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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.06.2021

Coopers Chase

Der Donnerstagsmordclub
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Die luxuriöse Seniorenresidenz Coopers Chase scheint perfekt für Joyce geeignet um dort ihr restliches Leben zu verbringen. Doch dann lernt sie Elizabeth, Ron und Ibrahim kennen, die zusammen den Donnerstagsmordclub ...

Die luxuriöse Seniorenresidenz Coopers Chase scheint perfekt für Joyce geeignet um dort ihr restliches Leben zu verbringen. Doch dann lernt sie Elizabeth, Ron und Ibrahim kennen, die zusammen den Donnerstagsmordclub bilden. Als vor ihrer Haustür eine Leiche gefunden wird, wird Joyce kurzerhand Mitglied in diesem Club und die vier Senioren begeben sich auf Mörderjagd.

Richard Osman hat einen sehr leichtgängigen Schreibstil der das Abtauchen in diese Geschichte wirklich leicht macht. Die vier Senioren haben mir ein paar unterhaltsame Lesestunden beschert und für mich Nicht-Krimi-Leserin war es auch nicht zu vorhersehbar. Osmans Figuren sind alle toll geschrieben, alles mit einem britischen Touch und der Humor größtenteils sehr amüsant.

Die Geschichte an sich ist kein spannungsgeladener Actionball aber das Ermitteln mit den vier macht viel Spaß. Die Idee, Joyce das ganze in Form von Tagebucheinträgen festzuhalten und so den Leser nochmal direkt auf den aktuellen Stand der Ermittlungen zu bringen, war ganz interessant, hätte es aber nicht unbedingt gebraucht für mich.

Leider war mir auch der Schluss etwas zu überstürzt und im Vergleich zum Rest auch etwas zu abgeklärt was weitere Tode betrifft. Dennoch habe ich den Donnerstagsmordclub gerne begleitet und bin gespannt, welche Verbrecher sie als nächstes jagen.

Veröffentlicht am 14.06.2021

Eine Reise ans Meer

Unterwasserflimmern
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Die namenlose Ich-Erzählerin, Anfang 30, lebt mit Emil, ihrem Partner, in einer gemeinsamen Wohnung. Für sie könnte das reichen, doch Emil will mehr. In einer anderen Wohnung wartet ein Bett auf sie, das ...

Die namenlose Ich-Erzählerin, Anfang 30, lebt mit Emil, ihrem Partner, in einer gemeinsamen Wohnung. Für sie könnte das reichen, doch Emil will mehr. In einer anderen Wohnung wartet ein Bett auf sie, das Bett von Leo, mit dem sie eine Affäre hat und der selbst verheiratet ist. Zwischen diesen beiden Männern fühlt sie sich hin und her gerissen, der eine fordernd, der andere verständnisvoll. Sie flieht vor einer Entscheidung, vor sich selbst und dem Leben, das sie lebt. Denn sie weiß nicht, was sie will, wer sie ist, wie sie leben will und v.a. mit wem.

Ich hatte im Vorfeld einige Rezensionen gelesen und war danach vorbereitet auf obszöne Sexszenen und vulgäre Beschreibungen. Doch gefunden habe ich beides bis zum Schluss nicht. "Unterwasserflimmern" ist trotz einiger expliziter Stellen ganz sicher kein schockierender Erotikroman. Ja, die Protganistin hat Sex, manchmal härter, manchmal sanfter, aber Katharina Schaller schafft es, der Situation entsprechend zu schreiben. Teils schildert sie die Szenen in direkter und sexualisierter Sprache, doch dann auch wieder sehr leicht, so dass man das Geschehen nur erahnen kann. Sie lässt Raum für das Beobachten und Fühlen, abseits vom Verstehen. Schaller hat hier eine Protagonistin geschaffen, die ihre Sexualität auslebt, sie geniest und auch als Werkzeug missbraucht, die sich erst noch finden muss, die nicht weiß, wo sie hin will mit ihrer Zukunft. Ich empfand sie dabei in keinster Weise überspitzt oder oberflächlich.

Zugegebenermaßen kreist sie v.a. im zweiten Teil des Buches etwas sehr um sich selbst, doch steht das nicht auch jedem zu? Diese junge Frau ist auf der Reise, auf der Suche, sie findet viele Menschen auf ihrem Weg, mit manchen verbindet sie bei der Abreise mehr als mit anderen, doch allen geht sie offen entgegen. Sie ist ohne Ziel, dreht sich im Kreis, geht vor und wieder zurück, versucht das Ende und die Zeit für Entscheidungen hinaus zu zögern, so lange sie kann. Sie wird konfrontiert mit Gedanken und Gefühlen, an das was war und das was erst noch kommt, nur die Gegenwart bekommt kaum Raum obwohl sie doch im Hier und Jetzt steht. Sie ist voller Zweifel und Ungewissheit aber genau das hat mir gefallen an ihr.

Ich hatte nicht viel erwartet von diesem Buch aber Katharina Schaller hat es mir mit ihrer schönen Schreibweise leicht gemacht, mich darin zu verlieren. Sie vermischt lange Schilderungen mit kurzen aussagekräftigen Sätzen, die in ihrer Direktheit und Kürze zu überzeugen wissen. Dadurch hat sie für mich ein sehr intensives Leseerlebnis geschaffen und mich ihrer Protagonistin näher gebracht. "Unterwasserflimmern" ist ein Buch für alle, die hinter die Fassade blicken wollen und die sich nicht von einer Protagonistin abschrecken lassen, die sich nicht für ihren Körper und ihre Sexualität schämt. Ein Buch für alle, die sich entführen lassen wollen auf eine Reise ans Meer und darüber hinaus.

Veröffentlicht am 09.06.2021

Baskenland

Die lustlosen Touristen
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Ulia und ihr Mann Gustavo machen eine Reise ins Baskenland, auf den Spuren von Ulias Herkunft. Gleichzeitig werden noch zwei weitere Geschichtsstränge erzählt, einmal von Benjamin Brittens Leben, denn ...

Ulia und ihr Mann Gustavo machen eine Reise ins Baskenland, auf den Spuren von Ulias Herkunft. Gleichzeitig werden noch zwei weitere Geschichtsstränge erzählt, einmal von Benjamin Brittens Leben, denn Ulia schreibt ihre Doktorarbeit über seine Werke und seinen Einfluss, und dann noch das große Thema der baskischen ETA und die Folgen ihrer Terroranschläge.

V.a. zu Anfang ist dieses Buch unglaublich verwirrend, die Erzählweise sehr unklar ud sprunghaft, ohne Übergänge werden die Personen und Erzählstränge gewechselt, so dass ich mich lange gefragt habe, was hat das alles miteinander zu tun, warum erzählt uns Katixa Agirre das alles? Erst ab der Hälfte beginnen sich die einzelnen Stränge zusammen zu fügen, endlich fängt es an Sinn zu ergeben. Doch leider hatte mich die Autorin bis dahin schon größtenteils verloren. Die Informationen, die sie uns zu Britten und der baskischen ETA gibt, sind äußerst interessant, doch gleichzeitig so vage gestreut, dass sie im Beziehungsdrama von Ulia und Gustavo untergehen. Denn die beiden werden auf ihrer Reise mit der Vergangenheit und Eifersucht konfrontiert und die hiele Welt scheint plötzlich gar nicht mehr so heil.

Ich hätte wirklich gerne mehr über Britten oder die ETA erfahren, da mír beides vorher kein/kaum Begriff war. Doch wie schon erwähnt hat es Agirre nicht geschafft, mich dauerhaft bei der Stange zu halten. Ihre beiden Hauptfiguren wirken trotz vielem Erzählen ziemlich blass, die versprochene Leichtigkeit konnte nicht richtig aufkommen bei mir. Sprachlich sind "Die lustlosen Touristen" durchaus gut zu lesen, Agirre versteht es, die richtigen Worte zu finden. Doch ich hätte mir einfach insgesamt etwas mehr Ordnung in die verschiedenen Zusammenhänge gewünscht, so dass v.a. der Einstieg in die Geschichte weniger anstrengend gestaltet wird.

Alles in allem für mich zwar eine Enttäuschung, dennoch finde ich es gut, dass es auf die Geschichte des Baskenlandes aufmerksam macht.

Veröffentlicht am 28.05.2021

Naja

Der Junge, der das Universum verschlang
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Der 11-jährige Eli und sein großer Bruder August wachsen nicht wie andere Kinder auf. Nachdem der Vater die beiden Kinder absichtlich oder unabsichtlich betrunken in einen See fährt und sie fast ertrinken, ...

Der 11-jährige Eli und sein großer Bruder August wachsen nicht wie andere Kinder auf. Nachdem der Vater die beiden Kinder absichtlich oder unabsichtlich betrunken in einen See fährt und sie fast ertrinken, haut die Mutter mit ihnen ab. Sie hat einen neuen Freund, der gut mit den beiden Jungs zurecht kommt, doch blöderweise ist er Drogendealer. August spricht nicht mehr seit seinem Unfall sondern schreibt die Sätze nur noch in die Luft und Elis bester Freund wird sein Babysitter und Ex-Häftling Slim, der die beiden Jungs Briefe ins Gefängnis schreiben lässt um den Häftlingen das Leben außerhalb der Mauern näher zu bringen.

Klingt alles ziemlich wirr aber mit viel Potential. Doch letzteres wurd leider nicht so richtig ausgeschöpft. Schon recht schnell zeigt sich, dass Dalton sehr ausschweifig schreibt. Eli, der Kriminaljournalist werden möchte, wird bei einem Vorstellungsgespräch einmal wie folgt beschrieben:
"Allerdings bist du ein geborener Farbenschreiber." - "Ein Farbenschreiber?" - "Ja, ein beschissener Farbenschreiber", sagte er. "Der Himmel war blau. Das Blut war burgunderrot. Alex Bermudez' verdammtes Motorrad, auf dem er von zu Hause ausbüxt, war gelb. Du stehst auf all diese kleinen Details. Du schreibst keine Nachrichten. Du malst hübsche Bilder."
So in etwa ist auch Daltons Schreibstil, was vielleicht auch daran liegt, dass er alles aus Elis Sicht erzählt. Das klingt zwar manchmal ganz hübsch, war mir aber in großen Teilen des Buches zu viel, zu ausführlich, zu detailreich. Dalton schreibt keineswegs schlecht, aber ein paar weniger Sätze und ein paar weniger Seiten hätten mir bei diesem Buch wahrscheinlich besser gefallen. Immer wieder verschiebt er auch die Grenzen zwischen Realität und Fiktion, doch leider hat das für mich hier nur bedingt gepasst. Das magische und besondere der beiden Brüder kam leider nicht bei mir an und es blieb beim anfänglichen wirren Eindruck

Leider bin ich auch mit den Figuren nicht richtig warm geworden. Obwohl Eli ziemlich genau beschreibt, wie er sich seinen Mitmenschen gegenüber fühlt, konnte ich absolut keine Bindung zu ihnen aufbauen. Es ist zwar nicht so, dass man sie verwechselt o.ä. aber es war mir schlichtweg egal, was sie machen. Auch Eli selbst und was er so alles furchtbares erlebt - denn furchtbar ist seine Kindheit so manches Mal, man hat das Gefühl, er zieht Unglück irgendwie an - konnte mich überhaupt nicht berühren. Viel interessanter fand ich da seinen Bruder August aber der huscht leider immer nur am Rande des Blickfelds vorbei, selbst wenn er eigentlich gerade aktiv an der Handlung teilnimmt. Bis ich etwa das letzte Viertel erreicht hatte, war ich immer wieder kurz davor, das Buch abzubrechen und hätte es nicht so viele begeisterte Rezensionen anderer Leser gegeben, hätte ich das sicherlich auch getan. So wollte ich dann aber doch wissen, ob da noch was interessantes kommt. Und es kam was, zumindest in Teilen.

Eli und August lieben ihre Mutter über alles und würden auch alles für sie tun. Sie sorgen sich um sie und egal was sie macht oder sagt, sie halten immer zu ihr. Diese familiäre Liebe fand ich wirklich sehr toll herausgearbeitet und an dieser Stelle hat mir auch Daltons Ausschweifigkeit gar nichts ausgemacht, denn die Gefühle hat er zauberhaft beschrieben. Das letzte Viertel wurde dann auch noch richtig spannend, es geht rasant voran, die Handlung wird zum ersten Mal wirklich interessant und hat etwas von einem spannenden Krimi, so dass ich das Buch am Ende dann tatsächlich kaum aus der Hand legen konnte. Doch das reicht dann leider auch nicht um über die großen Durststrecken im Anfangs- und Mittelteil hinwegzutrösten und so endet es für mich mit mittelguten 2,5 Sternen.

Veröffentlicht am 21.05.2021

Es gibt besseres

Die Erfindung der Welt
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Aliza Berg, mehr oder minder erfolgreiche Autorin bekommt eines Tages einen mysteriösen Brief, unterzeichnet nur mit G. Sie soll nach Litstein reisen und sort ein Buch über das Leben schreiben, doch nicht ...

Aliza Berg, mehr oder minder erfolgreiche Autorin bekommt eines Tages einen mysteriösen Brief, unterzeichnet nur mit G. Sie soll nach Litstein reisen und sort ein Buch über das Leben schreiben, doch nicht über das Leben in Litstein selbst sondern über das Leben im unbewohnten Morast hinter dem Ort. Zunächst skeptisch kann sie sich der enormen Geldsumme nicht verschließen und ein Blick auf die Menschen und die Gefend schadet doch sicherlich nicht.

Die Leseprobe hat mich direkt in ihren Bann geschlagen, Alizas Art ihre Umgebung zu analysieren, ihre Art sich auszudrücken hat mir sehr gefallen. Alles klang vielversprechend. Leider kam auch recht schnell die Ernüchterung. Der Schreibstil hat mir noch immer größtenteils gefallen, doch der Autor verzettelt sich auch oft in Nebensächlichkeiten oder langatmigen Szenerien.

Es gab so einige sehr gute Momente, voller Poesie und philosophischen Ansätzen. Momente, die berühren und zum Nachdenken anregen. Nur leider bleiben solche Momente eher ind er Unterzahl und die durchaus vielversprechenden und interessanten Figuren erhalten zu wenig Tiefe. Man hat das Gefühl, an der Oberfläche ihrer Charaktere zu kratzen ohne wirklich weiter vorzudringen. Auch Aliza selbst verliert sich immer mehr im Nirgendwo, sie wird weniger greifbar, weniger echt.

"Die Erfindung der Welt" ist unumstritten gut geschrieben, doch am Ende fragt man sich "Und jetzt?" Der Roman über das Leben hat es nicht geschafft, nachzuklingen, zu bewegen, es bleibt bei distanzierten Momentaufnahmen und undurchdringlichen Figuren, weswegen ich auf lange Sicht nicht viel daraus mitnehmen werde. Ein Roman über das Leben, den ich wirklich gerne mögen wollte, der mich aber leider nicht richtig überzeugen konnte.