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Veröffentlicht am 15.01.2025

Spannende Grundlage, aber recht verwirrend erzählt

Ein anderes Leben
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Zum Hörbuch: Ich finde es immer sehr schön, wenn die Autor*innen selbst das Hörbuch einsprechen - das gibt dem Hörerlebnis einen persönlicheren Touch. Caroline Peters hat eine angenehme Stimme mit schöner ...

Zum Hörbuch: Ich finde es immer sehr schön, wenn die Autor*innen selbst das Hörbuch einsprechen - das gibt dem Hörerlebnis einen persönlicheren Touch. Caroline Peters hat eine angenehme Stimme mit schöner Varianz, der ich gerne zugehört habe. Verschiedene Emotionen und Figuren hat die Sprecherin wirklich greifbar umgesetzt.

Zum Buch selbst: Ich habe eine ganze Weile gebraucht, um in die Handlung hineinzufinden und ehrlicherweise habe ich bis zum Schluss keinen guten Überblick über die ganzen Figuren gehabt. Die vielen Namen und Verbindungen haben mich sehr verwirrt. Das hat es mir auch ziemlich schwer gemacht, emotionale Verbundenheit zu ihnen aufzubauen.

An sich finde ich die Idee, die Geschichte der eigenen Mutter im Rückblick zu erkunden, wirklich spannend und habe mit der Protagonistin auf ihrer Suche nach bestimmten Wahrheiten und Erkenntnissen mitgefühlt. Gern mochte ich dabei auch den subtilen Alltagshumor, mit dem die erzählende Tochter über Vergangenes reflektiert.

Doch insgesamt konnte mich das Buch nicht erreichen. Es gab einige gute Szenen, die ich als tiefgründig empfunden und über welche ich gern noch viel mehr erfahren hätte. Die ganze Vergangenheit rund um eine Fluchtgeschichte und Dinge, über die nicht eben gesprochen wurde, aber auch um allgegenwärtigen Sexismus fand ich wirklich interessant, doch viel zu schnell waren die meisten Szenen wieder verpufft. Und vor allem emotional konnte ich mit den Figuren wenig anfangen. Manchmal tat mit Hanne in ihrer Situation leid, doch dann fand ich sie im Umgang mit ihren Kindern wieder einfach nur schrecklich.

Der Roman hat eine gute Grundlage und die potenziellen autobiografischen Züge der Geschichte sind spannend. Doch die Figurenlast und Zeitsprünge haben mich eher verwirrt, eine emotionale Tiefe fehlte mir. Deshalb wird mir das Buch nicht in Erinnerung bleiben.

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Veröffentlicht am 10.01.2025

Anstrengend und emotional distanziert

Griechischstunden
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Ich wollte gern etwas von der Literaturnobelpreisträgerin lesen und "Griechischstunden" wurde mir als Einstieg empfohlen. Das war scheinbar keine gute Wahl und ich verbleibe mit dem Entschluss, einfach ...

Ich wollte gern etwas von der Literaturnobelpreisträgerin lesen und "Griechischstunden" wurde mir als Einstieg empfohlen. Das war scheinbar keine gute Wahl und ich verbleibe mit dem Entschluss, einfach nichts mehr von Nobelpreisträger*innen zu lesen, insofern es mich nicht unabhängig davon interessiert. Vielleicht kann das auch nicht über einen Kamm geschert werden, aber ich denke, zu der Sprache, die in diesen Sphären ausgezeichnet wird, habe ich oft keinen Zugang.

Das Buch habe ich bei der Hälfte abgebrochen, weil es mich gelangweilt und streckenweise abgestoßen hat. Und ich möchte mich auch darin üben, Bücher abzubrechen. Ich muss sagen, besonders die Schilderungen der männlichen Figur fand ich sehr unangenehm. Er wirkte auf mich fast bessessen mit seinem love interest und gleichzeitig grenzüberschreitend.

Abgesehen davon habe ich emotional auch einfach gar nichts mitgenommen. Die Handlung schlingerte so vor sich hin, ohne dass ich eine Ahnung davon hatte, wo genau sie eigentlich hinmöchte. Ich konnte zwischen den Figuren auch keinerlei Verbindung spüren. Sprachlich war es mir zudem viel zu beobachtend. Das bedeutet nicht, dass für mich immer extrem viel passieren muss in Büchern, aber dann muss es mich wenigstens emotional berühren. Wenn beides fehlt, finde ich die Lektüre einfach anstrengend.

Vielleicht eine Liebeserklärung an Sprache, aber für mich bleibt sie nicht verständlich.

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Veröffentlicht am 10.01.2025

Messerscharfer und zugleich sanfter Roman einer Ausnahmeautorin

Drei Tage im Juni
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Anne Tyler war mir bislang nicht bekannt und ich bin froh, dass sich das nun geändert hat. Was für eine großartige Schriftstellerin mit einem riesigen Talent für geschliffen scharfe Worte, die exakt ins ...

Anne Tyler war mir bislang nicht bekannt und ich bin froh, dass sich das nun geändert hat. Was für eine großartige Schriftstellerin mit einem riesigen Talent für geschliffen scharfe Worte, die exakt ins Schwarze treffen! Mit „Drei Tage im Juni“ hat sie ein Familienporträt geschaffen, welches zwar ohne großes Drama auskommt, aber deshalb nicht minder unterhaltsam ist.

Vor allem das zentrale Paar, bestehend aus Gail und ihrem Ex-Mann Max, hat einfach einen ganz besonderen Vibe, wie er selten in Büchern zu finden ist. Die beiden sind auf der einen Seite sehr verschieden. Gail ist eher verschlossen, reserviert, vorsichtig und ängstlich, während Max spontan, offen, lebensfroh und etwas naiv zu sein scheint. Und doch funktionieren sie auf der anderen Seite auch nach der Scheidung noch so, als wäre es nie anders gewesen. Ich sah mich beim Lesen fast neben ihnen stehen und das viele Nonverbale beobachten, welches die Autorin hier geschickt zwischen den Zeilen vermittelt.

Und das ist wirklich, was mich am meisten beeindruckt hat: Tyler vermag es, mit wenigen Worten absolut authentische Menschen und Lebenssituation zu zeichnen. Es wirkte fast, als hätten die Figuren selbst den Text geschrieben, so greifbar war jeder Satz. Die ganze Handlung beschränkt sich auf drei Tage: den Tag vor der Hochzeit der gemeinsamen Tochter, die Hochzeit selbst und den Tag danach. Es passiert wenig Großes und viel Kleines. Besonders geliebt habe ich natürlich, dass eine Tierschutz-Katze hier ein ganz bestimmtes Herz gewinnt. ❤️

Weder Schreibstil noch Handlung sind sonderlich romantisch und trotzdem war das Lesen eine absolute Wohltat. Die Autorin lässt Raum für Figuren, die Fehler machen; Raum für Überlegungen, Scheitern, Zusammenfinden, Gemeinsamkeiten und Konflikte. Ich fand vor allem den subtilen Humor zwischen Gail und Max einfach nur herzerwärmend und habe an einigen Stellen ordentlich lachen müssen, obwohl es kein Humor ist, der mit einem großen Gong daherkommt. Stattdessen sind es einfach die Feinheiten, mit denen sich die beiden aufeinander beziehen und trotz der Trennung vor vielen Jahren einfach so gut kennen wie kaum jemand sonst.

Ein Buch mit einer leisen Handlung, unvergleichlich präziser Sprache und ganz viel Liebe für seine Figuren, die bereits Einiges an Lebenserfahrung mitbringen. Ich habe jeden Satz geliebt!

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Veröffentlicht am 09.01.2025

Nach dem Vorgängerroman bin ich leider ziemlich enttäuscht

Donnerstags im Café unter den Kirschbäumen
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Ich habe "Frau Komachi empfiehlt ein Buch" wirklich geliebt und wollte deshalb natürlich das neue Buch der Autorin lesen. Doch auch, als ich mich an den Kurgeschichten-Stil gewöhnt hatte, konnte es mich ...

Ich habe "Frau Komachi empfiehlt ein Buch" wirklich geliebt und wollte deshalb natürlich das neue Buch der Autorin lesen. Doch auch, als ich mich an den Kurgeschichten-Stil gewöhnt hatte, konnte es mich leider nicht begeistern.

Zum einen finde ich den Klappentext mehr als irreführend, vor allem mit dem vorherigen Buch im Hinterkopf. Es wird meiner Auffassung nach suggeriert, Wataru und das Café spielen eine zentrale Rolle. Aber Wataru ist nur eine Figur von vielen und das Café taucht zwar immer mal wieder auf, konnte für mich aber nicht als wichtiges Element überzeugen (im Kontrast zur Bücherei im Vorgängerroman). Auch, dass es eher zart miteinander verwobene Kurzgeschichten sind, hatte ich nicht erwartet.

Die einzelnen Kapitel sind wirklich sehr kurz. Dadurch lassen sie sich zwar gut lesen, aber mir fehlte an vielen Stellen der Tiefgang. Und dann waren es schlicht viel (!) zu viele Figuren. Eine immer mit mindestens einer anderen verwoben, was ich eigenlich wirklich sehr mag, aber bei der schieren Menge an Charakteren ist es schwer, am Ende noch durchzublicken. Außerdem fühlten sich einige Verbindungen für mich zu konstruiert und die Weisheiten irgendwie platt an.

Mir waren die Figuren auch insgesamt zu wenig divers, muss ich sagen. Sie leben zwar teils an verschiedenen Orten und sind unterschiedlich alt, aber scheinen alle charakterlich sehr ähnlich zu sein. Eine Stelle gleich zu Beginn ist mir zudem sehr aufgestoßen, als einem Charakter gleich klar ist, dass die Frau seiner Begierde offensichtlich keine Liebesbriefe schreibt, weil diese an eine andere Frau addressiert sind - alles klar... 🙄

Eine schnelle Lektüre, die mich an eine andere berühmte Café-Reihe erinnert hat, zu der ich ähnlich ablehnend stehe. Wer so etwas aber prinzipiell mag und keinen langen Text lesen möchte, wird hier vielleicht besser zurechtkommen als ich. Für mich bleibt der Nachfolger weit hinter dem ersten Buch zurück. 💔

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Veröffentlicht am 05.01.2025

Süchtigmachende Romance mit fantastischem Setting und tiefgründigen Figuren

Check & Mate – Zug um Zug zur Liebe
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Was für eine tolle Romance! Das war mein erstes Buch von Ali Hazelwood und es wird nicht mein letztes bleiben! Ich bin schlicht obsessed mit ihrem Characterbuilding und dem Talent, einer Handlung Spannung ...

Was für eine tolle Romance! Das war mein erstes Buch von Ali Hazelwood und es wird nicht mein letztes bleiben! Ich bin schlicht obsessed mit ihrem Characterbuilding und dem Talent, einer Handlung Spannung zu verleihen.

Spätestens seit "The Queen's Gambit" bin ich komplett fasziniert von Schach, auch wenn sich diese Faszination nach einem gescheiterten Versuch, irgendetwas zu verstehen, schnell wieder in Luft auflöste. 😅 Aber die Basis war da und ich sofort wieder hooked beim Lesen dieser Geschichte. Mich kriegen so schlaue Charaktere, die ein mir unbegreifliches Verständnis komplexer Zusammenhänge haben, einfach immer komplett!

Ganz besonders toll fand ich natürlich, dass es hier eine überaus smarte Protagonistin gibt, die ihrem männlichen Gegenspieler schnell zeigt, wie der Hase läuft. Mallory ist aber noch viel mehr als ein Schach-Wunderkind. Sie macht sich große Vorwürfe für den Weggang ihres Vaters und fühlt sich entsprechend für ihre kranke Mutter sowie die beiden jüngeren Schwestern verantwortlich. Die ärmlichen Lebensumstände fühlen sich beim Lesen wie die Sackgasse an, die sie auch sind. Ganz nebenbei ist sie bi, woraus aber erfrischenderweise gar keine große Sache gemacht wird - ebenso wenig wie aus ihrer lesbischen besten Freundin. ❤️

Auch Nolan gefällt mir außerordentlich gut. Er gab mir durchweg neurodivergente Vibes, das wurde aber weder bestätigt noch dementiert. Auch wenn das Buch als Enemies-to-Lovers vermarktet wird, fand ich es gar nicht wirklich feindlich. Beide Figuren haben eine ziemlich komplexe Hintergrundgeschichte, die Hazelwood meisterinnenhaft bruchstückweise enthüllt. Und Nolan wirkt zwar introvertiert, aber immer aufrichtig. Und ich fand es wirklich toll, dass er in gewissen Bereichen unerfahren und dahingehend gar nicht fragil ist - ein sehr angenehmes Kontrastprogramm zu übermäßig selbstsicheren Männern.

Es gibt entsprechend eigentlich keine spicy Szenen, was absolut Sinn macht. Ich habe die schlauen Hauptfiguren ebenso geliebt wie die Nebencharaktere und konnte nicht aufhören zu lesen. Die Einblicke in die Schachwelt, vor allem auch in den vorherrschenden Sexismus dieses männerdominierten Sports, fand ich einfach perfekt. Ein echtes 5-Sterne-Buch für mich. ❤️

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