Das Buch hatte definitiv Potenzial, konnte aber nicht vollends überzeugen. Die Grundidee einer „Die Schöne und das Biest“-Adaption war spannend, doch die Umsetzung ließ mich oft ratlos zurück.
Die Handlung beginnt mit Wren, die von dem Nordwind Boreas aus ihrer ärmlichen Heimat entführt wird. Statt eines Opfers erwartet sie jedoch eine Ehe mit ihm – ein Arrangement, das durch ihren „königlichen“ Blutstatus begründet wird, welcher angeblich notwendig ist, um eine magische Barriere zu erneuern. Diese Erklärung bleibt jedoch vage und lässt viele Fragen offen. Warum genau braucht er Wren? Was hat es mit den anderen Frauen auf sich, die er zuvor „genommen“ hat? Diese Aspekte hätten tiefer ausgearbeitet werden können, um die Welt und die Handlung besser zu verankern.
Wren selbst ist eine komplexe, aber schwer greifbare Figur. Anfangs wirkt sie stark und entschlossen, doch im Laufe der Geschichte handelt sie oft widersprüchlich. Ihre Entwicklung, von einer jungen Frau, die sich aus ärmlichen Verhältnissen hochkämpfen musste, hin zu einer herrischen Person, die plötzlich Diener herumkommandiert, hat für mich nicht zusammengepasst. Ihre angebliche Härte wurde durch eine merkwürdige Besessenheit mit Kuchen konterkariert, was eher albern als sympathisch wirkte.
Die Beziehung zwischen Wren und Boreas fühlte sich von Anfang an unausgegoren an. Während Wren einen Großteil der Geschichte darauf beharrt, ihn zu hassen und sogar zu töten, entwickelt sich plötzlich eine Romanze zwischen ihnen. Diese Wendung kam ohne den nötigen Aufbau, sodass die Gefühle der beiden unglaubwürdig wirkten. Die romantischen Szenen, die wohl für Leidenschaft sorgen sollten, wirkten auf mich oft gezwungen und unpassend – besonders eine Szene in der Badewanne, die komplett überflüssig und absurd war.
Trotzdem gab es einige gelungene Momente. Die Welt, in der die Geschichte spielt, hatte interessante Ansätze, und es gab spannende Szenen, die mich für kurze Zeit fesseln konnten. Auch Boreas als Charakter hatte Potenzial, vor allem seine verletzliche Seite hätte stärker hervorgehoben werden können. Leider wurde das durch die schwache Dynamik zwischen ihm und Wren überschattet.
Insgesamt ist das Buch kein Totalausfall, aber auch kein Highlight. Es hat interessante Ansätze, scheitert jedoch daran, diese konsequent umzusetzen. Leserinnen und Leser, die romantische Fantasy mögen und nicht allzu viel Tiefe erwarten, könnten an der Geschichte mehr Gefallen finden als ich. Für mich war es eine nette, aber letztlich unbefriedigende Lektüre. Somit gebe ich das Buch 3 ⭐.
Danke an NetGalley für das Rezensionsexemplar!