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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.03.2019

Ängste, Depressionen und Freundschaft

Mein Sommer auf dem Mond
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Fritzi leidet an Panikattacken, Bastian hat eine bipolare Störung, Sarah möchte nicht auffallen und Tim hat Aggressionsprobleme. Vier Jugendliche, die sich auf der Straße niemals wahrgenommen hatn, sind ...

Fritzi leidet an Panikattacken, Bastian hat eine bipolare Störung, Sarah möchte nicht auffallen und Tim hat Aggressionsprobleme. Vier Jugendliche, die sich auf der Straße niemals wahrgenommen hatn, sind alle im Therapiezentrum Sonnenhof, sie sind die Astronauten.
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Alle haben ihr eigenes Päckchen zu tragen und öffnen sich nur langsam. Doch als sie es tun, finden sie neue Vertraute, Menschen, die sie verstehen, sie werden zu Freunden und kümmern sich umeinander. "Mein Sommer auf dem Mond" ist ein wunderschönes Buch, über den Mut, sich seinen Ängsten zu stellen und andere Menschen in sein Leben zu lassen. Der Schreibstil ist wirklich toll und des öfteren fand ich die Zeilen sehr berührend, manchmal auch bedrückend und doch lässt das Buch auch hoffen. Es ist ein Buch über neue und alte Freundschaften, über Ängste, Depressionen und Unsicherheiten, aber auch über Familie, Liebe und Zusammengehörigkeit und dass man das Gute oft findet, wenn man es nicht erwartet.

Veröffentlicht am 11.03.2019

ein dünnes Buch, das sehr zum Nachdenken anregt

Agathe
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Der Erzähler, ein älterer Herr,von Beruf Psychiater, steht kurz vor dem Ruhestand. Noch ein halbes Jahr muss er arbeiten und jeden Tag zählt er die Therapiestunden, die noch fehlen, bevor er endlich erlöst ...

Der Erzähler, ein älterer Herr,von Beruf Psychiater, steht kurz vor dem Ruhestand. Noch ein halbes Jahr muss er arbeiten und jeden Tag zählt er die Therapiestunden, die noch fehlen, bevor er endlich erlöst wird. Doch dann vereinbart seine Sprechstundenhilfe gegen seinen Willen einen Termin mit einer neuen Patientin und langsam ändert diese sein Leben.
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Der Erzähler war mir direkt zu Beginn furchtbar unsympathisch. Er ist alt, seine Patienten und ihre Probleme scheinen ihm egal. Doch nach und nach erfährt man mehr über sein Leben. Er ist eigentlich ziemlich verloren und alleine. Er hat das ganze Leben gearbeitet, nie viel getan und jetzt weiß er nicht, wie er die Tage im Ruhestand füllen soll. Er traut sich nicht so Recht aus seinen geregelten Bahnen auszubrechen, hat Angst, was seine Mitmenschen denken. Agathe scheint ihn durcheinander zu bringen und er wird sich erstmals der Leere in seinem Leben bewusst. Er fragt sich, was er mit all der Zeit im Ruhestand anfangen soll und rekapituliert sein vergangenes Leben.

Der Schreibstil hat es geschafft, mich mitzunehmen und trotz dem holprigen (da unsympathischer Erzähler) Anfang doch noch zu begeistern. Am Ende waren auch alle gar nicht mehr so unsympathisch, eher sehr menschlich. Jeder der erwähnten Charaktere trägt seine eigenen Probleme mit sich herum, manche größer als andere und dennoch geht jeder auf seine Weise damit um. Auch die Entwicklung des Erzählers fand ich sehr schön und das Ende durchaus gelungen. Die Autorin schafft es trotz des sehr dünnen Büchleins, elementare Fragen zu stellen und den Leser zum Nachdenken anzuregen. Oft habe ich mich in den Charakteren erkannt und habe beim Lesen inne gehalten um darüber nachzudenken. Das Buch liest sich zwar sehr zügig, aber dennoch ist es kein Buch, dass man mal eben so liest. Es klingt nach und man macht sich noch lange Gedanken.

Veröffentlicht am 10.03.2019

sehr verworren

Das Echo der Wahrheit
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Dr. James Cobb ist ein angesehener Psychiater, spezialisiert auf Hypnose. Nach einem Kongress wird er von Joschua Fleischer angesprochen, der ihn bittet, ihn zu behandeln. Fleischer leidet aneine runheilbaren ...

Dr. James Cobb ist ein angesehener Psychiater, spezialisiert auf Hypnose. Nach einem Kongress wird er von Joschua Fleischer angesprochen, der ihn bittet, ihn zu behandeln. Fleischer leidet aneine runheilbaren Krankheit und hat nicht mehr lange zu leben. Zunächst skeptisch nimmt er den Auftrag schließlich doch an und fährt auf das Anwesen des schwerkranken Mannes. Dort angekommen, erfährt er, warum genau er hier ist: Fleischer fürchtet vor Jahren in Paris einen Mord begangen oder doch zumindest dabei anwesend gewesen zu sein. Er kann sich nicht mehr an besagte Nacht erinnern und hofft nun, unter dem Einfluss der Hypnose dem Gehemnis auf die Spur zu kommen. Kurz darauf stirbt er, ohne eine Antwort auf seine Fragen zu bekommen. Doch die Geschichte lässt Cobb nicht los und so beginnt er selbst Nachforschungen anzustellen.

Die Leseprobe klang sehr interessant und spannend, am Ende war ich jedoch leider etwas enttäuscht von dem Roman. Der Schreibstil war zu Beginn recht anstrengend, die mitunter recht langen Sätze haben mir den Einstiegin die Geschichte erschwert. Die Sätze waren zwar klar formuliert und die Sprache gut verständlich, doch die Handlungen der jeweiligen Personen waren oftmals sehr sprunghaft und es wurde rasch zwischen Vergangenheitund gegenwart sowie zwischen einzelnen Erzählsträngen gewechselt. Dadurch brauchte ich oftein paar Sätze, bis ich mich auf den Wechsel einstellen konnte.

Auch die Geschichte selbst erschien mir sehr verworren, sprunghaft und manchmal unzusammenhängend. Das Lesen des Buches hat bei mir auch leider nichts ausgelöst, die Charaktere blieben mir eher fremd und die Handlungsstränge waren mir oft zu konstruiert. Die Gründe von Cobb, der Geschichte nachzugehen, konnte ich nicht so ganz nachvollziehen. Lag es an der Warnung von Fleischer oder an seiner eigenen Vergangenheit? Es hat sich mir nicht wirklich erschlossen. Insgesamt fand ich auch weder ihn noch Fleischer sehr sympathisch. Was Fleischer unter Hypnose erzählt klang sehr verantwortungslos und nicht so, wie sich ein normaler Mensch verhalten würde. Personen die in der Vegrangenheit eine Rolle gespielt haben werden ohne Einführung in die Geschichte gebracht, man weiß nie so genau, warum diese Person jetzt da ist und was sie dem Voranschreiten des Romans bringt. Leider konnte mich keiner der Charaktere so richtig überzeugen.

Alles in allem hat mich der Roman leider sehr enttäuscht.

Veröffentlicht am 10.03.2019

sieht so unsere Zukunft aus?

Die Reinsten
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In der Vergangenheit steuertedie Menschheit sukzessive auf eine Naturkatastrophe hin, die im Jahre 2041 schließlich nur noch abgewendet wurde, indem sich die Menschen der KI Askit unterwarfen. 150 Jahre ...

In der Vergangenheit steuertedie Menschheit sukzessive auf eine Naturkatastrophe hin, die im Jahre 2041 schließlich nur noch abgewendet wurde, indem sich die Menschen der KI Askit unterwarfen. 150 Jahre später hat Askit ein System erschaffen, in dem sich die Natur weitestgehend zu erholen scheint und die Menschen mit technischen Hilfsmitteln wieder normal leben können. Doch dieses Leben hat auch seinen Preis: Die Menschen bekamen ein Neuro-Implantat eingepflanzt, mit dem Askit ihre Emotionen steuern und sie zu einem guten Menschen, einem "Reinsten" erziehen kann. Entscheidet man sich gegen ein Implantat darf man zwar weiter in den kontrollierten Gebieten leben, hat jedoch auch weniger Möglichkeiten als diejenigen mit Implantat, man gehört dann zu den "Angepassten". Wer sich diesem System nicht anpassen möchte, wird man degradiert und lebt fortan in Kolonien außerhalb des Wirkungszentrums von Askit.

Innerhalb Askits Bereich Alle leben nach dem gleichen Weltbild und das Wohl der Allgemeinheit steht an oberster Stelle. Auf Askit war immer Verlass in den letzten 150 Jahren doch plötzlich beginnt es sich seltsam zu verhalten. Eve Legrand hat bereits seit ihrem 8. Lebensjahr ein Implantat, sie ist hoch angesehen und steht kurz vor dem Eintritt in die Akademie der Wissenschaft, die höchste Auszeichnung, die sich sich vorstellen kann. Sie ist überzeugt davon, dass Askit die Menschheit voran gebracht hat und auch noch weiter voran bringen wird und sie ist begeistert von der Unterstützung , die sie durch Askit erfährt. Doch sie beginnt zu zweifeln, v.a. nachdem sich Askit immer seltsamer verhält. Schließlich flieht sie zusammen mit ihren Freunden in die Kolonien und lernt dort plötzlich eine ganz andere Welt kennen. Was sollsie nun glauben, wie weiß sie, was Wahrheit ist und was Lüge? Jeder versucht sie auf seine Seite zu ziehen und sie muss sich zurechtfinden in einer Welt, die sie so nicht kannte und noch viel wichtiger, sie muss zu sich finden und lernen für ihre Überzeugungen einzutreten.

Thore D. Hansen zeichnet mit diesem Roman ein Zukunftsbild, das zwar erschreckend wirkt, jedoch gar nicht so abwegig erscheint. Das Zusteuern auf eine Klimakatastrophe ereignet sich gerade tatsächlich und auch einige der technischen Errungenschaften werden in öhnlicher Form bereits verwendet oder gerade entwickelt. Die positiven Aspekte von Askit scheinen zu überwiegen, die Gemeinschaft steht immer an erster Stelle, niemand lebt im Überfluss, alle Rationen weren genau berechnet und am wichtigsten, die Erde und auch die Menschheit kann sich von der Vergangenheit erholen. Im Hinblick auf die Geschichte machen einige Aspekte jedoch auch Angst, wie z.B. die Zweiklassengesellschaft aus Reinsten und Kolonisten, die totale Kontrolle durch Askit und der "Einheitsmensch" der bestimmte Eigenschaften haben sollte, der Wunsch nach Perfektion.

Die Sprache hat mir sehr gut gefallen, lediglich der Mittelteil des Buches war etwas schwächer, da hier zu viel auf eimal passiert ist und es stellenweise schwer war, den einzelnen Personen zu folgen. Dennoch war das Buch niemals langweilig sondern durch die Geschehnisse, die auch mitunter sehr unerwartet eintraten immer sehr spannend. Die Charaktere sind toll beschrieben und zeigen erst ganz am Ende ihr wahres Gesicht, so dass dem Leser viel Raum für eigene Phantasien bleibt. Das Ende kam anders als erwartet und es zeigen sich einige Abgründe der Menschen. Dennoch ist das Enbde sehr stimmig und schließt das Buch gut ab.

Das Buch lässt mich sehr nachdenklich zurück und gibt weitere Impulse sich mehr um unsere Erde zu kümmern und weiter zu denken, als nur bis zum nächsten tag, zur nächsten Woche oder zum nächsten Monat. Es liegt an uns, etwas zu ändern, dabei sollten wir jedoch nicht vergessen auch weiterhin Mensch zu bleiben und ich kann nur hoffen, dass wir nicht so enden, wie Thore D. Hansen die Zukunft hier schildert.

Veröffentlicht am 28.02.2019

was kann eine Liebe überstehen?

In guten wie in schlechten Tagen
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Celestial und Roy sind zwei junge schwarze Amerikaner, denen es gut geht. Sie lieben sich, sind verheiratet und haben eine aufstrebende Zukunft vor sich. Doch nach 1.5 Jahren verändert eine Nacht ihr ganzes ...

Celestial und Roy sind zwei junge schwarze Amerikaner, denen es gut geht. Sie lieben sich, sind verheiratet und haben eine aufstrebende Zukunft vor sich. Doch nach 1.5 Jahren verändert eine Nacht ihr ganzes Leben. Roy wird zu unrecht einer Vergewaltigung bezichtigt und schließlich zu 12 Jahren Haft verurteilt. Kann ihre Ehe und noch viel wichtiger ihre Liebe das alles überstehen?

Celestial & Roy sind frisch verheiratet, voller Hoffnung auf ein gutes Leben, zusammen als Familie. Sie denken über Kinder nach, bauen sich eine Heimat auf, es läuft gut. Doch ein einziger Augenblick kann alles verändern, dabei waren sie einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort. Und sie haben die falsche Hautfarbe. Auch wenn man es nicht glauben möchte, schildert dieser Roman sehr deutlich, dass Rassendiskriminierung immer noch ein sehr aktuelles Thema ist. Die Verurteilung entzieht sich jeglicher Logik und scheint einem anderen Jahrhundert entsprungen. Die Gefühle der einzelnen Personen werden sehr berührend dargestellt, die Zweifel und Ängste prägen sich ein. Der Gefängnisalltag ist hart und obwohl er nicht im Vordergrund steht, erkennt man als Leser die deutlichen Spuren, die er an Roy hinterlässt. Celestial ist eine gute Ehefrau, besucht ihren Mann, nimmt Strapazen und Kontrollen auf sich um ihm nah zu sein. Doch sie lebt auch ihr Leben weiter, während es für Roy stehen bleibt. Beim Lesen erfährt man die Distanz, die sich zwischen den beiden entwickelt, man versucht zwischen den Zeilen zu lesen um die Beweggründe zu verstehen. Die Geschichte entwickelt sich ganz anders, als ich erwartet hatte, doch am Ende erscheint es genau richtig so. Die Entwicklung der Figuren wirft Fragen auf, die zunächst unbeantwortet bleiben. Die Geschichte spitzt sich zu, bis am Ende die Situation eskaliert, die Charaktere werden von ihren Gefühlen übermannt. Doch am Ende beweisenalle denMut sich den Fragen zu stellen, die im Raum stehen und offen miteinander umzugehen. Und sie akzeptieren, dass sich Gefühle ändern können, dass Liebe auch verzeihen heißt und dass man manchmal loslassen muss, dass man nach vorne und nicht zurück blicken sollte.

In drei Erzählsträngen wird hier die Geschichte einer Liebe erzählt, die vom Leben durchkreuzt wird. Aber auch eine Geschichte von Freundschaft, Familie, von Hoffnung und Ängsten. Nicht nur die beiden Hauptcharaktere, auch ihre Familien und Bekannte sind sehr realistisch gezeichnet, niemand ist perfekt, aber gerade das lässt sie menschlich werden. Keine der Figuren ist nur sympathisch oder nur unsympathisch, das macht es für mich als Leser noch eindrucksvoller, noch intensiver beim Lesen. Man fragt sich immer wieder, wie man selbst handeln würde. Der Schreibstil ist sehr flüssig und und emotional, man wird hinein katapultiert in die Geschichte und es fällt schwer, sich wieder davon zu lösen. Man spürt die Liebe aber auch das Ungesagte, das zwischen den Zeilen steht.

Der Roman ist gesellschaftskritisch und prangert vieles an, ohne dabei belehrend zu wirken, was ich sehr gut finde. Man wird innerlich wach gerüttelt. Aber auch die anderen Themen über Liebe, Ehe, Gefühledie man nicht kontrollieren kann haben mich sehr berührt. Sowohl Schreibstil als auch die Geschichte selbst konnten mich zu 100% überzeugen und ich spreche hier eine klare Leseempfehlung aus.