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Veröffentlicht am 05.01.2025

Wunderschöne und komplexe Welt, manchmal langatmig, aber oft mitreißend

The Hurricane Wars
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Ich bin keine erfahrene Fantasyleserin (in letzter Zeit habe ich lediglich die Empyrean-Reihe gelesen) und war angesichts einiger Rezensionen in Bezug auf das komplexe Worldbuilding unsicher, ob mir "The ...

Ich bin keine erfahrene Fantasyleserin (in letzter Zeit habe ich lediglich die Empyrean-Reihe gelesen) und war angesichts einiger Rezensionen in Bezug auf das komplexe Worldbuilding unsicher, ob mir "The Hurricane Wars" zusagen würde. Ich muss sagen, dass ich die Welt gar nicht so komplex fand bzw. im Vergleich zur Empyrean-Welt ähnlich vielschichtig. Zu Beginn sind die ganzen Begriffe aus teils neuen Sprachen natürlich herausfordernd, aber ich konnte mich schnell dran gewöhnen.

Sehr gut fand ich den Hinweis mancher Rezensionen, dass der furchtbare Krieg sich auf den ersten Teil und damit auf etwa 170 Seiten beschränkt. Den fand ich nämlich durchaus sehr zehrend und war froh, dem Ende entgegensehen zu können. Teil 2 widmet sich dann viel mehr dem Aufbau der Beziehung von Talasyn und Alaric sowie dem Erweitern von Talasyns Fähigkeiten/Macht.

Und da möchte ich schon zu einem großen Pluspunkt kommen, der mich das Buch trotz gewisser Kritikpunkte trotzdem hat genießen lassen: Die aufgebaute Welt mit allen magischen Kreaturen und der wunderschönen Natur hat mich so begeistert! Ich hatte schon den Eindruck, dass die philippinische Autorin hier ihre Heimat mit hat einfließen lassen und das führt sie im Nachwort auch wundervoll aus, ohne dabei aber desillusioniert zu sein. Diesen irgendwie realpolitischen Hintergrund kann mensch wirklich herausgelesen und das finde ich einfach stark. Außerdem mochte ich es sehr, dass es viele nicht-weiße Figuren gab.

Schade war wiederum, da schließe ich mich anderen Rezensent:innen an, dass Drachen eine vernachlässigbare Rolle spielen und auch sonst haben magische Wesen wenig Raum. Stattdessen, und das hat mich ziemlich irritiert, gibt es Einflechtungen moderner menschlicher Erfindungen, wie rudimentäre Fotoapparate. An einigen Stellen war die Grenze zwischen echter Welt und Fantasy für mich zu undeutlich, das hätte es meiner Meinung nach nicht gebraucht. Vielleicht wollte die Autorin aber auch hier eine Brücke schlagen zu unserer tatsächlichen Welt, um eine Moral übertragen zu können.

Auch nicht ganz warm wurde ich mit der Romance. Die Gedanken und Konflikte der beiden Protagonist:innen in Bezug aufeinander kamen mir repetitiv und langatmig vor. Es ist ein absoluter Slow Burn mit einer spicy Szene und für mich passte das Verhältnis nicht ganz. Wenn ich es vergleiche mit der Empyrean-Reihe: Da wurde der Slow Burn zumindest in "Fourth Wing" besser in ein Verhältnis gesetzt zu tatsächlicher Interaktion (bei Iron Flame würde ich das anders einschätzen haha). Hier dreht es sich für mich echt zu viel um die gegenseitige Abneigung und warum sie sich eigentlich hassen müssten, aber warum das irgendie nicht so ist und ob die andere Person eine:n überhaupt mag etc.
Nicht zuletzt bin ich kein Fan der Klischees (kleine zarte Frau vs. großer und extrem gut bestückter Mann 🙄), aber damit kann ich halbwegs leben. Es hätte für mich einfach schon mehr Beziehungsaufbau geben können, so hinterlässt es mich ein wenig unbefriedigt.

Trotzdem möchte ich der Autorin zugute halten, dass der Hintergrund um ein Zusammenarbeiten verfeindeter Reiche gegen ein noch schlimmeres Übel mich gecatcht hat. Generell konnte ich das Buch sehr schnell lesen, trotz anfänglicher Sprachbarrieren. Insgesamt also durchaus empfehlenswert mit einer wie ich finde schöneren Welt als bei Empyrean, aber mit unausgeschöpftem Potenzial auf Ebene der Figuren. Ich bin noch unschlüssig, ob ich die Reihe weiterverfolge, weil mich natürlich wohl interessiert, was jetzt an Backgroundstory und Intrigen schon angedeutet wurde. Ich werde wohl einfach spontan entscheiden, auch wenn ich die Farbgestaltung des zweiten Teils wirklich grausig finde. 😅

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Veröffentlicht am 31.12.2024

Für mich die beste Weihnachtsgeschichte der Welt

Die Frau, die Weihnachten nicht mochte
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Dieses absolut fantastische Buch wäre doch tatsächlich fast an mir vorbeigegangen, obwohl ich bekennender Fan des Eichborn-Verlags bin. Und was für ein Glück, dass es anders gekommen ist, denn so hatte ...

Dieses absolut fantastische Buch wäre doch tatsächlich fast an mir vorbeigegangen, obwohl ich bekennender Fan des Eichborn-Verlags bin. Und was für ein Glück, dass es anders gekommen ist, denn so hatte ich einfach die allerbeste Weihnachtslektüre und schließe das Jahr so phänomenal ab wie es begonnen hat.

Aber nun versuche ich doch einfach mal ganz locker-flockig Worte zu finden für ein perfektes Buch. 🥲 Zoe Brisby ist Französin und mit genau diesem typisch französischen Humor schreibt sie auch. Ich liebe französische Komödien und hier trifft das auf absolut liebenswerte Figuren.

Ben möchte gern Lektor werden, arbeitet bislang in einem angesehenen Pariser Verlagshaus aber nur daran, Ablehnungsschreiben an Autor*innen zu versenden. Nach dem Lesen eines abgelehnten Manuskripts macht er sich begeistert auf die Suche nach dem Autor und landet in dem kleinen Dörfchen Arnac-la-Poste (übersetzt: Zock die Post ab), welches wirklich existiert und ich liebe alles daran.

Das Dorf ist (in Abweichung zur Realität) ein Weihnachtsdorf wie es im Buche steht. Es gibt etliche entsprechende Traditionen, Veranstaltungen und einfach eine extrem weihnachtlich-gemeinschaftliche Grundstimmung. Und ja, das erinnert natürlich an Whoville aus dem „Grinch“, aber eben auf Französisch. 😃

Ben hasst Weihnachten aus traurigen Gründen und soll nun der Tochter des gesuchten Autors genau dieses Fest wieder schmackhaft machen, denn das ist die Bedingung für eine Vertragsunterzeichnung. Im Zuge dieses Unterfangens entsteht eine ganz herzige Verbindung zwischen Ben und Laly, die wenig von einer klassischen Romanze hat.

Ben ist ein etwas quirky, verkopfter und absolut liebenswerter Charakter, der auf seiner Reise auch selbst heilen darf. Kombiniert wird das mit hilarious Nebenfiguren wie der esoterisch angehauchten Gasthausbesitzerin Angelica oder dem Bürgermeister Robert Courrier, der auf wundersame Weise fast jedes Gewerbe des Dorfes leitet. Genau dieser etwas schräge Humor und die leicht überspitzten Figuren machen das Buch für mich unglaublich unterhaltsam.

Wer französische Komödien mag, wird das Buch lieben. Und sicher liest es sich auch außerhalb der Feiertage gut, wenn mensch gerade etwas Wohltuendes braucht. Ich bin Fan und wünsche dem Buch noch viel mehr Aufmerksamkeit. ❤️

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Veröffentlicht am 29.12.2024

Ein Alltag in all seiner Tragikomik, aber auch etwas anstrengend zu verfolgen

Kleine Probleme
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Den Aufhänger eines an der Fülle alltäglicher Aufgaben verzweifelnden Protagonisten fand ich sehr reizvoll. Und im Endeffekt hat Nele Pollatschek auch ziemlich genau das geliefert, ich bin aber trotzdem ...

Den Aufhänger eines an der Fülle alltäglicher Aufgaben verzweifelnden Protagonisten fand ich sehr reizvoll. Und im Endeffekt hat Nele Pollatschek auch ziemlich genau das geliefert, ich bin aber trotzdem ziemlich zwiegespalten, was meine Einschätzung angeht.

Eines muss ich der Autorin auf jeden Fall lassen: Sie kann sich unglaublich gut in ihren Protagonisten hineinversetzen. Das gibt dem Text oft etwas Rasantes, fühlt sich phasenweise aber auch an wie ein Fiebertraum. Lars wird im Klappentext als Vieldenker beschrieben und hell yes, das ist er! Da kann es angesichts der sehr vollen ToDo-Liste am letzten Tag des Jahres schon einmal passieren, dass beim Bettaufbau über die Bezeichnungen der einzelnen Bauteile philosophiert wird und neue Wortschöpfungen wie Knülp, Pleumel oder Wü kreiert werden (mein unangefochtener Favorit selbstverständlich: Henriette Hannelore von Hoffmannsthal - die besonderste unter den Schrauben). Oder dass im Zuge der dringend nötigen Steuererklärung über das eigene Lebenswerk, das patriarchale Konstrukt der Ehe oder einen vergangenen Streit mit der Partnerin sinniert wird.

Bei allen Gedankenverknotungen kristallisiert sich auch langsam heraus, dass Lars' Beziehung zu Johanna mindestens auf der Kippe steht und er sie mit einem überaus tatkräftigen 31. Dezember zurückgewinnen will. Und während ich bis zur Hälfte wirklich noch an einigen Stellen lachen musste, weil die ständige Ablenkung bei der Erledigung von Alltagsaufgaben mir nur allzu vertraut ist, wurde es mir am Ende einfach zu abstrus. Ich konnte der Handlung sowie den immer absurderen philosophischen Ausführungen nicht mehr so recht folgen und es wurden mir zunehmend übertrieben. Auch das Ende bleibt mir ein Rätsel und vielleicht ist genau das der Punkt (was findet im Kopf statt und was ist echt?), aber es war schlicht nichts für mich.

Insgesamt komme ich zu dem Ergebnis, dass die Geschichte durchaus tragikomisch daherkommt und heilsam sein kann für Menschen, die sich überfordert fühlen von der Masse an (alltäglichen) Aufgaben, sie aber für mich mit zu großen Schwächen endet und sich zunehmend zäh anfühlte. Es ist wirklich kein schlechtes Buch und ein wirklich außerordentliches Charakterportrait, aber es wird mir nicht sonderlich stark in Erinnerung bleiben.

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Veröffentlicht am 29.12.2024

Leider ziemlich anstrengend und wenig greifbar geschrieben

Bei aller Liebe
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Ich habe "Kleine Kratzer" bereits gelesen und auch, wenn das keines meiner Lieblingsbücher war, fand ich die moralisch grauen Figuren darin sehr interessant. Deshalb wollte ich auch gern den Roman der ...

Ich habe "Kleine Kratzer" bereits gelesen und auch, wenn das keines meiner Lieblingsbücher war, fand ich die moralisch grauen Figuren darin sehr interessant. Deshalb wollte ich auch gern den Roman der Autorin lesen, bleibe aber angestrengt und irgendwie gleichgültig nach der Lektüre zurück.

Grundsätzlich fand ich den Aufhänger der Geschichte spannend und hätte da viel Potenzial für eine Familiengeschichte voller Ambivalenz gesehen. Doch vor allem der Schreibstil hat bei mir dafür gesorgt, dass ich die Lektüre fast ausschließlich anstrengend fand. Es ist meiner Meinung nach deutlich spürbar, dass Jane Campbell selbst Psychoanalytikerin war, denn die Gedanken der drei Hauptfiguren sind von langatmigen, analytischen und philosophischen Sequenzen geprägt. Und obwohl sie durch einen Schicksalsschlag miteinander verbunden und sich grundsätzlich liebevoll gesinnt sind, habe ich wenig Gefühl für ihre Emotionen bekommen.

Ich hatte insgesamt den Eindruck, dass sich Vieles in der Geschichte wiederholt und zu keinem klaren Ende kommt. Was ich allerdings wieder stark fand, ist Campbells Talent für moralisch fragwürdige und ambivalente Figuren. Das finde ich zwar auch herausfordernd, aber eben in der richtigen Stimmung wirklich spannend. Doch darüber hinaus habe ich mich leider wirklich ziemlich durch das Buch gequält.

Wer Lust hat auf eine sehr anspruchsvolle, philosophische und gedankengetriebene Sprache, wird hier vielleicht ein gutes Leseerlebnis haben. Ich brauche in Geschichten vor allem emotionale Tiefe und zwar gern auch ambivalente Figuren, doch wenn ersteres gänzlich fehlt, tue ich mich schwer.

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Veröffentlicht am 27.12.2024

Ein dichtes, antikapitalistisches Plädoyer für weniger Self und mehr Community Care

Das Orakel spricht
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Liv Strömquist hat hier wieder eine gut recherchierte und vielfältige Graphic Novel geliefert, die mit dem typisch trockenen Strömquist-Humor daherkommt. Mir dröhnte nach der Lektüre ein wenig der Kopf, ...

Liv Strömquist hat hier wieder eine gut recherchierte und vielfältige Graphic Novel geliefert, die mit dem typisch trockenen Strömquist-Humor daherkommt. Mir dröhnte nach der Lektüre ein wenig der Kopf, aber das spricht nur für die Dichte des Buches. Außerdem fühlte ich mich wiederholt bestätigt und motiviert. Inhaltlich kann ich also kaum etwas Negatives sagen.

In sieben Abschnitten widmet sich die Autorin dem Selbstoptimierungsdruck unserer neoliberalen Gesellschaft und argumentiert im Kern antikapitalistisch. So beleuchtet sie die milliardenschwere Wellnessbranche, welche Spaß und Glück kommodifiziert und kaufbar gemacht hat, während diese genau durch diese Nutzbarmachung quasi unerreichbar werden; ebenso wie den menschlichen Versuch, den Tod als absolut unkontrollierbares und dadurch zutiefst beängstigendes Ereignis durch unzählige Selfcare-Elemente doch kontrollieren zu wollen. Spannend fand ich die Darstellung der zunehmenden Unfähigkeit unserer Gesellschaft, Raum zu lassen für unangenehme Gefühle (Enttäuschung, Trauer, ...). Diese resultiert in einem individualisierten Druck, alle Probleme zu lösen bzw. sich selbst zu heilen - wobei die zwanghafte Vermeidung von Schmerz schlussendlich zu weniger Lebendigkeit führt.

Im Weiteren geht es um Menschen, in der Öffentlichkeit oder nicht, die anderen ungefragte Ratschläge geben - und dass das nicht aus einem vermeintlichen Altruismus heraus passiert, sondern weil sich das Beratschlagen so gut anfühlt. Zudem wird die These dargestellt, dass es vielleicht gar kein "authentisches Selbst" gibt, weil das immer in Relation zu anderen Menschen (ent-)steht, und dass das von spirituellen Influencer:innen/Autor:innen gepredigte "Folgen der inneren Wahrheit als einzige moralische Instanz" genauso brandgefährlich ist, wie es für mich klingt - weil dann grundlegende Moralfragen einfach individualisiert übergangen werden können (erinnert mich an Spiris, die nach jahrelangem Veganismus auf "körperliches Drängen" hin doch wieder Fisch essen mussten). Dass die Startbedingungen im Kapitalismus vor allem von Glück bestimmt sind und eben nicht alle die gleichen Chancen haben, wussten wir schon. Interessant fand ich hier aber den Vergleich von Religion und Selbsthilfe insofern, dass in beiden Fällen Priviligierte ihre Position zu legitimieren versuchen ("von Gott so gewollt" vs. "hart erarbeitet, verdient"). Und dass wir, statt unser eigenes, gar nicht mal so beinflussbares Leben kontrollieren zu wollen, unsere Kapazitäten lieber gemeinsam darauf verwenden sollten, die ungerechten Systeme umzubauen - denn die sollten ja gerade die angeborenen Ungleichheiten auffangen und sie nicht verschärfen. Und abschließend gibt es zu lernen, dass Selbsthilfelektüre sowie entsprechende Coachings uns versprechen, alle Lebensbereiche optimieren zu können, wobei durch die erneute Kommodifizierung das Leben zu einem einzigen Leistungsbereich wird, in welchem wir aufgrund unzähliger Optionen und angesichts der Möglichkeit eines ständigen Scheiterns nur unglücklich sein können. Also ganz klar: Finger weg von Heils- und Optimierungsversprechen, stattdessen Ärmel hoch für die Schaffung gerechter Utopien.

Nun zum Negativen: Nicht ganz passend fand ich den Klappentext, laut welchem sieben Influencer:innen dieser Branche in den Fokus genommen werden sollten. Das habe ich so nicht als zentrales oder leitendes Element wahrgenommen. Gestört haben mich außerdem die englischsprachigen Textauszüge. Ich selbst kann sie zwar übersetzen, aber so wird meiner Meinung nach die Zugänglichkeit reduziert. Und das Ende kam mir ein wenig abrupt vor, da hätte ich mir irgendwie einen runderen Schluss gewünscht. Aber vielleicht ist auch genau das der Punkt - schließlich soll ja auch Raum sein für Enttäuschung und offene Fragen. 😉

Eine klare Empfehlung für alle, die sich philosophische Positionen und wissenschaftliche Erkenntnisse rund um Selfcare/Selbsthilfe auf kompaktem, aber dennoch anspruchsvollem Weg zu Gemüte führen wollen.

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