Verlorene Seelen treffen sich unverhofft
The Iced Caramel Coffee AgreementDas Cover finde ich sehr gut gewählt, da es mit den Pastellfarben eine fröhliche und leichte Frühlingsatmosphäre vermittelt. Genauso stellt man sich Lower Whilby mit Frühlingswetter vor. Der Titel wurde ...
Das Cover finde ich sehr gut gewählt, da es mit den Pastellfarben eine fröhliche und leichte Frühlingsatmosphäre vermittelt. Genauso stellt man sich Lower Whilby mit Frühlingswetter vor. Der Titel wurde wahrscheinlich gewählt, da Nore und Dex öfter einen Iced Caramel Coffee zusammen trinken. Jedoch hat dieses Getränk meiner Meinung nach keinen tieferen Sinn in diesem Roman, weswegen ich die Titelwahl etwas anzweifele.
Während Eleonore, auch Nore genannt, sich definitiv zu viele Gedanken macht, was die anderen Einwohner von Lower Whilby von ihr denken, verschwendet Dex keinen Gedanken an die Meinungen anderer. Er versucht mit seiner Musik erfolgreich zu werden, zu mindestens bevor er bei James in der Kleinstadt aufschlägt. Nore hingegen ist kein bisschen planlos, sondern ist ein organisierter und hilfsbereiter Mensch. Mit Sicherheit ist sie der netteste und freundlichste Mensch aus Lower Whilby. Somit prallen zwei auf den ersten Blick sehr gegensätzliche Menschen in dieser Geschichte aufeinander. Doch auf den zweiten Blick sind die beiden zwei verlorene Seelen. Beide ein bisschen zu unzufrieden und zu unglücklich mit ihrem derzeitigen Leben. Geplatzte Träume und eine gewisse Ausweglosigkeit trifft es ganz gut.
So hat Kyra Groh es mal wieder geschafft, zwei starke und außergewöhnliche Charaktere zu kreieren, die auf den ersten Blick eher schmucklos wirken. Doch bei genauerem Hinsehen befindet sich bei beiden unter der Oberfläche so viel mehr Tiefe. Trauer, harte Erkenntnisse im Leben, Schönheitsideale, Größenunterschiede in Beziehungen und der Einfluss, den die Meinungen anderer auf unser Leben haben. Kyra Groh weiß auf jeden Fall, wie man die großen und tiefsinnigen Themen mit einer ordentlichen Portion Humor adressiert und trotzdem super gefühlvoll bleibt.
Mit ihrem lockerlustigen Schreibstil bringt Kyra Groh Schwung in die Geschichte und lässt die Leserschaft bildlich am Frühling in Lower Whilby teilnehmen. Dennoch habe ich zum Ende hin den Lesefluss etwas verloren. Durch die wechselnde Perspektive zwischen den beiden Protagonisten und die Gedanken in der Ich-Form habe ich sehr schnell eine gewisse Nähe zu Nore und Dex bekommen, sodass ich ihre Gedanken und Gefühle gut nachvollziehen und miterleben konnte. Das Detail, das Nore so viele Kleinigkeiten ansammelt wie z.B. das Hamburgertelefon, fand ich sehr aufmerksam und zeigt wie detailreich die Autorin ihre Geschichte erzählt. Zudem ist der Roman äußerst durchdacht gestaltet, da Nore und Dex gegenseitig das Beste in dem jeweils anderen hervorrufen.
Dieser Roman ist für alle, die einen Wechsel zwischen witzigen Szenen und bemerkenswerter Tiefsinnigkeit lieben. Und für alle, die mal wieder Zeit in Lower Whilby verbringen möchte. Wer zudem schon die Geschichte von Jude und James kennt, kann sich auf ein Wiedersehen mit den geliebten Einwohnern aus Lower Whilby freuen.