Platzhalter für Profilbild

nonostar

Lesejury Profi
offline

nonostar ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit nonostar über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.09.2019

ganz anders als erwartet und leider etwas enttäuschend

Washington Black
1

Die Geschichte handelt von Washington Black, einem schwarzen Sklavenjungen, der 1830 auf einer Zuckerrohrplantage auf Barbados lebt. Die Bedingungen für die Sklaven sind furchtbar, sie müssen mit Gewalt ...

Die Geschichte handelt von Washington Black, einem schwarzen Sklavenjungen, der 1830 auf einer Zuckerrohrplantage auf Barbados lebt. Die Bedingungen für die Sklaven sind furchtbar, sie müssen mit Gewalt und Ablehnung leben. Doch Washington hat Glück, der Bruder seines Masters engagiert ihn als Assistenten und nimmt ihn mit auf eine Reise hinaus in die Welt.
Der Klappentext spricht von einer "Geschichte von Selbstfindung und Verrat, von Liebe und Erlösung. Und eine Geschichte über die Frage: Was bedeutet Freiheit?" Dies kann ich jedoch nicht 100% bestätigen. Washington Black ist ein Abenteuerroman und als solcher betrachtet sicherlich gut. Ich hatte jedoch leider etwas andere Erwartungen und wurde somit etwas enttäuscht. Was mir jedcoh durchweg richtig gut gefallen hat, ist die Sprache. Sie ist sehr einzigartig und dennoch perfekt für diese Geschichte. Edugyan schildert die Geschehnisse auf der Plantage ungeschönt und sehr bildhaft, es scheint fast so als würde man die Grausamkeiten selbst erleben. Auch die Umgebung wird immer toll beschrieben, man sieht sie förmlich vor sich. Die Figuren waren mal mehr mal weniger gut beschrieben, richtig Tiefe aufbauen konnte ich jedoch leider zu keiner so richtig. Lediglich Washington ist mir anfangs ans herz gewachsen, dieses Gefühl verliert sich jedoch im Laufe des Romans.

Das wäre auch einer der großen Kritikpunkte. Der Roman startet sehr stark nimmt jedoch ab dem ersten Drittel enorm ab.Die Autorin verliert sich in den handlungssträngen, es wird viel zu vieles angesprochen und versucht auf den 500Seiten unterzubringen. So entsteht ein sehr gehetztes Gefühl beimleser und leider bleibt so auch nicht genug Zeit für eine Charakter- oder Handlungsentwicklung.Es passiert etwas und innerhalb weniger Seiten ist es auch schon wieder abgehakt und das nächste Abenteuer startet. Das fand ich etwasschade, da hier vielPotential verschenkt wurde. Hinzu kommt, dass immer wieder sehr viele Andeutungen fallen gelassen wurden, die dann aber im späteren Verlauf des Romans keine Rolle mehr spielten. Auch hier habe ich mich gefragt, wozu man sie denn dann überhaupt anspricht? Manche der offenen Fragen wurden zwar geklärt, zu viele jedoch nicht. Dies hat mich nach Beenden des Romans sehr unbefriedigt zurück gelassen. Bedingt durch die vielen Themen durch die man richtiggehend durchrennt, tauchen auch so gut wie nie Probleme auf. Alles fügt sich immer wie zufällig zusammen und Washington kann alles reibungslos und schnell erledigen. Das empfand ichals enorm langweilig und auch unrealistisch. Auch so manche Wendung am Schluss war mir zu vorhersehbar und inhaltlich langweilig. Am Ende war ich dann leider ganz froh, dass das Buch nun fertig ist.

Ich bin etwas traurig, dass das Buch inhaltlich so extrem nachgelassen hat, da ich die Sprache wirklich einzigartig fand. Alles war unglaublich schön geschrieben, konnte mich jedoch leider immer weniger erreichen. Ich finde, entweder hätte sich die Autorin mehr Zeit und mehr Seiten nehmen sollen um die ganzen Ansätze, die sie einbringt besser einbauen zu können oder eben einfach weniger Wendungen einbauen. So war es für mich leider ales etwas unzusammenhängend und unbefriedigend. Im Ganzen also nichts besonderes sondern eher ein netter Abentteuerroman der leider gegen Ende enorm an Spannung verliert. 3 Sterne alleine wegen der wirklich tollen Sprache und dem doch recht guten Anfang.

Veröffentlicht am 03.09.2019

interessanter Blickwinkel auf eine Welt die nicht nur aus schwarz und weiß besteht

Ein anderer Takt
0

In der kleinen Stadt Sutton irgendwo in den Südstaaten nimmt alles seinen Anfang. Der junge schwarze Farmer Tucker Caliban zerstört seine Felder, tötet die Tiere, zündet das Haus an und macht sich dann ...

In der kleinen Stadt Sutton irgendwo in den Südstaaten nimmt alles seinen Anfang. Der junge schwarze Farmer Tucker Caliban zerstört seine Felder, tötet die Tiere, zündet das Haus an und macht sich dann zusammen mit seiner Familie auf den Weg in Richtung Norden. Innerhalb weniger Tage folgt ihm die gesamte schwarze Bevölkerung des Bundesstaates und alle fragen sich, "Was ist passiert? Wie konnte es dazu komen?"

Dieser Frage geht Kelley mit einer sehr beeindruckenden Schreibweise nach. Erzählt wird alles aus der Sicht der weißen Bevölkerung im näheren Umfeld von Tucker. Wir erfahren mehr über seine Vergangenheit und rätseln selbst, was die Beweggründe für diesen Schritt waren. Kelley schreibt unglaublich bildhaft und einnehmend, ich fühlte mich stets mitgenommen in die Welt von Tucker ohne dabei doch ganz dazu zu gehören. Die Tatsache, dass alles aus der Sicht weißer Menschen erzählt ist, fand ich sehr interessant. Jede der erzählenden Figuren scheint andere Beweggründe zu sehen, andere Ursachen und alle sind irgendwie miteinander verbandelt. Dabei bleiben die wahren Gefühle und Gedanken von Tucker und seiner Familie jedoch auch unklar, sie schwingen zwischen den Zeilen ohne dass man sich sicher sien kann, ob es sich tatsächlich so verhält. Dies hat mich jedoch in keinster Weise gestört, sondern hat im Gegenteil den Roman noch eindrücklicher auf mich wirken lassen. Das Buch schlägt einen in seinen Bann und man fliegt förmlich durch die Zeilen.

Der Rassismus ist im ganzen Buch sehr präsent, mal deutlicher, mal hinter vorgehaltener Hand aber dennoch immer zu erkennen. Einige der Szenen haben mich erstaunt, andere mitgenommen, doch immer berührt. Der Umschwung weg von Rassismus vollzieht sich langsam, den schwarzen scheint es besser zu gehen, doch anhand der Gesten und Worte der Figuren merkt man, dass die Veränderung hin zur besseren Zukunft nur sehr langsam von statten geht, ja dass sich viele dagegen wehren und lieber an alten Mustern festhalten. So können sich auch manche nicht vorstellen, wieso Tucker geht, nach einer anfänglichen Verwirrtheit und gespielter Gleichgültigkeit entwickelt sich eine trotzige unbegründete Wut auf die Schwarzen und alle, die mit ihnen sympathisieren. Die Figuren waren für mich alle sehr authentisch, Kelley beschreibt sie auf eine Weise, die sie mich als alte Bekannte wahrnehmen lässt, als Menschen die ich schon ewig kenne. Dabei lässt er unmerklich eine Entwicklung ablaufen, die man so am Anfang des Romans nicht erwartet hat und die einen am Ende schockiert und seine bisherige Einschätzung nochmals überdenken lässt.

Fazit: Ein sehr wichtiger und mitreisender Roman, der mehr Leser braucht!

Veröffentlicht am 14.08.2019

sehr berührend

Der Gesang der Flusskrebse
0

In "Der Gesang der Flusskrebse" begleiten wir Kya, die von allen nur das Marschmädchen genannt wird. Sie lebt ganz alleine in der Marsch nach und nach verlassen von ihren Familienmitgliedern. Die Menschen ...

In "Der Gesang der Flusskrebse" begleiten wir Kya, die von allen nur das Marschmädchen genannt wird. Sie lebt ganz alleine in der Marsch nach und nach verlassen von ihren Familienmitgliedern. Die Menschen aus der Stadt meiden sie oder lachen sie sogar aus, so dass sie sich immer mehr zurück zieht und nur wenig Kontakt zur Außenwelt hat. Dieser Kontakt ist v.a. geprägt durch zwei jungen Männern denen sie ihr Herz schenkt und einen älteren Mann der sich ihrer annimmt.

Delia Owens hat einen unglaublich berührenden und gleichzeitig sehr spannenden Schreibstil. Bis zum Schluss wusste ich nicht, was mich erwartet und was wirklich passiert ist. Der Roman springt zwischen den Ermittlungen der Polizei in der Gegenwart und dem Aufwachsen von Kya über die Jahre. Wir begleiten Sie auf ihrem Weg und als Leser eröffnet sich nur langsam ein Bild. Bruchstückhaft aber dennoch chronologisch werden die Puzzleteile zusammengefügt und man beginnt hinter die Kulissen zu schauen. Die Figuren fand ich alle sehr authentisch und oft war mir lange nicht klar, was ich von manchen halten sollte.

Kya ist eine unglaubliche Protagonistin. Sie findet sich zurecht in ihrer Einsamkeit und dem Alleinsein. Oft wurde sie enttäuscht vo den Menschen, die in ihr Leben traten und doch keimt immer wieder Hoffnung in ihr auf und sie "Verschenkte ein weiteres Stück von ihr selbst, nur, um jemand anderen in ihrer Nähe zu haben." Kya hat mich unglaublich berührt, traurig zurückgelassen und doch gleichzeitig mit Hoffnung erfüllt. Sie lebt ihr Leben und lässt sich niemals unterkriegen, sie kommt immer wieder auf die Füße und findet einen Weg mit Enttäuschung und Schmerz umzugehen. Am liebsten hätte ich sie in den Arm genommen und ihr gesagt, dass alles gut wird und dass sie nicht alleine bleiben muss. Die Einsamkeit und das Verlorensein die Kya immer wieder einholen sind sehr eindrücklich und gefühlvoll geschildert.

Ihre Mutter sagte immer "Geh soweit du kannst - bis dahin, wo die Flusskrebse singen." Das hat Kya getan und damit eine Welt entdeckt, in der sie sich mehr zu Hause fühlt als sie es unter Menschen jemals tun wird. Diese Welt beschreibt Owens so wunderbar detailreich und mit den Augen von Kya, die sich über jede Entdeckung freut und ihr ganzes Wesen darauf ausrichtet. Sie fühlt sich zu Hause und bezeichnet die Marsch als eine Freundin bei der sie geborgen ist. Diese Geborgenheit hat mich sehr gefreut, auch wenn sie im Kontrast zu der immer wieder geschilderten Einsamkeit steht. In der Marsch hat Kya einen Zufluchtsort gefunden, ja sogar eine Art Freundin, die ihre Tränen trocknet und ihre Wunden heilt.

Delia Owens hat mit "Der Gesang der Flusskrebse" ein unglaublich tolles Buch geschaffen, dass kein Krimi aber auch kein Roman ist, sondern eine berührende Mischung aus allem.

Veröffentlicht am 09.08.2019

Spannende Fortsetzung

Die Spiegelreisende
0

In Band 1 begleiteten wir Ophelia auf ihrer Reise an den Pol und haben zusammen mit ihr eine neue Welt entdeckt. Sie musste so manche Gefahren und Beleidigungen überstehen und auch in Band 2 ergeht es ...

In Band 1 begleiteten wir Ophelia auf ihrer Reise an den Pol und haben zusammen mit ihr eine neue Welt entdeckt. Sie musste so manche Gefahren und Beleidigungen überstehen und auch in Band 2 ergeht es ihr in dieser Hinsicht nicht viel besser. Noch immer kann sie kaum jemandem trauen und muss versuchen hinter die Illusionen zu blicken.

Der Schreibstil hat mir wieder sehr gut gefallen. Dabos schafft es die Umgebung etc. sehr bildhaft zu beschreiben ohne dabei zu ausschweifend zu werden. In der Welt der Archen habe ich mich in Band 2 sehr viel besser zurecht gefunden. Dies lag v.a. daran, dass nicht mehr so viele neue Orte und Begriffe eingeführt wurden sondern sich die Handlung auf ein paar wenige Schauplätze beschränkt. Auch die grafische Übersicht der Himmelsburg am Anfang des Buches fand ich sehr schön. Die angespannte Stimmung am Pol wurde auch wieder gut vermittelt.

Am Anfang startete die Geschichte etwas schleppend und war zwischenzeitlich sogar recht langweilig. Ab dem 2. Drittel wurde es jedoch richtig spannend und mysteriös, was mir gut gefallen hat. Auch der offene Schluss war sehr interessant und lässt viel Raum für Spekulationen bis Band 3. Ich bin schon sehr gespannt wie es weiter geht und bin froh, dass auch Band 2 wieder vieles zu bieten hatte.

Veröffentlicht am 05.08.2019

Am Ende leider nicht mein Fall

Otto
0

Otto ist ein sehr spezieller Mensch. Er ist pansionierter Ingenieur und hält sein Umfeld, allen voran seine beiden Töchter, stets auf Trab. Mit den jahren wurde er immer mal wieder ernsthaft krank, konnte ...

Otto ist ein sehr spezieller Mensch. Er ist pansionierter Ingenieur und hält sein Umfeld, allen voran seine beiden Töchter, stets auf Trab. Mit den jahren wurde er immer mal wieder ernsthaft krank, konnte sich jedoch jedes Mal wieder aufrappeln. So auch jetzt, doch otto wird immer anstrengender und so setzen ihm seine Kinder eine Pflegekraft ins Haus und Otto wird noch anstrengender. Er will, dass seine Töchter rund um die Uhr verfügbar sind, was sie auch anstandslos erfüllen, dabei jedoch ihr eigenes Umfeld auch manchmal vor den Kopf stoßen.

Die Leseprobe hatte mir sehr gut gefallen und nach dem Klapptentext erwartete ich eine Story, in der es um das pflegen eines Menschen geht und das Abschied nehmen, aber auch, wie schwer es für ältere Menschen sein kann, Hilfe anzunehmen. Ich hatte mir erhofft, dass es eine berührende Geschichte wird. Bekommen habe ich jedoch eine gewollt sarkastische/witzige Aneinanderreihung von Ottos Kapriolen, die irgendwann nur noch miteinander verschwammen. Die Dialoge waren mir irgendwann too much und auch die Sache mit der Pflegerin war mir irgendwie zu gewollt. Die Charaktere konnten mich leider alle nicht erreichen und blieben sehr oberflächlich. Bei keinem konnte ich das Handeln in irgendeiner Weise nachvollziehen, noch hat mich irgendetwas in dem Buch sehr berührt.

Die Handlung folgt irgendwie keinem roten Faden, wass Timna auch am Ende beim Versuch ihre Familiengeschichte aufzuschreiben, selbst bemerkt. Es ist nur eine Aneinanderreihung von einzelnen Geschichten, die jedoch zusammen genommen keinen Sinn ergeben. Das Ende kam dann auch sehr unerwartet, dabei war es eigentlich ga rkein richtiges Ende. es wirkte, als hätte die Autorin einfach mitten in der geshcihcte vergessen weiter zu schreiben. Leider muss ich deswegen nach den 240 Seiten sagen, dass sich mir der Sinn dieses Buches absolut nicht erschlossen hat. Es war zwar flüssig und zügig zu lesen, ich habe auch durchaus manchmal geschmunzelt, aber alles in allem fand ich es leider nur mittelmäßig.