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Veröffentlicht am 01.09.2017

Spannendes über den Kolonialkrieg im 18. Jahrhundert

Das Ohr des Kapitäns
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In diesem Buch wird die spannende Frage gestellt und auch beantwortet, wie es zu dem Kolonialkrieg 1739 kommen konnte. Ein paar Hintergründe werden beleuchtet und die spannende Frage geklärt, was es mit ...

In diesem Buch wird die spannende Frage gestellt und auch beantwortet, wie es zu dem Kolonialkrieg 1739 kommen konnte. Ein paar Hintergründe werden beleuchtet und die spannende Frage geklärt, was es mit dem Ohr des Kapitäns für eine Bewandtnis hatte.

Für mich war es das erste Buch von Gisbert Haefs, aber ganz sicher nicht mein letztes. Mir hat gut gefallen, wie Haefs die Zusammenhänge des Kriegs erklärt. Obwohl ich den Mittelteil vielleicht ein bisschen zu trocken fand, es fehlte dann doch ein wenig an Spannung. Die historischen Details waren aber schon interessant zu lesen. Über den Kolonialkrieg im 18. Jahrhundert wusste ich eigentlich noch nicht wirklich etwas, um so neugieriger war ich auf diese Geschichte. Ich wurde nicht enttäuscht.

Der Erzählstil von Gisbert Haefs ist auf den ersten Blick einfach zu lesen, aber bei genauer Betrachtung fällt der feine Humor, der gern versteckt lauert, auf. Ich hatte bei so einigen Dialogen der Protagonisten ein Grinsen im Gesicht. Ich mag diese Art von Humor.

Die Aufmachung dieses Hardcover ist wirklich gelungen. Im Innenteil gibt es gleich zwei Karten, die zeigen, wo die eigentliche Handlung spielt. Ebenso lässt das Cover dieser Ausgabe keinen Zweifeln aufkommen, um was es in dieser Geschichte geht. Nur ein Nachwort gibt es hier leider nicht, ich hätte zu gern gelesen, was der Wahrheit entsprach und was reine Fiktion des Autors ist.

„Das Ohr des Kapitäns“ ist ein historischer Roman, der mir wirklich gut gefallen hat. Er hat Tiefe und ist nichts, was man so einfach schnell weglesen kann.

Selten habe ich einen Roman gelesen, in dem die Protagonisten nicht die eigentlichen Charaktere der Geschichte sind. Hier ist es aber so. Der eigentliche Kern der Geschichte ist wohl eben das, was die Protagonisten zu erzählen haben. Und so erfährt eben der Leser, wie es damals war in diesem Krieg und das gleich aus mehreren Sichtweisen. Ich fand es einfach spannend zu lesen und fühlte mich gleichzeitig wunderbar unterhalten.

Veröffentlicht am 19.08.2017

Gelungener Auftakt einer neuen Reihe über den 100. jährigen Krieg

Legenden des Krieges: Das blutige Schwert
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Der 100. jährige Krieg steht noch in seinen Anfängen, als der junge Steinmetz Thomas Blackstone vor die Wahl gestellt wird, entweder Tod durch den Strang oder als Bogenschütze mit ins Gefecht. Er entschließt ...

Der 100. jährige Krieg steht noch in seinen Anfängen, als der junge Steinmetz Thomas Blackstone vor die Wahl gestellt wird, entweder Tod durch den Strang oder als Bogenschütze mit ins Gefecht. Er entschließt sich dazu, sich den englischen Truppen anzuschließen und seinen König gegen Frankreich zu unterstützen. In der Normandie begreift er schnell, dass der Krieg nicht so einfach ist, wie es am Anfang geklungen hat. Die Schlacht von Crécy lehrt ihn, was dieses Wort wirklich bedeutet.

„Das Blutige Schwert“ ist der Auftakt der neuen Reihe „Legenden des Krieges“ über den 100. jährigen Krieg. Der Autor David Gilman erzählt hier von einem jungen Steinmetz, der zunächst als Bogenschütze einberufen wird. Es wird geschildert, wie eben jener Thomas Blackstone in den Kriegsdienst kam und wie wichtig vor allem die Bogenschützen für die Engländer waren. Der Roman selbst ist unterteilt in drei einzelne Teile, in denen detailreich erzählt wird, wie es zum einen zur Schlacht bei Crécy kam, wie aus einem einfachen Steinmetz zunächst ein gefeierter Bogenschütze wurde und dann später sogar ein Ritter. Dieser erste Teil baut den Bogenschützen Thomas Blackstone zuzusagen zum Ritter auf. Der Leser lernt ihn und einige andere Protagonisten kennen. Mir hat gut gefallen, wie Thomas sich behauptet hat und wie er sich in der für ihn fremden Welt des Adels behauptet hat.

Der Erzählstil von David Gilman hat mir dabei gut gefallen. Hier wird mal nicht verschnörkelt gesprochen, sonder immer frei heraus und mit deutlichen Worten. Gilbert lässt seine Protagonisten so reden, wie sie es wohl damals auch taten. Sie haben geschimpft, gespottet und sonst irgendwie versucht ihrer Angst Herr zu werden. Lebhaft schildert der Autor, wie es in diesem Feldzug zuging, wie die Menschen lebten und starben. Gilman hat nichts beschönigt und so manche Szene, war schon grausig zu lesen. Fast nebenbei erfährt man dann auch, wie dieser Krieg verlaufen ist, wer gegen wen gekämpft hat und vor allem, wie schwer es die einfachen Menschen in dieser Zeit hatten.

Später, dann nach der großen Schlacht, hat Blackstone das große Glück seinem Leben eine ganz neue Wendung geben zu dürfen, er steigt zum Ritter auf. Und nicht nur das, auch trifft er auf die Liebe seines Lebens und sein Leben schlägt einen Weg ein, den er so wohl nicht erwartet hätte. Vielleicht gibt es hier das eine oder andere Quäntchen Glück zu viel, für den Protagonisten. Vielleicht ist sein Lebensweg bei allen Schwierigkeiten dann doch zu leicht geschildert. Es hat mir aber trotzdem gefallen, zu lesen, wie aus einem einfachen Bogenschützen ein Ritter werden konnte. Jemand der in der Lage war sein Leben neu zu gestalten und dabei auch ein wenig das Schicksal seines Landes beeinflussen konnte. Auch wenn Thomas Blackstone nur fiktiv ist. Ich jedenfalls bin gespannt wie sein Leben weiter gehen wird und was er noch alles erleben und durchstehen muss.

Ein Nachwort zum Schluss, klärt noch schnell Fiktion und Wahrheit. Eine Karte zu Beginn ermöglicht einen schönen Überblick über den Verlauf der Kämpfe und die Wege der Ritter. Eine große Leseprobe ganz am Ende macht dann auch noch Lust auf den zweiten Band, der schon bald erscheint.

Veröffentlicht am 06.08.2017

Abenteuer im 9. Jahrhundert[

Die Eispiraten
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Im Jahre 828 hat der Wikinger Alrick einen guten Einfall, um sich und seine Mannschaft zu ernähren. Er macht sich zunutze, dass die Menschen immer das wollen, was nur schwer zu beschaffen ist. In seinem ...

Im Jahre 828 hat der Wikinger Alrick einen guten Einfall, um sich und seine Mannschaft zu ernähren. Er macht sich zunutze, dass die Menschen immer das wollen, was nur schwer zu beschaffen ist. In seinem Fall ist dies Eis, um daraus eine köstliche Nascherei herzustellen. Mit seiner Mannschaft besorgt er dies schwierige Gut direkt vom Feuer spuckenden Ätna. Sie liefern es an die reiche Bevölkerung an die Adria. Schnell geht ihnen der Ruf voraus, das schnellste Schiff im Mittelmeer zu besitzen. Auch bis Venedig schafft es dieser Ruf. Hier bekommt Alrik jetzt den Auftrag den Heiligen Markus herbeizuschaffen. Dies ist aber nicht so einfach, den die Gebeine des Heiligen liegen in Alexandria und können nicht mal so eben einfach mitgenommen werden. Der Doge braucht für diese Aufgabe unerschrockene Männer und vor allem schnelle Männer. Alrik und seine Piraten scheinen dafür genau richtig zu sein.

„Die Eispiraten“ ist ein herrlicher Abenteuerroman. Er erzählt von unerschrockenen Männern, die weder Tod noch Teufel fürchten. In rasantem Tempo geht es von einer Gefahr in die nächste und zurück.
Der Erzählstil ist dabei einfach zu lesen, die Seiten blättern sich quasi von allein.
Dirk Husemann hat in Alrik einen echten Piraten geschaffen, er lässt ihn lebendig werden. Erzählt dabei aber auch von seiner verletzlichen Seite. Alrik zur Seite stehen seine Söhne und seine Mannschaft, gerade der Zusammenhalt der Männer wurde hier gut dargestellt. Eine schöne Liebesgeschichte gibt es zudem auch noch ganz nebenbei. Sie passt aber gut in das Gesamtbild.

Mir hat dieser Roman großen Spaß gemacht. Es war spannend zu sehen, wie Alrik und seine Begleiter die Gebeine des heiligen Markus gesucht haben. Sie hatten dabei so manches Abenteuer zu bestehen, und auch die Liebe kam hier nicht zu kurz. Auch wenn es ein Abenteuerroman war, gab es doch auch Szenen, die mir die Tränen in die Augen getrieben haben. Ich hatte sie so nicht erwartet. Aber es ist schön, wenn einem ein so offenbar leicht durchschaubarer Roman dann doch noch überraschen kann.

Eine Karte, zu Beginn, erlaubt es dem Leser die Reiseroute nachzuvollziehen. Ein Personenregister sorgt für die nötige Übersicht bei den Protagonisten und ein Glossar klärt zum Schluss die fremden Begriffe. Sogar einen kleinen Aufbau eines Wikingerschiffs gibt es hier zu sehen. Schöne Details, die ich immer wieder gern in Romanen sehe.

„Die Eispiraten“ war für mich ein richtiger Abenteuerroman, in dem ich in eine andere Welt abtauchen konnte. Er erzählt anschaulich davon, wie das Leben im 9. Jahrhundert ausgesehen haben mag. Von dem Glauben der Menschen, von ihrer Art zu leben und ihre Treue zu einander. Es hat mir Spaß gemacht hier zu lesen, und mit auf große Fahrt ins Mittelmeer zu gehen. Es ist von allem etwas dabei, Gefahr, Liebe und Intrigen.

Veröffentlicht am 17.07.2017

Tod einer Hofdame

Tod einer Hofdame
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1193 in Regensburg, Aleydis von Tettingen lebt mit ihrer Familie am Hof des Kaisers . Sie ist eine Hofdame, die von sich aber selbst behauptet nicht recht an diesen Hof zu passen. Sie fühlt sich nicht ...

1193 in Regensburg, Aleydis von Tettingen lebt mit ihrer Familie am Hof des Kaisers . Sie ist eine Hofdame, die von sich aber selbst behauptet nicht recht an diesen Hof zu passen. Sie fühlt sich nicht wohl. Ihre Schwester Belanca hingegen hat sich mit ihrem Schicksal arrangiert, auch wenn ihre Ehe nicht glücklich zu nennen ist. Dann wird Belanca allerdings Tod aufgefunden und es nicht klar, ob es Mord oder vielleicht Selbsttötung war. Aleydis macht sich auf, den Tod der Schwester aufzuklären. Sie stößt dabei auf heftigen Widerstand vonseiten ihres Bruders und auch ihres Ehegatten. Dafür bekommt sie aber unerwartete Hilfe von Richard Plantagenet, dem König von England. Zu dieser Zeit ist er Geisel und wird in Deutschland festgehalten. Die erste Spur die Aleydis verfolgt, führt sie direkt zu Richard und er verspricht ihr zu helfen.

Auf den ersten Seiten stellt die Autorin ihre Protagonisten vor, erzählt von den Schwierigkeiten am Hofe und lässt vor allem Aleydis zu Wort kommen. Diese wird nicht müde zu erwähnen, wie wenig sie die Gesellschaft der Hofdamen rund um die Kaiserin mag und auf wie viel Widerstand sie dort stößt. Zu Beginn, hatte ich schon den Eindruck Aleydis wäre eine starke, selbstbewusste Frau die weiß was sie will und dies auch durchsetzen kann, aber je weiter die Geschichte voranging, um so mehr verlor sich dieser Eindruck. Aleydis ist hier einfach eine Frau, die an ihre Grenzen stößt. Sie will nichts mehr als Beweisen, dass ihre Schwester ermordet wurde und somit ein anständiges Begräbnis bekommt. (Dies war im 12. Jahrhundert für die Menschen sehr wichtig.) Hierfür braucht sie Hilfe und Unterstützung, diese findet sie ausgerechnet bei einem Mann, der in Gefangenschaft lebt und dem mehr oder weniger langweilig ist.

Der König von England zieht schnell die richtigen Schlüsse und weiß, wer als Täter infrage kommt. Genauso geht es dem Leser auch, schnell ist klar, wer hier getötet hat. Somit fehlt ein wenig Spannung in der Handlung und man erlebt eben nur, wie eine verzweifelte Frau nach Gerechtigkeit verlangt. Aleydis handelt mit den Mitteln, die einer Frau im Mittelalter zur Verfügung standen, dies ist einfach nicht viel. Mehr oder weniger mit und ohne Verstand schreit sie ihre Verzweiflung in die Welt hinaus und treibt damit vermutlich ihren Gatten selbst an den Rand des Wahnsinns, was sich in dessen Handlungsweise dann wiederfindet. Eigentlich sollte man diese Szenen beim Lesen als störend empfinden, ich fand sie hingegen erheiternd und hatte zunehmend Mitleid mit dem Ehegatten von Aleydis.

Bei einigen Szenen hatte ich allerdings auch wiederum kurz das Gefühl, es passt nicht wirklich, aber um jede Handlungsweise der Protagonisten zu beschreiben, fehlten dann vielleicht auch die Seiten in diesem Roman (248 Seiten sind für einen historischen Roman eben nicht viel).Die Autorin hat es aber trotz allem geschafft ein Gefühl für die Zeit zu vermitteln und somit ist der Leser bei Aleydis und ihrer Familie. Auch wenn die junge Frau sich vielleicht nicht zu einer Ermittlerin eignet und Richard Plantagenet den Fall anscheinend mehr oder weniger allein löst, macht das Lesen hier trotzdem Spaß. Ich jedenfalls fühlte mich angenehm unterhalten.

Veröffentlicht am 17.07.2017

Das vergessene Erbe

Das vergessene Erbe
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Tereza Vanek erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die Anfang des 20. Jahrhunderts nach Russland ausgewandert ist. Antonia Walter hat eine Stellung als Lehrerin in einem reichen Haushalt angenommen. ...

Tereza Vanek erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die Anfang des 20. Jahrhunderts nach Russland ausgewandert ist. Antonia Walter hat eine Stellung als Lehrerin in einem reichen Haushalt angenommen. Sie betreut die drei Mädchen der Familie. Gleichzeitig gerät sie in die Wirren des 1 WK und der anschließenden Revolution.

In einem zweiten Handlungsstrang lernt der Leser dann Sarah Walter kennen, sie ist die Urenkelin von Antonia und lebt in der Gegenwart. Sie begibt sich auf die Suche nach der Vorfahrin. Sarah will in Erfahrung bringen, wie das Leben der Frau aussah, was sie antrieb und vor allem was aus ihr geworden ist.

Beide Frauen machen spannende Zeiten durch. Wobei mir der Handlungsstrang in der Vergangenheit etwas besser gefallen hat. Dies liegt vermutlich einfach daran, dass ich lieber historische Romane als Gegenwartsgeschichten lese. Die Sarah der Gegenwart war mir manches mal einfach zu flott unterwegs. Sie hatte sich gerade aus ihrer Beziehung gelöst und lässt sich schnell auf die nächsten Abenteuer ein. Manches davon ging mir einfach zu schnell. Die Spurensuche nach der Vergangenheit hat mir aber wiederum sehr gut gefallen. Es war interessant zu lesen, wie ein Puzzleteil zum nächsten kam, um dann ein Gesamtbild zu schaffen. Auch gab es so manche kleine Wendung, mit der ich nicht unbedingt gerechnet hatte.

Den Charakter der Antonia Walter hat die Autorin gut dargestellt. Sie wirkt so lebendig, so neugierig auf das Leben und so authentisch. Ich konnte mit ihr mitfühlen und habe sie gern durch die Zeit begleitet. Gleichzeitig gab es spannende Einblicke in diese Epoche. Mit den Augen von Antonia darf man hier die Menschen in Russland beobachten und miterleben wie sie die Zeit des 1 WK empfunden haben mögen und auch die Zeit danach. Für alle keine leichte Zeit.

Die Liebesgeschichte, von Antonia, war zwar traurig zu lesen, aber trotzdem auch schön. Mir hat sie gut gefallen. Gleichzeitig hat Vanek eine interessante Brücke in die Gegenwart geschlagen, indem sie die Nachfahren von Antonia nach dieser suchen ließ. Auf diese Weise lernten sie die Vergangenheit kennen. Die Wechsel zwischen den Zeiten sind gelungen und erhalten die Spannung.

„Das vergessene Erbe“ war für mich ein schöner Liebesroman, der mich gut unterhalten hat. Die beiden Handlungsstränge erzählen zwar unabhängige Geschichten, gehören aber trotzdem zusammen und ergeben gemeinsam ein stimmiges Bild.