Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende
This isn't happinessThis Isn’t Happiness beginnt ruhig, entwickelt sich aber schnell zu einer eindringlichen Geschichte über Selbstwert, Beziehungsmüdigkeit und die Frage, wie glücklich man in seinem eigenen Leben wirklich ...
This Isn’t Happiness beginnt ruhig, entwickelt sich aber schnell zu einer eindringlichen Geschichte über Selbstwert, Beziehungsmüdigkeit und die Frage, wie glücklich man in seinem eigenen Leben wirklich ist. Was zunächst wie behebbare Alltagsprobleme wirkt, entlarvt sich als grundlegende Schieflage: Amy und Josh leben seit Jahren nebeneinander her, ohne Nähe, ohne Kommunikation, ohne gemeinsame Perspektive.
Amy, seit zehn Jahren mit Josh zusammen und verlobt, bemüht sich um berufliche Anerkennung, während Josh Erfolg und Aufmerksamkeit scheinbar zufliegen. Er flüchtet sich ins Fitnessstudio, sie in die Hochzeitsplanung – nicht aus Begeisterung, sondern aus Pflichtgefühl. Die sexuelle Flaute dokumentiert Amy verzweifelt mit einer Strichliste, und Josh ist emotional kaum präsent: weder bei familiären Konflikten, noch bei Amys beruflichen Rückschlägen, noch wenn es ihr gesundheitlich schlecht geht. Erst wenn sein eigenes Ego angekratzt wird, reagiert er.
Der Wendepunkt kommt mit Lace, der Brautkleid-Schneiderin, die Amy schonungslos einen Spiegel vorhält. Durch sie beginnt Amy, Neues zu wagen und aus ihrem Schneckenhaus herauszutreten. Diese neu gewonnene Klarheit führt dazu, dass sie Joshs Geheimnisse entdeckt – seine Untreue, seine versteckten sexuellen Vorlieben und weitere Abgründe, die ihn in keinem guten Licht zeigen. Mit dem Kapitel Die Kiste kippt die Geschichte endgültig: Amy erkennt, dass die Hochzeit ein fataler Fehler wäre.
Die zweite Hälfte des Romans zeigt sie vorsichtig, aber stetig wachsend. Dank Lace öffnet sie sich wieder Menschen, probiert Neues aus und gewinnt an Stärke. Auch wenn die Hintergründe zu Lace komplex sind, schaden sie Amys Entwicklung nicht – im Gegenteil, sie unterstützen sie.
Newnham schreibt flüssig, direkt, humorvoll und zugleich schonungslos. Die Geschichte liest sich fast in einem Zug und wirkt trotz mancher Überzeichnung authentisch, gerade weil der Roman mit der erhofften Trennung endet. Einzig hätte ich mir stellenweise noch mehr Eigeninitiative von Amy gewünscht – aber vielleicht macht genau das die Entwicklung realistischer.
Ein berührendes, ehrliches Buch über die Wichtigkeit, genau hinzusehen, bevor man nur noch einem schönen Schein hinterherläuft