ein wenig kanadischer Seeluft, Burritos, Lagerfeuer und S’Mores schnuppern - sondern auch Formalin, Angstschweiß und Tod.

Fazit
„What if we drown“ ging mitten ins Herz. Ich habe selten einen Roman gelesen, der so facettenreich ist. Tiefgründig, mitreißend und hochemotional. Tieftraurig und schmerzhaft und gleichzeitig wunderschön. So voller ‚Neuanfang‘ und ‚Abschied‘, voller ‚sich verlieren‘ und ‚wiederfinden‘. Voller ‚fallen‘ und ‚wachsen‘. Voller ‚du‘ und ‚ich‘ und schließlich ‚wir‘.
Mit „what if we drown“, hat Sarah Sprinz nicht nur mein Jahreshighlight 2020 geschrieben, sondern auch eines der besten New Adult Romane die ich bisher gelesen habe. Und ich kann gar nicht mit Worten beschreiben, wie sehr ich mich auf die beiden Fortsetzungen freue.
Danke Sarah!

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl