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Veröffentlicht am 10.02.2021

Bis der Sturm kommt

Warten auf Wind
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Es ist der heißeste Sommer seit Ewigkeiten. Vinga ist zu ihrem Opa auf die Insel geflüchtet. Aus der Stadt, vor dem Vater und seiner neuen Frau, vor der Mutter, die nicht aufhört zu heulen, und vor dem ...

Es ist der heißeste Sommer seit Ewigkeiten. Vinga ist zu ihrem Opa auf die Insel geflüchtet. Aus der Stadt, vor dem Vater und seiner neuen Frau, vor der Mutter, die nicht aufhört zu heulen, und vor dem kaputten Leben zuhause. Auf der Insel steht die Zeit still. Auf dem Festland brennen die Wälder.

Vinga und ihr Opa, sie passen gut zusammen. Der schweigsame Seemann, der jeden Vogel benennen kann, und bei dem es Haferbrei zum Frühstück gibt. Und Vinga, die sich so schwertut mit Freundschaften, und die so maßlos enttäuscht wird von ihrer Familie.

Aus Vingas Sicht und ohne erzählerische Distanz erlebt man in Rückblicken die sich entwickelnde Trennung der Eltern, deren abstoßende Hilflosigkeit, das Anbiedern an ihr trauerndes Kind. Da ist man als Leser selbst erleichtert, wenn das Notwendigste erzählt ist und man endlich wieder auf die Insel darf.

Und dann kommt Rut. Sie bringt alles durcheinander. Um ihre Freundschaft muss Vinga sich bemühen. Ein Engel, sagt der Opa. Für Vinga ist sie „das schmale Schattenmädchen“. Während Vinga das Boot wieder seetüchtig macht, das sie vom Opa bekommen hat, leistet Rut ihr Gesellschaft.

Vinga muss im Laufe der Geschichte feststellen, dass man Wind braucht, wenn sich etwas bewegen soll. Und es kommt ein Sturm. Es ist eine regelrechte Vertreibung aus dem Paradies, nach der das Leben trotzdem weitergehen muss.

Ein schönes Buch mit Anspruch, das man nicht weglegen kann, und das seinen jungen Lesern noch lange im Kopf bleibt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.01.2021

Ein Goldjunge ermittelt

Die Spur zum 9. Tag
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„Die Spur zum 9. Tag“ ist ein flotter Kinder-Krimi um einen ziemlich wohlgeratenen Zwölfjährigen, der in den Ferien neue Freunde findet und mit ihnen einen echten Schurken dingfest macht.

Bene ist ein ...

„Die Spur zum 9. Tag“ ist ein flotter Kinder-Krimi um einen ziemlich wohlgeratenen Zwölfjährigen, der in den Ferien neue Freunde findet und mit ihnen einen echten Schurken dingfest macht.

Bene ist ein Goldjunge. Klaglos geht er nach Duderstedt zur Oma, die er gar nicht richtig kennt, nur weil er partout nicht mit der Mutter nach Schweden fahren will. Und Oma Renate hat Haare auf den Zähnen! Sie ist eine von der Sorte, die die Fransen am Teppich kämmt. Bene hilft ihr dabei, was soll er auch machen. Selbst das Grab vom Opa geht er harken, und wenn es drauf ankommt, tut er sogar so, als würde er Aal in Aspik mögen.

Schnell freundet sich Bene mit Mia und Ole an. Sie kommen einem illegalen Welpenhandel auf die Spur und Bene erfährt am Ende Unglaubliches über seine eigene Familie.

Schön zu lesen ist die Geschichte von Bene, der mit beiden Beinen im Leben steht und sich auch von den Erwachsenen nicht aus der Ruhe bringen lässt – so schändlich ihre Taten auch sind und so unverständlich ihre Motive auch erscheinen. Die Kinder im Buch und die, die es lesen, erkennen: Die echten Übeltäter sind nicht immer die, die man dafür hält. Und umgekehrt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.12.2020

Leseschatz 2020

Was der Fluss erzählt
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Ein kleines Mädchen kommt im Wirtshaus „Swan“ wieder zu sich, nachdem sie leblos aus der Themse gerettet worden ist. Doch wo gehört sie hin? Das Ehepaar Vaughan vermisst ein Kind in dem Alter, ebenso der ...

Ein kleines Mädchen kommt im Wirtshaus „Swan“ wieder zu sich, nachdem sie leblos aus der Themse gerettet worden ist. Doch wo gehört sie hin? Das Ehepaar Vaughan vermisst ein Kind in dem Alter, ebenso der Bauer Armstrong und die Haushälterin Lily.

Mit dem Auftauchen des Mädchens brechen alte Wunden auf, es kommt aber auch Bewegung in festgefahrene Beziehungen und manches Leben nimmt eine komplett neue Richtung.

„Was der Fluss erzählt“ ist ein historischer, mystischer Kriminalroman, der von Nachsicht und Toleranz inmitten einer oft unwirtlichen Umgebung geprägt ist. Exquisit erzählt, gehört das Buch auf jeden Fall zu den Leseschätzen 2020.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.12.2020

Wie Ochs vorm Berg

Lea und das Labyrinth der Zeit
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Ein Mädchen, zwei Jungen, die historische Kollektivschuld eines ganzen Dorfes, ein Bösewicht, der alle Zeitschranken sprengt - „Lea und das Labyrinth der Zeit“ ist eine spannende, rätselhafte und aussichtsreiche ...

Ein Mädchen, zwei Jungen, die historische Kollektivschuld eines ganzen Dorfes, ein Bösewicht, der alle Zeitschranken sprengt - „Lea und das Labyrinth der Zeit“ ist eine spannende, rätselhafte und aussichtsreiche Geschichte, und wenn sich die Erzählung endlich richtig schön auffächert ... ist sie zuende!

Da steht der Leser wie Ochs vorm Berg: Wer genau war der Junge, der vor 250 Jahren im Bartholdy-Park verschwunden ist? Warum wurde exakt zur selben Zeit in Veldhaus ein Rudel Wölfe ertränkt? Eine Auflösung bleibt leider weitgehend aus.

Zwar bekommt, wer hinterher noch einmal den Prolog liest, eine Ahnung von den übergeordneten Zusammenhängen, doch unterm Strich wird der Leser um den Lohn seiner 317 Seiten währenden Leseinvestition gebracht.

Selbst, wenn es sich um den ersten Teil einer Reihe handelte, wäre die Geschichte bis zum Ende noch so unzusammenhängend, dass sie höchstens als ein Intro durchgehen könnte.

  • Cover
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Fantasie
Veröffentlicht am 10.12.2020

Wer ist hier normal?

Mia und die aus der 19
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„Mia und die aus der 19“ feiert die Toleranz und beweist nebenbei, dass ein tüchtiges Abenteuer hinter jeder Ecke wartet.

Mia zum Beispiel muss dafür nur einmal die Wohngruppe in ihrer Straße besuchen. ...

„Mia und die aus der 19“ feiert die Toleranz und beweist nebenbei, dass ein tüchtiges Abenteuer hinter jeder Ecke wartet.

Mia zum Beispiel muss dafür nur einmal die Wohngruppe in ihrer Straße besuchen. Die Leute, die da wohnen, kommen anderen vielleicht komisch vor. Herr Rippel zum Beispiel, der sich mit einer Schwimmbrille auf der Stirn gefällt. Oder Herr Knick, der so gerne Cola trinkt. Oder die unverschämte Frau Schmock, die mit ihren Frechheiten ein Leben im Rollstuhl kompensiert.

Für die Nachwuchsdetektivin Mia dagegen ist die Wohngruppe in der Hausnummer 19 ganz normal. Als sie erfährt, dass der Kater von Herrn Schlottmeier weg ist, beschließt sie sofort, das Kätzchen wiederzufinden. Dabei erfährt Mia ganz viel Hilfe von den Bewohnern und sogar von ihrer besten Freundin Jil, die eigentlich gerade Superstar werden will, sich im Laufe der Geschichte aber doch als ganz patent herausstellt.

Das 160-Seiten-Buch ist ideal für Grundschulkinder, eignet sich aber auch gut zum Vorlesen und für ein Gespräch darüber, was eigentlich normal ist und was nicht.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere