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Veröffentlicht am 19.06.2021

Eine fiktive Geschichte zur Himmelsscheibe von Nebra

Die Kinder von Nebra
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„Die Kinder von Nebra“ von Ulf Schiewe wurde Anfang Mai 2021 mit dem goldenen Homer ausgezeichnet und ist fast zeitgleich bei Bastei Lübbe als Taschenbuch erschienen. Das Buch spielt 4.000 Jahre vor unserer ...

„Die Kinder von Nebra“ von Ulf Schiewe wurde Anfang Mai 2021 mit dem goldenen Homer ausgezeichnet und ist fast zeitgleich bei Bastei Lübbe als Taschenbuch erschienen. Das Buch spielt 4.000 Jahre vor unserer Zeit und erzählt eine fiktive Geschichte zur Himmelsscheibe von Nebra, die es wirklich gibt.

Nebra vor 4.000 Jahren: Es herrscht Aufruhr im Land der Ruotinger. Seit langer Zeit herrscht ein grausamer Fürst über das Volk und opfert Menschen im Namen Hadors. Als der Sohn des Fürsten es zu weit treibt, beginnt sich Widerstand zu regen. Die junge Priesterin Rana träumt von einer friedlichen Welt, in der alle glücklich zusammenleben und sich gegenseitig achten. In der Arbeit ihres Vaters erkennt sie ein Zeichen, um die Menschen zusammenzubringen. Die Göttin des Lichts soll dem Gott der Unterwelt entgegen treten und das geheime Wissen der Bronzescheibe ist der Schlüssel hierzu. Ein gefährlicher Weg steht ihr bevor, den sie nur mit Hilfe mächtiger Verbündeter bestehen kann.

Überraschenderweise habe ich den Roman als Rezensionsexemplar zur Erscheinung der Taschenbuchausgabe von Lübbe zugeschickt bekommen. Ich war schon letztes Jahr neugierig auf das Buch, insbesondere weil es mal zu einer vollkommen anderen Zeit spielt als andere historische Romane, war mir aber auch unsicher, ob es mir nicht zu sehr Abenteuergeschichte sein wird.
Im Schreibstil Ulf Schiewes war ich schnell wieder drin, habe ich doch schon einige Bücher des Autors gelesen. Was ich dabei immer wieder verdränge ist die Tatsache, dass der Autor seine Romane im Präsens schreibt. Das erzeugt für mich mehr Nähe und hat zu dieser Art Geschichte meiner Meinung nach besonders gut gepasst. Wie die Welt vor 4.000 Jahren genau war, darüber können wir nur spekulieren und so mochte ich sehr das Gefühl beim Lesen, dass das Geschehen im Buch quasi in diesem Moment stattfindet. Die Orte und Wälder konnte ich mir sehr gut vorstellen und hatte die meiste Zeit über Bilder in meinem Kopf.
Der Spannungsbogen hat mir insgesamt gefallen, auch wenn die Geschichte etwas in die Länge gezogen wirkt. Es dauert das halbe Buch bis die Geschichte so weit aufgebaut ist, wie es im Klappentext beschrieben wird. Für mich sollte ein Klappentext höchstens das erste Drittel oder Viertel eines Buches beschreiben, denn im Prinzip konnte ich mir so schon herleiten, was im gesamten Buch passieren wird. Das empfinde ich als suboptimal, weil es so etwas die Spannung aus dem gesamten Buch nimmt.
Es wurde wahnsinnig viel Wissen ins Buch eingebracht. Das ist etwas was ich in der Regel sehr mag und ich bewundere den Autor dafür, dass er hier so viel Einbringen konnte, über eine Zeit, die schon so lange her ist. Das Einbinden in die Geschichte ist dem Autor mal besser und mal schlechter gelungen: Zeitweise wurden viele Fakten aneinandergereiht und ich habe mich etwas erschlagen gefühlt, an anderen Stellen wiederum war alles wunderbar mit der Geschichte verbunden und wirkte harmonisch auf mich.
Diesmal sehr aufgefallen sind mir einige Klischees, die mich teilweise sehr gestört haben und mit den Augen rollen lassen haben und sie haben mir zeitweise auch das Zeitgefühl für die Geschichte genommen. Ich will nicht zu genau auf diesen Punkt eingehen, um nicht zu sehr zu spoilern. Das es vor 4.000 Jahren klarere Rollenbilder gab, möchte ich auch gar nicht abstreiten, aber ich glaube schon, dass diese sich doch etwas differenzierter dargestellt haben als es in dem Buch der Fall ist. Wir haben den abgrundtief bösen Fürstensohn, der wirklich nur Arschloch ist und keinerlei positive Eigenschaften hat, wir haben die Heldin, die natürlich anders als andere Mädchen/Frauen ihrer Zeit ist. Es gab teilweise diverse Ansätze im Buch, diese wurden aber einfach nur erwähnt und nicht weiter verfolgt oder wiederum mit einem anderen Klischee verbunden, was mich hierbei etwas zwiegespalten zurücklässt.
Ich habe die Geschichte und das Schicksal der Personen im Buch gerne verfolgt, aber ich kann nicht sagen, dass ich mich einer Person im Buch extrem verbunden gefühlt habe. Gerade bei den Frauenfiguren, empfand ich einige in ihrem Verhalten einfach nur unlogisch. Wahrscheinlich sollte suggeriert werden, dass es sich um komplexe Charaktere handelt, aber dies ist dem Autor meiner Meinung nach nicht so gut gelungen. Insgesamt sind alle Charaktere etwas klischeehaft geraten, an der einen Stelle fällt das mehr ins Gewicht und an anderer Stelle wirkt es hingegen passend.
Es geht in diesem Buch, um die Himmelsscheibe von Nebra, die wirklich existiert und in diesem Buch werden die neuesten Erkenntnisse zu dieser Bronzescheibe in einer fiktiven Geschichte verarbeitet. Diese Verknüpfung ist dem Autor gut gelungen, finde ich. In einem ausführlichen Nachwort gibt Ulf Schiewe ausführlich Auskunft darüber. Das hat mir sehr gut gefallen. Ich konnte das Buch nochmals Revue passieren lassen und so für mich die Geschichte besser einordnen. Einige Fakten wurden sehr gut und glaubhaft ins Buch eingearbeitet.
Weiteres Zusatzmaterial gibt es in Form einer Karte im Buchumschlag auf denen wichtige Ortsnamen vermerkt sind. Darüber hinaus findet sich noch ein Glossar, eine Übersicht über die Klans und Götter im Buch und ein Personenverzeichnis ganz zum Schluss. Die Vorstellung der Götter ist auch innerhalb des Buches gut gelungen. Jedes Kapitel ist einem anderen Gott gewidmet. Wichtig zu wissen, die Namen sind ausgedacht und an spätere uns bekannte Gottheiten angelehnt. Diese Spekulation halte ich durchaus für realistisch.

Fazit: Ein historischer Roman, der für mich Höhen und Tiefen hatte. Die Einbindung der Fakten rund um die Himmelsscheibe von Nebra in eine fiktive Geschichte finde ich gelungen, auch wenn mich das viele allgemeine Wissen manchmal etwas erschlagen hat. Die vielen Klischees haben mich zeitweise genervt und mir ein bisschen das Gefühl für die Zeit genommen, in der der Roman spielt. Empfehlenswert für Personen, die Klischees nicht groß stören und die etwas über das Leben vor 4.000 Jahren und die Bronzescheibe von Nebra erfahren wollen.

Veröffentlicht am 12.06.2021

Das Istanbul des 16. Jahrhunderts und seine Bauten zum Leben erweckt

Der Architekt des Sultans
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Elif Shafak erzählt in „The Architect‘ Apprentice“ vom Leben Jahans, der im 16. Jahrhundert zusammen mit einem weißen Elefanten nach Istanbul kam und Lehrling Sinans wurde, der als berühmtester Architekt ...

Elif Shafak erzählt in „The Architect‘ Apprentice“ vom Leben Jahans, der im 16. Jahrhundert zusammen mit einem weißen Elefanten nach Istanbul kam und Lehrling Sinans wurde, der als berühmtester Architekt des osmanischen Reiches in die Geschichte einging. Erschienen ist der Roman bei penguin im November 2014. Das Buch ist auf Deutsch unter dem Titel „Der Architekt des Sultans“ erhältlich.

Istanbul im 16. Jahrhundert: Jahan erreicht als 12jähriger Junge Istanbul an Bord eines Schiffes zusammen mit einem weißen Elefanten, der ein Geschenk für den Sultan ist. Während eines Feldzuges des Sultans trifft er auf den Architekten Sinan, der ihn fortan unter seine Fittiche nimmt. Auch Chota, der weiße Elefant, ist auf den künftigen Baustellen gerne gesehen und so bauen sie gemeinsam Moscheen, Aquädukte, Paläste und Mausoleen, die viele Jahrhunderte überdauern sollen. Doch nicht alles läuft so gut wie es den äußeren Anschein hat. Jahan muss lernen mit den Unwägbarkeiten des Lebens zurechtzukommen und nicht jeder ist ihm auf seinem Weg wohlgesonnen.

2019 auf der Buchmesse hatte ich mir vorgenommen ein Buch von Elif Shafak zu lesen und nun habe ich dieses Vorhaben endlich umgesetzt. Während der Literaturgala hat sie mich sehr beeindruckt und auch die kurze Lesung aus einem anderen Buch hatte mir sehr gefallen. Meine Wahl ist auf Grund der Zeit, in der es spielt, auf „The Architect’s Apprentice“ gefallen.
Der Schreibstil zieht einen sofort in seinen Bann. Ich konnte mir Istanbul und seine Bauten sowie die Leute, die in dieser Stadt leben, sehr gut vorstellen. Mit dem Englisch im Buch kam ich gut zurecht. Ich habe aber auch neue Worte gelernt, für die ich bisher andere englische Begriffe im Kopf hatte.
Der Erzählstil hat mir gut gefallen. Die Geschichte wird chronologisch erzählt, aber es gibt auch jederzeit etwas fürs Leben zu lernen. Jahan kommt mit 12 nach Istanbul und die Geschichte endet am Ende seines Lebens mit fast 100 Jahren. Wir wachsen mit Jahan mit, mit seinen Erfahrungen, seinen Erfolgen, seinen Rückschlägen. Welchen Menschen kann er trauen und wem nicht. Ich habe Jahans Weg gerne verfolgt und mochte seine Freundschaft mit dem weißen Elefanten sehr. Es ist aber nichts, wo man total mitfiebert. Man verfolgt das Geschehen, genießt die tolle Sprache Elif Shafaks und versucht seine eigenen Schlüsse aus den Ereignissen zu ziehen. Ich glaube, jeder, der das Buch liest, wird etwas ganz eigenes für sich mitnehmen, je nachdem welchen Erfahrungshorizont diese Person besitzt.
Chota, den weißen Elefanten, mochte ich sehr gern. In jedem Teil der Geschichte hat er eine wichtige Rolle gespielt, war dabei aber nie Mittelpunkt der Geschichte. Er hat Krieg gesehen, auf Baustellen gearbeitet, Geheimnisse beobachtet, wurde von Jahan umsorgt und war ihm in allen Lebenslagen eine wichtige Stütze. Lediglich eine Sache fand ich sehr schade. Oft wurde Chota als Biest bezeichnet, selbst von Jahan, was ich sehr respektlos empfand. Es mag zu der Zeit so gewesen sein, dass man Elefanten oder große Tiere allgemein so bezeichnet hat und 1-2 mal im Buch hätte mich das in bestimmten Situationen auch nicht gestört. Meiner Meinung kam das zu häufig vor und hätte so manches Mal auch anders gelöst werden können.
In die Geschichte rund um Jahan und Chota ist die Stadt Istanbul und das Leben in dieser Stadt im 16. Jahrhundert eingewoben. Wir erfahren etwas über die Sultane jener Zeit und deren Kriege. Wir erleben, was es bedeutet, in einer Stadt zu wohnen, in der die unterschiedlichsten Menschen zusammen kommen und in der verschiedene Religionen ihren Platz finden müssen und dann ist da noch die Geschichte Sinans, des berühmtesten Architekten des osmanischen Reiches. Wir lernen etwas über seine Bauten, mit welchen Hindernissen er umgehen musste und wie lange er gelebt hat. Es ist viel Wissen in das Buch eingeflossen, dennoch werden nur selten Jahreszahlen genannt. Das hat mir gezeigt, dass man zwar viel Wissen für sich mitnehmen kann, es aber nicht so darauf ankommt, wann etwas genau stattgefunden hat. Dies wird im Nachwort so auch bestätigt.
Die Kultur des osmanischen Reiches wurde in diesem Buch zum Leben erweckt mit all seinen Facetten. Dazu gehören Bräuche und Verhaltensweisen, die einem eher fremd sind, aber man erkennt auch einiges wieder, was man in historischen Romanen liest, bei denen die Personen im Buch überwiegend christlich sind. So kommt in kleineren Abschnitten des Buches Antisemitismus und Hass gegenüber Roma zur Sprache, insbesondere in Situationen, wo ein Schuldiger für bestimmte Ereignisse gefunden werden muss. Es gibt aber auch Personen im Buch, die die unterschiedlichsten Menschen zusammenbringen und gerade denen helfen, die es am schwersten im Leben haben. An mancher Stelle wirkte mir einiges ein wenig zu konstruiert und mit zu viel Glück im Spiel, insgesamt wurde ich von der Geschichte gut unterhalten.
Viel Zusatzmaterial gibt es nicht. So werden einige arabische Begriffe eingebracht, die über Fußnoten erklärt werden und zum Schluss gibt es noch ein kurzes Nachwort sowie eine Danksagung. Ein Personenverzeichnis sucht man hingegen vergeblich, was einem verraten könnte, welche Personen historisch verbürgt sind und welche nicht. Ein wenig wird das im Nachwort aufgenommen und ich denke, dass man in der Geschichte auch gut erkennt, wen es wirklich gab und wen nicht.

Fazit: Eine Geschichte, die mich gut unterhalten und zum Nachdenken angeregt hat. Ich habe die Geschichte Jahan uns Chotas gerne verfolgt und mochte es sehr Gast im Istanbul des 16. Jahrhunderts zu sein. Empfehlenswert für Personen, die sich für Istanbul und seine Historie interessieren und es mögen, wenn Geschichten gleichmäßig dahinfließen und ein paar Weisheiten fürs Leben bereithalten.

Veröffentlicht am 05.06.2021

Ein Sachbuch, dass mich gleichzeitig fasziniert und sprachlos gemacht hat

Acht Tage im Mai
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„Acht Tage im Mai“ von Volker Ullrich ist ein Sachbuch, dass sich mit den letzten Tagen des Dritten Reiches auseinandersetzt. Erschienen ist das Buch bei C. H. Beck im Juni 2020. Ich habe die Sonderausgabe ...

„Acht Tage im Mai“ von Volker Ullrich ist ein Sachbuch, dass sich mit den letzten Tagen des Dritten Reiches auseinandersetzt. Erschienen ist das Buch bei C. H. Beck im Juni 2020. Ich habe die Sonderausgabe für die Landeszentrale für politische Bildung gelesen, die 2021 erschienen ist.

Auch nach dem Selbstmord Hitlers am 30.04.1945 ist der 2. Weltkrieg noch nicht zu Ende. Das Ende der Naziherrschaft ist eingeläutet, dennoch ist in diesen letzten Tagen bis zur endgültigen Kapitulation am 08.05.1945 noch einiges geschehen. Die Dönitz-Regierung hat sich in Flensburg gebildet, wichtige Städte wurden erobert, Konzentrationslager befreit. Es gab letzte Gewaltmärsche, erste Vertreibungen und etliche Gewaltexzesse. Das alles beschreibt Volker Ullrich in seinem Sachbuch über die letzte Woche des dritten Reiches.

Ich hätte niemals erwartet, dass mich ein Sachbuch so faszinieren kann, dabei war es ein echter Zufall, dass ich dieses Buch überhaupt bestellt habe. Wie bereits oben erwähnt, ist es eine Sonderausgabe, die ich über Landeszentrale für politische Bildung Schleswig-Holstein erworben habe. Aufmerksam darauf, dass das möglich ist, wurde ich durch eine instagram-Story von einer Bloggerin. Inhaltlich unterscheidet sich diese Ausgabe nicht von der Version aus dem Buchladen. Es ist allerdings ein Taschenbuch und kein Hardcover.
Das Buch lies sich für mich gut lesen, allerdings nicht wirklich schnell. Ich habe zwei Wochen gebraucht. Obwohl es kein Roman ist, hat der Autor es dennoch geschafft, teilweise Stimmung zu erzeugen. Es gab Szenen, die geschildert wurden, da habe ich richtig das Knacken und Rauschen während der Radioübertragung von Ansprachen gehört.
Das Sachbuch ist in die einzelnen Tage untergliedert und schildert die Ereignisse vom 30. April 1945 bis zur endgültigen Kapitulation am 08. Mai 1945. Dabei betrachtet es unterschiedliche Schauplätze und Blickwinkel, was mir sehr gut gefallen hat. Es gibt Zitate aus Reden und Ansprachen, es gibt eine Karte, die zeigt wie prekär die Lage für die deutschen Truppen Anfang Mai war und darüber hinaus gibt es viele Tagebucheinträge und Auszüge aus Memoiren von Zeitzeugen.
Es war so vieles im Buch drin, von dem ich vorher nie gehört habe. Es ist einfach unglaublich was in diesen Tagen alles noch passiert ist und ich habe so viel neues Wissen erworben. In dem Buch werden die Ereignisse am Tage des Selbstmord Hitlers geschildert und welche letzten Anweisungen er noch gegeben hat. Man erfährt was wichtige zukünftige Politiker in diesen Tagen gemacht haben und welche Weichen für die Zukunft gestellt worden sind, sowohl auf Seiten der BRD als auch der späteren DDR. Man erfährt von Gräueltaten, die in diesen Tagen passiert sind und zwar nicht nur auf Seiten von Nazideutschland, sondern auch von den Siegermächten, die sich nun rächen konnten.
Ich wurde bei diesem Buch so oft zum Nachdenken angeregt. Die Konzentrationslager und das Ausmaß der Gewalt, dass viele zwar geahnt haben, aber das dann zur Gewissheit wurde, wie haben sich die Menschen gefühlt, die aus diesen Lagern befreit wurden, wie war es als Kriegsgefangener in den unterschiedlichen Besatzungszonen, wie wurde die Bevölkerung nach dem Sieg behandelt und noch so vieles mehr. Das ist jetzt wirklich nur ein Bruchteil der Fragen, die ich mir bei diesem Buch gestellt habe. Das Buch beschränkt sich nicht ganz strikt nur auf die Ereignisse der einzelnen Tage, sondern schildert teilweise die Entwicklungen über mehrere Monate.
Das Buch hat einen umfangreichen Anhang mit mehr als 50 Seiten. Hier sind Anmerkungen zum Text zu finden sowie eine umfangreiche Bibliographie. Eine kurze Danksagung, ein Bildnachweis und ein Personenregister runden den Anhang ab.

Fazit: Ein Sachbuch, dass mich fasziniert und teilweise sprachlos gemacht hat. Mit einem sehr detaillierten Blick auf die Ereignisse dieser Tage, der es erlaubt, die Ereignisse aus unterschiedlichsten Blickwinkeln zu betrachten. Wenn man sich für diese Zeit interessiert und nicht vor geballten Informationen zurückschreckt, ist man bei diesem Buch genau richtig. Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 15.05.2021

Gute Unterhaltung für zwischendurch

Transport
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„Transport“ von Phillip P. Peterson ist der Beginn einer 7-teiligen Hard Science-Fiction-Reihe, in der es um einen Transporter geht, der einen zu verschiedenen Orten im Universum bringen kann. Erschienen ...

„Transport“ von Phillip P. Peterson ist der Beginn einer 7-teiligen Hard Science-Fiction-Reihe, in der es um einen Transporter geht, der einen zu verschiedenen Orten im Universum bringen kann. Erschienen ist der Roman erstmals im Juni 2014 im Selfpublishing bei books on demand.

Ungewöhnliche Projekte erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Als ein außerirdisches Artefakt aus dem Ozean geborgen wird, bekommen zehn Todeskandidaten die Chance ihr Leben zu retten. Das Artefakt ermöglicht das teleportieren zu anderen Sternensystemen. Der Haken dabei: Die Wissenschaftler wissen vorher nicht, ob man an einem Ort rauskommt, an dem man überleben kann oder eben nicht. Die Gefangenen sind Versuchskaninchen und um ihr Leben zu retten, müssen sie schnell an neue Erkenntnisse gelangen.

Mit „Vakuum“ konnte mich Phillip P. Peterson letztes Jahr begeistern und so bin ich natürlich auch auf seine anderen Werke neugierig. Das gesamte Universum bereisen zu können ist ein großer Traum der Menschheit und so war ich neugierig, was mich in diesem Buch erwartet.
Der Schreibstil war gut zu lesen. Ich hatte keine Probleme den Ereignissen zu folgen und konnte mir alles gut vorstellen. Es geht in dem Buch auch nicht extrem wissenschaftlich zu. Es kommen im Verlaufe der Geschichte wissenschaftliche Begriffe vor. Diese werden alle gut erklärt, so dass man eine gute Vorstellung von allen Vorgängen im Buch hat.
Die Spannung war für mich sehr unterschiedlich verteilt in diesem Buch. Der Anfang war für mich eher langweilig und der Wow-Effekt fehlte für mich. Man lernt die Protagonisten kennen, begleitet deren Vorbereitung, hat aber noch keine konkreten Infos zum Projekt. Richtig spannend wird das Buch als die Missionen losgehen. Man ist gespannt, wo die Personen ankommen und ob sie ihre Mission überleben und wenn nicht, in welchem Zustand sie zurückkehren und was man daraus nun schließen kann. Es war auch sehr spannend mitzuverfolgen, was dieses Glücksspiel bei den Missionen in den Menschen auslöst, die in den Transporter steigen müssen. Zum Ende hin überschlagen sich die Ereignisse dann und mir war vieles zu abrupt. Einige Dinge hätte ich gerne noch mehr erkundet, bevor die Geschichte voranschreitet. Andererseits macht das diesen Roman sehr kurzweilig, so dass man das Buch ingesamt schnell weggelesen hat.
Die Zusammensetzung der Personen in diesem Roman war sehr durchmischt. Das hat mir insgesamt gut gefallen. Russell ist die zentrale Person in diesem Roman. Über ihn lernt man die anderen Kandidaten kennen und wie sie mit der Situation umgehen. Man bekommt aber auch einen Einblick in die Wissenschaftler und Militärs, die die Todeskandidaten auf ihre ungewissen Missionen schicken. Da gibt es jemanden, der vor seinem Einsatz in Panik gerät oder jemanden, der ganz ruhig und besonnen mit allem umgeht. Es gibt Wissenschaftler, die total fasziniert vom Transporter und seinen Möglichkeiten sind.
Die Idee des Transporters und alles drumherum fand ich mega spannend. Alleine die Möglichkeit, an viele Orte im Universum zu gelangen, womöglich andere Spezies kennenzulernen, ist gleichzeitig faszinierend und gruselig. Ich bin kein jahrelanger Science-Fiction Leser und Hardcore Genre Fans lachen mich jetzt wahrscheinlich aus: Für mich haben die Erkenntnisse rund um den Transporter mit der Zeit einen gewissen Fantasy-Touch bekommen. Zusatzmaterial gibt es in diesem Buch keines. Das finde ich in diesem Fall nicht schlimm, da alles Wichtige schon im Buch erklärt wird und die Personenanzahl überschaubar ist.

Fazit: Ein Science-Fiction Roman mit Höhen und Tiefen, der mich insgesamt gut unterhalten hat und kurzweilig war. Empfehlenswert für alle, die eher kürzere Bücher mögen oder die gerne mal ins Genre Science-Fiction reinschnuppern wollen. Die Erklärungen im Buch waren für mich gut verständlich und nicht überfordernd.

Veröffentlicht am 08.05.2021

Am Ende etwas Übertrieben, aber wahnsinnig komplex für 458 Seiten

Singularity
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„Singularity“ von Joshua Tree handelt von der Singularität und der Zukunft der Menschheit. Erschienen ist der Roman im April 2021 bei Fischer Tor.

Ende des 21. Jahrhunderts: Künstliche Intelligenz und ...

„Singularity“ von Joshua Tree handelt von der Singularität und der Zukunft der Menschheit. Erschienen ist der Roman im April 2021 bei Fischer Tor.

Ende des 21. Jahrhunderts: Künstliche Intelligenz und virtuelle Realitäten beherrschen das Leben der Menschen. Doch nicht jeder durfte an dieser Entwicklung teilhaben. Die Menschen sind in Verbesserte und Überflussmenschen unterteilt. Die Verbesserten werden medizinisch bestens versorgt und besitzen eine höhere Intelligenz. Überflussmenschen dienen den Verbesserten als Hausdiener oder leben in Zügen.
James ist einer der Überflüssigen, der für die neue Elite der Menschheit arbeitet und er wird mit einem besonderen Auftrag betraut: Er soll die vor 20 Jahren verschwundene Tochter wiederfinden. Doch dies ist kein normaler Auftrag, denn James muss hierfür eine Simulation betreten.
Adam hingegen ist ein 12jähriger Junge, der in einem Zug lebt. Zusammen mit seiner Mutter wird er von Einsatzort zu Einsatzort gekarrt, doch als die Dienste der Überflüssigen nicht mehr benötigt werden, verwandelt sich sein Leben sehr schnell in einen Albtraum. Sein einziger Hoffnungsschimmer ist sein Vater, der vor vielen Jahren nach New York geflohen ist.
In einer Simulation wird derweil ein Experiment durchgeführt. 100 Klonkörper werden auf den Exoplaneten Proxima B entsendet. Rhea und Phoebes Aufgabe ist es, sich um diese zu kümmern bis sie eines Tages mit Bewusstseinen gefüllt werden. Dies geht auch lange Zeit gut, doch dann verschwindet ein Klon.

Ok, das ist eine ziemlich lange Zusammenfassung für ein Buch, doch dies stellt die drei Handlungsstränge dar, die wir in diesem Buch verfolgen. Ich war sofort Feuer und Flamme für dieses Buch. Die Idee der Singularität finde ich spannend: Die Menschheit erschafft eine Superintelligenz, durch die sie sich selber überflüssig macht. Der Klappentext zeigt schon, dass dieses Ereignis nicht mehr fern sein kann, wenn es da schon Menschen gibt, die als überflüssig eingestuft werden. Ich fand das klang so fies und ich wollte wissen, wie diese Welt aussieht und sich anfühlt.
Das Buch zieht einen direkt mit einem ersten Rätsel in die Geschichte rein, dass man hofft mit dem Weiterlesen lösen zu können. Man bekommt zusätzlich einen ersten Eindruck von der Welt Ende des 21. Jahrhunderts, der in den darauffolgenden Kapiteln gefestigt wird. Joshua Tree hat die heutigen technologischen Entwicklungen konsequent weiter entwickelt und auf die Spitze getrieben, seine Zukunftsvision erscheint für mich damit insgesamt recht schlüssig, auch wenn ich nicht davon ausgehe, dass es zu 100% so eintreffen wird.
Zusammen mit seinem gut lesbaren Schreibstil konnte ich mir die Welt außerordentlich gut vorstellen und ich hatte das ganze Buch über Kopfkino. Der Autor nutzt hier keinen besonders komplizierten Wortschatz. Natürlich geht es an der ein oder anderen Stelle etwas wissenschaftlicher zu, vieles wird aber auch für den Laien verständlich herunter gebrochen. Ein gewisses Interesse an den im Klappentext angedeuteten Themen sollte dennoch nicht fehlen, denn sonst bekommt man glaube ich nicht so glänzende Augen wie ich an so mancher Stelle im Buch.
Den Spannungsbogen wurde gut über den gesamten Verlauf des Buches gespannt. Wir lernen erstmal die Welt kennen, die Weichen für die spätere Entwicklung werden geschickt gelegt, im weiteren Verlauf setzen sich die Puzzleteile immer mehr zu einem Gesamtbild zusammen und am Ende gibt es den Showdown, der alles zu einem recht runden Ende führt, dass mich jedoch nicht 100% überzeugen konnte. Manches war mir zu hart, manches dann doch ein bisschen zu vorhersehbar und es alles wirkte ein wenig übertrieben auf mich.
Der Roman hatte insgesamt viele Themen zu bieten. Einen großen Teil des Buches nehmen Künstliche Intelligenz und Virtuelle Realitäten ein. Es geht aber auch um den Klimawandel, Big Data, Privatsphäre, Genmanipulation, Rationalisierung und noch einiges mehr. Sehr gut gefallen hat mir das durch die drei Handlungsstränge manches von mehreren Seiten betrachtet wurde. Joshua Tree hat eine komplexe Zukunftsvision erschaffen, die philosophische Fragen aufwirft.
Ich habe mit den Personen mitgefiebert, dennoch war da auch eine gewisse Distanz. Der Unterschied zwischen Verbesserten und Überflussmenschen war spannend, diesem Unterschied wohnt allerdings auch etwas Problematisches inne. Ich fand das durch die unterschiedlichen Perspektiven gut gelöst. Hier findet keine einseitige Darstellung statt, sondern man sieht das alles seine Vor- und Nachteile hat.
James ist so ein Überflussmensch. Ich bin seiner Geschichte gerne gefolgt. Er besitzt eine große emotionale Intelligenz und kann Probleme auf eine ganz eigene Weise angehen. Er bildet so ein bisschen das Bindeglied zwischen beiden Welten, da er durch seinen Auftrag und sein Leben bei den Verbesserten viel mitbekommt, von denen andere Überflussmenschen komplett abgeschirmt sind.
Adam ist ein 12jähriger Junge, der in diesem Buch sehr viel ertragen muss. Er ist in einem Zug als Wohnort aufgewachsen, hat sich dennoch eine gesunde Skepsis und viel Mut bewahrt. Das ist nichts für schwache Nerven. Er besitzt einen großen Überlebensinstinkt, der ihn viel aushalten lässt.
Rhea und Phoebe sind zwei Schwestern, die in einer außergewöhnlichen Situation sind. Sie sind Verbesserte, die die Vorteile der modernen Welt zu schätzen wissen, dennoch heißen sie nicht alle Entwicklungen gut.
Stuarts Familie hingegen repräsentiert alles, wofür die neue Welt steht. Stuart Furlong war maßgeblich mit an den Entwicklungen beteiligt und ist einer der reichsten und mächtigsten Menschen der neuen Welt.
Zusatzmaterial gibt es bei diesem Buch nicht wirklich. Die Personenanzahl ist überschaubar, das Nachwort ist kurz gehalten, was ich aber auch ok finde, da alles im Roman schon gut erklärt wird. Die ein oder andere interessante Information zum Buch gibt es eventuell ja auch in dem ein oder anderen Autoreninterview zu entdecken.

Fazit: Ein wahnsinnig komplexes Buch für nur 458 Seiten, dessen Idee und Zukunftsvision mir gut gefallen hat, auch wenn es zum Ende hin etwas übertrieben wurde. Der letzte Funke zum Wow-Effekt hat leider gefehlt. Empfehlenswert für alle, die gerne die Zukunft bereisen und sich für Themen wie künstliche Intelligenz und virtuelle Realitäten interessieren.