1 bzw. 0 ⭐
Wie die Luft zum AtmenNach ca. 50% habe ich dieses Buch endgültig abgebrochen – und zwar nicht etwa, weil es mir gleichgültig war, sondern weil es mich regelrecht abgestoßen hat. Ich bin mit der festen Absicht an das Buch herangegangen, ...
Nach ca. 50% habe ich dieses Buch endgültig abgebrochen – und zwar nicht etwa, weil es mir gleichgültig war, sondern weil es mich regelrecht abgestoßen hat. Ich bin mit der festen Absicht an das Buch herangegangen, ihm trotz meiner Skepsis eine faire Chance zu geben. Doch mit jedem Kapitel wurde mir bewusster: Diese Geschichte verkörpert genau das, was ich an vielen New-Adult-Romanen kritisiere – toxische Beziehungen, künstliches Drama und ein Schreibstil, der mir stellenweise unangenehm war.
Die Protagonistin erschien mir widersprüchlich und unreflektiert. Ihre Reaktionen wirkten oft unnatürlich und wenig nachvollziehbar. Der männliche Hauptcharakter hingegen wurde von Anfang an durch aggressive, verletzende Verhaltensweisen gezeichnet, die durch seine Vergangenheit entschuldigt werden sollten – ein Muster, das ich persönlich sehr kritisch sehe. Statt einer behutsamen Aufarbeitung von Verlust und Trauer wirkte die entstehende Beziehung zwischen den beiden vielmehr wie ein destruktives Abhängigkeitsverhältnis.
Auch die Nebencharakteren trugen nicht dazu bei, dem Buch mehr Tiefe zu verleihen. Insbesondere die Darstellung der besten Freundin wirkte überzeichnet und klischeehaft. Insgesamt wurde häufig auf stereotype Rollenmuster zurückgegriffen, die problematische Botschaften vermittelten und moderne Entwicklungen in der Figurenzeichnung ignorierten.
Die Beziehung zwischen den Hauptcharakteren war für mich nicht romantisch oder berührend, sondern geprägt von Manipulation, Schmerz und einem Ungleichgewicht, das nicht hinterfragt, sondern vielmehr als leidenschaftlich glorifiziert wurde. Besonders verstörend fand ich gewisse Gedankengänge der Protagonistin, die meine letzte Geduld auf die Probe stellten.
Schließlich musste ich mir eingestehen, dass es keinen Sinn mehr hatte, weiterzulesen. Ich empfand keine Neugier auf den weiteren Verlauf und sah keinen Mehrwert darin, mich weiter durch eine Geschichte zu kämpfen, die mich inhaltlich wie stilistisch enttäuscht hat.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dieses Buch für mich ein Negativbeispiel dafür ist, was im New-Adult-Genre schieflaufen kann: mangelnde Sensibilität im Umgang mit schwierigen Themen, eine toxische Grunddynamik in der zentralen Beziehung und ein überzeichneter, wenig glaubwürdiger Handlungsaufbau. Auch wenn viele Leserinnen und Leser diesem Roman etwas abgewinnen konnten, entspricht er in keiner Weise meinen literarischen Ansprüchen oder meinem persönlichen Empfinden von guter Erzählkunst. Ich vergebe somit nur 1 bzw. o ⭐.
Danke an NetGalley für das Rezensionsexemplar!