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Veröffentlicht am 29.05.2021

Jules Verne für Leseanfänger

Rick Nautilus - SOS aus der Tiefe
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Wer Rick Nautilus heißt, muss - na? - genau, ein Unterseeboot haben. So eins hat Nick, und es trägt sogar seinen Namen: Nautilus. Zwei gute Freunde hat er auch. Die heißen Emilio und Ava. Während Emilio ...

Wer Rick Nautilus heißt, muss - na? - genau, ein Unterseeboot haben. So eins hat Nick, und es trägt sogar seinen Namen: Nautilus. Zwei gute Freunde hat er auch. Die heißen Emilio und Ava. Während Emilio von Bord des Piratenschiffs seiner Eltern gespült wurde und deshalb ganz alleine mit Rick übers Meer schippert, ist Ava eine Ausreißerin. Eine Ozeanerin ist sie obendrein, das heißt, an Land hat sie Beine und im Wasser eine Flosse.

Das ungleiche Trio trifft in seinem ersten Abenteuer auf Professor Albert Aronnax, den Leiter einer Forschungsstation tief unten auf dem Meeresboden. Die ist natürlich ganz geheim. Darum ist das Problem auch so groß, als Riesenquallen dem Wissenschaftler und seinen Mitarbeitern ihre Nahrungsmittel streitig machen wollen. Rick, Ava und Emilio sind zur Stelle und lösen das Problem mit Mut und Cleverness.

Autor Ulf Blanck kann sich hier auf seine große Erfahrung als Autor der erfolgreichen Serie „Die drei ??? Kids“ stützen. Kurze Kapitel, einfache Sätze und eine übersichtliche Personenzahl auf schlanken 130 Seiten machen aus „Rick Nautilus“ ein rundum gelungenes Kinderabenteuer für Jungleser von sieben bis neun. Fesselnd und authentisch gelingen ihm insbesondere die vielen maritimen Beschreibungen.

Der Autor macht Anleihen bei den Romanen des frühen Science-Fiction-Autors Jules Verne, der 1869/1870 sein Buch „20.000 Meilen unter dem Meer“ veröffentlichte und darin die tatsächliche Erfindung des Unterseebootes vorweggenommen hat. Nautilus hieß das U-Boot damals schon, gesteuert von Kapitän Nemo, und auch den Namen des Professors Aronnax hat Ulf Blanck in seinem Kinderbuch wiederverwertet.

„Rick Nautilus - SOS aus der Tiefe“ ist das erste Buch einer Serie. Folge eins bleibt in der Ausgestaltung der Figuren und in der Preisgabe ihrer Hintergründe erstmal vage, sodass auf jeden Fall noch viele Fortsetzungen möglich sind, in denen die Zusammenhänge weiter aufgefächert werden können.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.05.2021

Asbach und Schogetten

Sturmvögel
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„Sturmvögel“ ist die Geschichte von Emmy, und es ist die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Vierzehn ist Emmy, als sie ihr Zuhause, eine kleine Nordseeinsel, verlassen muss, um im fernen Berlin als Dienstmädchen ...

„Sturmvögel“ ist die Geschichte von Emmy, und es ist die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Vierzehn ist Emmy, als sie ihr Zuhause, eine kleine Nordseeinsel, verlassen muss, um im fernen Berlin als Dienstmädchen zu arbeiten. Es ist das Jahr 1921, und das Schlimmste kommt noch.

Doch vorher lernt sie Hauke kennen, den freundlichen, aber charakterschwachen Sohn einer befreundeten Familie. Mit ihm streift sie durch das Berlin der 20er Jahre. Immerhin, er heiratet sie, als Emmy das erste Kind von ihm erwartet. Den Krieg aber muss sie ohne ihn durchstehen.

Drei Kinder bringt Emmy durch: die disziplinierte Hilde, den kindlich-unnützen Otto und die lebenslustige Nachzüglerin Tessa. Es sind die 90er, und Otto wühlt in Mutters Keller, auf der Suche nach vermeintlich vergessenen Schätzen.

Die wahren Kostbarkeiten, auf die er stößt, erkennt er nicht. Murmeln sind da in einer Schublade, ein Engel mit nur einem Flügel, eine verschrumpelte Schachtel Ernte 23 und die Asbach-Holzkiste.

Ach ja, der Weinbrand. Deutscher Cognac, der so nicht heißen durfte. Und die Schogetten, die Emmy so gern isst. Portionierte Schokolade als Pralinenersatz. Beides steht fürs Ja zum Leben, das Weitermachen, weil Aufgeben keine Alternative ist, und für den kleinen Genuss, der nicht viel kosten muss, auf den aber jeder sein Anrecht hat.

Zwar spielt die Geschichte in den 90er Jahren, doch wirklich spannend sind die Rückblicke. Wer „Altes Land“ gut fand, wird „Sturmvögel“ in einem Zug durchlesen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.04.2021

Kunterbunte Anarcho-Seeräubertruppe

Paradise Pirates
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Die Paradiese Pirates beweisen, dass eine gemischte Truppe mit eigenwilligen Individuen mindestens erfolgreicher, auf jeden Fall aber sehr viel spaßiger ist als ein Haufen gleichartiger Befehlsempfänger.

Eine ...

Die Paradiese Pirates beweisen, dass eine gemischte Truppe mit eigenwilligen Individuen mindestens erfolgreicher, auf jeden Fall aber sehr viel spaßiger ist als ein Haufen gleichartiger Befehlsempfänger.

Eine kunterbunte, anarchische Mannschaft ist es, mit der Kapitän Scratch in See sticht: Da ist Bump, die Känguruhfrau, dazu die Biber Gunner und Gnash, Bob, das Zwergnilpferd, der kluge Flamingo Wade, das kochende Krokodil Marzipan und dann natürlich Salty, das Eichhörnchen.

Salty hat den abgehalfterten Dachs-Kapitän in einer Schänke aufgetrieben, denn er braucht dringend Hilfe: Die Füchse haben seine Freundin Ozeane entführt und auf die Totenkopfinsel gebracht. Im Tausch gegen das Eichhörnchen wollen sie Salty um seine Schatzkarte bringen.

Jetzt machen Scratch und Salty die sagenumwobene „Menagerie“ wieder flott, die einst im Paradise-Archipel umherfuhr und ihre Beute - natürlich - mit den Armen geteilt hat. Die Mannschaft von damals ist nun unter dem neuen Namen „Paradise Pirates“ mit von der Partie.

Hier steht die Handlung klar im Vordergrund, es passiert richtig viel und die konsequent angewendeten maritimen Begriffe machen das Geschehen glaubhaft und spannend. Dass die Piraten auf die Tierwelt heruntergebrochen sind, garantiert auch schreckhafteren Kindern einen Lesegenuss.

Ein paar Sätze mehr zur Herkunft und zu den Eigenarten der Paradies Pirates wären schön gewesen, die gibt es hoffentlich in den Folgebänden.

Die 140 Seiten starke, durchgehend farbig illustrierte Seeräubergeschichte eignet sich gut zum Lesen und Vorlesen für Kinder von sieben bis zehn. Teil zwei ist für Januar 2022 angekündigt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.02.2021

Bis der Sturm kommt

Warten auf Wind
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Es ist der heißeste Sommer seit Ewigkeiten. Vinga ist zu ihrem Opa auf die Insel geflüchtet. Aus der Stadt, vor dem Vater und seiner neuen Frau, vor der Mutter, die nicht aufhört zu heulen, und vor dem ...

Es ist der heißeste Sommer seit Ewigkeiten. Vinga ist zu ihrem Opa auf die Insel geflüchtet. Aus der Stadt, vor dem Vater und seiner neuen Frau, vor der Mutter, die nicht aufhört zu heulen, und vor dem kaputten Leben zuhause. Auf der Insel steht die Zeit still. Auf dem Festland brennen die Wälder.

Vinga und ihr Opa, sie passen gut zusammen. Der schweigsame Seemann, der jeden Vogel benennen kann, und bei dem es Haferbrei zum Frühstück gibt. Und Vinga, die sich so schwertut mit Freundschaften, und die so maßlos enttäuscht wird von ihrer Familie.

Aus Vingas Sicht und ohne erzählerische Distanz erlebt man in Rückblicken die sich entwickelnde Trennung der Eltern, deren abstoßende Hilflosigkeit, das Anbiedern an ihr trauerndes Kind. Da ist man als Leser selbst erleichtert, wenn das Notwendigste erzählt ist und man endlich wieder auf die Insel darf.

Und dann kommt Rut. Sie bringt alles durcheinander. Um ihre Freundschaft muss Vinga sich bemühen. Ein Engel, sagt der Opa. Für Vinga ist sie „das schmale Schattenmädchen“. Während Vinga das Boot wieder seetüchtig macht, das sie vom Opa bekommen hat, leistet Rut ihr Gesellschaft.

Vinga muss im Laufe der Geschichte feststellen, dass man Wind braucht, wenn sich etwas bewegen soll. Und es kommt ein Sturm. Es ist eine regelrechte Vertreibung aus dem Paradies, nach der das Leben trotzdem weitergehen muss.

Ein schönes Buch mit Anspruch, das man nicht weglegen kann, und das seinen jungen Lesern noch lange im Kopf bleibt.

  • Cover
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Veröffentlicht am 29.01.2021

Ein Goldjunge ermittelt

Die Spur zum 9. Tag
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„Die Spur zum 9. Tag“ ist ein flotter Kinder-Krimi um einen ziemlich wohlgeratenen Zwölfjährigen, der in den Ferien neue Freunde findet und mit ihnen einen echten Schurken dingfest macht.

Bene ist ein ...

„Die Spur zum 9. Tag“ ist ein flotter Kinder-Krimi um einen ziemlich wohlgeratenen Zwölfjährigen, der in den Ferien neue Freunde findet und mit ihnen einen echten Schurken dingfest macht.

Bene ist ein Goldjunge. Klaglos geht er nach Duderstedt zur Oma, die er gar nicht richtig kennt, nur weil er partout nicht mit der Mutter nach Schweden fahren will. Und Oma Renate hat Haare auf den Zähnen! Sie ist eine von der Sorte, die die Fransen am Teppich kämmt. Bene hilft ihr dabei, was soll er auch machen. Selbst das Grab vom Opa geht er harken, und wenn es drauf ankommt, tut er sogar so, als würde er Aal in Aspik mögen.

Schnell freundet sich Bene mit Mia und Ole an. Sie kommen einem illegalen Welpenhandel auf die Spur und Bene erfährt am Ende Unglaubliches über seine eigene Familie.

Schön zu lesen ist die Geschichte von Bene, der mit beiden Beinen im Leben steht und sich auch von den Erwachsenen nicht aus der Ruhe bringen lässt – so schändlich ihre Taten auch sind und so unverständlich ihre Motive auch erscheinen. Die Kinder im Buch und die, die es lesen, erkennen: Die echten Übeltäter sind nicht immer die, die man dafür hält. Und umgekehrt.

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