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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.08.2020

Eliteschüler

Élite: Tödliche Geheimnisse
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Zum Inhalt:
Als Marina umgebracht wird, haben gleich mehrere ihrer Mitschüler an der Eliteschule Las Encinas ein Motiv für den Mord: Eifersucht, Rache, Neid.
Denn trotz – oder auch gerade wegen ihrer Beliebtheit ...

Zum Inhalt:
Als Marina umgebracht wird, haben gleich mehrere ihrer Mitschüler an der Eliteschule Las Encinas ein Motiv für den Mord: Eifersucht, Rache, Neid.
Denn trotz – oder auch gerade wegen ihrer Beliebtheit – weckte das hübsche Mädchen dunkle Gefühle bei einigen Mitmenschen; unter anderem bei einer Clique von nicht ganz so dazugehörigen Klassenkameraden.
Der ermittelnden Beamtin wird ein Tagebuch zugespielt, welches darauf schließen lässt: Dort wird der Hass auf Marina quasi zelebriert. Wem gehört das Tagebuch und ist sein Besitzer wirklich der Mörder?

Mein Eindruck:
Zu Beginn des Buches macht „Elite“ noch den Eindruck, ein typisches Jugendbuch mit großem Herz-Schmerz-Anteil zu sein. Hauptsächlich kreist die Geschichte darum, wie es ist, unglücklich verliebt zu sein und/oder aus welchen Gründen auch immer nicht zu den coolen Typen in der Klasse zu gehören. Aber dann bekommen die Hauptcharaktere Tiefe, die Autorin lässt ihre Leser in die Köpfe der jungen Menschen schauen und was man dort zu sehen bekommt, überrascht, erschreckt, lässt einen lachen oder weinen und fühlt sich – auch ohne „Elite“-Hintergrund - so manches Mal überaus bekannt an. Auch die Verhöre und die Ermittlungen der Polizei sind gut gelungen; egal ob Beschuldigter, Zeuge oder Beamter, - Zamora weiß die Gedanken und Stimmungen perfekt darzustellen.
Ein großer Schwachpunkt ist jedoch die Aufklärung des Mordes, die irgendwie so passiert, dass man sich fragt, ob das wirklich alles gewesen sein soll oder ob die Tat in einem der Nachfolgebücher noch einmal aufgegriffen wird. Denn hier handelt es sich um den ersten Teil einer Trilogie, - da verschießt man schließlich nicht sein ganzes Pulver!
Bis auf dieses Manko wirkt „Elite“ jedoch rund und genügend abgeschlossen, um nicht unfertig zu sein.

Mein Fazit:
Spannend, flüssig, gut zu lesen

Veröffentlicht am 20.08.2020

Glanz und Elend der 20er Jahre

Die letzte Geliebte
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Zum Inhalt:
Hardy Engel bekommt seinen dritten großen Fall im Hollywood des Stummfilms: Im Auftrag der Witwe von Wallace Reid soll er Will Hays zu Fall bringen, den großen Zensor Hollywoods, der hinter ...

Zum Inhalt:
Hardy Engel bekommt seinen dritten großen Fall im Hollywood des Stummfilms: Im Auftrag der Witwe von Wallace Reid soll er Will Hays zu Fall bringen, den großen Zensor Hollywoods, der hinter den Kulissen der Filmstudios alle Strippen zieht. Bald deckt Hardy Verwicklungen von Hays mit dem aufkommenden Ku-Klux-Klan auf, aber ist Hays auch so schuldig, wie es auf den ersten Blick scheint? Oder ist er nur der Ausputzer?

Mein Eindruck:
Möglicherweise ist der dritte Einsatz von Hardy Engel auch sein letzter, - der Leserschaft von Christof Weigold wäre das jedoch nicht zu wünschen. Denn auch in „Die letzte Geliebte“ versteht er es meisterhaft, echte und vor allen Dingen mysteriöse Todesfälle mit fiktiven Figuren und Vorkommnissen zu verweben, bis ein komplett neuer, interessanter und vor allen Dingen lesenswerter Teppich entsteht.
Zwar hätte sich sein Ich-Erzähler die eine oder andere unheilschwangere Äußerung zum Ende eines Kapitels verkneifen können; - im Großen und Ganzen gefällt die Hauptperson des desillusionierten und sich trotzdem gegen alle widrigen Umstände (und sein Glasauge) durchsetzenden Exil-Deutschen.
Dass ein Buch, welches sich in großen Teilen mit dem Ku-Klux-Klan befasst, ausgerechnet in Zeiten einer großen Rassismus-Debatte veröffentlicht wird, ist ein Glücksfall für Verlag und Autor, der bestimmt nicht geplant war, - so viele Seiten schreiben sich nicht einmal eben schnell aus dem rechten Handgelenk. Doch dieser Glücksfall ist zu gönnen, denn das Buch ist brillant, gut recherchiert und lässt einen die „Roaring Twenties“ gut miterleben. Und das in Glanz und Elend gleichermaßen.

Mein Fazit:
Spannend, mitreißend und farbenprächtig – der perfekte Hollywood-Film!

Veröffentlicht am 16.08.2020

Sympathisch

Friesenbrauer. Ostfrieslandkrimi
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Zum Inhalt:
Ein sehr unsympathischer Brauer wird tot vorgefunden. Schnell stellt sich heraus, dass es sich nicht um einen Unfall handelt und so beginnen die Borkumer Kommissare Enno und Mona zu ermitteln. ...

Zum Inhalt:
Ein sehr unsympathischer Brauer wird tot vorgefunden. Schnell stellt sich heraus, dass es sich nicht um einen Unfall handelt und so beginnen die Borkumer Kommissare Enno und Mona zu ermitteln. Es stellt sich die Frage, ob der Brauer – ein notorischer Frauengrapscher – das entscheidende Opfer war oder die Brauerei getroffen werden sollte, die sich anschickte, mit Dumping-Preisen das Gesamtgeschäft auf Borkum zu übernehmen.

Mein Eindruck:
Zum 17.ten Mal ermitteln Mona und Enno auf Borkum, - und das tun sie in aller Gemütlichkeit. Zwar baut Sina Jorritsma noch einige Straftaten in ihren Krimi ein, wirklich Tempo verleihen sie dem Buch jedoch nicht. Doch das sollte man von einem Heimatkrimi, der schließlich auch dazu da ist, die schönen Ecken der Landschaft und die typischen Charakterzüge der dort beheimateten Menschen in den Vordergrund zu stellen, nicht wirklich erwarten. Dieser Teil des Krimis gelingt der Autorin ausnehmend gut, - Borkumkenner fühlen sich sehr wohl in der Umgebung, bei anderen wird die Neugier geweckt. Ihre Krimihandlung ist aber ein bisschen zu voll gepackt. Dadurch wird jede Nebenfigur mit möglichem Motiv nur angekratzt, taucht im weiteren Verlauf nicht mehr auf und für den geübten Leser ist schnell klar, in welche Richtung der Hase letztendlich läuft. Die Auflösung ist dann aber durchaus folgerichtig und glaubwürdig.
Der Schreibstil ist sehr bildhaft, was bei den Landschaften wunderbar wirkt, bei der dauernden Beschreibung des voluminösen Körpers Ennos irgendwann nervt. Hier wären weniger Adjektive mehr gewesen.
Schlussendlich ist dieses Buch das, was man erwarten darf und kann: Eine leicht verdauliche Urlaublektüre zu einem absolut akzeptablen Preis

Mein Fazit:
Perfekt für den Strandkorb, - vielleicht auf Borkum…

Veröffentlicht am 13.08.2020

Begehren, Liebe, Hass

Golden Cage. Die Rache einer Frau ist schön und brutal (Golden Cage 1)
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Zum Inhalt:
Die hochintelligente Matilda hat sich nach ihrer traumatischen Kindheit auf Fjällbacka neu erfunden, nennt sich jetzt Faye und lebt den schwedischen Traum mit sehr erfolgreichem Mann und hübscher ...

Zum Inhalt:
Die hochintelligente Matilda hat sich nach ihrer traumatischen Kindheit auf Fjällbacka neu erfunden, nennt sich jetzt Faye und lebt den schwedischen Traum mit sehr erfolgreichem Mann und hübscher Tochter. Doch dieser Traum hat einige Schönheitsfehler: Ihr Mann billigt ihr nur eine Heimchen-Rolle zu, verachtet sie aber genau dafür. Als sie durch eine jüngere Frau ersetzt wird, besinnt sich Faye auf ihre Fähigkeiten und schlägt erbarmungslos zurück.

Mein Eindruck:
Nach ihrer Fjällbacka-Reihe begibt sich Läckberg auf bis dahin unbekanntes Terrain: Ein psychologischer Thriller mit einer schillernden, vielschichtigen Hauptperson, welche im Laufe der Geschichte einige Untiefen offenbart. Und damit steht sie nicht alleine: Die meisten Charaktere in „Golden Cage“ haben Züge, die in der Stärke ihrer Ausprägung erschreckend sind. Brutalität bis zum Exzess, Geldgier bis zum Erbrechen, der Wunsch nach Liebe bis zur Selbstverleugnung, dem nach Rache bis zur kompletten Zerstörung. Zwar übertreibt Läckberg an manchen Stellen insbesondere die schlechten Seiten fast aller Männer in ihrem Buch (so hoffe ich doch wenigstens), das Verständnis für den Kampf der Frauen wird dadurch jedoch gestärkt. Läckberg schreibt – wie immer – gekonnt und mitreißend und pflanzt Gefühle und Bilder in Herz und Hirn ihrer Leserschaft. Die Ausführlichkeit einiger Sexszenen hätte es dafür gar nicht gebraucht und es ist unverständlich, warum Autoren immer wieder meinen, ihre guten Geschichten damit aufpeppen zu müssen. Eine gute Idee dagegen ist es, die Teile in der Vergangenheit in der ersten Person zu beschreiben, die Teile der Gegenwart in der dritten: Der Bruch im Charakter wird dadurch doppelt deutlich.
Das Ende ist zwar doch ein bisschen vorhersehbar und – ehrlicherweise – unglaubwürdig, wenn man bedenkt, dass Faye inzwischen eine Person öffentlichen Interesses ist, trotzdem weiß es zu gefallen.

Mein Fazit:
Camilla Läckberg kann zwar nicht ganz von ihrer Insel lassen, mit ihrem Psychothriller betritt sie jedoch gekonnt anderes Neuland

Veröffentlicht am 13.08.2020

Manipulationen

American Spy
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Zum Inhalt:
Nachdem sie einen Anschlag auf sich und ihre Familie vereiteln konnte, in dem sie ihren Angreifer erschoss, flüchtet Marie mit ihren Söhnen zu ihrer Mutter. Dort schreibt sie für ihre Kinder ...

Zum Inhalt:
Nachdem sie einen Anschlag auf sich und ihre Familie vereiteln konnte, in dem sie ihren Angreifer erschoss, flüchtet Marie mit ihren Söhnen zu ihrer Mutter. Dort schreibt sie für ihre Kinder ihre Lebensgeschichte auf, damit diese verstehen, warum ihre Mutter so handelt, wie sie es eben tut.

Mein Eindruck:
Es gibt Bücher, die möchte man einfach gut finden. Weil sie wichtig sind, weil sie eine Aussage haben, weil die Autorin ein Anliegen hat, weil Barack Obama das Buch lobt.
Doch trotz all dieser Dinge ist „American Spy“ gescheitert, weil es ein Thriller ohne Thrill ist. Vielleicht muss man so abgebrüht wie Marie sein, wenn man das erlebt, was sie erlebt. Doch trotz aller Kunstgriffe (Marie spricht ihre Kinder in dem Text beispielsweise oft direkt an), ist man eher ferner Beobachter des Geschehens und versinkt nicht in der Story. Fast wie in einer alten Bierwerbung fühlt man sich, als hätte Wilkinson zu ihren Leser/inne/n gesagt: „Nur gucken, nicht anfassen“.
Während des ganzen Textes fragt man sich, warum die Figuren so handeln, wie sie handeln. Der innere Trieb für viele wird überhaupt nicht klar, da er im Dunkeln belassen wird. Die gesamte Familiengeschichte Maries wird theoretisch ausgewalzt, um praktisch nicht besonders relevant zu sein, außer dass von Müttern verlassene kleine Schwestern gerne großen Schwestern nacheifern. Viele Konflikte bestehen, um nicht aufgelöst zu werden, viele Fragen bleiben offen, keiner hakt nach, selbst, wenn er die Möglichkeit hat. Es wird geredet, aber mehr neben- als miteinander.
So bleibt letztendlich der Eindruck, dass dieses Buch, in dem die Ich-Erzählerin immer wieder von der Macht der Manipulation spricht, auch nichts anderes will, als seine Leserschaft zu manipulieren. Eine Geschichte gut zu finden, weil sie wichtig scheint, weil sie eine Aussage vortäuscht, weil die Autorin ein Anliegen suggeriert und weil Barack Obama sie lobt.

Mein Fazit:
Trotz aller Brisanz packt die Story nicht