Übers Ziel hinausgeschossen
RätselWas erwarte ich von einem guten Thriller?
1. Er muss mich sofort packen. 2. Er muss spannend sein mit Szenenwechseln und Rätseln. 3. Er muss einen schnörkellosen und kraftvollen Schreibstil haben. 4. ...
Was erwarte ich von einem guten Thriller?
1. Er muss mich sofort packen. 2. Er muss spannend sein mit Szenenwechseln und Rätseln. 3. Er muss einen schnörkellosen und kraftvollen Schreibstil haben. 4. Unvorhersehbare Twists in passender Menge und Intensität. 5. Interessante Personen. 6. Ein Ende mit Aha-Effekt. 7. Alles muss schlüssig und logisch sein.
Erfüllt dieser Thriller meine allgemeinen Thriller-Erwartungen?
Jein!
Details:
Punkt 1: Packend ist der gleich zum Anfang. OK.
Punkt 2: Ja, es sind eine Menge Szenenwechsel und Rätsel eingebaut. Die Perspektive wechselt zwischen Esther, ich nenne sie eher Antiheldin als Hauptheldin, Marie, einer Journalistin aus den Niederlanden, die eine wichtige Rolle in diesem Gefüge spielt, und dem „Spieler“. Das ist die geheimnisvolle Person, die hinter allem steckt.
Punkt 3: Der Schreibstil an sich ist passend. Zum Ende hin musste ich allerdings öfter immer mal zurückblättern und nachlesen, aber das lag wohl eher am Gesamtgefüge als am Schreibstil.
Punkt 4: Wenn Twists beim Thriller das sprichwörtliche Salz in der Suppe sind, dann ist diese Suppe total versalzen. Es waren nach meinem Geschmack zum Ende hin einfach zu viele Twists. Es gab einen Punkt, ab dem ich mir keine Mühe mehr gegeben habe, jede Kleinigkeit zu überdenken und in ein logisches Gesamtgefüge einordnen zu wollen.
Punkt 5: Die handelnden Personen fand ich wirklich interessant. Esther ist „besonders“. Marie ist sympathisch. Habe ihr die Daumen gedrückt. Für den unbekannten „Spieler“ konnte ich dessen Motivation für diesen ganzen Zirkus nicht wirklich nachvollziehen. Ich fand ihn auch nicht besonders interessant.
Punkt 6: Einen Aha-Effekt lieferte mir das Ende kaum, eher einen Naja-Effekt.
Punkt 7: Schlüssig und logisch? Leider nur zum Teil. Ein paar Abstriche blieben hier für mich, insbesondere was Marie angeht. Vorher war sie wegen weniger traumatischen Dingen in Behandlung, aber hier ist sie nach dem reinsten Horror-Trip einfach mental viel zu stark. Das halte ich für unglaubwürdig.
Die Rätsel, welche innerhalb der Handlung auftreten, und die vor allem von Esther gelöst werden müssen, sind mir einfach zu absurd. Sie haben mir keine Lust zum Miträtseln gemacht.
Mein Fazit: Der Autor ist nach meinem Geschmack mit allem übers Ziel hinausgeschossen. Zu sehr auf Wirkung gequält mit zu vielen Twists zum Ende hin. Die Grundidee für diese Story ist toll, aber für den gesamten Roman hätte ein Rotstift an manchen Stellen gutgetan.