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Veröffentlicht am 28.11.2024

Inhaltsschwach

Powerless
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Elsie Silver und ich, das ist eine gewisse Hassliebe, wobei der Schwerpunkt eindeutig auf Liebe liegt. Aber sie schreibt in meinen Augen im tollen ländlichen Setting tolle Figuren, in auch oft sehr tiefgehenden ...

Elsie Silver und ich, das ist eine gewisse Hassliebe, wobei der Schwerpunkt eindeutig auf Liebe liegt. Aber sie schreibt in meinen Augen im tollen ländlichen Setting tolle Figuren, in auch oft sehr tiefgehenden Geschichten, aber die Art und Weise der erotischen Szenen ist einfach nicht meins. Aber durch die Reihenidee bin ich auch an die Figuren gebunden und kann einfach nicht aufhören…

Auf „Powerless“ war ich tatsächlich bislang auch am meisten gespannt, denn Sloane und Jasper sind uns jetzt in den anderen beiden Bänden immer wieder begegnet und diese Liebesgeschichten, die schon ewig andauern, ohne dass es sich beide aber eingestehen konnten, die haben mich immer am Haken. Dementsprechend wollte ich gerne beim Happy End dabei sein. Leider finde ich aber, dass ihre gemeinsame Geschichte relativ inhaltsleer ist. Das trifft es natürlich nicht ideal, weil klar passiert etwas in den 300 Seiten. Aber da ich auch die beiden Bände davor im Hinterkopf habe, wird dann sehr augenscheinlich, wie wenig eigentlich passiert. Nun kann man natürlich argumentieren, dass eine Sache zwischen Sloane und Jasper klar ist: dass sie sich kennen. Und dennoch wurde eigentlich ersichtlich, dass es auch jeweils Seiten von sich gibt, die sie verborgen haben. Und auch ansonsten finde ich, dass es mehr klare Handlungsschritte gebraucht hätte. So haben wir die geplatzte Hochzeit, wir haben ein tragisches Ereignis, das lange wie ein Schleier über allem hängt und dann haben wir einen Ausflug, um eine Portion Heu abzuliefern und fertig. Das ist schon wenig.

Ich fand es angesichts meiner Vorfreude auf den Band einfach etwas schade, dass Silver für Sloane und Jasper nicht mehr eingefallen ist. Sein Eishockeyspiel nimmt immerhin etwas Raum ein, Sloanes Tanzen gar nicht. Die beiden Figuren sind dafür sehr viel zusammen, aber dafür war das erste Viertel auch echt langweilig. Denn es war sicher angemessen, dass beide sich nicht sofort aufeinander eingelassen haben, aber dadurch zig es sich etwas, weil eben nicht so viel passierte. Dazu ist auch wieder das Ungleichgewicht im Stil von Silver zu bemerken. So haben wir weit mehr als die Hälfte des Buchs, die ohne erotische Szenen auskommt und dann ist ein Funke entzündet und dann ist klar, was jetzt erstmal seitenweise passieren wird. Hier fand ich es auch speziell dann enttäuschend, dass Jaspers Kontrollsucht so einseitig dargestellt wurde. Gerade weil Sloanes Geschichte auch auf Selbstbemächtigung gegenüber ihrem Vater und ihrem Verlobten und damit letztlich auch im Allgemeinen beruhte, wäre es doch viel passender gewesen, irgendwann ein Gegengewicht zu erzeugen. Damit Jasper eben auch lernt, dass es nicht nur um Kontrolle geht, egal wie sein vergangenes Trauma aussieht.

Vielleicht hätte es sich auch angeboten, noch etwas mehr in Jaspers Vergangenheit einzutauchen. Aus dieser wird zwar positiv gesehen kein großes Geheimnis unsern Lesern gegenüber gemacht, aber da es angeblich nur Sloane weiß, wirkt es angesichts der ganzen Familiendynamik und aufgenommener Sohn einfach etwas schade. Vielleicht hätte man es zum Thema für alle machen können, indem Gespenster der Vergangenheit aufgetaucht wären. Weiterhin hat man durch die Fokussierung auf die beiden als Paar auch gemerkt, dass das Familiäre diesmal nicht so rüberkam. Oft war es nur der schon traditionell am Anfang stehende Nachrichtenaustausch, der andere Figuren eingebunden hat. Dabei sind die Männer- und Frauenfreundschaften untereinander ein Highlight. Die werden hier zu sehr ausgespart.

Fazit: Wenn es hakt, dann wohl so richtig. Ich hatte mich auf „Powerless“ wirklich sehr gefreut, aber es hat mich doch in der Mehrheit enttäuscht. Es gab zu wenig Handlung, zu wenig Entwicklung und zu wenig von den Zutaten, die mich in den ersten beiden Bänden mitgerissen haben.

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Veröffentlicht am 27.11.2024

Ausgewogen in Schwächen und Stärken

Nachtwald
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Da ich im Herbst wesentlich mehr Thriller als sonst lese, entdecke ich dort auch oft neue Autorenstimme. So bin ich dann auch auf „Nachtwald“ von Tríona Walsh gestoßen, eine irische Autorin. Ich fand das ...

Da ich im Herbst wesentlich mehr Thriller als sonst lese, entdecke ich dort auch oft neue Autorenstimme. So bin ich dann auch auf „Nachtwald“ von Tríona Walsh gestoßen, eine irische Autorin. Ich fand das Cover ganz gut gestaltet, aber der Klappentext klang auch vielversprechend.

Ich bin durch das Geschehen von „Nachtwald“ durch die Sprecherin Christiane Marx begleitet worden, die mir nun schon öfters begegnet ist und ich kann mich wirklich immer schnell und gut mit ihr arrangieren und mich so fallen lassen. Vielleicht hat sie einer Figur zu viel Persönlichkeit mitgegeben, weil ich im Nachhinein schon dachte, es war irgendwie offensichtlich, worauf es hinausläuft, aber es ist zugegeben auch sehr tricky, weil man natürlich als Sprecherin auch den unterschiedlichen Figuren (je Geschlecht noch zusätzlich) etwas mitgeben will, damit man sie sofort tonal auseinanderhalten kann. Während das bei vielen anderen Genres dann endgültig völlig egal ist, so ist es bei Krimis/Thrillern doch etwas anderes, denn man ist ohnehin schon ständig am spekulieren und da steigert sicherlich auch die Sensibilität. Genauso kann es aber auch sein, dass sonst niemand das kritisieren würde, weil gerade auf akustischer Ebene natürlich auch Vorlieben eine Rolle spielen und ich reagiere sicherlich auf manche Tonhöhen anders als andere.

Nach diesem Hörbuch-Abschnitt kommen wir aber zu „Nachtwald“ selbst. Ich musste schon relativ früh daran denken, dass es in eine Richtung von Lucy Clarke geht, die in den letzten Jahren einiges an Hype erfahren hat. Aber es sind schon große Parallelen in dem Sinne, dass ein konkreter Personenkreis abgelegen zusammenkommt und jede Menge Geheimnisse ans Licht kommen und Mysterien ausgeklärt werden müssen. Ein größerer Unterschied war die Perspektivengestaltung. Clarke arbeitet mit vielen parallel, was ich persönlich sehr großartig finde, Walsh verzichtet aber darauf, so dass wir alles nur durch Lizzies Perspektive erleben. Es ist sicherlich so, dass eine Perspektive es leichter macht, die Geheimnisse der anderen verdeckt zu halten, aber Clarke hat mir eben bewiesen, dass es hier Mittel und Wege gibt. Gerade so im Vergleich wird auch offensichtlich, dass Walsh es nicht so ideal gelingt, die Gefühlsleben aller anderen Hauptfiguren zu gestalten. Lizzie war für mich schnell völlig transparent und ich finde sie in der Gesamtsicht auch mit weitem Abstand am besten gestaltet. Sie ist nach ihrem Entzug sicherlich noch in einem labilen Zustand, aber unterm Strich fand ich, dass sie an diesem Wochenende auf dem Anwesen den besten Überblick über alles hatte. Man hat auch ihre Therapie deutlich gemerkt, weil so viel Reflexion dabei war und sowas weiß ich immer sehr zu schätzen. Bei den anderen war alles undurchsichtiger und das auch schon bei Lizzies eigenen Verwandten, die ihr eigentlich näher sind und die man so leichter hätte aufbereiten können. Aber dennoch ist die Figurenausarbeitung eher Meckern auf hohem Niveau, denn die Charaktere war unterschiedlich genug und sie haben auf jeden Fall Zug ins Geschehen hineingebracht.

Was ich eher kritischer sehen will, das ist die Entwicklung der Handlung. Es ist bei Walsh durchaus gelungen, dass es immer wieder Spannungsausschläge nach oben gibt. In dem Sinne bleibt man also in jedem Fall am Ball, weil ständig etwas passiert, auch weil Lizzie sich mutig hinter alle Hinweise setzt. Gleichzeitig passiert aber extrem früh ein echter großes Ausrufezeichen, hinter dem ich schon gewisse Fragezeichen der Glaubwürdigkeit gesetzt habe, aber man konnte immerhin mit arbeiten. Aber wie sich danach alles entwickelt hat? Das fand ich gruselig, wie ruhig bis auf Lizzie alle geblieben sind. Ich wäre wohl richtig ausgetickt und dort herrschte völlig entspannte Atmosphäre. Selbst wenn es verdeckte Pläne jeweils gab, aber angesichts eines solchen Schreckens hätte ich die auch sofort aufgegeben. Es war also wirklich befremdlich, wie alles weitergelaufen ist. Lizzie war da echt mein Kompass, weil sie meine Stimmung am besten aufgegriffen hat. Dass sie für ihre Familie geblieben ist, klar, aber alle anderen, echt seltsam und hat mich beim Lesen immer wieder irritiert. Wer letztlich hinter allen Taten steckte, ja, es war für mich klar, aber ich denke auch ohne das Hörbuch wäre ich wohl drauf gekommen. Denn der Personenkreis war nun wahrlich nicht üppig, so dass das Ausschlussverfahren auch enorm geholfen hätte. Auch wenn am Ende alles an Spannung und Action hochgefahren wurde, aber es war auch fast wieder zu viel. Ich denke mir bei Thrillern oft, dass es einen schmalen Grat bei der Psychologie des Täters gibt. Denn hier war es zu viel, in vielen anderen ist es zu wenig. Aber ich will ungerne hinterher das Gefühl einer Gehirnwäsche haben.

Fazit: „Nachtwald“ hatte seine Stärken. Das war sicherlich die Atmosphäre, es waren konstant angebotene Höhepunkte mit Spannung am Anschlag, aber dem gegenüber stehen auch gewisse Defizite bei den Charakteren, eine merkwürdige Unglaubwürdigkeit und letztlich auch eine Vorhersehbarkeit. Kann man also lesen, muss man aber nicht.

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Veröffentlicht am 19.11.2024

Überraschende Thriller-Anteile

Dem Sturm entgegen
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Cecelia Ahern hat in meiner Jugend durchaus einen Hype bei mir ausgelöst und alles musste von ihr gelesen werden. Das hat sich doch noch einige Jahre gezogen, dann sind nicht jährlich Bücher von ihr erschienen ...

Cecelia Ahern hat in meiner Jugend durchaus einen Hype bei mir ausgelöst und alles musste von ihr gelesen werden. Das hat sich doch noch einige Jahre gezogen, dann sind nicht jährlich Bücher von ihr erschienen und dann gab es auch gefühlt ständig Neuauflagen ihrer Bestseller, so dass ich auch noch aufpassen musste, nicht dasselbe Buch nochmal zu kaufen. Dazu war „Sommersprossen“ aus 2022 für mich auch eher eine Enttäuschung, so dass ich unterbewusst etwas Abstand genommen habe. Aber vieles lässt man nicht für immer los und deswegen war ich bei „Dem Sturm entgegen“ nun doch wieder neugierig.

Ahern war mal die Queen der Liebesgeschichten und das hat sich etwas gewandelt. Ich habe immer mehr den Eindruck, dass es um Liebesgeschichten mit sich selbst geht, wofür sie wirklich sehr kantige Hauptfiguren nutzt. Das war schon bei „Sommersprossen“ so, worin sich Allegra in meiner Wahrnehmung auf dem Autismus-Spektrum befunden hat und das hat dann oft für eine Barriere gesorgt, richtig mit ihr fühlen zu können. Das würde ich bei Enya nun nicht ebenso sehen, aber dennoch ist auch sie eine Figur, bei der es langen Atem zum Warm werden braucht. Ein wichtiger Grund dafür ist sicherlich, dass Teile von ihr auch bewusst verborgen bleiben und bei den anderen, die sie uns offensiv anbietet, da ist Enya in einer sehr traumatisierten Phase, die sowohl mit dem Schicksal ihrer Mutter als auch einem Unfall zu tun hat. Wie sie teilweise über alles hinwegfegt, das war zunächst doch sehr gewöhnungsbedürftig, aber es ist in der Wahrnehmung eben auch was anderes, wenn die Hauptfigur das selbst weiß. Dementsprechend war ständig eine selbstreflexive Ebene da, die es mir auch leichter gemacht hat, dass ich Enya auf ihrer Reise begleiten wollte.

Zwischendurch war ich aber auch echt überrascht, wie die Atmosphäre des Buchs war. Teile davon hätte ich sofort als Thriller vermarkten können. Da ich in dem Genre auch sehr gerne lese, war es positiv überraschend, welch gruselige und auch rätselhafte Umstände sich ergaben und wie viele Mehrebenen auch der anfangs geschilderte Verkehrsunfall hat. Auch wenn Enya möglicherweise einiges davon aufgrund ihres Zustandes auch gefährlicher wahrgenommen hat, als es tatsächlich war, aber dennoch: Auch wenn es viel von Enyas Innenleben war, aber es passierte sehr, sehr viel auf den Seiten und deswegen entstand der gerne gesehene Zustand von Kurzweiligkeit. Ein Pluspunkt war auch die enge Verbindung zur irischen Heimat. Durch die Rag Trees, generell auch die spirituelle Ausrichtung von Enyas Mutter, die sich auch in den Töchtern niederschlägt, ich hatte dadurch doch das Gefühl, dem Land auf eine besondere Art nochmal näherzukommen. Eine besondere Beziehung war auch die von Enya zu Margaret, die sich auf eine Art nahe waren, aber die auch viel untereinander ausgetragen haben. Ich fand es doch die am besten ausgearbeitete Beziehung des Buchs, auch weil mit einer speziellen Art gepunktet wurde.

Ansonsten hat das Buch einige sehr unsympathische Figuren, die in ihrer Art natürlich auch einen Zweck haben, aber da waren manche Szenen schonmal anstrengend. Umgekehrt gab es wie Flora und Finn beispielsweise Figuren, die ich gerne noch viel mehr kennengelernt hätte, die Enya aber auch viel ausgeschlossen hat. Das war etwas schade. Zudem fand ich es am Ende auch auf einmal schnell. Enya muss Konsequenzen tragen, aber gerade danach wäre es auch interessant gewesen, wie sie nun denkt, wie sie ihren Weg einschlägt und welche Menschen sie noch wo an ihrer Seite hat. Auch wenn ich im Kern denke, dass ich Enya gut sich selbst überlassen kann, aber so 30 Seiten mehr hätten hier sicherlich nicht geschadet.

Fazit: „Dem Sturm entgegen“ bestätigt einen gewissen Trend bei Ahern, die sich lieber mit weiblichen Figuren auf einer Reise zu sich selbst beschäftigt. Das hat mir hier besser als in „Sommersprossen“ gefallen, auch weil ich insgesamt von der Atmosphäre, die stellenweise an einen Thriller erinnerte, überrascht wurde. Aber es ist auch Oberflächlichkeit drin, vor allem am Ende. Eine Empfehlung spreche ich aber dennoch aus.

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Veröffentlicht am 14.11.2024

Unwiderstehlich, aber da geht noch mehr

Lessons in Faking
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Als ich das erste Mal von Selina Mae hörte, dachte ich, dass sie wie Brittainy Cherry und andere bei Lyx als englischsprachige Autorin eingekauft wurde. Ich war dann sehr überrascht über ein Podcast-Interview ...

Als ich das erste Mal von Selina Mae hörte, dachte ich, dass sie wie Brittainy Cherry und andere bei Lyx als englischsprachige Autorin eingekauft wurde. Ich war dann sehr überrascht über ein Podcast-Interview mit ihr durch den Verlag selbst, durch das ich viel erfahren habe und das dann in der Summe richtig Lust auf „Lessons in Faking“ gemacht hat.

College, das waren die Geschichten, mit denen ich im New Adult-Genre angefangen habe. Auch wenn sich das Genre davon inzwischen extrem in die Breite entwickelt hat, was ich sehr positiv finde, kehre ich immer wieder gerne ans College zurück. Wenn ich auch zugeben muss, dass ich inzwischen doch mehr aufpassen muss, weil sich mein Geschmack einfach etwas entwickelt hat und dann muss ich schon auch am College eine gewisse Reife und eine gewisse Ernsthaftigkeit der Themen bemerken. Da ich Mae als Autorin noch gar nicht kannte, was es dementsprechend ein kleines Risiko, aber eins, das sich letztlich gelohnt hat. Denn die Figuren kamen mir zwar nicht wie völlige Erwachsene vor, aber sie hatten eigentlich genau die richtige Mischung zwischen Bürde der Zukunft und Schalk der Jugend im Nacken. Und auch wenn jetzt keine ungewöhnlichen Themen aufgegriffen wurde, aber es war für mich genug Ernsthaftigkeit bei den Figuren zu erkennen, so dass ich in ihr Gefühlsleben eintauchen konnte.

Auch wenn Mae schon viele Jahre durch Fan Fiction und anderes Schreiberfahrung hat, kommt einem die erste Begegnung immer wieder die Anfänge vor und auch wenn das oft gar nicht so stimmt, dass es der Anfang ist, so ist es doch immer der Anfang, sich an einen Stil zu gewöhnen und da habe ich bei Mae schon noch gemerkt, dass für mich da Luft nach oben ist. Es ist auch recht schwer, das auf den Punkt zu bringen, was mir noch fehlt, aber manchmal verliert es sich etwas in Belanglosigkeiten, ehe dann doch wieder Gas gegeben wird und so fühlt sich insgesamt wohl das Tempo zu ungleichmäßig ein. Immer wenn ich merkte, jetzt schweift es gerade ab, dann war da doch wieder eine Szene/ein Moment, der mich richtig an die Seiten gebunden hat. Und genau wegen Letzterem kommt auch mein überwiegend positives Urteil, denn wenn man schon so viel gelesen hat, dann ist immer wieder neu das A und O, dass da etwas ist, was mich komplett packt und mich nach mehr gieren lässt. Das Miteinander von Athalia und Dylan ist es sicherlich, was die größte Rolle gespielt hat. Zunächst dieses Foppen voneinander und die dadurch spritzigen Dialoge, aber dann auch die einzelnen Momente, in denen nach und nach die Barrieren fallen. Das hat mich schnell an die beiden gebunden. Es war einfach so eine Liebesgeschichte, in der ich grundsätzlich investiert war und bei der ich auch froh war, dass es am Ende keine großen Fehlhandlungen gab, sondern wo das typische Drama des Lebens noch eine kleine Wendung bereit hielt.

Eins muss ich unbedingt noch ansprechen. „Lessons in Faking“ ist nur aus Athalias Perspektive erzählt worden. So haben viele Autorinnen angefangen, aber ich kann immer nur wieder betonen, am genialsten ist die Gleichbehandlung beider Perspektiven. Denn auch wenn ich Dylan sehr mochte, aber weil mir seine Perspektive fehlte und auch sein Verhältnis zu seinem Vater das einzige war, was mir auf emotional (negativer) Ebene mehr verraten hat, habe ich nachher gedacht: wer ist Dylan eigentlich? Er ist ein guter Kerl und ein toller Bruder/Freund, aber was sind seine Träume für die Zukunft, was seine Ängste? Bei Athalia war all das zwar nicht massiv viel intensiver ausgearbeitet, weil es mehr um die beiden als Paar als Individuen ging, aber dennoch wurde der Verlust der Eltern, die Erwartungshaltungen an sich selbst durch die Erfolge ihrer Mutter und das Verhältnis zu Bruder Henry angeboten und das war schon ein anderes Level. Auch hier sieht man also: Potenzial ist da, aber auch noch ordentlich Luft nach oben, aber das ist ja eigentlich auch Ansporn genug, weil ich zumindest schreibe immer mit dem Gedanken, mich zu verbessern, weil ich jeden Tag ein anderer Mensch bin durch neue Erfahrungen. Und so wie ich Mae im Interview erlebt habe, geht es ihr offensichtlich sehr ähnlich, weswegen ich mich auf kommende Bücher von ihr auch schon sehr freue.

Fazit: „Lessons in Faking“ hat seine extrem guten Seiten, die vor allem in der unwiderstehlichen Liebesgeschichte liegen. Fake Dating als Trope passt einfach immer. Aber es ist auch ein Buch, das zeigt, das noch wesentlich mehr geht. Mir hat die männliche Perspektive für ein runderes Bild gefehlt und auch im Tempo gab es noch größere Unterschiede. Unterm Strich aber eine Autorin, die ich nun definitiv auf dem Schirm haben werde.

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Veröffentlicht am 14.11.2024

Fehlten die großen Momente

The Killer Profile
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Nach ihrer ersten Krimireihe widmet sich Helen Fields aktuell Einzelbänden, die aber dennoch ganz leichte Überschneidungen zu bisherigen Werken haben, was ich als kleines Gimmick immer nett finde. Nach ...

Nach ihrer ersten Krimireihe widmet sich Helen Fields aktuell Einzelbänden, die aber dennoch ganz leichte Überschneidungen zu bisherigen Werken haben, was ich als kleines Gimmick immer nett finde. Nach „The Institute“, wo wir mit der Protagonistin in einem Hochsicherheitsgefängnis eingeschlossen waren, geht es in „The Killer Profile“ diesmal zu einem Serienkiller und ob eine Psychologin, die seinem ausgewerteten Bewerbungsprofil begegnet, ihm auf die Spur kommt.

Insgesamt kann ich gleich vorweg sagen, dass ich „The Killer Profile“ nicht so inhaltlich kompakt und mitreißend wie „The Institute“ fand. Letzteres hatte bis zum Schluss noch einige Wendungen parat, was ich hier nun nicht so prägnant ausgearbeitet fand. Es gab eigentlich mehr über die Geschichte hinweg kleinere Überraschungseffekte, die ich gut platziert fand, aber dafür war am Ende zu früh die Luft raus. Es war noch spannend, weil es einen klassischen Showdown gab, aber ich hatte nicht mehr große Fragezeichen im Kopf, dafür gab es schon zu viele Antworten. Das gewichte ich hier dann auch so deutlich, weil Fields schon in einigen Büchern bewiesen hat, dass sie die geschickte Konzeption drauf hat, hier war es aber etwas fahrlässig.

Die Idee zum Buch fand ich aber sehr gut. Zum einen die Seite, wie Midnight in alles hineingezogen wird und zum anderen wie letztlich alles zusammengekommen ist, also zu den Firmenpraktiken und warum es eigentlich tatsächlich ein Profil K gibt. Dazu passte dann anschließend auch das Dankeswort von Fields selbst, indem sie auch die Motivation für die Thematik darlegte und aufgrund solcher kleinen Erklärungen ist immer sofort wieder deutlicher zu spüren, wie persönlich wichtig die Bücher den Autoren auch sind. Deswegen hätte ich mir auch aus Midnights Job noch ein wenig mehr erhofft. Grob habe ich verstanden, was sie und ihre Kollegen treiben, aber wir starten gleich mit der Auswertung von Profil K, aber ich hätte es besser gefunden, zuerst ein größeres Bild zu bekommen, um so dann genauso zu merken, wie anders dieses Bewerbungsprofil ist. Vielleicht hätte es auch geholfen, von Necto einen umfassenderen Eindruck zu erhalten. Denn dieses Unternehmen ist offenbar riesig von den Abteilungen her, aber es wurde nicht unbedingt 100% klar, was alle machen, was zusammenwirkt und was einfach tatsächlich andere Baustellen sind. Zu diesem Aspekt ist mein Fazit daher auch: diese Idee hatte deutlich mehr Potenzial, als ausgeschöpft wurde.

Das Buch wird aus mehreren Perspektiven erzählt. Die für mich spannendste war natürlich die des Bewerbers, denn ich lese psychologische Thriller am liebsten, um die Täter zu verstehen und deswegen war die Perspektive genau richtig. Ich fand auch, dass sie genau richtig vom Timing her platziert waren. Zudem gab es immer Antworten, aber es war nie so offensichtlich, dass ich zu viel als verraten empfunden habe. Daher Daumen hoch hierfür. Die Perspektive von Jessica hat mich anfangs etwas irritiert, auch weil sie eher zurückgestellt war, aber dennoch hat sie natürlich ihre Bewandtnis und gerade der Stalking-Aspekt, der hat auch schon meinen Puls in die Höhe getrieben, das war gut geschrieben. Midnight war aber die Dominanz und ich fand es schon auch cool, dass sie eigentlich echt wenig Voraussetzungen hatte, die Heldin eines solchen Buchs zu sein. Ich habe mich auch lange gefragt, warum ihre Beziehung zu ihrer Zwillingsschwester Dawn so ausführlich aufgebaut wurde. Hier habe ich wilde Ideen zusammengebaut, die dann letztlich alle überflüssig waren, aber ich denke, dass Dawn sehr wichtig war, um zu verstehen, warum Midnight so über sich hinauswächst. Dennoch muss ich hier auch sagen, dass es auch im Vergleich zu Necto offenzeigt, wie gegensätzlich einiges gelungen ist. Hier wird es auf der persönlichen Ebene sehr ausführlich aufgezogen, aber mit wenig Konsequenz und bei Necto war es genau umgekehrt.

Wie die einzelnen Perspektiven also im Kontext miteinander standen, das hat die Geschichte durchaus gut vorangetrieben. Wie ebenfalls schon erwähnt, gab es zwischendurch immer mal wieder kleinere Überraschungen, aber mir fehlten die größeren Wow-Momente. Das ist immer so die Gefahr, wenn man eine Autorin schon kennt und ihr Potenzial kennt und deswegen jede Menge Theorien entwickelt und dann einfach merkt, alles unnötig, die Geschichte hat einfach nicht so viele Schichten. Auch wenn Midnight möglicherweise weitere Auftritte haben wird, weil die Andeutung mit Connie Woolwine sicher nicht umsonst war, aber es war eine kleine Welt, die hierfür vollkommen okay ist, aber ich weiß noch nicht so recht, ob man das wirklich noch größer aufziehen kann.

Fazit: „The Killer Profile“ steht für mich als Standalone hinter „The Institute“ zurück. Auch wenn Helen Fields hier nicht so verdichtet erzählt und mehr Freiheiten sich erlaubt, wirkte die Handlung tatsächlich kleiner. Ich mochte vieles, wie die Grundidee, die kleinen Überraschungen zwischendurch, die Perspektiven, aber mir fehlten umgekehrt dann die großen Momente und auch am Ende noch einmal den Mund offen stehen zu haben.

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