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Veröffentlicht am 22.09.2022

Mäßig interessante Familiengeschichte

People Person
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Als Dimple, 30 Jahre alt, wohnhaft in London, eines Tages richtig in die Klemme gerät, sucht sie Hilfe bei ihren vier Halbgeschwistern, die sich vor 16 Jahren zuletzt gesehen haben. Was da mit viel schwarzem ...

Als Dimple, 30 Jahre alt, wohnhaft in London, eines Tages richtig in die Klemme gerät, sucht sie Hilfe bei ihren vier Halbgeschwistern, die sich vor 16 Jahren zuletzt gesehen haben. Was da mit viel schwarzem Humor und Situationskomik beginnt, könnte sich zu einer richtig guten Kriminalkomödie entwickeln, driftet dann aber ab in einen mäßig interessanten Familienroman.

Cyril, jamaikanischer Einwanderer und Vater der fünf erwachsenen Kinder, hält diese Geschichte zusammen. Er sorgt für die erste bewusste Zusammenkunft seiner Nachkommen, tritt danach aber nur noch sporadisch in Erscheinung. Gefühlt dreht sich trotzdem alles um den verantwortungsscheuen Lebemann. Die fünf Halbgeschwister entwickeln dagegen nach ihrem anfänglichen gemeinsamen Abenteuer einen echten Zusammenhalt und beginnen, sich in allen Lebenslagen zu unterstützen. Das ist sehr erfreulich, aber nicht auf Dauer unterhaltend.

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Veröffentlicht am 25.08.2022

Parkour 2052 - Vega rennt!

Vega – Der Wind in meinen Händen
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Es ist das Jahr 2052, nur eine Generation nach uns. Die siebzehnjährige Vega lebt in der Stadt und verdient sich ihren Lebensunterhalt als Wettermacherin. Doch anders als andere, die hierfür mit Drohnen ...

Es ist das Jahr 2052, nur eine Generation nach uns. Die siebzehnjährige Vega lebt in der Stadt und verdient sich ihren Lebensunterhalt als Wettermacherin. Doch anders als andere, die hierfür mit Drohnen und Chemikalien arbeiten, kann Vega das Wasser mit der Kraft ihres Willens herbeirufen und Regen dort erzeugen, wo ihre Kunden ihn gerade benötigen.

Als ein solcher Einsatz schiefgeht, muss Vega von jetzt auf gleich flüchten. Die Prüfstelle für atmosphärische Optimierung (PAO) ist hinter ihr her, denn Vega steht im Verdacht, Stürme verursacht zu haben, bei denen Menschen verletzt und getötet worden sind.

Eine Flucht über die Dächer der Stadt beginnt. Man erlebt Vega förmlich als Parkourläuferin, die sich von keinem architektonischen Hindernis aufhalten lässt, und kommt als Leser selbst kaum zum Luftholen.

Es ist dieses Tempo über den gesamten Ablauf, das dem Buch zugute kommt. Dazu gibt es ein Verwirrspiel um die Guten und die Bösen, ein bisschen Romantik und eine Handvoll Übernatürliches. Und wenn sich das Geschehen doch mal zieht, macht es der souveräne Schreibstil wieder wett.

Hier ist die Stadt der Dschungel, und wem das gefällt, der erlebt mit „Vega“ eine moderne Abenteuergeschichte - mit Aussicht auf eine Fortsetzung im kommenden Frühjahr.

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Veröffentlicht am 17.08.2022

Très charmant!

Agnes und der Traumschlüssel
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„Agnes und der Traumschlüssel“ ist als Kindergeschichte ein bisschen aus der Zeit gefallen. Rätselhafte Träume, Botschaften aus der Vergangenheit, eine Villa mit Geschichte - viel davon erinnert an „Das ...

„Agnes und der Traumschlüssel“ ist als Kindergeschichte ein bisschen aus der Zeit gefallen. Rätselhafte Träume, Botschaften aus der Vergangenheit, eine Villa mit Geschichte - viel davon erinnert an „Das Haus der Krokodile“, einen Kinderkrimi aus den frühen Siebzigerjahren, der vor allem als Fernsehserie sehr bekannt wurde. Dennoch ist es schön, dass jemand heute noch solche Geschichten schreibt.

Es geht um Agnes, elf Jahre alt. Sie träumt seltsame Episoden, die in einer anderen Zeit passieren. Nach und nach kommt sie dahinter, was die alte Villa der Familie Brycknen damit zu tun hat, wer das Kind ist, dessen verwitterten Grabstein sie auf dem Friedhof gefunden hat, und welche Rolle die geheimnisvolle Schatulle spielt, die das Heimatmuseum ausstellt.

Hilfe bekommt sie von ihrem neuen besten Freund Muffin und dem Jagdhund Oskar. Und von der Lokalzeitung, denn da gibt es noch ein echtes Zeitungsarchiv mit historischen Ausgaben zum Blättern. Très charmant!

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Veröffentlicht am 15.08.2022

Liest sich gut, ist aber keine Offenbarung

Snowflake
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Debbie, 18 Jahre alt, ist ein wenig ambitionierter Teenager. Ihr neues Uni-Studium bringt ihr die Freundschaft mit Xanthe ein, in deren Dubliner Wohnung sie sich oft aufhält. Von ihren fachlichen Interessen ...

Debbie, 18 Jahre alt, ist ein wenig ambitionierter Teenager. Ihr neues Uni-Studium bringt ihr die Freundschaft mit Xanthe ein, in deren Dubliner Wohnung sie sich oft aufhält. Von ihren fachlichen Interessen erfährt man nur wenig. Der Fokus der Erzählung liegt stattdessen auf den außeruniversitären Veranstaltungen: Parties, Alkohol, Männerbekanntschaften. Da ist Debbie wenig wählerisch, weder in der Stadt, noch auf dem Dorf, wo sie auf dem Milchbauernhof ihres Onkels lebt und die manisch-depressive Mutter sie laufend auf Trab hält.

„Snowflake“ ist eine Geschichte, die so daherflattert. Sie bietet keine Entwicklung, keine Wendepunkte, keine Erkenntnis. Auch wenn pausenlos persönliche Angelegenheiten erörtert werden, wirkt das Buch doch verstörend unpersönlich. Es ist eher ein Zeugnis der Verschwendung - von Jugend, von Bildungsmöglichkeiten und leider im Großen und Ganzen auch von Lesezeit. Zwei Sterne kriegt es dennoch, für den guten Schreibstil, denn die knapp 340 Seiten lesen sich trotz allem gut weg.

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Veröffentlicht am 27.07.2022

Die Mutter von allem - und fraglos eins der Bücher des Jahres

Matrix
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Matrix - die Mutter von allem - so hat die Autorin ihr Buch genannt, und wie man sich denken kann, musste sie sich mit diesem Titel durchsetzen, ist er doch populärkulturell zurzeit mit gänzlich anderen ...

Matrix - die Mutter von allem - so hat die Autorin ihr Buch genannt, und wie man sich denken kann, musste sie sich mit diesem Titel durchsetzen, ist er doch populärkulturell zurzeit mit gänzlich anderen Assoziationen behaftet. Matrix, ein Erfolg in den USA und bereits durch seine Aufnahme in die letztjährige Bestenliste Barack Obamas geadelt, ist auch bei uns fraglos eins der Bücher des Jahres.

Lauren Groff hat die fiktive Geschichte von Marie de France aufgeschrieben, einer Dichterin des 12. Jahrhunderts, über die nur wenig bekannt ist. Auch Hildegard von Bingen war der Autorin eine Inspiration, ebenso wie Eleonore von Aquitanien. Letztere wird für Marie sowohl lebenslange Sehnsucht als auch immerschwelende Gefahr sein.

Als uneheliche Halbschwester der englischen Krone wird Marie siebzehnjährig, mit einer Mitgift und dem persönlichen Segen der Königin ausgestattet, in ein Nonnenkloster geschickt, das sie als Priorin leiten soll.

Ein hartes Los, denn das Kloster ist arm, die Nonnen hungern und werden von Krankheiten dahingerafft. Es passiert während des Morgengebets. Da entscheidet Marie - auch wegen mangelnder Alternativen -, an dem erbärmlichen Ort zu bleiben und das beste aus ihrem Schicksal zu machen.

Sie ist eine geborene Managerin. Marie beendet die Misswirtschaft, besetzt Posten um, sodass die Arbeiten jetzt nach Neigung und nicht mehr nach dem größtmöglichen persönlichen Opfer verrichtet werden, sie bringt säumige Zahler zur Raison. Ihr Organisationstalent und ihr Durchsetzungsvermögen, aber auch ihr gesunder Abstand zur christlichen Lehre, ihre moderne Interpretation der verstaubten Glaubensregeln sowie ihre individuelle Auslegung von Recht und Gerechtigkeit lassen das Kloster gedeihen und machen es zu einer wohlhabenden Stätte und Heimat für eine stetig wachsende Zahl von Frauen.

Fast fällt sie nicht auf, die komplette Abwesenheit von Männern in diesem Buch. Kein König, kein Bischof, noch nicht mal Jesus spielt eine Rolle. Ein notwendiges Übel sind sie stattdessen, das auf Abstand gehalten wird, so wie die Arbeiter im Steinbrecherlager, die ihr Werk verrichten und danach wieder gehen müssen, denn sie gefährden allein durch ihre Anwesenheit den gesellschaftlichen Frieden der Klostergemeinschaft sowie der Zinsbäuerinnen, die die klösterlichen Eigentümer bewirtschaften.

Der episodenhaft erzählte Roman liest sich in einem Zug durch. Dabei bietet er viel Erkenntnis, Inspiration und Ironie, dazu besticht er durch das Ungesagte zwischen den Zeilen.

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