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Veröffentlicht am 28.10.2025

Sensibler, herzzerreißender Roman über einen viel zu alltäglichen Femizid

Da, wo ich dich sehen kann
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Mit Feingefühl und Menschlichkeit erzählt Jasmin Schreiber in "Da, wo ich dich sehen kann" von den Menschen, die nach dem Femizid an Emma zurückbleiben und mit dem Unverständlichen versuchen zu leben. ...

Mit Feingefühl und Menschlichkeit erzählt Jasmin Schreiber in "Da, wo ich dich sehen kann" von den Menschen, die nach dem Femizid an Emma zurückbleiben und mit dem Unverständlichen versuchen zu leben. Im Mittelpunkt stehen Emmas kleine Tochter Maya, ihre beste Freundin Liv und ihre Eltern Brigitte und Per, die alle auf ganz unterschiedliche Weise mit ihrem Tod zu kämpfen haben.

Extrem gut fand ich, dass die konkrete Tat nicht im Detail nacherzählt wird und auch der Täter, Emmas Mann Frank, so gut wie keinen Raum bekommt. Er wird ab und zu erwähnt, wenn es für die Handlung relevant ist, aber sonst spielen er, seine Gefühle oder Motive keine Rolle. Sowohl in der medialen Berichterstattung zu Femiziden als auch in Büchern, Filmen etc. ist das zu oft anders. Die Taten werden als "Familiendrama" bezeichnet, Täter erhalten mehr Aufmerksamkeit als ihre Opfer und zu oft werden gerade die Täter betont menschlich präsentiert, als wenn es irgendwelche Gründe gäbe, einen Mord zu relativieren. Das passiert hier überhaupt nicht. Die Autorin gibt den gesamten Raum den Menschen in Emmas Leben, die ihr wohlgesonnen waren und die nun mit dem Verlust und den damit verbundenen komplexen Gefühlen weiterleben müssen.

In einigen Rückblenden erleben wir zudem Emma. Auch dort kommt der Täter nur soweit nötig vor. Gleichzeitig gelingt es der Autorin aber, ein erschreckend genaues Bild einer toxischen Beziehung zu zeichnen, von dem großen Altersunterschied über Gaslighting und Isolation, bis die Gewalt immer weiter eskaliert und ihr Mann Emma ermordet. Das fühlt sich alles erschreckend lebensnah an, weil es leider Realität ist. Wie gut, dass Jasmin Schreiber so ein wichtiges und aktuelles Thema schriftstellerisch so hervorragend aufbereitet hat.

Der Roman ist sehr durchdacht gestaltet. Jedes Kapitel leitet neben dem Namen der Person auch eine Illustration einer Sternenkonstellation ein. Zudem gibt es immer mal wieder Zeichnungen von Maya sowie total herzzerbrechend drei Einschübe, in denen Per, Brigitte und Liv eine alternative Wirklichkeit vorstellen, in der sie zu Emma durchgedrungen sind und ihr helfen konnten. Diese Seiten sind in Schwarz mit weißem Text gestaltet und reißen optisch aus der erzählten Realität heraus. Das passt auch perfekt zu dem Motiv der parallelen Welten, das immer wieder aufgegriffen wird.

Ich habe den Fehler gemacht, das Buch zum Teil im Zug zu lesen. Aber na ja, öffentlich Heulen beim Lesen ist auch mal eine besondere Erfahrung. Wer sich für eine menschliche, feministische, empathische, nicht-voyeuristische Geschichte über die erschreckend alltägliche Gewalt an Frauen und deren Folgen interessiert, sollte "Da, wo ich dich sehen kann" unbedingt lesen.

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Veröffentlicht am 29.09.2025

Wer gerne süß backt, kommt voll auf seine Kosten

Cozy baking time
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Mit diesem Backbuch können Herbst und Winter kommen! Auf über 150 Seiten hat Theresa Haubs Backrezepte für die kalten Jahreszeiten zusammengestellt und liebevoll aufbereitet. Neben allen möglichen Kuchen ...

Mit diesem Backbuch können Herbst und Winter kommen! Auf über 150 Seiten hat Theresa Haubs Backrezepte für die kalten Jahreszeiten zusammengestellt und liebevoll aufbereitet. Neben allen möglichen Kuchen und Muffins gibt es auch Rezepte für Crumbles, Cookies, Croissants und vieles mehr. Neben erwartbaren Zutaten wie Zimt, Marzipan und Orangen war ich besonders gespannt auf etwas modernere Rezepte wie die Plätzchen mit Salted Caramel. Auch wenn noch nicht Weihnachten ist, habe ich die als erstes nachgebacken und konnte der Anleitung ohne Probleme folgen. Während ich es gut fand, dass ich das Salted Caramel nicht selbst zubereiten musste (wäre mir zu aufwendig gewesen), sondern auf ein fertiges Produkt zurückgreifen konnte, hatte ich doch etwas Probleme, ein passendes Produkt zu finden und es letztendlich online bestellt. ganz so einfach wie behauptet, sind also doch nicht alle Rezepte. Die Apfelrosen habe ich auch schon probiert, ein toller Tipp und mit gängigen Zutatetn zuzubereiten.

Sehr appetitlich und ansprechend finde ich die Fotos. Die kleinen Smilys und die Untertitel in Schreibschrift geben den Rezepten eine persönliche und sympathische Note. Im Vergleich zum Cover, das wirklich sehr "cozy" daherkommt, sind die Rezeptseiten dann aber doch recht clean und schlicht gehalten, das fällt beim physischen Durchblättern noch einmal mehr auf als bei der digitalen Leseprobe. Insgesamt aber ein schönes, wenn auch nicht revolutionäres Rezeptbuch, das sich auch gut als Geschenk eignet für alle Jüngeren, die gerne backen.

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Veröffentlicht am 29.09.2025

Mikrokosmos einer wohlhabenden chinesischen Familie zeigt Klassenunterschiede

Schwanentage
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Der Schwan ist eigentlich eine Gans und auch sonst ist vieles nicht, wie es scheint. Zhang Yueran gibt in ihrem mitreißenden Roman "Schwanentage" Einblicke in das Leben einer wohlhabenden Familie, die ...

Der Schwan ist eigentlich eine Gans und auch sonst ist vieles nicht, wie es scheint. Zhang Yueran gibt in ihrem mitreißenden Roman "Schwanentage" Einblicke in das Leben einer wohlhabenden Familie, die weit oben in der chinesischen Gesellschaft steht, und deren Hausangestellten. Das eingespielte Leben wird plötzlich durch mehrere Ereignisse komplett auf den Kopf gestellt. Der Großteil der Handlung spielt im Haus der Familie und die Autorin schafft einen Mikrokosmos, in dem sehr unterschiedliche Lebensmodelle, Erwartungen und Wünsche aufeinanderprallen.

"Für ärmere Leute ist Geld etwas Persönliches, für Reiche ist es eine Familienangelegenheit." (S.191)

Klasse und Klassenunterschiede sind ein zentrales Motiv des Romans. Da die 2 wichtigsten Hausangestellten im Haus der Familie leben und dort ihr eigenes Zimmer haben, sind ihre Leben völlig mit dem der Familie verwoben. Die Autorin zeigt geschickt den Unterschied zwischen den Hausherren, obwohl die während der Geschichte fast vollständig abwesend sind, und besonders dem Kindermädchen Yu Ling. Gleichzeitig verdeutlicht sie aber auch, dass die im Haus lebenden Angestellten ganz anders leben als Bedienstete, die beispielsweise Lebensmittel liefern, aber nicht in direkten Kontakt mit den wohlhabenden Familien stehen. Die im Haus wohnenden Angestellten erhalten nicht nur Einblicke in Geheimnisse der Reichen und Mächtigen, sie erleben deren Luxus auch hautnah mit, ohne wirklich selbst daran teilhaben zu können. Dieser Widerspruch zeigt sich besonders gut im Kindermädchen Yu Ling, die den Sohn der Familie mit Liebe betreut und ihn zum Mittelpunkt ihres Lebens macht, und ihn gleichzeitig für eine fingierte Entführung nutzen will, um Geld von ihrem Arbeitgeber zu erpressen und selbst mit ihrem Freund ein besseres Leben führen zu können. Ein faszinierender Charakter, der sich im Laufe des Romans auf interessante Weise entwickelt.

Der nüchterne, klare Schreibstil hat mir hervorragend gefallen. Hätte ich die Zeit gehabt, hätte ich das Buch in einem Rutsch durchgelesen, so flüssig ließ es sich lesen.

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Veröffentlicht am 31.08.2025

Verharmlost Tradwives und bleibt oberflächlich

Heimat
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Obwohl ich mich sehr auf das Buch und besonders das Thema gefreut habe, bin ich nach der Lektüre leider ernüchtert. Die Autorin schreibt wirklich gut, man kommt schnell in einen Lesefluss. Die Handlung ...

Obwohl ich mich sehr auf das Buch und besonders das Thema gefreut habe, bin ich nach der Lektüre leider ernüchtert. Die Autorin schreibt wirklich gut, man kommt schnell in einen Lesefluss. Die Handlung erzählt Hannah Lühmann in sehr kurzen Episoden, zwischen denen oft undefinierte Zeitsprünge liegen, sodass zwischen zwei Absätzen auch mal ein paar Wochen oder Monate vergehen zu scheinen. Durch diese kurzen Blitzlichter erhält das Buch am Anfang schnell ein hohes Erzähltempo. Das hat mich nach einer Weile aber frustriert, weil zwar schnell, aber wenig tief erzählt wird. Ich habe kein richtiges Gefühl für die erzählte Zeit bekommen und durch die kurzen Einblick in das Leben der Figuren bleiben fast alle auf Distanz. Auch die Freundschaft zwischen Jana und den Frauen ihres neuen Wohnortes fühlt sich dadurch für mich oberflächlich an und ich kann sie nicht wirklich nachvollziehen, da sich hier kaum eine logische Bindung zwischen den Frauen aufbaut.

Das Buch hält leider nicht, was der Klappentext verspricht. Er kündigt beispielsweise an, dass die auf Social Media inszenierte Familienidylle von Janas neuer Bekannten Karolin in Wahrheit alles andere als perfekt ist. Das wird im Buch zwar mehrfach angedeutet und dramatisch aufgebauscht, aber nie aufgelöst. Dazu kommt ein plötzlich sehr mysteriöses und viel zu abruptes Ende. Janas Angst, die der Klappentext anteasert, bleibt ebenfalls diffus. Ängstlich wirkt sie nicht.

Dazu kommt, dass Jana bereits vor dem Umzug in die ländliche Region und vor ihrem ersten Treffen mit Tradwive Karolin in die konservative Richtung driftet. Sie ist mit ihrem 3. Kind schwanger und kündigt ihren Job, ohne mit ihrem Mann zu sprechen. Der scheint andere Werte als seine Frau zu vertreten, bleibt aber blass und eher unsympathisch. Die wenigen Zweifel, die Jana angesichts Karolins Aussagen hat, schiebt sie schnell zur Seite zu schieben und nicht zu reflektieren. Stattdessen schließt sie sich meist sofort Karolins Meinung an, sodass hier kaum eine nachvollziehbare Entwicklung stattfindet. Dadurch dass jede echte kritische Auseinandersetzung mit dem dargestellten Ultrakonservatismus fehlt, wirkt das Buch letztendlich verharmlosend auf mich.

Auch in vielen Details lässt mich das Buch ratlos zurück. Mit ihren 7.000 Follower:innen ist Karolin Mikro-Influencerin, aber so richtig ergibt ihr Content keinen Sinn. Klar, sie postet vieles, was man mit Frauen der extremen Rechten verbindet - Tradwive-Content mit konservativen Idealen à la Backen und Kindererziehung zuhause, aber auch Heimatverherrlichung und Angstschüren. Janas Beobachtung, dass Karolin auch viele nicht-deutschsprachige Menschen auf Instagram folgen, soll erklären, warum Karolin manche ihrer generischen Captions auf Englisch verfasst. Das meiste schreibt und spricht sie aber auf Deutsch, sodass eine nennenswerte Menge nicht-deutschsprachiger Follower:innen unrealistisch ist. Es klingt auch so, als wäre die Autorin eher mit Facebook vertraut und wollte dessen Funktionsweise auf Instagram übertragen. Während man auf Facebook einzelne Beiträge öffentlich und den Rest privat veröffentlichen kann, ist das auf Insta meines Wissens nicht möglich. Es fühlt sich an, als hätte die Autorin den Tradwive-Trend uns Social Media als Kulisse gewählt, weil das Thema hochaktuell ist, sich aber nicht besonders tief damit beschäftigt. Andere Fehler sind einfach unnötig und zeugen von mangelnder Recherche, z.B. die Behauptung, dass Bürgergeld zusätzlich zum Kindergeld gezahlt wird (das Kindergeld wird vom Bürgergeld abgezogen) oder dass Jana monatelang rückwirkend Bürgergeld erhalten kann (man erhält es nur rückwirkend bis zum Zeitpunkt der Antragstellung, aber nicht davor, auch wenn man Anspruch gehabt hätte).

Na ja, vielleicht funktionieren Social Media, Sozialleistungen und Co so in der nahen Zukunft, die die Autorin beschreibt und das ist ihre Version der Zukunft. Dann wäre für mich aber viel Potential verschenkt. Denn zu klassischen Rollenbildern, nach denen sich Jana ja nun sehnen soll, gehört eben auch die Arbeitsteilung Frau kümmert sich um Haus und Kinder, Mann verdient das Geld. Warum geht der Roman nicht darauf ein, wie sich Jana als Bürgergeldempfängerin fühlt, wo das doch dem von ihr anvisierten Familienmodell widerspricht? Was denkt sie über 50/50-aufgeteilte Kindererziehung, die müsste doch auch ihren neuen Werten widersprechen? Das hätte so viel Potential für interessante Reflektionen gehabt. Vielleicht könnte man sagen: Möglicherweise möchte die Autorin zeigen, dass auch viele Möchtegern-Tradwives nicht voll hinter den Werten stehen, die sie nach außen als Fassade verkörpern oder dass Reden leichter als Machen ist. Das gelingt der Autorin mit einigen der Nebencharakteren, aber nicht mit Jana. Obwohl sie die Protagonistin ist, bleibt Jana für mich leider in vielen Aspekten nicht greifbar. Das ist schade.

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Veröffentlicht am 10.07.2025

Potential verschenkt: Männlicher Machtmissbrauch in der Kulturbranche

Standing Ovations
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"Standing Ovations" lässt mich etwas frustriert und mit enttäuschten Erwartungen zurück. Deswegen - sorry, Alex Lyons - gibt es nur 3 unentschlossene Sterne. Für einen Stern ist es viel zu gut, für 5 Sterne ...

"Standing Ovations" lässt mich etwas frustriert und mit enttäuschten Erwartungen zurück. Deswegen - sorry, Alex Lyons - gibt es nur 3 unentschlossene Sterne. Für einen Stern ist es viel zu gut, für 5 Sterne bei weitem nicht gut genug.

Ich wollte das Buch so gerne lieben: Es spielt in der britischen Kulturszene, besonders beim Edinburgh Fringe Festival, einer kreativen, pulsierenden Umgebung, bei der die unterschiedlichsten Kunstformen und Künstler:innen aufeinandertreffen. Die Prämisse klingt spannend und auch die Charaktere vielversprechend.

Der Kritiker Alex Lyons rezensiert das Stück der Newcomerin Hayley Sinclair, wertet sie ab und gibt ihrer Performance nur einen Stern. Nachdem er die Rezension bei seiner Zeitung eingereicht hat, trifft er Hayley zufällig und verbringt die Nacht mit ihr. Erst am nächsten Morgen erfährt sie von der vernichtenden Kritik und fühlt sich absolut betrogen von Alex, der nichts davon erwähnt hatte. Für Alex ist das ein typisches Muster: Er schleppt Frauen ab, macht sich keine Gedanken, wie er sie behandelt, und schaut überheblich auf Hayley herab, als sie ihn schockiert konfrontiert. Doch im Gegensatz zu vielen von Alex' Ex-Freundinnen und Ex-Affairen verschwindet Hayley nicht einfach still aus seinem Leben, sondern schreibt ihre ganze Show um. Sie spricht nun über ihre Erlebnisse mit Alex, lädt andere Frauen ein, Teil des Stückes zu werden, und wird damit zum Festival-Hit.

Charlotte Runcie schreibt in einem wirklich mitreißenden, kurzweiligen Stil. Die Wörter fliegen nur so von der Seite und man wird schnell in die Handlung hineingezogen.

Aber der Roman hat für mein Empfinden ein riesiges Problem: Alles dreht sich um Alex und in einer Geschichte von männlichem Machtmissbrauch bleiben ausgerechnet die Frauenfiguren blass, während dem Mann - dem Täter - und seinem Gefühlsleben unfassbar viel Raum eingeräumt wird. Und das auch noch durch die Augen einer Frau.

Sophie ist Alex' Kritikerkollegin und mit ihm in Edinburgh. Sie wohnen in der Zeit des Festivals in einer WG, sodass sie direkten Zugang zu ihm hat. Als Ich-Erzählerin wird die Geschichte vermeintlich aus ihrer Perspektive erzählt. Trotzdem bleibt Sophie erschreckend blass. Sophie, Hayley und alle anderen Frauen aus Alex' Umfeld lernt man nur über die Beziehung zu ihm kennen. Man erfährt wenig über sie selbst, sie sind Beiwerk. Selbst über Hayley erfährt man kaum etwas, das nicht mit Alex zu tun hat. Ihre ganze Show und damit ihr ganzer Ruhm dreht sich nur um ihn. Alle Frauencharaktere bleiben dadurch sehr eindimensional. Stattdessen darf sich Alex in seinem Elend suhlen, sich unverstanden fühlen, sich rechtfertigen. Werden neue Charaktere vorgestellt, dann sind sie in der Regel mit ihm verbunden, z.B. seine glamouröse Mutter, die wenig zur Handlung beiträgt, aber Alex durch seine vernachlässigte Kindheit als armen Jungen dastehen lässt.

Besonders verwirrend ist, dass die Geschichte ausgerechnet durch eine Frau erzählt wird. Sie ist nur dazu da, um Alex zu folgen, ihm Mitgefühl zu zeigen und ihn zu beobachten. Man lernt wenig über Sophie, am ehesten noch etwas über ihren Sohn und ihre unglückliche Beziehung zu dessen Vater. Ansonsten bleibt sie konturlos.

Alex ist unerträglich, er stellt Sophie ein einziges Mal eine Frage, ansonsten würgt er sie ab, wenn sie redet, labert sie voll, leiert Monologe der Rechtfertigung vor ihr ab und nimmt sie überhaupt nicht als Person war. Trotzdem bleibt Sophie fasziniert von Alex, völlig unverständlich. Fast alles in ihrem Leben dreht sich um irgendeinen Mann. Immerhin erkennt Sophie in einem kurzen Moment der Klarheit selbst, dass sie ein totales Pick Me Girl ist, Konsequenzen zieht sie aber nicht daraus.

Der Roman schneidet so viele spannende Themen an: männliches Verhalten und Machtmissbrauch, wie unterschiedlich betroffene Frauen damit umgehen, wer welche Verantwortung trägt. Gegen Ende fängt Sophie an, sich kritische Gedanken zu Rolle und Macht eines Kritikers zu machen, wirklich spannend, aber hält leider nicht an. Stattdessen geht es abrupt wieder um Alex. Je weiter der Roman fortgeschritten ist, desto mehr hat mich diese Erzählweise frustriert.

Ein wichtiges Thema und potentiell interessante Frauenfiguren verschenkt die Autorin leider, weil sie sich zum Großteil auf den Mann in der Geschichte konzentriert, statt das Geschehen fassettenreich aufzugreifen und die verschiedenen Positionen ihrer Figuren für ein differenziertes Bild zu nutzen. Wirklich schade.

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