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Veröffentlicht am 26.09.2024

Spannend und realitätsnah

Wenn der Engel kommt
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Lina lebt mit ihrer Mutter und den beiden jüngeren Schwestern in der Anonymität eines Hochauses, was hinter den anderen Wohnungstüren passiert weiss man nicht und will es eigentlich auch nicht wissen, ...

Lina lebt mit ihrer Mutter und den beiden jüngeren Schwestern in der Anonymität eines Hochauses, was hinter den anderen Wohnungstüren passiert weiss man nicht und will es eigentlich auch nicht wissen, Anteil am Leben seiner Nachbar nimmt man höchstens durch die Essensgerüche im Treppenhaus, oder durch die Lautstärke des Fernsehers. Im 12. Stock sind es allerdings keine Essensgerüche, die Lina unangenehm auffallen und kurz darauf findet man eine Leiche in der Wohnung gegenüber. Trotz der regelmäßigen Besuche eines Pflegedienstes lag hier eine ältere, alleinstehende Dame bereits seit mehreren Tagen tot in ihrem Bett.

Das Szenario, mit dem der Leser ins Buch startet spielt natürlich direkt auf die teilweise prekären Zustände im Pflegebereich an. Pflegekräfte, die quasi im Minutentakt Patienten versorgen, Krankenkassen, die immer mehr Kosteneffizienz verlangen, Krankenhäuser, die Verantwortung an niedergelassene Ärzte weitergeben, Ärzte, die nur das Nötigste an Versorgung verschreiben können, Pflegedienste, die händeringend Mitarbeiter mit Empathie und Fachkenntnissen suchen. Ein Szenario, so dicht an der Realität, dass man ständig mit dem Kopf nickt und denkt - ja, genau so ist es.

Der Fall der verstorbenen alten Dame ist recht bald ad acta gelegt, die Ermittler, die damit befasst waren bekommen es mit anderen Todesfällen zu tun. Auf den ersten Blick haben diese nichts miteinander zu tun, allerdings ist man da als Leser im Vorteil, ahnt man doch, dass mehr dahinter steckt.

Das Buch ist in fünf Abschnitte unterteilt, die wiederum in mehreren Kapiteln erzählt werden, hier kommen abwechseln die verschiedenen Figuren zu Wort. Da ist zb die junge Lina, der der Einblick in die Polizeiarbeit und die Bekanntschaft mit der Tochter eines der Komissare eine völlig neue Richtung in ihrem Leben aufzeigt, Claus-Raphael der unmotivierte Pfleger, oder die geheimnisvolle Kimmi. Als Leser erlebt man die Ereignisse so immer aus mehreren Blickwinkeln, wobei teilweise auch in Rückblicken erzählt wird und bekommt so natürlich viel schneller eine Ahnung, wohin die Geschichte geht. Die sympathischen Ermittler haben es da etwas schwerer, man verfolgt ihre mühsame Arbeit und taucht auch tief in ihr Privatleben ein, dass auf sehr dramatische Weise mit dem Kriminalfall verbunden ist.

Autorin Nicole Eick schreibt sehr dicht an der Realität, was die Geschichte um so spannender macht. Der Kriminalfall ist raffiniert aufgebaut, die Figuren glaubwürdig, authentisch und in der Lage Emotionen beim Leser zu wecken. Das Buch ist nicht nur ein spannender Kriminalfall sondern auch eine Kritik an der aktuellen Situation im Pflegesektor und an der Gesellschaft als solche. Der Stil der Autorin macht es leicht in die Geschichte hineinzufinden, der Plot und die Figuren tun das ihre. Die Geschichte ist so atmosphärisch dicht, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann, wobei es weniger um blutige Szenarien geht, als um das zwischenmenschliche und die tiefergehende psychologische Ebene. Eine gut gelungene Mischung, die einen auch noch lange nach der Lektüre beschäftigt.

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Veröffentlicht am 26.09.2024

Gute Idee, mäßige Umsetzung

Verbrannte Gnade
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Schwester Holiday ist keine gewöhnliche Nonne, im Gegenteil, mit ihren Tattoos, den blondierten Haaren und ihrer Vorliebe für Punkrock unterscheidet sie sich grundlegend von ihren Schwestern im Kloster ...

Schwester Holiday ist keine gewöhnliche Nonne, im Gegenteil, mit ihren Tattoos, den blondierten Haaren und ihrer Vorliebe für Punkrock unterscheidet sie sich grundlegend von ihren Schwestern im Kloster in New Orleans. Als auf das Schulgebäude des Ordens ein Brandanschlag verübt wird bekommt Schwester Holiday die Vorurteile von allen Seiten zu spüren und wird sogar selbst verdächtigt, was bleibt ihr da anderes übrig, als selbst zu ermitteln.

Die Grundidee des Buches, rund um die Figur einer queeren Nonne, die Kriminalfälle in Eigenregie löst hat mich sofort begeistert, allerdings hat mich das Cover erstmal total abgeschreckt. Als ich das Buch dann in Händen hatte, habe ich meine Meinung dazu ziemlich schnell geändert, den die Covergestaltung ist wirklich Klasse. Eine rauchende Nonne vor einem angedeuteten Kirchenfenster, dessen einzelne Teile strahlenförmig hinter dem Kopf hervortreten. Dazu die Farbgestaltung und die Haptik, fast so als würde man tatsächlich über die Oberfläche eines Bleiglasfensters streichen. Da hat sich echt jemand Gedanken gemacht.

Aber zurück zu Schwester Holiday, eben jener rauchenden Nonne. Das die Schwester eine sehr spezielle Figur, mit einer sehr speziellen Hintergrundgeschichte ist, merkt der Leser schnell, das macht natürlich unglaubliche Lust auf den Kriminalfall. Dieser wird teilweise in recht langen Kapiteln aus Sicht von Schwester Holiday erzählt, die recht schnell mit den Ermittlungen der Beamten unzufrieden ist und meint, sie müsste die Wahrheit allein herausfinden.

Der Einstieg ins Buch war erstmal gar nicht so schlecht, war ich doch, wie schon gesagt, von der Grundidee fasziniert und wollte natürlich unbedingt sehen, wie die Autorin das Ganze umgesetzt hat. Leider hat mein Enthusiasmus nicht lange angehalten. Recht schnell verliert sich die Story, dreht sich quasi im Kreis, genauso wie die laufenden Ermittlungen zum Brand und zum Tod des Hausmeisters, ebenso wie auch die Gedankengänge von Schwester Holiday. Gefühlt liest man auf jeder zweiten Seite das Gleiche Hin und Her, da ist das ständige Hadern mit den Beamten, die ständigen Anfeindungen einer anderen Nonne aus dem Orden, der Unmut bei der Zusammenarbeit mit den Lehrerkollegen, die immer gleichen Verdächtigungen und bruchstückhaft eingestreute Rückblicke in die Vergangenheit Schwester Holidays. Gerade die Rückblicke sollen dem Leser die Figur Schwester Holiday näher bringen, ihr Handeln erklären, ihre Hinwendung zu Gott und der Kirche, leider funktioniert das aber nur bedingt. Schwester Holiday bleibt dem Leser lange fremd, sammelt nur wenig Sympathiepunkte, wirkt oft nicht authentisch und glaubwürdig und erst ziemlich zum Schluss bekommt man wirklich eine Erklärung für ihr manisches Interesse an der Aufklärung des Brandes.

Neben Schwester Holiday schaffen es auch die anderen Figuren nicht den Leser mitzunehmen. Die Handlungen der Brandermittlerin, die in ihrem Auto übernachtet und in ihrer Freizeit Parfum kreiert, sind unprofessionell und oft nicht nachvollziehbar. Die Polizeibeamten sind so stereotyp, sexistisch und klischeehaft dargestellt, dass es fast wehtut beim Lesen und sollen so wohl unterstreichen, mit welchen Anfeindungen queere Personen im Alltag konfrontiert sind. Die Darstellung der Kirchenvertreter soll verdeutlichen, wie verknöchert und patriarchaisch die Strukturen der Institution katholische Kirche, trotz aller Weltoffenheit, immer noch sind. Und da mittendrin eine queere Nonne, die sich ständig unverstanden, angegriffen und bedroht fühlt, die recht dilettantisch, nach dem Prinzip - auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn - durch die Ermittlungen stolpert und meist vollkommen falsche Schlüsse zieht.

Wie schon betont, das Konzept einer queeren Nonne klang total spannend, wen einem dieser Fakt aber immer und immer wieder vorgebetet wird, verliert man recht schnell seine Begeisterung. Zudem macht es einem der Schreibstil nicht unbedingt einfach der Geschichte zu folgen, oft ist der Szenenaufbau irgendwie merkwürdig und konfus, Dialoge scheinen unlogisch und ergeben keinen Sinn, die Figuren handeln nicht nachvollziebar, erscheinen plötzlich, aus dem Nichts, in der Szenerie und Details, die für die Lösung wichtig sind, halten einer näheren Überprüfung nicht stand. Natürlich könnte man einige dieser Diskrepanzen der Übersetzung anlasten, aber ich denke damit täte man der Übersetzerin Unrecht.

Autorin Margot Douaihy unterrichtet kreatives Schreiben und das bringt es wohl dann auch auf dem Punkt. Kreativ, ungewöhnlich, innovativ, mit Ecken und Kanten, entgegen dem Mainstream, das alles ist dieses Buch unbedingt, ein spannender Kriminalfall, der mich als Leser begeistern konnte leider so gar nicht.

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Veröffentlicht am 17.09.2024

Wiedersehen mit Miss Marple

Miss Marple
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Miss Marple ist wohl eine der bekanntesten Hobbydetektivin der Literatur. In 16 Büchern ermittelt die alte Dame auf ihre unvergleichliche Art, ihre Figur und der Stil der Autorin sind noch heute Vorbild ...

Miss Marple ist wohl eine der bekanntesten Hobbydetektivin der Literatur. In 16 Büchern ermittelt die alte Dame auf ihre unvergleichliche Art, ihre Figur und der Stil der Autorin sind noch heute Vorbild für viele Krimiautor*innen. Hier nun huldigen zwölf von ihnen der Queen of Crime, Agatha Christie und interpretieren Miss Marple auf ihre ganz persönliche Art.

Der Leser begleitet die alte Dame so zum Beispiel auf einer Reise nach New York, trifft sie aber auch in ihrem Heimatort St.Mary Mead, immer dabei viele, ebenfalls aus den Originalbüchern bekannte Figuren, wie ihr Neffe Raymond, oder Colonel Bantry. Die verschiedenen Autoren greifen auf Bekanntes zurück und ziehen oft Querverweise zu anderen Fällen. Wer die Krimis um Miss Marple kennt, wird sich hier direkt wohl und wertgeschätzt fühlen. Es wird so eine Verbindung zum Original geschaffen, man hat nicht das Gefühl etwas völlig Neues zu lesen, für mich ist dies ein Zeichen von Respekt.

Natürlich liegt es in der Natur der Sache, dass einem als Leser nicht unbedingt jede Geschichte gleich gut gefällt. Ich habe mich bei allen gut unterhalten gefühlt. Bei Einigen konnte man tatsächlich vergessen, dass sie nicht von Agatha Christie selbst geschrieben wurden. Bei Anderen spürte man es eher. Fans von AC werden gewisse Nuancen erkennen, auch sind die Geschichten im Ton moderner, spielen natürlich einige Zeit später als die Originale und das wird auch thematisiert.

Ich habe mich definitiv gut unterhalten gefühlt. Aufgrund ihrer Kürze sind die Geschichten schnell zwischendurch weggelesen, allerdings fehlt dadurch, das in den Romanen mögliche, mit kriminalisieren. Ich würde das Buch definitiv Fans als Ergänzung empfehlen, aber auch solchen Krimilesern, denen die Originale vielleicht zu angestaubt und konstruiert sind. Diese kommen so der sympathischen alten Dame vielleicht etwas näher und entdecken so wie zeitlos die Krimis von AC letztlich sind.

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Veröffentlicht am 17.09.2024

Zwischen Dort und Hier

Als wir Schwäne waren
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Reza wird im Iran geboren und kommt schon früh mit seinen Eltern nach Deutschland. In einer typischen Hochhaussiedlung im Ruhrgebiet findet die kleine Familie ihr neues Zuhause, ihre neue Heimat, doch ...

Reza wird im Iran geboren und kommt schon früh mit seinen Eltern nach Deutschland. In einer typischen Hochhaussiedlung im Ruhrgebiet findet die kleine Familie ihr neues Zuhause, ihre neue Heimat, doch wie Heimat fühlt es sich nicht an.

Ich hatte bereits viel über Behzad Karim Khanis erstes Buch gehört, es aber noch nicht gelesen. Als ich dann im Rahmen einer Leserunde die Möglichkeit bekam, seinen neuen Roman zu lesen, war ich begeistert. Kahni schreibt unglaublich, seine erzählerische Kraft ist in jedem Wort, in jedem Satz zu spüren. Sein Stil ist mitreißend, sehr direkt, klar, schonungslos, auf den Punkt und zeugt von einer guten Beobachtungsgabe. Eine Beobachtungsgabe, wie sie auch seine Hauptfigur Reza zu haben schein.

Der Roman erzählt von Kindheit und Jugend im sozialen Brennpunkt. Eine heruntergekommene Siedlung am Stadrand, die meisten Deutsche, die früher hier lebten sind längst weggezogen, haben sich "weiterentwickelt" zu ihrem kleinbürgerlichen Leben mit Reihenhaus und eigenem Auto. Zurückgeblieben sind Familien wie die von Reza, eine aus verschiedenen Nationalitäten und Religionen zusammengewürfelte Gemeinschaft, in denen man meist für sich bleibt. Selbst die Kinder bilden nur Zweckgemeinschaften, um irgendwie dem Alltag zu entfliehen, der nicht selten bestimmt ist von Armut und Gewalt.

Gewalt zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Man beobachtet sie in den Familien, in der Schule, unter den Kindern und es ist erschreckend, wie schnell sie als Lösung für Alles etabliert wird. Woher diese Gewaltbereitschaft gerade bei Reza kommt bleibt leider unklar, vorgelebt wird ihm eigentlich etwas ganz anderes von seinen Eltern. Speziell vom ruhigen, eher resignierten Vater. Der Leser kann nur vermuten, warum Reza sich entwickelt wie er es eben letztlich tut, warum Gewalt und Kriminalität seine Antwort sind. Leider lässt der Autor hier vieles im Dunkeln, dadurch bleibt Reza für den Leser immer auf Distanz, man versteht sein Handeln oft nicht. Die wenigen Erklärungen, die gegeben werden scheinen oft nicht unbedingt stimmig, laufen meist darauf hinaus, dass immer die Anderen Schuld sind, dass das System einen im Stich lässt, dass die Vorurteile zu groß sind, dass einem keine andere Wahl gelassen wird. Da sind die Berufsabschlüsse der Eltern aus dem Iran, die in Deutschland nicht anerkannt werden und dem Vater nur eine Arbeit als Taxifahrer lassen, oder die deutsche Nachbarin, die aus dem Fenster auf die Kinder einbrüllt, damit die direkt lernen, dass hier in Deutschland Zucht und Ordnung herrschen. Das beginnt mit unterschiedlichen Ansichten zum Thema Respekt und endet mit Unverständnis zu den verschiedensten Eßgewohnheiten.

Der Autor hat es auf unvergleichliche Weise geschafft, einen Lebensweg zu zeigen, wie er stellvertretend für viele Geflüchtete steht. Während der Lektüre bin ich zwischen den verschiedensten Emotionen hin und her geschwankt. Ich war traurig, erschrocken, geschockt, war man am Anfang des Buches noch voller Verständnis und Mitgefühl für den kleinen entwurzelten Jungen, wurde man später nur noch wütend. Eine Wut, die mir unangenehm ist, die sich aber leider in jener Wut widerspiegelt, die derzeit in großen Teilen der Bevölkerung zu spüren ist. Zu diesem Punkt wurde dann auch innerhalb der Leserunde sehr intensiv diskutiert und es wurde einmal mehr klar, dass es einen unglaublichen Redebedarf auf beiden Seiten gibt. Khani hat eine Geschichte niedergeschrieben, die die Leser unglaublich polarisiert.

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Veröffentlicht am 15.09.2024

Morbide Faszination

Über Leben und Tod
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"Ich wüsste, wie der perfekte Mord geht, werde mich aber hüten, es jemandem zu verraten". Diese Worte von Gerichtsmediziner Christian Reiter kann man wahrscheinlich durchaus als Tatsache ansehen, den wenn ...

"Ich wüsste, wie der perfekte Mord geht, werde mich aber hüten, es jemandem zu verraten". Diese Worte von Gerichtsmediziner Christian Reiter kann man wahrscheinlich durchaus als Tatsache ansehen, den wenn jemand etwas darüber weiß, wie Menschen gewaltsam zu Tode kommen können, dann der Professor.

Der Leser erfährt, das Reiter schon in seiner Kindheit vom Tod und dessen Ursache fasziniert ist, sein erstes Forschungsprojekt, der verstorbene Hamster. Eine Karriere als Mediziner scheint vorgezeichnet, aber bald wird klar, mit dem Lebenden hat es Reiter nicht so und so widmet er seine Arbeit den Vertorbenen und versucht hinter das Geheimnis ihres Todes zu kommen, nicht zuletzt, um Mörder zu überführen und den Hinterbliebenen Trost zu spenden.

Neben seiner eigentlichen Arbeit ist Reiter aber auch passionierter Sammler morbider Schätze, besitzt Totenschädel, Knochen, Skelette, aber auch historische Zeichnungen und Bücher. Dem Journalisten Florian Klenk gibt er Einblick in seine private Sammlung, aber auch in die des Gerichtsmedizinischen Museums der Universität Wien. Klenk entwickelt die Idee zu einem Podcast und dieser wird ein großer Erfolg.

Im Buch nun veröffentlicht Klenk einige Anekdoten und Fälle aus Reiters täglicher Arbeit, aber auch viel persönliches über den Mediziner. Der Leser erfährt, was die abgeschnittenen Haare Beethovens über seine Krankengeschichte erzählen, wie ein afrikanischer Fürst nach seinem bewegten Leben als Präparat im Museum landet, oder die genauen Umstände, die zum Tod eines Mannes während eines Abschiebefluges führten.

Die einzelnen Kapitel sind spannend geschrieben, die Geschichten werden erzählt ohne reißerisch zu sein, Kurioses wird nicht ins Lächerliche gezogen, der Ton ist immer angemessen. Der Leser erfährt einige interessante historische Details, etwa wie es zum Ausbruch der Pest in Wien kommen konnte, oder wie die Legende des Vampyrismus entstanden ist.

Gerichtsmedizin ist den meisten wohl am ehesten aus den verschiedensten Krimiserien bekannt, wenn durch eine Haarprobe der Mörder überführt wird, hier gibt es nochmal ganz andere interessante Einblicke, allerdings ist das Buch sicher nicht für jeden geeignet.

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