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Veröffentlicht am 10.05.2026

Das raue Leben einer jungen Grönländerin

Das Tal der Blumen
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„Das Tal der Blumen“ von Niviaq Korneliussen ist ein rauer und bedrückender Roman, der einen tiefen Einblick in die grönländische Gesellschaft gibt. Im Mittelpunkt steht eine junge Grönländerin, die sich ...

„Das Tal der Blumen“ von Niviaq Korneliussen ist ein rauer und bedrückender Roman, der einen tiefen Einblick in die grönländische Gesellschaft gibt. Im Mittelpunkt steht eine junge Grönländerin, die sich so weit wie möglich von ihrer Familie entfernen möchte. Sie geht nach Dänemark, um dort zu studieren, doch auch dort findet sie keinen Halt. Statt eines Neuanfangs wird sie mit Vorurteilen und dem Rassismus vieler Dänen gegenüber Grönländern konfrontiert. Sie kommt mit den neuen Strukturen und Erwartungen nicht zurecht, findet keinen Anschluss und bleibt genauso verloren wie zuvor.

Der Roman schildert die Lebensumstände vieler junger Grönländer eindringlich. Hoffnungslosigkeit, Identitätsprobleme, psychische Erkrankungen und tiefe Einsamkeit bestimmen das Leben der Figuren. Besonders erschütternd ist die Thematisierung der hohen Suizidrate unter jungen Grönländern. Der Roman ist sogar strukturell durch die Erwähnung von Suiziden geprägt, was die bedrückende Grundstimmung zusätzlich verstärkt. Gleichzeitig zeigt das Buch, wie schwer es ist, Hilfe zu bekommen. Trotz Hilferufen gibt es kaum therapeutische Angebote, und viele Betroffene bleiben mit ihren Problemen allein.

Was mich besonders beeindruckt hat, war die beklemmende Grundstimmung des Romans. Man spürt regelrecht die Kälte unter den Figuren. Sie gehen kaum herzlich miteinander um, viele wirken emotional abgestumpft, plump, derb und kalt. Diese Verrohung zieht sich durch das gesamte Buch.

Auch sprachlich ist der Roman sehr direkt. Die vulgäre und derbe Sprache passt zwar zur Härte der dargestellten Lebensrealität, war mir stellenweise aber fast zu viel. Gleiches gilt für die teilweise sehr ausführlich beschriebenen sexuellen Handlungen. Hier hatte ich oft den Eindruck, dass die Autorin bewusst provozieren möchte, was mich beim Lesen eher genervt hat als einen Mehrwert für die Handlung zu bieten.

Trotz dieser Kritikpunkte halte ich „Das Tal der Blumen“ für ein wichtiges und eindrucksvolles Buch. Es zeigt ein zerrissenes Land und eine Generation junger Menschen, die zwischen kultureller Identität, Perspektivlosigkeit und gesellschaftlicher Kälte verloren geht. Kein leichter Roman, aber einer, der lange nachhallt.

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Veröffentlicht am 07.05.2026

Ein lebensnaher Roman

Pause
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Mit „Pause“ hat Lena Kupke einen Roman geschrieben, der sich sehr nach echtem Leben anfühlt. Im Mittelpunkt steht die 36-jährige Hanna, die merkt, dass ihr Körper nicht mehr mitmacht und sie deshalb ...

Mit „Pause“ hat Lena Kupke einen Roman geschrieben, der sich sehr nach echtem Leben anfühlt. Im Mittelpunkt steht die 36-jährige Hanna, die merkt, dass ihr Körper nicht mehr mitmacht und sie deshalb zurück in ihr altes Kinderzimmer bei ihren Eltern zieht. Gerade diese Ausgangssituation fand ich unglaublich authentisch, weil nicht nur Hanna überfordert ist, sondern auch ihre Eltern, die inzwischen längst ihren eigenen Alltag gefunden haben. Alle müssen sich erst wieder neu aufeinander einstellen. Genau daraus entstehen viele Reibereien, unausgesprochene Konflikte und dieses ständige Gefühl, dass es unter der Oberfläche brodelt.

Besonders gelungen fand ich die Familiendynamik. Die Kommunikation ist oft schwierig, vieles wird verschwiegen oder nur angedeutet. Auch in Hannas Beziehung zu Paul merkt man schnell, wie wenig offen eigentlich gesprochen wird. Gleichzeitig haben alle Figuren ihre Ecken und Kanten, zum Beispiel die Eltern mit ihren Eigenheiten, Schwester Sara mit ihren schrulligen Macken und Hanna selbst, die sich oft nicht gesehen oder gehört fühlt. Dadurch wirken die Figuren nie glatt oder konstruiert, sondern sehr echt.

Trotz der ernsten Themen gibt es viele humorvolle Szenen, bei denen ich lachen musste. Mein Highlight war definitiv die Szene, in der Hanna halbnackt versucht, eine Straßenlaterne auszutreten und ihr Date ein paar Tage später von einer „verrückten Frau“ erzählt, die genau das getan habe, ohne zu merken, dass es Hanna war. Solche Momente lockern die Geschichte wunderbar auf.

Besonders ins Herz geschlossen habe ich die Nachbarin Helen. Sie ist eigentlich die erste Person, die sich wirklich Zeit für Hannas Gedanken und Gefühle nimmt und ihr zuhört, ohne sie kleinzureden. Sehr berührt in diesem Zusammenhang hat mich auch dieses Zitat:
„Ich habe doch sowieso schon immer das Gefühl, dass meine Gefühle und Gedanken eine Zumutung sind, dass ich andere schonen muss, und jetzt mit meiner Geschichte erst recht.“ (S. 254)

An manchen Stellen bleibt die Autorin recht vage. Vor allem bei Themen wie Hannas Fehlgeburt oder der Frage, was letztendlich dazu geführt hat, dass sie im Krankenhaus landet, hätte ich mir etwas mehr Hintergrundinformationen gewünscht. Vieles wird nur angedeutet. Andererseits kann ich mir vorstellen, dass genau das eine bewusste Entscheidung war, weil es eben auch im echten Leben oft keine klaren Antworten gibt.

Insgesamt ist „Pause“ ein authentischer, emotionaler und gleichzeitig humorvoller Roman über Überforderung, Familie und das Gefühl, endlich gesehen werden zu wollen.

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Veröffentlicht am 03.05.2026

Von Müttern und Töchtern

Wir Töchter
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„Wir Töchter“ ist ein eindrucksvoller Roman über drei Frauen aus unterschiedlichen Generationen einer polnischstämmigen bäuerlichen Familie: Marianna, Róza und Waleria. Ihre Lebensgeschichten sind auf ...

„Wir Töchter“ ist ein eindrucksvoller Roman über drei Frauen aus unterschiedlichen Generationen einer polnischstämmigen bäuerlichen Familie: Marianna, Róza und Waleria. Ihre Lebensgeschichten sind auf bewegende Weise miteinander verwoben und spannen einen Bogen über Themen wie Migration, Identität und Herkunft. Besonders gelungen fand ich, wie der Roman das individuelle Schicksal mit der Zeitgeschichte verbindet und zeigt, wie sehr Menschen von ihrer jeweiligen Zeit und ihren Lebensumständen geprägt werden.

Am faszinierendsten war für mich Rózas Geschichte. Sie verlässt Ende der 80er Jahre das sozialistische Polen, um ihrer Tochter Waleria ein besseres Leben in Deutschland zu ermöglichen. Ihr Versuch, sich in Westdeutschland anzupassen, ist glaubwürdig beschrieben. Sie verleugnet beinahe ihre polnischen Wurzeln, weil sie dazugehören will, muss aber schmerzhaft erkennen, dass sie in Deutschland nie wirklich willkommen ist. Besonders die Zeit im Auffanglager Friedland und ihre zahlreichen Putzjobs wirken authentisch und nachvollziehbar. Dort merkt sie schnell, dass sie als Migrantin ein Niemand ist. Dennoch gibt sie nicht auf, vor allem für ihre Tochter. Auch die Enttäuschung durch den Vater ihres Kindes, der seine Versprechen nicht hält, macht ihren Kampf umso bewegender.

Aber auch Mariannas hartes bäuerliches Leben und Walerias Suche nach Identität und Zugehörigkeit haben einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. In Walerias Gedanken und Erfahrungen konnte ich mich in manchen Momenten sogar selbst wiedererkennen. Ihre Frage nach Herkunft und Zugehörigkeit zieht sich stark durch den Roman. Überhaupt steht das Erinnern und die Beziehung der Frauen untereinander im Mittelpunkt und die Frage , was Frauen vergangener Generationen hinterlassen. Es geht auch darum, welche Verantwortung Töchter gegenüber den Frauen vor ihnen empfinden.

Gefallen hat mir auch, dass die Frauen die treibende Kraft des Romans sind. Die Männer bleiben im Hintergrund. Die Frauen sind diejenigen, die weitermachen, Entscheidungen treffen und Generationen prägen. Das Buch zeigt eindrucksvoll wie prägend Herkunft und Generationen sein können.

Ein kleiner Kritikpunkt für mich waren die vielen eingestreuten polnischen Begriffe. Einerseits machen sie den Roman authentischer, andererseits haben sie für mich manchmal den Lesefluss erschwert, da ich kein Polnisch spreche.

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Veröffentlicht am 03.04.2026

Zwischen Anpassung und Selbstsein

Sie wollen uns erzählen
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„Sie wollen uns erzählen“ ist ein berührender Roman. Im Mittelpunkt steht der neunjährige Ozzy, der mit ADHS lebt und dessen letzter Schultag vor den Ferien in einem Desaster endet. Ein tragischer ...


„Sie wollen uns erzählen“ ist ein berührender Roman. Im Mittelpunkt steht der neunjährige Ozzy, der mit ADHS lebt und dessen letzter Schultag vor den Ferien in einem Desaster endet. Ein tragischer Unfall, bei dem der Schulhase stirbt, lastet schwer auf ihm. Mit einem Brief der Lehrerin in der Tasche kreisen seine Gedanken unaufhörlich darum, wie er seiner Mutter davon erzählen kann . Er möchte sie nicht enttäuschen. Dieses innere Ringen ist unglaublich feinfühlig und nachvollziehbar dargestellt.


Besonders gelungen ist die Figurenzeichnung. Ozzy ist ein kluger Junge, der genau weiß, dass er „anders“ ist. Er bemüht sich ständig, sich so zu verhalten, dass seine Mutter sich nicht aufregt, was gleichzeitig berührt und schmerzt. Seine Schwierigkeiten im Schulalltag und seine Konzentrationsprobleme wirken dabei sehr authentisch.


Auch Ann, seine Mutter, ist vielschichtig gezeichnet. Sie liebt ihren Sohn über alles, ist aber oft überfordert, schnell aufbrausend und ungeduldig. Gerade diese Mischung macht sie unglaublich menschlich und sogar sympathisch, weil man ihre Zerrissenheit zwischen Schutzinstinkt und Überforderung spürt.


Birnbacher schafft es eindrucksvoll, mich direkt in die Gefühls- und Gedankenwelt von Ozzy und Ann hineinzuziehen. Die besondere, teils sprunghafte Erzählweise mit Gedankenfetzen und Abschweifungen spiegelt die Neurodivergenz wider und macht das Erleben von ADHS greifbar. Dieser Stil ist zunächst ungewohnt, passt aber natürlich zur Thematik und verleiht dem Roman auch damit eine starke Authentizität.


Der Einstieg ist besonders gelungen. Es wird vor allem von Ozzys Gedankenkreisen rund um die „Beichte“ erzählt sowie Anns Bemühungen, ihn im Schulsystem zurechtkommen zu lassen, ohne dass er sich selbst verliert. Im weiteren Verlauf rücken jedoch zusätzliche Handlungsstränge in den Fokus, etwa rund um die aus dem Krankenhaus verschwundene Großmutter oder Anns Schwester Nelly. Diese Aspekte wirkten auf mich weniger packend und lenkten etwas von der zentralen Geschichte ab.


Trotzdem überzeugt der Roman insgesamt. Er eröffnet einen eindrucksvollen Einblick in das Erleben von ADHS und macht nachvollziehbar, vor welchen Herausforderungen Kinder in einem stark auf Anpassung ausgerichteten Schulsystem stehen. Gleichzeitig zeigt er sensibel den Balanceakt zwischen Erwartungen gerecht werden und die eigene Identität zu bewahren.

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Veröffentlicht am 03.04.2026

Schönes Setting, viele Nebensächlichkeiten

Träume aus Salz
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Ich wollte „Träume aus Salz“ wirklich mögen, das Setting klang auch genau nach meinem Geschmack. Flo und Matty machen Urlaub auf einer griechischen Insel, und das ist auch ganz klar die große Stärke des ...

Ich wollte „Träume aus Salz“ wirklich mögen, das Setting klang auch genau nach meinem Geschmack. Flo und Matty machen Urlaub auf einer griechischen Insel, und das ist auch ganz klar die große Stärke des Buches. Man spürt die warmen Urlaubsvibes, hört förmlich das Rauschen des Meeres und taucht in eine sommerliche Atmosphäre ein. Besonders die teilweise sehr poetischen Beschreibungen haben mir gut gefallen.

Gleich zu Beginn wird angedeutet, dass Flo ein großes Geheimnis mit sich herumträgt, das sie Matty nicht erzählen will. Als Leser fragt man sich natürlich die ganze Zeit: Was kann so schlimm sein, dass sie es ihrem Freund nicht sagt? Genau dieser Spannungsbogen sorgt auch dafür, dass man am Ball bleibt und unbedingt weiterlesen möchte. In dieser Hinsicht gelingt es der Autorin auf jeden Fall, Spannung aufzubauen.

Leider verliert sich die Geschichte für mich aber zu sehr in Nebensächlichkeiten. Viele Szenen wirken eher aneinandergereiht und tragen wenig zur eigentlichen Handlung bei. Auch die Figuren bleiben insgesamt schwer greifbar. Die Familiengeschichte hat durchaus Potenzial, und besonders das Kapitel zur Trennung der Eltern ist erzählerisch und sprachlich wirklich gelungen. Hier zeigt die Autorin, was möglich gewesen wäre, wenn sie öfter so in die Tiefe gegangen wäre.

Die Tarot-Thematik war zudem nicht ganz meins. Das ist natürlich Geschmackssache. Figuren wie Nico erschließen sich mir in ihrer Funktion nicht wirklich und wirken eher wie ein loses Element. Sophia sehe ich eher als eine Art Mittlerin, und es wirkt so, als würde Flo in ihr ihre Schwester Nadine erkennen, was letztlich dazu führt, dass sie sich öffnet.

Was mich zusätzlich gestört hat war, dass immer wieder erwähnt wird, dass irgendwer was auf Englisch sagt. Why?

Am Ende bleiben für mich viele Fragen offen, und der große Knall, auf den man die ganze Zeit wartet, bleibt leider aus. Immer wieder hatte ich die Hoffnung, dass noch etwas wirklich Überraschendes oder Spektakuläres passiert. Doch das Finale verpufft eher.

Insgesamt ist es ein nettes Sommerbuch mit einem wirklich schönen Setting, aber inhaltlich konnte es mich durch die vielen Belanglosigkeiten und verpassten Chancen leider nicht überzeugen.

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