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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.12.2025

Klassisch

Tod zur Teestunde
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Zum Inhalt:
Der Autor wurde ermordet, aber seine Romanfigur Atticus Pünd soll weiterleben. Die Lektorin Susan wird reaktiviert und soll den verantwortlichen und leicht labilen Autor bei seinem Buch "Pünds ...

Zum Inhalt:
Der Autor wurde ermordet, aber seine Romanfigur Atticus Pünd soll weiterleben. Die Lektorin Susan wird reaktiviert und soll den verantwortlichen und leicht labilen Autor bei seinem Buch "Pünds letzter Fall" unterstützen. Eliot ist der Enkel einer beliebten Schriftstellerin, die jedoch laut seiner Aussage einige dunkle Seiten hatte und keines natürlichen Todes gestorben wäre. Seine Vergangenheit verarbeitet Eliot zwar auf gekonnte Weise in dem Buch, kann aber nicht aus seiner dünnen Haut, überwirft sich mit allen anderen (auch Susan) und kommt zu Tode. Um ihre Unschuld zu beweisen kommt Susan nicht umhin, den Mord aufzuklären und ganz nebenbei auch das Rätsel um die berühmte Großmutter zu lösen. Das bringt sie in große Gefahr.

Mein Eindruck:
Horowitz schafft die perfekte Balance zwischen spannendem Krimi und humorvoller (und wohl auch selbstironischer) Sicht auf das Verlagswesen und den Umgang mit zum Teil sehr egozentrischen Schriftstellern. Seine Ich-Erzählerin agiert charmant und glaubhaft, die weiteren Charakterzeichnungen zeigen Witz, Tiefe und Liebe zum Detail. Dass nicht alles Gold ist, was glänzt und schwierige Themen angesprochen werden, aber nicht unbedingt auf die übliche politisch korrekte Weise gelöst werden, macht doppelt Spaß. Denn so bleibt selbst der krimigeübte Mensch vor dem Buchdeckel lange im Unklaren, wie sich die Zusammenhänge zeigen und wer letztendlich verantwortlich ist. Dass man zwei Krimis zum Preis von einem bekommt (auch der Mord im Buch wird von Atticus Pünd meisterhaft geklärt), macht besonders glücklich.

Mein Fazit:
Hoffentlich ist "Pünds letzter Fall" nicht Pünds letzter Fall

Veröffentlicht am 30.11.2025

Tod einer Geschäftsfrau

Blutbuße
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Zum Inhalt:
Charlotte Wretlind hat eine Vision: Sie möchte ein Hotel in den schwedischen Bergen abreißen und dort ein neues errichten, um ihren Vater posthum zu beeindrucken. Denn dort haben sie als Familie ...

Zum Inhalt:
Charlotte Wretlind hat eine Vision: Sie möchte ein Hotel in den schwedischen Bergen abreißen und dort ein neues errichten, um ihren Vater posthum zu beeindrucken. Denn dort haben sie als Familie glückliche Tage verbracht und genauso wie ihr Vater weiß sie ihren Willen durchzusetzen. Doch nicht jeder ist von ihrem Plan beeindruckt und als sie schließlich ermordet wird, findet die Polizei nicht nur einen möglichen Tatverdächtigen.

Zum Inhalt:
Viveca Sten verbindet eine Kriminalgeschichte, die ihre Wurzeln in der Vergangenheit zu haben scheint, mit vielen großen und kleinen Schwierigkeiten im Privatleben ihrer Ermittler. Dabei leitet sie den Krimi gut her und bietet ihren Lesern viele Möglichkeiten, sich mit den verdächtigen Personen, den Opfern und den jeweiligen Angehörigen vertraut zu machen und so Beweggründe zu verstehen. Dass sie sich viel Zeit für die Polizisten und deren Hintergründe nimmt, nimmt jedoch dem Krimi zeitweise den Schwung und kann als eher nervig empfunden werden. Vor allen Dingen deshalb, weil sie eine Riesenwand von Problemen aufbaut, um dann einfache Lösungen zu präsentieren. Ähnliches gilt für den Show-down: Sehr früh begonnen zieht er sich stellenweise wie Kaugummi, da Sten unbedingt das Einfühlungsvermögen der Polizistin Hanna zeigen möchte und die Bewunderung des Kollegen Daniel darüber ebenfalls Raum einnimmt. Das Ende ist dann leider irgendwie unspektakulär und mündet in einen Cliffhanger, der wieder das Privatleben betrifft.

Mein Eindruck:
Sie liebt mich, er liebt mich nicht

Veröffentlicht am 30.11.2025

Krimi und Kochbuch

Mord in besserer Gesellschaft
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Diese Rezi behandelt das Hörbuch


Zum Inhalt:
Nachdem sie ganz gegen ihrer sonstigen Gewohnheit eine neue Mitarbeiterin ohne genauerer Überprüfung der Referenzen zu einem Arbeitgeber geschickt hat, sieht ...

Diese Rezi behandelt das Hörbuch


Zum Inhalt:
Nachdem sie ganz gegen ihrer sonstigen Gewohnheit eine neue Mitarbeiterin ohne genauerer Überprüfung der Referenzen zu einem Arbeitgeber geschickt hat, sieht sich Miss Beeton nach kurzer Zeit mit einigen Herausforderungen konfrontiert: Ihre Wohnung wird durch einen Schaden verwüstet, ihr Bruder kann seine Schulden bei ihr nicht bezahlen und die neue Mitarbeiterin wird ermordet. Kurzerhand - und von weiteren misslichen Umständen dazu genötigt - übernimmt Miss Beeton die Stelle selbst und kämpft für die Agentur, ihre Hündin Agatha und ein bisschen auch für das Vaterland.

Mein Eindruck:
Besonders witzig ist die Idee, Miss Beetons Kenntnisse der guten Haushaltsführung mit Koch- und Backrezepten zu untermalen, bei denen einige so lecker und/oder einfach erscheinen, dass man sie schon während des Hörens verwirklichen möchte. Aber auch der Mordfall bietet einige Überraschungen (manche schon sehr unglaubwürdig... aber es ist nun mal Cosy Crime und diese Art von Krimi darf über die Stränge schlagen). Besonders gut gefällt das bis in die kleinste Nebenrolle gut erdachte Personal der Geschichte, welches von Miss Beeton wunderbar für ihre Zwecke eingesetzt wird. Wie die Protagonistin ihre Lösung des Mordfalls herleitet ist aller Ehren wert und gut nachvollziehbar. Miss Beeton, ihr Hund Agatha, die Mitarbeiter ihrer Agentur und auch der ermittelnde Polizist empfehlen sich für weitere Glanztaten. Übrigens genauso wie die Sprecherin.

Mein Fazit:
Wunderbar leichte Kost

Veröffentlicht am 30.11.2025

Kranke Charaktere

Hass ist meine Liebe
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Zum Inhalt:
In Wuppertal werden kurz nacheinander zwei Frauen getötet. Als den Kommissaren Sommer und Lassner auffällt, was die beiden Opfer verbindet, müssen sie fürchten, dass noch mehr Menschen in Gefahr ...

Zum Inhalt:
In Wuppertal werden kurz nacheinander zwei Frauen getötet. Als den Kommissaren Sommer und Lassner auffällt, was die beiden Opfer verbindet, müssen sie fürchten, dass noch mehr Menschen in Gefahr sein könnten.

Mein Eindruck:
Nach gutem Beginn, der sich auch dadurch auszeichnete, dass die Ermittler ein Privatleben führen, welches sie zwar fordert, aber nicht vor unlösbare Probleme stellt, wurde es ab etwa der Hälfte des Buches ziemlich unglaubwürdig. Möglicherweise wollte der Autor Andreas Schmidt möglichst viele Fährten legen, um seine Leser zu verwirren; die Charaktere, die er dazu schuf, handeln aber zum Teil so fernab jeder Intelligenz, dass es dieselbe beim Menschen vor dem Buch beleidigt. Die Perspektivwechsel zwischen Täter, Opfern und Polizei waren wirklich gelungen und sorgten für Einblicke in Gemütszustände und Arbeitsweisen, doch auch hier gab es schwere Logikbrüche insbesondere im Verhalten von Opfern, Bezugspersonen derselben und Täter, die nicht immer mit der Einordnung "Psychopath" oder psychischer Ausnahmezustand zu erklären sind.
So bleibt eine vor allen Dingen zu Beginn spannender Kriminalroman, der im Verlauf eher das Potenzial zum schlechten Film zeigt.

Mein Fazit:
Popcorn

Veröffentlicht am 09.11.2025

Schwere Kost

Haus zur Sonne
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Zum Inhalt:
Der Ich-Erzähler kämpft mit seiner psychischen Krankheit, die ihn schon viele Beziehungen und Freundschaften gekostet hat und ihn zudem im Beruf behindert. Jetzt hat er beschlossen, seinem ...

Zum Inhalt:
Der Ich-Erzähler kämpft mit seiner psychischen Krankheit, die ihn schon viele Beziehungen und Freundschaften gekostet hat und ihn zudem im Beruf behindert. Jetzt hat er beschlossen, seinem Leben ein Ende zu setzen und dafür das Angebot des "Haus zur Sonne" zu nutzen. Hier darf er bis zu seinem durchgeführten Tod auf Verlangen in Simulationen das Glück finden, dass ihm im wahren Leben verwahrt bleibt. Doch will man überhaupt noch sterben, wenn das funktioniert?

Mein Eindruck:
Zu Beginn zieht einen die Geschichte wunderbar in ihren Bann; man hofft und bangt mit dem Erzähler, bedauert ihn, leidet mit ihm und wünscht ihm einen Ausweg aus seiner Krankheit. Doch irgendwann wird es für die Leser ähnlich ermüdend wie für den Protagonisten, wenn sich die Konversationen immer wieder um "das eine" drehen, nämlich den Weg zum Ziel und warum er gegangen werden muss, oder ob man ihm letztendlich ausweichen möchte. Irgendwann ist dann auch die Empathie aufgebraucht (ähnlich wie bei Freunden, Verwandten und Kollegen des Erzählers) und man hofft auf ein Ende - wie auch immer dieses gestaltet sein mag - weil die Geschichte kreist und kreist. In schönen Sätzen, wunderbaren Ideen und mit wirklich gut ausgearbeiteten Charakteren... aber sie bewegt sich kaum vorwärts. Doch eins muss man dem Autor unbedingt lassen: Das Ende ist absolut genial!

Mein Fazit:
Für Menschen mit viel Empathie und Leidensfähigkeit und wunderbar geschrieben