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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.06.2025

Für alle, die ihren Garten klimafit gestalten wollen

Mit allen Wassern gewachsen
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Sigrid Drage liefert mit „Mit allen Wassern gewaschen“ einen fundierten, umfangreichen und praxisnahen Ratgeber rund ums Wassermanagement im Garten – mit einem klaren Fokus auf Permakultur und Klimafestigkeit. ...

Sigrid Drage liefert mit „Mit allen Wassern gewaschen“ einen fundierten, umfangreichen und praxisnahen Ratgeber rund ums Wassermanagement im Garten – mit einem klaren Fokus auf Permakultur und Klimafestigkeit. Ob Regenwassernutzung, Grauwasseraufbereitung, Swales, Mulchtechniken oder naturnahe Teichsysteme – die Fülle an Ideen und Anleitungen ist beeindruckend und zeigt, wie vielfältig und nachhaltig man Wasser im Garten lenken und nutzen kann.

Die Autorin spricht aus jahrelanger Praxis. Viele ihrer Beispiele stammen aus eigenen Projekten auf einem Gemeinschaftshof, sind entsprechend authentisch und motivierend aufbereitet und von Fotos begleitet.

Allerdings werden die wenigsten Leser*innen alles oder auch nur einen größeren Teil der vorgestellten Methoden 1:1 umsetzen können – sei es aus Platz-, Zeit- oder Ressourcen-Gründen. Dennoch lohnt es sich, einzelne Hinweise oder Konzepte aufzugreifen und im eigenen Rahmen anzuwenden. Denn selbst kleine Veränderungen können im Sinne der Nachhaltigkeit viel bewirken.

"Mit allen Wassern gewaschen" ist ein durchdachtes, zeitgemäßes Buch für alle, die ihr Grundstück oder ihren Garten klimafit gestalten wollen – ganz gleich, ob umfassend oder in kleinen Schritten. Darüber hinaus gibt es sehr viele Informationen rund um das so lebenswichtige Wasser.

Veröffentlicht am 26.06.2025

Für große oder kleine Runden

Alles in die Mitte!
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„Alles in die Mitte!“ ist genau die Art Kochbuch, die ich liebe: unkomplizierte, aromatische Rezepte, die zum gemeinsamen Essen und Genießen einladen.

Das Konzept, viele kleine Gerichte „in die Mitte“ ...

„Alles in die Mitte!“ ist genau die Art Kochbuch, die ich liebe: unkomplizierte, aromatische Rezepte, die zum gemeinsamen Essen und Genießen einladen.

Das Konzept, viele kleine Gerichte „in die Mitte“ zu stellen, ist nicht neu, doch hier besonders liebevoll und alltagsnah umgesetzt. Die Rezepte nehmen mit auf eine Reise durchs Mittelmeer – von der Levante über die Türkei, Griechenland und Italien bis nach Spanien und Portugal. Sie lassen sich wunderbar kombinieren, um im großen Kreis mit Freunden oder Familie zu genießen. Gleichzeitig funktionieren viele Gerichte auch für kleinere Runden oder solo, wenn es mal schnell und lecker sein soll.

Besonders gefallen hat mir, dass die Rezepte meist mit einfachen Zutaten auskommen, verständliche Anleitungen geben und das gewisse Etwas haben. Auch an kleine Details wie Gewürzmischungen, eingelegte Zwiebeln oder aromatisierte Öle wurde gedacht.

Was das Buch für mich besonders macht, sind die persönlichen Texte von Onur Elci. Er erzählt nicht nur von Rezepten, sondern auch von Erinnerungen, Orten und Menschen und lässt so an seiner Leidenschaft fürs Kochen und fürs Miteinander teilhaben.

Für mich ist „Alles in die Mitte!“ ein rundum gelungenes Kochbuch, das Lust macht, zu kochen und zu genießen – egal ob zu mehreren oder auch mal ganz für sich allein.

Veröffentlicht am 26.06.2025

Kulinarische Reise mit Herz

Come a casa
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Ich liebe Kochbücher – besonders dann, wenn sie nicht nur Rezepte liefern, sondern auch Einblicke in eine Kultur, eine Familie, ein Leben geben. "Come a casa" von Serena Loddo ist genau so ein Buch: Es ...

Ich liebe Kochbücher – besonders dann, wenn sie nicht nur Rezepte liefern, sondern auch Einblicke in eine Kultur, eine Familie, ein Leben geben. "Come a casa" von Serena Loddo ist genau so ein Buch: Es entführt in die Küche Sardiniens und schafft dabei eine stimmige Verbindung aus kulinarischem Wissen, persönlichen Erinnerungen und alltagstauglichen Gerichten.

Was dieses Buch besonders macht, ist die Art, wie Serena Loddo erzählt – unaufgeregt, herzlich und mit spürbarer Verbundenheit zu ihren Wurzeln. Man hat das Gefühl, sie nimmt einen bei der Hand, führt durch die Vorratskammer ihrer Kindheit und zeigt, wie aus wenigen, guten Zutaten leckeres Essen entsteht. Besonders gelungen finde ich die Übersicht zu typischen Vorratszutaten, die nicht fehlen dürfen. Das schafft Orientierung und erleichtert den Einstieg in die mediterrane Alltagsküche.

Auch das Hintergrundwissen zu einzelnen Zutaten – sei es zur Verwendung von Pecorino, zur Bedeutung bestimmter Kräuter oder zu regionalen Varianten – ist wohldosiert und informativ, ohne belehrend zu wirken. Diese kleinen Exkurse machen das Buch nicht nur nützlich, sondern auch lesenswert.

Die Rezepte selbst sind klar strukturiert, unkompliziert und trotzdem raffiniert. Alles wirkt authentisch und sofort umsetzbar. Die stimmungsvollen, natürlichen Fotos unterstreichen diesen Eindruck – keine überinszenierten Bilder, sondern echtes Essen, das man sich sofort auf den eigenen Tisch wünscht, abgerundet mit Abbildungen der sardischen Lebensart.

"Come a casa" ist kein reines Rezeptbuch, sondern eine kulinarische Reise mit Herz. Für alle, die mediterrane Küche mögen und Lust haben, ein Stück sardische Esskultur kennenzulernen – absolut empfehlenswert.

Veröffentlicht am 25.06.2025

Ein leises, aber starkes Buch

Psychopompos
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"Psychopompos" ist ein stilles, intensives Buch, das sich eher wie ein innerer Monolog als wie ein klassischer Roman liest. In kurzen, oft sehr knappen Sätzen erinnert sich Amélie Nothomb an ihre Kindheit ...

"Psychopompos" ist ein stilles, intensives Buch, das sich eher wie ein innerer Monolog als wie ein klassischer Roman liest. In kurzen, oft sehr knappen Sätzen erinnert sich Amélie Nothomb an ihre Kindheit und Jugend, die sie als Tochter eines belgischen Diplomaten unter anderem in Japan, China und Bangladesch verbringt - in ständiger Bewegung, begleitet von Fremdheit, Anpassung und innerer Vereinsamung.

Stilistisch ist der Text stark reduziert. Nothomb schreibt lakonisch, in knapper, präziser Sprache. Vieles bleibt unausgesprochen, wirkt aber lange nach. Nothomb gelingt es, mit wenigen Worten sehr viel zu sagen. Gerade durch diese Zurückhaltung entfaltet das Buch seine Kraft. Themen wie Entwurzelung, Sprachlosigkeit, ein traumatisches Erlebnis in der Kindheit werden nie breit ausformuliert, sondern sehr nüchtern erzählt – und wirken gerade dadurch umso nachdrücklicher.

Der Text liest sich wie ein innerer Monolog, durchzogen von existenziellen Fragen und philosophischen Bildern. Die Figur des Vogels zieht sich als zentrales Motiv durch das ganze Buch - begleitet vom Fliegen. Fliegen als Metapher für Schreiben, Fliegen als Flucht.

"Psychopompos" ist kein Roman, den man einfach wegliest. Ein leises, aber starkes Buch über Identität, Schmerz und die rettende Kraft der Sprache und des Schreibens.

Veröffentlicht am 24.06.2025

Klug, persönlich und sehr empfehlenswert

Sorry Tarzan, ich rette mich selbst!
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„Sorry Tarzan, ich rette mich selbst“ ist ein kluges, mutiges und sehr persönliches Buch, in dem Gesine Cukrowski die Rollenbilder von Frauen in Film und Fernsehen kritisch hinterfragt. Mit großer Offenheit ...

„Sorry Tarzan, ich rette mich selbst“ ist ein kluges, mutiges und sehr persönliches Buch, in dem Gesine Cukrowski die Rollenbilder von Frauen in Film und Fernsehen kritisch hinterfragt. Mit großer Offenheit berichtet sie über Altersdiskriminierung, stereotype Besetzungen, den Gender-Pay-Gap und die häufig unsichtbare strukturelle Benachteiligung selbst erfolgreicher Frauen in der Branche. Besonders betroffen gemacht hat mich, wie viele dieser Mechanismen offenbar von männlichen Kollegen mitgetragen oder sogar bewusst aufrechterhalten werden. Dass gerade erfolgreiche Männer Kolleginnen klein halten – womöglich, um die eigene Stellung zu sichern oder vermeintliche Stärke zu zeigen – wirkt auf mich nicht souverän, sondern eher wie ein Zeichen mangelnden Selbstwerts. Wenn ich mich selbst ernst nehme und als kompetent erlebe, kann ich doch auch einer Kollegin ihren Erfolg gönnen – zumal, wenn es sich „nur“ um eine Rolle handelt. Diese Dynamiken legt Cukrowski sehr nachvollziehbar und ohne Bitterkeit offen – und gerade das macht ihre Analyse so kraftvoll.

Persönlich habe ich mich dem Buch besonders verbunden gefühlt, da ich fast auf den Tag genau so alt bin wie die Autorin. Gleichzeitig arbeite ich im MINT-Bereich an einer deutschen Universität, wo ich – wie viele meiner Kolleginnen – zum Glück keine geschlechtsspezifische Diskriminierung erlebe. Umso deutlicher wurde mir beim Lesen, wie sehr solche Erfahrungen vom beruflichen Umfeld abhängen. Besonders gelungen finde ich die autobiografischen Abschnitte, in denen Cukrowski mit Witz, Selbstironie und Tiefe aus ihrem Berufsalltag erzählt. Die persönlichen Erlebnisse haben mich bewegt und oft zum Nachdenken gebracht. Die allgemeineren gesellschaftspolitischen Ausführungen sind inhaltlich relevant, wirkten auf mich stellenweise aber etwas zu ausführlich. Trotzdem ist das Buch eindrucksvoll und wichtig – nicht zuletzt, weil es aufzeigt, dass Diskriminierung und strukturelle Ungleichheit auch dort existieren, wo man sie vielleicht am wenigsten vermutet. Gerade jüngere Frauen, so mein Eindruck, nehmen bestimmte Formen von Ungleichbehandlung heute fast schon (wieder?) als selbstverständlich hin – umso wertvoller ist es, dass dieses Buch aufmerksam macht und ermutigt, genauer hinzuschauen. Eine kluge, persönliche und sehr empfehlenswerte Lektüre.