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Veröffentlicht am 11.06.2025

Staffelfinale

Fluchtpunkt Kerberos - Wettlauf gegen die Zeit
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Während die verbliebene Crew der Gutabara auf der Alireza ein neues Zuhause gefunden hat und sich langsam, aber sicher mit deren KI-Mensch-Symbiose von Sylvie und Rez arrangiert, ist die Morrigan unterwegs, ...

Während die verbliebene Crew der Gutabara auf der Alireza ein neues Zuhause gefunden hat und sich langsam, aber sicher mit deren KI-Mensch-Symbiose von Sylvie und Rez arrangiert, ist die Morrigan unterwegs, um der Schwester KI der Alireza, zu Hilfe zu kommen. Deren menschlicher Teil, Thea, hat es bereits geschafft ihren Bruder auf Skryvat einzuschleusen und ist nun gemeinsam mit ihm unterwegs, um sich mit ihrem Schiff zu vereinen. Die Zeit drängt. Nicht nur, dass weitere Kampfschiffe der KMS auf Abfangkurs sind, um die Abtrünnigen zu stoppen, auch die Besatzung der ehemaligen Forschungsstation will sich nicht kampflos ihrem Schicksal ergeben.

Im dritten Sammelband der Vorteks Reihe konzentriert sich die Handlung rund um die geheime Forschungsstation Skryvat. Das Buch beinhaltet die Einzelbände 9 und 10 mit den Titeln "Skryvat" und "Kein Weg zurück" und schließt damit direkt an die Ereignisse aus den Vorgängerbänden an. Wer diese noch nicht gelesen hat, sollte dies unbedingt vorher tun. Während der Leser im zweiten Sammelband einiges über die Vergangenheit von Sylvie erfahren hat, steht hier nun Thea im Fokus. Während Sylvie zusammen mit ihrer KI bereits zu Testzwecken in ein Schiff integriert wurde, ist Thea in den Labors der stillgelegten Forschungsstation zurückgeblieben, zusammen mit einigen anderen, sehr gefährlichen Forschungsobjekten.

Auch in den letzten beiden Büchern geht es spannend weiter. Die verschiedenen Handlungsstränge laufen hier zusammen und es kommt zum finalen Showdown, bei dem der Autor nochmal einiges aufbietet. Es gibt epische Raumschlachten, verzweifelte Kämpfe innerhalb der Raumstation und dabei Einblicke in die unmenschliche Forschungsarbeit, die hier betrieben wurde. Gerade in den Kampfszenen wird es sehr rasant und durchaus auch etwas heftig. Auch diesesmal schafft es der Autor wieder gekonnt kleine Easter Eggs für SiFi Fans einzubauen, durch die man Rückschlüsse auf seine Inspirationsquellen ziehen kann. Ich sage nur Corporal Hicks, aber dem aufmerksamen Leser werden sicher noch andere Kleinigkeiten auffallen.

Mir hat der vorläufige Abschluss der Vorteks Reihe sehr gefallen, als Leser bekommt man Antworten auf Fragen, die einem schon seit den ersten Büchern im Kopf umherschwirren. Geschickt lässt der Autor aber noch ein paar lose Fäden überstehen, die auf weitere Abenteuer der liebgewonnenen Figuren hoffen lassen. Allerdings habe ich, bei all dem Lob einen klitzekleinen Kritikpunkt, der meinem inneren Monk keine Ruhe lassen will. Es gibt da einen kleinen Logikfehler, oder aber einfach nur einen Druckfehler (von denen es in diesem Buch leider ein paar gab) mit einem getöteten Marine, der nur wenige Seiten später plötzlich eine tragende Rolle bekommt. Hut ab an dieser Stelle vor der Arbeit die hinter einem solchen Projekt steckt und die man ganz ohne die Rückendeckung eines großen Verlags erledigen muss.

Eine Fortsetzung ist für Anfang 2026 angekündigt, ich bin auf jeden Fall dabei und zum Glück gibt es noch andere Bücher von Michael Hirtzy, mit denen ich die Wartezeit überbrücken kann.

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Veröffentlicht am 08.06.2025

Nicht ganz einfach

Sturm
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Amerika im Winter 1940, in Kalifornien hoffen die Farmer verzweifelt auf Regen und damit auf ein Ende der andauernden Dürre. Leider deutet nichts darauf hin, das sich das Wetter bald ändern wird, täglich ...

Amerika im Winter 1940, in Kalifornien hoffen die Farmer verzweifelt auf Regen und damit auf ein Ende der andauernden Dürre. Leider deutet nichts darauf hin, das sich das Wetter bald ändern wird, täglich beobachten die Meteorologen im Wetteramt die Entwicklungen, tragen Daten zusammen, die ihnen von Schiffen und anderen Standorten gemeldet werden und erstellen damit Karten für ihre Vorhersagen. Ein Jung Meteorologe ist bereits etwas gelangweilt von seiner ereignislosen Tätigkeit und ärgert sich, nicht den Job am Flughafen angenommen zu haben, dort müsste er nicht die Anrufe besorgter Hausfrauen entgegennehmen, die wissen möchten, ob sie ihre Wäsche gefahrlos nach draußen hängen können. Nein, heute definitiv kein Regen, lautet seine eintönige Antwort. Um seine Tätigkeit etwas interessanter zu gestalten hat sich der JM angewöhnt den heranwachsenden Stürmen auf seiner Wetterkarte namen zu geben, Frauennamen, die auf ia enden. Einige davon verpuffen schon recht kurz nach ihrer Geburt über dem Meer, andere sind hartnäckig, nehmen auf ihrer Reise über das Wasser ständig an Fahrt auf und haben die Bezeichnung Sturm auch tatsächlich verdient, so wie Maria.

Maria, der Sturm, ist die ungewöhnliche und absolut einzigartige Protagonistin dieses ebenso ungewöhnlichen und einzigartigen Romans. Erst ein kleines Lüftchen irgendwo im Pazifik, nur erkennbar durch die Werte am Barometer, später ein imposanter Sturm, der Schiffe in Seenot bringt. Und neben Maria die menschlichen Protagonisten der Geschichte, die Menschen, die beruflich mit Maria zu tun bekommen, wie die Meteorologen, der Chef der Elektrizitätswerke, der Verantwortliche für die Staudämme, der Chef der Telefongesellschaft, die Mitarbeiter der Straßenmeisterei, die Fahrer von Schneefräsen und die, auf andere Weise von Maria und ihren Folgen betroffen sind.

Die Herangehensweise des Autors an dieses Buch ist wirklich sehr speziell. Unglaublich detailliert schildert er physikalische Gesetzmäßigkeiten, die Vorgänge die sie in Gang setzen und die daraus resultierenden Folgen. Der Leser begleitet so nicht nur sehr bildhaft und minutiös die Entstehung von Maria, sondern zb auch die unglückliche und letztlich tödliche Zwischenlandung einer Eule auf einer Telefonleitung, der daraus resultierenden, eigentlich unbedeutenden Beschädigung dieser Leitung bis hin zu ihrem finalen Ausfall durch weitere sturmbedingte Zufälle. Es ist wirklich unfassbar, welche Mühe hinter all dem steckt, wie der Autor so eins zum anderen bringt, vom hundertsten zum tausendsten kommt, den sogenannten Schmetterlingseffekt beschreibt. Da ist dann ein Unfall, eben nicht nur ein Unfall, sondern eine Verkettung vieler kleiner Zufälle, wie einem morschen Baum an dem ein Eichhörnchen nagt und der vom Regen unterspült wird und deshalb ein Stück verrutscht und, ach, lesen sie es doch einfach selbst.

All diese Beschreibungen sind zwar sehr kleinteilig, aber unglaublich interessant. Weniger interessant, sondern für mich eher langatmig waren hingegen die wissenschaftlichen Beschreibungen. Seitenweise darüber zu lesen, wie Luftmassen sich an Berghängen verhalten, oder welche Wetterlage bei welchem Barometerstand zu erwarten ist, ist wahrscheinlich für Leser interessant, die einen Bezug zu dieser Thematik haben, ich mochte es nur bedingt. Zum Glück waren die Kapitel von recht unterschiedlicher Länge, manchmal sogar überraschend kurz und eben immer wieder unterbrochen von den persönlichen Geschichten zu den anderen Figuren, oder auch durch Schlagzeilen aus der Tagespresse, oder Radiomeldungen. Egal aber um welche Thematik es sich handelt, George R. Stewart schreibt so wunderbar opulent, bildhaft, atmosphärisch, philosophisch und poetisch, wie ich es bisher nur selten gelesen habe. Wortwörtlich kann man hier sagen, sogar der Wetterbericht klingt bei ihm wie ein Poem. Warum, wird sich mancher jetzt allerdings fragen, habe ich das Buch dann nur mit drei Sternen bewertet? Einfach, weil ich es, trotz dieser Sprachgewalt, stellenweise als unglaublich schwer, langatmig, ermüdend und anstrengend empfunden habe. Ich glaube ich habe noch nie ein Buch gelesen, an dem ich so lange festgehangen habe. Obwohl die Kapitel oft so kurz waren, habe ich es nie geschafft längere Abschnitte zu lesen, meist war mir das Ganze schon nach zwanzig, dreißig Minuten zu viel und ich habe das Buch zur Seite gelegt und pausiert, mehr als einmal war ich tatsächlich kurz davor abzubrechen, weil ich dachte ich würde es nie schaffen das Buch zu beenden. Es war ein Kampf, anders kann ich es nicht beschreiben. Das Buch hat mich in seiner Gesamtheit an meine Grenzen gebracht, es ist auf der einen Seite ein literarischen Kunstwerk, ein gelungenes Experiment, ein Novum, aber auf der anderen Seite einfach Arbeit, richtig harte Arbeit für mich als Leser und trotzdem bin ich froh, dass ich es gelesen habe und das ist letztlich auch der Grund für nicht weniger als solide drei Sterne.

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Veröffentlicht am 08.06.2025

Reihenauftakt

Das Teufelshorn
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Isabel Flores hat aus privaten Gründen ihre Karriere bei der Polizei aufgegeben und sich in ihrer mallorquinischen Heimat eine kleine Firma für Ferienhausvermietung aufgebaut. Als am Strand ein kleines ...

Isabel Flores hat aus privaten Gründen ihre Karriere bei der Polizei aufgegeben und sich in ihrer mallorquinischen Heimat eine kleine Firma für Ferienhausvermietung aufgebaut. Als am Strand ein kleines Mädchen verschwindet wird sie gebeten den Beamten behilflich zu sein, schließlich ist ihr Ruf als Ermittlerin legendär. Recht schnell fallen Isabel einige Ungereimtheiten auf, aber sie kann sich nicht uneingeschränkt auf den Fall konzentrieren, den ganz in der Nähe wird ein älterer Herr in seinem Haus ermordet.

Der erste Fall für Isabel Flores könnte direkt als die perfekte Urlaubslektüre für Krimifans durchgehen, schließlich spielt er malerisch im ländlichen Mallorca. Das titelgebende Teufelshorn ist ein Höhlensystem am Strand, das im Buch für Besucher gesperrt ist, aber anscheinend gern für kriminelle Tätigkeiten genutz wird. Mit dem, was man touristisch von der Insel so aus den Medien kennt, haben die idyllischen Beschreibungen wenig zu tun und die Touristenströme kommen bei Isabel nicht unbedingt gut weg. Die Autorin selbst auf der Insel lebt, beschreibt in einigen augenzwinkernden Nebensätzen Segen und Fluch der Sommerurlauber.

Mit ihrer Hauptfigur und deren Hintergründen folgt die Autorin einem Trend, der gerade recht populär zu sein scheint. Ein ehemaliger Ermittler, entweder pensioniert, beurlaubt, oder aus anderen Gründen aus dem Dienst ausgeschieden, wird unfreiwillig in Kriminalfälle verwickelt, oder zu den Ermittlungen hinzugezogen, meist zum Unmut eines weiteren Beteiligten. So auch hier. Das Konzept geht auf, Isabel ist eine sympathische Hauptfigur, deren persönliche Geschichte Potential für weitere Bücher gibt. Die Balance aus Privatem und der Ermittlungsarbeit ist gut gelungen, es gibt gleich mehrere Nebenfiguren, die die Geschichte auflockern, so zb Isabels Mutter, oder ihr tanzwütiger Assistent und nicht zu vergessen Isabels Frettchen, das sich eigentlich mehr wie ein Hund benimmt.

Die Fälle, in denen Isabel hier ermittelt sind gut inszeniert, aber gerade beim Fall des verschwundenen Mädchens war mir das Ende etwas sehr naiv dargestellt. Als Leser ahnt man dunkel, was dahinter steckt, die finale Auflösung überrascht dann aber trotzdem. Natürlich würde in den Einzelheiten nicht immer alles den Realitätscheck bestehen und auch die Art und Weise, wie Isabel ihre Schlüsse zieht ist manchmal etwas sehr intuitiv und wird mit Bachgefühl erklärt. Trotzdem hat der Krimi mich mit kleinen Abstrichen gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 08.06.2025

Leckere Anregungen

Fast & Tasty
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Ich bin immer auf der Suche nach tollen Rezepten, die für eine Familie funktionieren, schnell und ohne viel Aufwand nachzukochen sind und mit Zutaten auskommen, die ich ohne Probleme in jedem Supermarkt ...

Ich bin immer auf der Suche nach tollen Rezepten, die für eine Familie funktionieren, schnell und ohne viel Aufwand nachzukochen sind und mit Zutaten auskommen, die ich ohne Probleme in jedem Supermarkt bekomme. Autor Achim Oecal hat, wie es derzeit ja oft ist, seine Karriere auf Social Media gestartet und sich mittlerweile auf diversen Kanälen eine große Fanbase geschaffen. Nun hat er einige seiner Kreationen in diesem Kochbuch zu Papier gebracht und so schön es ist im Netz nach Rezepten zu stöbern, so schön ist es auch ein Buch in der Küche stehen zu haben, in das man immer wieder hineinsehen kann und direkt weiß, wo man sein Lieblingsrezept findet.

Das Buch ist optisch sehr schön gestaltet und hat eine gute Größe, das Cover ist relativ modern, passt aber total zum Autor. Im Inneren findet der Leser Abschnitte zu Snacks und Fingerfood, Salaten, Veggie Gerichten, Fleisch, Pasta und natürlich auch etwas Süßem. Abgerundet wird das Ganze mit einer kurzen Einführung in Achims Küchenphilosophie und einem Rezeptregister am Ende. Zudem gibt es über die Verlagsseite die Möglichkeit weitere Informationen wie Nährwerte nachzuschauen, oder sich praktische Einkaufslisten herunterzuladen, allerdings muss man sich dafür erst registrieren.

Die Rezepte sind immer mit Zutaten und Zubereitung auf einer Seite dargestellt, während auf der anderen Seite eine toll fotografierte Abbildung des Ergebnisses zu sehen ist. Zu jedem Rezept gibt es Tipps zur Abwandlung, oder zum Aufpimpen, die Zutatenlisten sind meist überraschend kurz und das gleiche gilt auch für die Zubereitungszeit, ausgelegt sind die Rezepte in der Regel für ein bis zwei Personen, es gibt aber auch Gerichte, die für eine Familie reichen.

Bei der Auswahl der Rezepte ist wirklich für jeden was dabei, ich habe mir direkt beim ersten Anschauen überall Post Its eingeklebt und mittlerweile fast alles davon ausprobiert. Das Zitronenhähnchen ist einfach und lecker und ein perfektes Familienessen, die Blätterteigvariationen eignen sich super als Partymitbringsel, aber auch für einen Spieleabend zu Hause, für mich als Nudelfan sind die verschiedenen Inspirationen ein Traum und auch bei den Salaten konnte ich schon einiges für mich entdecken.

Achim hat hier natürlich das Rad nicht neu erfunden, wer, wie ich, schon länger in der Küche steht, wird Manches schon kennen, bekommt aber eben auch noch ein bisschen frischen Wind in die eigenen Rezepte. Wer noch Neuling in Sachen Kochen ist, kann sich hier natürlich toll austoben und hat eine super Anleitung an der Hand. Ich empfehle das Buch gern als Geschenk. Es ist für alte Küchenhasen, die etwas Pep suchen genauso geeignet, wie für Kochnewbies, die gerade erst Mamas Esstisch verlassen.

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Veröffentlicht am 29.05.2025

Neue Heimat

Lyneham
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Die Erde ist unbewohnbar, alle Bemühungen die Folgen des Klimawandels umzukehren sind gescheitert, ein Leben auf dem blauen Planeten nicht länger möglich. Rettung für die verbliebenen Menschen verspricht ...

Die Erde ist unbewohnbar, alle Bemühungen die Folgen des Klimawandels umzukehren sind gescheitert, ein Leben auf dem blauen Planeten nicht länger möglich. Rettung für die verbliebenen Menschen verspricht die Reise in ein fernes Sonnensystem, hier wurde auf dem unwirtlichen Mond Perm damit begonnen die Athmosphäre umzuwandeln und sie an die Bedürfnisse der Menschen anzupassen, die mit mehreren Raumschiffen bereits auf dem Weg in ihre neue Heimat sind.

Der Leser betritt das Geschehen kurz vor der Landung des ersten Raumschiffs auf Perm und lernt inmitten des Chaos der missglückten Landung den zwölfjährigen Henry, seinen Bruder Chester, die kleine Schwester Loy und ihren Vater kennen. Die ersten Seiten sind direkt sehr spannend, muss die kleine Familie sich doch in großer Eile auf den gefährlichen Weg zur Kolonie machen, etwas, das so wohl nicht geplant war. Im weiteren Verlauf der Geschichte fungiert Henry als Erzähler. Aus seiner kindlich naiven Sicht erlebt man die Landung, den anschließenden Wettlauf gegen die Zeit und das spätere Leben innerhalb der Biome. Natürlich liegt der Fokus hier auf Dingen, die Kinder so machen und so begleitet man sie dabei, wie sie ihr neues/altes Haus erkunden, den Spielplatz für sich entdecken, zur Schule gehen und auch das Ein, oder Andere nicht erlaubte tun. Auf einer zweiten Handlungsebene lernt man Henrys Mutter kennen, die als Wissenschaftlerin schon Jahre vorher auf Perm angekommen ist und hier an den Vorbereitungen für die Neubesiedlung beteiligt war, einem Prozess, der sich ganz anders entwickelt als geplant.

Ich bin mit ziemlich großen Erwartungen an das Buch herangegangen, das beschriebene Szenario hat mich direkt angesprochen, es hatte etwas geheimnisvolles und versprach in der Verbindung mit den dystopischen, wissenschaftlichen und Science-Fiction Elementen viel Spannung, die direkt zu Beginn ja auch durchaus gegeben war. Leider war ich aber auch schon direkt zu Beginn etwas verunsichert, weil es einfach so wenig Informationen zu den Geschehnissen rund um die Landung und die anschließende Fluch gab. Man war zwar zu diesem Zeitpunkt erstmal beschäftigt und hat sich natürlich einiges zusammengereimt, aber das war wenig befriedigend, auch, weil es im weiteren Verlauf der Geschichte keinerlei wirkliche Aufklärung gab und einfach zum Tagesgeschehen übergegangen wurde. Auch Henry, als Erzähler war natürlich gewöhnungsbedürftig. Die Geschichte mit den Augen eines Zwölfjährigen zu betrachten, der zwar sehr frühreif und verständig, aber in vielen Situationen eben auch total ängstlich und gehemmt ist, ist schon gewöhnungsbedürftig. Auf die Kapitel, in denen seine Mutter diesen Part übernimmt war ich dann natürlicherweise sehr gespannt, auch weil ich mir hier viel Hintergrund zur Geschichte erhofft habe. Leider wurde ich aber auch hier etwas enttäuscht, man erfährt zwar einiges zu den Ereignissen der sogenannten Impulsmission zur Vorbereitung der Umsiedlung, muss sich aber auch hier vieles zusammenreimen.

Die Figuren bleiben leider eher schwach, Henrys Vater ist über weite Strecken fast nicht existent, die Kinder sich mehr, oder weniger selbst überlassen. Henrys Mutter tritt da wesentlich mehr in Erscheinung, eben auch durch die Rückblenden. Ihr Verhalten, ihr Bruch mit dem Leiter der Mission und ihre späteren, eigenen Forschungen und zweifelhaften Experimente werden hier gut dargelegt und bieten viel Spielraum für moralische und ethische Gedankenspiele. Auch die Tatsache, dass sie offensichtlich Probleme mit ihrer Mutterrolle hat, lässt einen als Leser nicht los. Während Henry eindeutig ein Sympathieträger in der Geschichte ist, ist seine Mutter eher das Gegenteil und obwohl sie aus den richtigen Beweggründen heraus handelt, kann man sie nicht leiden. Ein weiterer Unsympath ist Noah Rayser (welch ein bedeutungsvoller Name für diese Figur), der Mr. Wyland der Geschichte, der den Leser durch seine Handlungen nicht loslässt, aber eben trotzdem nicht wirklich greifbar als Person wird.

Neben den Figuren spielt natürlich der Mond Perm, diese fremde neue Heimat der Menschen eine entscheidende Rolle. Der Autor beschreibt diese Welt so phantastisch, so überbordend, so vielfältig und eben fremd. Er schafft eine Flora und Fauna, die so unbegreifbar für mich als Leser war, dass ich Schwierigkeiten hatte sie mir vorzustellen. Ich bin eigentlich ein sehr visueller Leser und habe schnell Bilder und Assoziationen im Kopf, hier ist mir das aber nicht wirklich gelungen und das nicht nur, weil der Autor die Lebewesen auf Perm mit einem Tarnmodus ausgestattet hat. Es grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden dem Leser möglichst viel Interpretationsspielraum zu lassen, aber hier war mir das dann leider eben zu viel.

Trotz all dieser Kritik hat es der Autor geschafft mich bis zur letzten Seite bei der Geschichte zu halten, eben auch, weil ich natürlich wissen wollte was passiert, wie sich die Bewohner der Biome im Bezug auf die Neuankömmlinge entscheiden, was aus Henrys Mutter und ihrer Forschung wird und nicht zuletzt, welche Rolle Noah Rayser spielt. Der grundlegende Schreibstil des Autors hat es mir leicht gemacht weiter zu lesen und das Buch nicht aus der Hand zu legen. Vielleicht habe ich aber auch nur bis zuletzt noch auf eine Wendung gehofft, die mich der Geschichte näher bringt. Ich weiß es nicht, den letztlich konnte mich auch das Ende nicht richtig überzeugen.

Lyneham ist ein Buch, an das ich mit großen, aber offensichtlich falschen Erwartungen herangegangen bin. Ich bin mir bewusst, das viele Leser das komplett anders sehen, aber das ist okay, es war wahrscheinlich einfach nicht das richtige Buch für mich.

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