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Veröffentlicht am 02.05.2018

Von der Freiheit und dem literarischen Schaffen

Ich wollte nur Geschichten erzählen
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Als Rafik Schami im März 1971 in Deutschland ankam, ahnte er nicht, welche Hürden auf ihn warten würden. Mit dem Entschluss, seine Heimat Damaskus in Syrien zu verlassen, entschied er sich für die Freiheit ...

Als Rafik Schami im März 1971 in Deutschland ankam, ahnte er nicht, welche Hürden auf ihn warten würden. Mit dem Entschluss, seine Heimat Damaskus in Syrien zu verlassen, entschied er sich für die Freiheit und gegen die Diktatur. Dieser Schritt war gut überlegt. Doch wie schafft es ein Exilautor, auch im Ausland zu publizieren? Mit welchen Schwierigkeiten hat er zu kämpfen? Und wie konnte der Schriftsteller dennoch mit seinen Geschichten erfolgreich zu werden? Antworten auf diese Fragen liefert Schami selbst, indem er über sein Schaffen als Autor berichtet.

Mit „Ich wollte nur Geschichten erzählen – Mosaik der Fremde“ gibt Rafik Schami Einblick in seine literarische Arbeit und die Kunst des Erzählens.

Meine Meinung:
In 65 kurzen Kapiteln, den Steinchen des Mosaiks, berichtet Rafik Schami in der Ich-Perspektive über das Leben als Exilautor. Er beginnt mit seiner Ankunft in Deutschland und fährt fort mit den weiteren Jahren bis zur jüngsten Vergangenheit, allerdings nicht in chronologischer Reihenfolge.

Sprachlich ist das Buch sehr gelungen. Die Freude am Erzählen merkt man dem Autor in jedem Kapitel an.

Intensiv beleuchtet Schami die unterschiedlichen Facetten des literarischen Schaffens eines Schriftstellers, der fernab der Heimat im Exil lebt: von den Schwierigkeiten, in einer fremden Sprache zu schreiben, von den Anfeindungen der Kollegen, von den Problemen, einen Verlag zu finden, von Rassismus und offenen Drohungen, von seinen Tricks, einen guten Roman zu verfassen, und vom freien Vortragen bei Lesungen. Dazu erwarten den Leser interessante Ansichten und Einblicke, denn Schami hält mir seiner Meinung nicht hinter dem Berg und rechnet in deutlichen Worten mit Kritikern, Kollegen, politischen Feinden und Neidern ab. Wiederholt und sehr anschaulich erklärt er die Zustände in Syrien, die dazu geführt haben, dass er seine Heimat verließ und sie bis heute meidet. Die Passagen sind von Traurigkeit und Bitterkeit bestimmt und machen nachdenklich.

Immer wieder geht es auch um sein Heimweh nach Damaskus und die Trennung von der Familie. Auch teils amüsante, teils schockierende Anekdoten, die das Buch auflockern und lebhaft machen, streut der Autor ein. Als Autobiografie würde ich dieses Buch jedoch nicht einordnen. Insgesamt blieb mir Schami als Person, also jenseits der Schriftstellerei, trotz allem leider nämlich noch ein wenig fremd, denn er lüftet den Vorhang nur leicht, was sein persönliches Leben betrifft. Darüber gibt er nicht viel preis. Dies ist schade, denn weitreichendere Einblicke hätten die Lektüre noch intensiver und emotionaler werden lassen.

Das Cover und der Titel passen gut zum Inhalt. Ich habe das Buch als ungekürzte Lesung genossen. Die Hörbuch-Edition wird auf gewohnt angenehme Art von Wolfgang Berger gesprochen.

Mein Fazit:
„Ich wollte nur Geschichten erzählen – Mosaik der Fremde“ von Rafik Schami ist nicht nur für Literaturbegeisterte eine interessante, lehrreiche und unterhaltsame Lektüre.

Veröffentlicht am 02.05.2018

Zwei Frauen auf der Suche

Die Schönheit der Nacht
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Dr. Stéphenie Claire Cousteau ist eine 44-jährige Frau, die auf den ersten Blick alles hat. Sie arbeitet als Verhaltensbiologin an einer Pariser Universität. Mit ihrem Mann Gilles, einem Komponisten, führt ...

Dr. Stéphenie Claire Cousteau ist eine 44-jährige Frau, die auf den ersten Blick alles hat. Sie arbeitet als Verhaltensbiologin an einer Pariser Universität. Mit ihrem Mann Gilles, einem Komponisten, führt Claire seit vielen Jahren eine Ehe. Der gemeinsame Sohn Nicolas, kurz Nico, ist erwachsen. Dennoch hat die Professorin das Gefühl, dass ihr irgendetwas fehlt. Auch Julie, die 19-jährige Freundin von Nico und Angestellte in einem Hotel, ist noch auf der Suche. Ein gemeinsamer Aufenthalt in der Bretagne bringt die beiden Frauen einander näher, die ein Geheimnis teilen…

„Die Schönheit der Nacht“ ist ein anspruchsvoller Roman von Nina George über die Suche nach Freiheit, nach Liebe, nach dem Sinn des Lebens und letztendlich nach sich selbst.

Meine Meinung:
Der Roman besteht aus 33 Kapiteln von angenehmer Länge. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Claire und der von Julie.

Begeistern konnte mich wieder einmal der intensive Erzählstil der Autorin. Die Sprache ist voll von Emotionen und tollen Sprachbildern. Immer wieder gibt es poetisch anmutende Passagen. Eingebaut werden auch wundervolle Zitate aus Liedern und anderen Werken. Dabei werden auf hervorragende Art Stimmungen transportiert wie beispielsweise eine Melancholie, die sich durch weite Teile des Romans zieht.

Durch diese besondere Art des Erzählens fiel es mir leicht, die Gedanken- und Gefühlswelt von Claire nachzuvollziehen. Die Vielschichtigkeit der Hauptprotagonistin hat mir gut gefallen. Auch Claire wirkt sehr authentisch und ist ein reizvoller Charakter.

Inhaltlich ist der Roman sehr tiefgründig und bietet viele Denkanstöße. Gleich mehrere Fragen philosophischer Art werden aufgeworfen. Unterschiedliche Facetten der Weiblichkeit werden thematisiert. Somit konnte mich der Roman nicht nur emotional bewegen, sondern auch zum Nachdenken anregen. Obwohl er erst ab dem letzten Drittel an Spannung gewinnt und gegen Ende mit einer Wendung überrascht, kommt beim Lesen keine Langeweile auf. Dazu trägt das französische Flair bei, was für mich ein weiterer Pluspunkt ist.

Interessant sind auch die ausführlichen Dankesworte zum Ende des Romans. Sie geben unter anderem Aufschluss über die Entstehung der Geschichte.

Sehr gelungen ist auch die schöne und hochwertige Aufmachung der gebundenen Ausgabe. Das Cover ist ansprechend und geheimnisvoll. Auch der klangvolle Titel ist treffend gewählt.

Mein Fazit:
„Die Schönheit der Nacht“ von Nina Georg ist ein besonderer Roman der leisen Töne, der bei mir noch eine Weile nachklingen wird. Ich kann die Lektüre sehr empfehlen.

Veröffentlicht am 27.04.2018

Das unheimliche Pflegekind

Das Böse in deinen Augen
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Die elfjährige Ellie Atkinson ist vielen unheimlich. Als Pflegekind ist sie in die Familie Jefferson gekommen, nachdem ihre Eltern und ihr Bruder bei einem Brand gestorben sind und sie als einzige überlebt ...

Die elfjährige Ellie Atkinson ist vielen unheimlich. Als Pflegekind ist sie in die Familie Jefferson gekommen, nachdem ihre Eltern und ihr Bruder bei einem Brand gestorben sind und sie als einzige überlebt hat. Das Mädchen wird als Hexe beschimpft und gehänselt. Sie sei gefährlich und könne schreckliche Dinge auslösen, heißt es. Kinderpsychologin Imogen Reid, die nach einer Entlassung zurück in ihren englischen Heimatort Gaunt zieht, will das anfangs nicht glauben. Als sie Ellies Fall übernimmt, hält sie die Gerüchte für übertrieben. Doch je näher sie Ellie kommt, desto merkwürdiger erscheint ihr das Mädchen. War es etwa ein Fehler, ihr zu vertrauen?

„Das Böse in deinen Augen“ ist ein spannender Psychothriller von Jenny Blackhurst.

Meine Meinung:
Das Buch besteht aus 100 Kapiteln, die von einem Pro- und einem Epilog eingerahmt werden. Erzählt wird zum Teil aus der Ich-Perspektive von Imogen, zum Teil aus der Sicht Ellies und weiterer Personen – jeweils im Präsens. Dieser Aufbau hat mir gut gefallen.

Der Schreibstil ist – wie von Jenny Blackhurst gewohnt – flüssig, angenehm, anschaulich und packend. Durch die Kürze der Kapitel entsteht ein recht hohes Erzähltempo. Zudem gelingt es der Autorin gut, eine gruselige und beklemmende Atmosphäre zu schaffen. Dadurch konnte mich der Thriller schnell fesseln.

Mit Imogen und Ellie stehen zwei reizvolle und vielschichtige Charaktere im Vordergrund. Sie haben ihre Schattenseiten und waren mir dennoch nicht unsympathisch. Der Leser bekommt interessante Einblicke in das Gefühlsleben der beiden. Der Thriller erhält so psychologische Tiefe. Authentisch wirken auch die Nebenfiguren wie beispielsweise Imogens Ehemann Dan, Pflegemutter Sarah Jefferson und ihre leiblichen Kinder.

Die rätselhaften Erlebnisse rund um Ellie werden Stück für Stück geschildert. Auch in Imogens Vergangenheit gibt es einige Geheimnisse. So wirft der Thriller immer wieder neue Fragen auf und macht mysteriöse Andeutungen. Geschickt sät die Autorin Zweifel an gleich mehreren Personen. Dadurch bleibt die Lektüre bis zum Ende spannend und unvorhersehbar. Beim Lesen habe ich mich zu keiner Zeit gelangweilt, sondern das Miträtseln genossen. Die überraschende Auflösung finde ich überzeugend.

Eine Stärke des Thrillers ist es auch, dass er wichtige Themen wie Mobbing aufgreift. Außerdem geht es um Ängste und Traumata. Dadurch regt das Buch zum Nachdenken an.

Das Cover lässt nur einen indirekten inhaltlichen Bezug zur Geschichte erkennen. Es passt aber gut zu den übrigen Büchern der Autorin und gefällt mir optisch gut. Der Titel weicht zwar deutlich vom englischen Original („The Foster Child“) ab, ist aber treffend gewählt.

Mein Fazit:
„Das Böse in deinen Augen“ ist ein gelungener Spannungsroman, der für unterhaltsame Lesestunden sorgt. Er macht Lust auf weitere Thriller von Jenny Blackhurst.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Spannung
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Geschichte
Veröffentlicht am 26.04.2018

Eine Reise in die eigene Vergangenheit

Ein mögliches Leben
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Eigentlich sollte Franz Schneider im Jahr 1944 ein Teil der Gegenoffensive Hitlers sein. Stattdessen landete der Bergmann in amerikanischer Gefangenschaft. 70 Jahre später ist Franz verwitwet und hat einen ...

Eigentlich sollte Franz Schneider im Jahr 1944 ein Teil der Gegenoffensive Hitlers sein. Stattdessen landete der Bergmann in amerikanischer Gefangenschaft. 70 Jahre später ist Franz verwitwet und hat einen Wunsch: Der fast 90-Jährige will noch einmal zurück nach Texas und das ehemalige Lager sehen. Sein Enkel Martin, ein Lehrer in den unbezahlten Sommerferien, kann ihm die Bitte nicht abschlagen und lässt sich ein auf die letzte große Reise seines Großvaters. In den USA werden für den alten Mann die Kriegsjahre und die Zeit danach wieder lebendig. Endlich findet Franz die Worte für das, was sein Leben damals verändert hat. Mit jeder Erinnerung kommt Martin seinem Opa näher. Und langsam beginnt er die Brüche zu begreifen, die sich durch seine Familie ziehen…

„Ein mögliches Leben“ ist ein bewegender Roman von Hannes Köhler.

Meine Meinung:
Aufgeteilt ist das Buch in sechs Kapitel. Darüber hinaus gibt es einen Pro- und einen Epilog. Passagen aus der Gegenwart wechseln sich mit Rückblicken beziehungsweise Erinnerungen ab. Die Verknüpfung von damals und heute ist fließend und dabei gut gelungen.

Den Erzählstil habe ich als angenehm und anschaulich empfunden. Die Sprache ist sehr klar. Dennoch schwingen viele Emotionen und Stimmungen mit und es entstehen viele Bilder. Dadurch konnte mich der Roman in seinen Bann ziehen.

Franz und Martin sind zwei interessante und authentisch dargestellte Hauptprotagonisten. Ich fand es berührend zu lesen, wie sich ihre Beziehung entwickelt. Trotz seiner zweifelhaften Vergangenheit war mir Franz nicht unsympathisch. Die Reise der beiden habe ich gerne verfolgt.

Ein Pluspunkt des Romans ist es, dass hier das interessante Thema der Kriegsgefangenschaft so detailliert und glaubwürdig aufgegriffen wird. Es bietet dem Leser nicht nur einen Erkenntnisgewinn, sondern regt auch zum Nachdenken an. Dass der Autor zwei Monate lang auf Recherchereise in den Vereinigten Staaten war und sich fundiert in die Materie eingearbeitet hat, merkt man dem Buch an. Dennoch ist es keine trockene Lektüre, sondern eine Geschichte, die emotional berührt.

Das Cover ist ein Blickfang, der neugierig macht und inhaltlich gut zur Geschichte passt. Auch der Titel ist überzeugend.

Mein Fazit:
„Ein mögliches Leben“ von Hannes Köhler ist ein lesenswerter Roman, der mir schöne Lesestunden bereitet hat. Eine überzeugende Geschichte, die nicht nur die Vergangenheit einer Familie, sondern einer ganzen Generation beleuchtet.

Veröffentlicht am 24.04.2018

Wenn die Gier nach Geld keine Grenzen kennt

Offshore
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Bei einem Staatsakt in der Hafenstadt Valparaiso in Chile kann Paul Margis einen großen Erfolg verkünden. Der Verhandlungsstratege der Bundesregierung hat entscheidend daran mitgewirkt, dass eine internationale ...

Bei einem Staatsakt in der Hafenstadt Valparaiso in Chile kann Paul Margis einen großen Erfolg verkünden. Der Verhandlungsstratege der Bundesregierung hat entscheidend daran mitgewirkt, dass eine internationale Partnerschaft zur Ausschöpfung einer neuen Rohstoffquelle im Pazifik eingegangen wird, die Tiefseeförderung von sogenannten Manganknollen. Doch schon wenige Stunden nach seinem Auftritt vor den Kameras will man ihm den Mord an dem Wissenschaftler Eduard Maining anhängen, der die neue Abbautechnologie erforscht hat. Mitten in der Nacht stürmen Polizisten sein Hotelzimmer und nehmen ihn fest. Um seinen Ruf zu retten, muss Paul herausfinden, was der Tote wusste. Doch damit gerät er erst recht ins Visier mächtiger Gegner und in den Strudel eines Komplotts…

„Offshore“ ist ein spannender Wirtschaftsthriller von Till Berger.

Meine Meinung:
Aufgeteilt ist das Buch in 78 Kapitel, denen ein spannender Prolog vorangestellt ist. Die Handlung wechselt zwischen Chile, Deutschland, Frankreich und der Schweiz.

Der Schreibstil ist angenehm und liest sich flüssig. Schon nach wenigen Seiten bin ich in der Geschichte versunken, die mich packen konnte.

Die Personen sind vielschichtig angelegt. Hauptprotagonist Paul ist für mich kein großer Sympathieträger, aber ein interessanter Charakter und - ebenso wie die anderen Figuren - authentisch dargestellt.

Thematisch ist der Thriller sehr interessant, aber auch anspruchsvoll. Es geht um Energiegewinnung, Umweltschutz, Technik, die Finanzwelt und politische Verstrickungen. Die Zusammenhänge kann der Autor gut erklären. Zwar ist beim Lesen viel Aufmerksamkeit gefordert. Jedoch lohnt sich die Lektüre, denn die komplexe Thematik macht eine der Stärke des Thrillers aus.

Die Handlung ist spannend und trotz der eher hohen Seitenzahl kurzweilig. Der Thriller kann einige Wendungen bieten, die Auflösung wirkt absolut schlüssig. Immer wieder wird der Leser auf falsche Fährten geführt und fragt sich, wem zu trauen ist und wem nicht. Nur an manchen Stellen hat der Autor ein wenig zu viel aufgetragen. Das schmälert den Lesegenuss jedoch kaum.

Das Cover gefällt mir sehr gut und passt gut zur Geschichte. Das Taschenbuch kann mit einer besonderen Haptik punkten. Auch der knappe Titel ist aussagekräftig und treffend gewählt.

Mein Fazit:
„Offshore“ von Till Berger ist ein lesenswerter Wirtschaftsthriller, der mir spannende Lesestunden bereitet hat. Er hebt sich durch seine Komplexität positiv von anderen Büchern des Genres ab.